FAZ 19.01.2026
18:48 Uhr

Liveblog USA unter Trump: Dänemark schlägt NATO-Mission auf Grönland vor


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Liveblog USA unter Trump: Dänemark schlägt NATO-Mission auf Grönland vor

Kanada zieht Insidern zufolge die Entsendung eines kleinen Truppenkontingents für NATO-Übungen nach Grönland in Betracht. Das Militär habe der Regierung entsprechende Pläne vorgelegt und warte nun auf eine Entscheidung von Premierminister Mark Carney, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Carney muss zwischen der Solidarität mit europäischen Verbündeten und dem Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump abwägen. Dieser hat in der Vergangenheit nicht nur mit einer Übernahme Grönlands, sondern auch mit einer ​Annexion Kanadas gedroht.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnt die USA im Streit um Grönland vor der Verhängung von Strafzöllen. „Souveränität ist kein Handelsgut“, schreibt sie auf der Social-Media-Plattform X. „Wir haben kein Interesse daran, einen Streit anzufangen, aber wir werden unsere Position behaupten.“ Europa verfüge über eine Reihe von Instrumenten, um seine Interessen zu schützen. Die Sicherheit in der Arktis sei ein gemeinsames transatlantisches Interesse, das man mit den US-Verbündeten besprechen könne. „Aber ​Zolldrohungen sind nicht der richtige Weg, dies anzugehen“, fügt Kallas hinzu. Ihre Äußerungen folgten auf ein Treffen mit dem dänischen Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen und der grönländischen Außenministerin Vivian Motzfeldt in Brüssel.

Der amerikanische Finanzminister Scott Bessent warnt die europäischen Regierungen vor Vergeltungsmaßnahmen im Streit um Grönland. „Ich halte das für sehr unklug“, sagt Bessent am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos auf die Frage nach handelspolitischen Gegenmaßnahmen. US-Präsident Donald Trump strebe die Kontrolle über die zu Dänemark gehörende autonome Arktis-Insel an, weil er sie als „strategischen Posten“ betrachte. Die USA würden ihre „hemisphärische Sicherheit an niemand anderen auslagern“.Europa solle nicht an den Absichten Trumps zweifeln. „Ich habe mit Präsident Trump gesprochen, und es gibt offenbar viele Reaktionen“, sagt Bessent. „Ich denke, jeder sollte ​den Präsidenten beim Wort nehmen.“ Einem Medienbericht aus der vergangenen Woche zufolge schließt Trump eine gewaltsame Übernahme Grönlands nicht aus, sollte Dänemark ein Kaufangebot der USA ablehnen.

Die EU ist nach eigenen Angaben für den Fall gewappnet, dass der Grönland-Streit mit den USA zu einem neuen Zollkonflikt führt. Ein Sprecher der Europäischen Kommission bestätigte in Brüssel, dass theoretisch bereits am 7. Februar EU-Sonderzölle auf Wareneinfuhren im Wert von 93 Milliarden Euro fällig werden könnten. Diese Abgaben seien im Zuge des Zollkonflikts im vergangenen Jahr vorbereitet worden und würden automatisch in Kraft treten, wenn die derzeit nur bis zum 6. Februar beschlossene Aussetzung nicht verlängert werde.Betroffen von den EU-Ausgleichszöllen wäre eine lange Liste mit Industrie- und Agrarprodukten wie zum Beispiel Flugzeugen, Motorrädern, Rindfleisch, Whiskey oder Zitrusfrüchten. Die Maßnahmen hätten im vergangenen Sommer in Kraft treten sollen, wenn die USA angedrohte Zölle in Höhe von 30 Prozent auf die Einfuhr europäischer Produkte eingeführt hätten. Stattdessen gab es dann allerdings eine Abmachung auf einen Basiszollsatz in Höhe von 15 Prozent und die Verordnung für die Gegenzölle wurde erst einmal für sechs Monate wieder ausgesetzt.

Die von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Konflikt angekündigten Strafzoll-Pläne gegen Deutschland und ausgewählte andere Staaten werden nach Einschätzung der EU nur sehr schwer umzusetzen sein. Weil die EU als Binnenmarkt funktioniere, müsse für dort hergestellte Waren nach EU-Vorschriften in der Regel nur die EU als Ursprung angegeben werden, sagte ein Sprecher in Brüssel. Dies hindere einen Drittstaat zwar nicht daran, zusätzliche Informationen zum Herkunftsstaat zu verlangen. Viele Waren stammten aber faktisch aus verschiedenen Teilen der EU, weil sie über integrierte, grenzüberschreitende Lieferketten hergestellt würden, an denen mehrere Mitgliedstaaten beteiligt sind.„Das bedeutet, dass es aus Zollperspektive und aus operativer Sicht praktisch sehr schwierig ist, Waren eindeutig ausschließlich einem einzelnen Mitgliedstaat zuzuordnen“. Technisch sei dies möglich, es sei jedoch „enorm bürokratisch und verfahrensmäßig komplex, und es würde zusätzliche Ebenen von Komplexität schaffen“. Diese potenziellen zusätzlichen Komplexitätsebenen würden den reibungslosen transatlantischen Warenhandel behindern – insbesondere für US-Importeure.Trumps Zollpläne sehen vor, ab dem 1. Februar Strafzölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus Deutschland und sieben anderen europäischen Staaten zu verhängen. Der US-Präsident will damit den Widerstand gegen einen Verkauf der zu Dänemark gehörenden Insel Grönland an die Vereinigten Staaten brechen. Die Regierung in Kopenhagen schließt ein solches Geschäft bislang aus und wird dabei aktiv von mehreren europäischen Staaten unterstützt. Die Zölle sollen nun diejenigen treffen, die jüngst symbolisch Soldaten nach Grönland entsendet hatten. Neben Dänemark und Deutschland waren das unter anderem Frankreich, Großbritannien und die Niederlande. 

Der EU-Sondergipfel zur Eskalation des Grönlandkonflikts mit den USA wird an diesem Donnerstagabend in Brüssel stattfinden. Das teilte eine Sprecherin von EU-Ratspräsident António Costa mit. Bei dem Krisentreffen wollen Bundeskanzler Friedrich Merz und die anderen Staats- und Regierungschefs darüber beraten, wie die EU am besten auf die jüngsten Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump reagiert. 

Dänemark schickt eine größere Anzahl an Soldaten nach Grönland. Das berichtete der Fernsehsender TV2 unter Berufung auf das dänische Verteidigungsministerium. Die genaue Anzahl der Soldaten war demnach nicht bekannt, es solle sich jedoch um einen „wesentlichen Beitrag“ handeln. Sie sollen TV 2 zufolge noch am Montag in Kangerlussuaq, etwa 300 Kilometer nördlich von der grönländischen Hauptstadt Nuuk, ankommen. Begleitet werden sie demnach von dem dänischen Heereschef Peter Boysen. 

Die EU-Kommission von Ursula von der Leyen will im Grönlandkonflikt mit den USA vorerst auf Dialog setzen. „Aus den Konsultationen unter den EU-Staats- und -Regierungschefs, einschließlich Präsidentin von der Leyen, geht klar hervor, dass die Priorität darin besteht, den Dialog zu suchen, nicht zu eskalieren, und die Verhängung von Zöllen zu vermeiden“, sagte ein Sprecher in Brüssel. Grund sei, dass die Verhängung weiterer Zölle letztlich Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks schädigen würde. Wie der Dialog mit den USA organisiert werden soll, sagte der Sprecher nicht. Ein Treffen zwischen von der Leyen und US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos war nach seinen Angaben zunächst nicht geplant. Zugleich machte der Sprecher deutlich, dass die EU für den Fall einer Verhängung neuer US-Zölle über Abwehrinstrumente verfüge und diese bei Bedarf auch einsetzen werde. „Wir werden alles tun, was erforderlich ist, um die wirtschaftlichen Interessen der EU zu schützen“, sagte er.

Der britische Premierminister Keir Starmer hat im Grönlandstreit mit den USA zu einem sachlichen Dialog ​unter Verbündeten aufgerufen, um einen Handelskrieg zu vermeiden. Ein solcher Konflikt sei für niemanden von Interesse, sagte Starmer am Montag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in London. Zugleich appellierte er an US-Präsident Donald Trump, Bündnisse wie die NATO zu respektieren, statt sie zu untergraben. Trumps Drohung, Zölle gegen Großbritannien und andere europäische Verbündete zu verhängen, bis ​die USA Grönland kaufen dürften, sei falsch. Er deutete allerdings an, derzeit keine Gegenzölle zu planen. „Zölle sollten nicht auf diese Weise gegen Verbündete eingesetzt werden“, sagte Starmer. Er werde die ganze Kraft der ​Regierung einsetzen, um die US-Entscheidung zu stoppen, strebe derzeit aber keine Eskalation an. 

Die USA haben offenbar versucht, Informationen über militärische Einrichtungen, Häfen und Flugplätze in Grönland zu sammeln, ohne dabei auf die offiziellen Kanäle des dänischen Außen- oder Verteidigungsministeriums sowie der Streitkräfte zurückzugreifen. Das berichtet die dänische Zeitung „Berlingske“ unter Berufung auf Dokumente des dänischen Verteidigungsministeriums. Demnach fragte ein amerikanischer Militärangehöriger das dänische Militärkommando (Arktisk Kommando) Anfang 2025 mehrmals nach Informationen, die offenbar die kritische Infrastruktur betrafen. Um welche Informationen es sich genau handelte, ist unklar. Die Dokumente, die „Berlingske“ einsehen konnte, waren aus Gründen der nationalen Sicherheit stark geschwärzt. Doch geht aus den Dokumenten demnach hervor, dass sich die dänische Seite kooperativ zeigte und auf die entsprechenden Ansprechpartner verwies, etwa einen dänischen Verbindungsoffizier an der US-Militärbasis Pituffik Space Base auf Grönland. Inwiefern tatsächlich Informationen an die USA weitergegeben wurden, ist unklar. In Kopenhagen löste das amerikanische Vorgehen dennoch Besorgnis aus. Laut der Zeitung informierte das dänische Verteidigungskommando – das ist die oberste militärische Führungsbehörde des Landes – unter anderem die gesamte Führungsspitze des Militärs sowie das Verteidigungsministerium über die amerikanischen Anfragen.Warum Grönland aus militärischer Sicht so interessant für die USA ist, lesen Sie hier:

Unionsfraktionschef Jens Spahn hat eine „besonnene Antwort“ auf die Zolldrohung von US-Präsident Donald Trump gegen europäische Verbündete angemahnt. Zwar müsse man nun „klar und deutlich“ mit den USA reden, aber keine Seite habe etwas davon, „wenn wir eskalieren“, sagte der CDU-Politiker vor einer CDU-Präsidiumssitzung in Berlin. Es gebe viele gemeinsame Sicherheitsinteressen mit den USA, etwa mit Blick auf die Ukraine. „Wir brauchen einander, und das sollten wir uns in den Gesprächen immer wieder deutlich machen.“Die Kritik der Grünen an einem ihrer Ansicht nach zu weichen Kurs von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegenüber Trump wies Spahn als „ziemlich wohlfeil“ zurück. „Wir haben ein sehr, sehr hohes Interesse daran, mit den Vereinigten Staaten in guten Gesprächen in einer guten Situation zu sein“, sagte er. Gleichzeitig müssten aber Dinge angesprochen werden, die nicht akzeptabel seien. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hatte Merz zuvor scharf kritisiert. „Die Strategie des Zurückweichens und der Beschwichtigung von Friedrich Merz ist gescheitert“, sagte sie. „Bei der Verteidigung der internationalen Ordnung braucht es Selbstbewusstsein und Klarheit.“

Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker hat Dänemark und Grönland angesichts der US-Zolldrohung im Streit um die dänische Arktisinsel die „volle Solidarität“ zugesichert. Die Souveränität und territoriale Integrität müssten ausnahmslos respektiert werden, sagte Stocker. Entscheidungen über die Zukunft Grönlands könnten nicht über die Köpfe ​der Menschen hinweg getroffen werden. Die EU müsse geschlossen reagieren und dabei auf Dialog und Deeskalation setzen. Gleichzeitig müsse sie ihre wirtschaftliche Stärke nutzen und „alle zur Verfügung stehenden Instrumente in Betracht ziehen“. Österreich selbst ist von der jüngsten Zolldrohung der USA nicht betroffen. 

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil spricht sich im Konflikt um die US-Ansprüche auf Grönland für deutliche Antworten der EU auf die Zollandrohungen von US-Präsident Donald Trump aus. Der Vizekanzler und SPD-Chef sagte in einem Statement mit seinem französischen Amtskollegen Roland Lescure in Berlin: „Wir lassen uns nicht erpressen. Es wird eine geschlossene, eine deutliche Antwort Europas geben, und wir bereiten jetzt mit unseren europäischen Partnern geschlossene Gegenmaßnahmen vor.“ Sie sollten für den Fall vorbereitet werden, dass Trump seine Zolldrohungen aufrechterhalte. Klingbeil nannte drei Punkte: Die bisherige Zolleinigung, die es mit den USA gebe und die in dieser Woche im Europäischen Parlament verabschiedet werden sollte, liege auf Eis. Das Zweite sei, dass es ausgesetzte EU-Zölle auf Importe aus den USA gebe – diese könnten in Kraft treten. Dazu gebe es einen europäischen Instrumentenkasten, mit dem die EU auf wirtschaftliche Erpressungen mit „sehr empfindlichen Maßnahmen“ reagieren könne. Die EU solle den Einsatz dieser Maßnahmen jetzt prüfen. Klingbeil sagte, er habe kein Interesse an einer Eskalation. „Wir sind bereit, Lösungen zu finden. Unsere Hand ist ausgestreckt, aber wir sind nicht bereit, uns erpressen zu lassen.“ Die Grenze sei erreicht.

Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Sepp Müller fordert eine harte Antwort der Europäer auf die Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump. Sollte ​dieser die rote Linie bei Grönland überschreiten, würden die USA dies zu spüren bekommen, sagte der CDU-Politiker den Sendern RTL und n-tv. „Und das wird die Digitalsteuer sein“, betonte Müller mit Blick auf die US-Techkonzerne. Details nennt er nicht.