FAZ 16.02.2026
14:38 Uhr

Liveblog Olympia 2026: „Widerwärtiger Online-Hass“: Malinin meldet sich zu Wort


Drei deutsche Zweierbobs zur Halbzeit vorne +++ Skispringerin braucht Trost +++ Eishockey-Star schwer verletzt +++ Biathletin Franziska Preuß ratlos +++ alle Olympia-2026-News im Liveblog.

Liveblog Olympia 2026: „Widerwärtiger Online-Hass“: Malinin meldet sich zu Wort

Einem Medaillengewinner ganz nah sein? Das können Olympia-Fans in Cortina d'Ampezzo – wenn denn ihre Ferienunterkunft groß genug ist. Nach dem Gewinn zweier Silbermedaillen sucht Skeletoni Axel Jungk notgedrungen eine neue Bleibe, weshalb er im TV-Interview prompt einen Aufruf startete.„Es ist schade, wir müssen morgen früh direkt das Dorf verlassen, weil wohl zu wenig Platz ist“, berichtete Jungk am Montag im ZDF – und fügte grinsend an: \"Also falls hier jemand zuschaut, der in Cortina ist und Platz für ein paar Sportler hat: Wir würden uns freuen, meldet euch!“Viel Schlaf benötigt Jungk trotz der Medaillenparty bis 6.30 Uhr in der neuen Unterkunft nach eigener Aussage allerdings nicht. „Kann ich in den nächsten Wochen zu Hause. Jetzt will ich hier alles aufsaugen und mitnehmen so gut es geht“, sagte der 34-Jährige. Jungk hatte am Sonntag gemeinsam mit Susanne Kreher Silber im Mixed-Team gewonnen, zudem holten Christopher Grotheer, der anschließend sein Karriereende verkündete, und Jacqueline Pfeifer Bronze. Die deutschen Skeletonis sammelten in der kleinsten Schlittensportart damit insgesamt überragende sechs Medaillen in drei Rennen ein. Kreher und Jungk gewannen im Einzel jeweils Silber, Pfeifer und Grotheer jeweils Bronze. (sid)

Der norwegische Skirennfahrer Atle Lie McGrath hat im Olympia-Slalom von Bormio ein sportliches Drama erlebt und seinen Gefühlen danach auf ungewöhnliche Art freien Lauf gelassen. Der 25-Jährige ging als Führender mit deutlichem Vorsprung in den zweiten Durchgang, hatte die Goldmedaille vor Augen, fädelte dann allerdings ein und schied aus. Tief enttäuscht warf McGrath daraufhin erst in hohem Bogen seine Skistöcke weg und stapfte dann zu Fuß los Richtung Wald. Der Skandinavier lief einmal quer über die Piste, passierte die Streckenbegrenzung, ging weiter und weiter – und ließ sich schließlich in der Nähe von ein paar Bäumen in den Schnee fallen. McGrath ist aktuell einer der besten Slalomfahrer der Welt. Der Norweger fuhr in der laufenden Saison schon fünfmal auf ein Weltcup-Podest und führt damit auch die Gesamtwertung im Torlauf an. Bei den Winterspielen in Norditalien hatte er im ersten Lauf auch von seiner frühen Startnummer eins profitiert. Etliche andere Topfahrer waren bei Schneefall und schwierigen Sichtverhältnissen früh ausgeschieden. Nach seinem Patzer im Finale musste McGrath die Goldmedaille allerdings dem Schweizer Weltmeister Loic Meillard überlassen. (dpa) 

Skirennfahrer Linus Straßer hat im teils chaotischen Olympia-Slalom eine Medaille verpasst. Der WM-Dritte belegte beim Sieg des Schweizer Weltmeisters Loic Meillard in Bormio nur Rang neun. Die deutschen Alpin-Männer beenden damit die nächsten Winterspiele ohne eine Einzelmedaille. Die bislang letzten hatte Markus Wasmeier mit seinen Triumphen im Super-G und im Riesenslalom 1994 im norwegischen Lillehammer geholt. Der überraschend starke Österreicher Fabio Gstrein sicherte sich mit 0,35 Sekunden Rückstand auf Meillard Silber, Bronze ging an den Norweger Henrik Kristoffersen (+1,13). Dessen Teamkollege Atle Lie McGrath führte nach dem ersten Lauf, schied nach einem Fahrfehler im Finale dann aber aus und stapfte tief enttäuscht von der Piste erst einmal Richtung Wald. Der erste Durchgang des Slaloms in Norditalien verlief chaotisch. Weniger als die Hälfte der knapp 100 Starter erreichte das Ziel. Schneefall erschwerte die Sicht, die Kurssetzung erwies sich als anspruchsvoll. Auch etliche Topfahrer schieden aus. Der für Brasilien fahrende Riesenslalom-Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen etwa – genau wie der Franzose Paco Rassat und der Finne Eduard Hallberg, zwei Entdeckungen der laufenden Saison. Er wisse nicht, wie er schneller fahren könnte, sagte Straßer als Halbzeit-Zwölfter. Das sei schon „ein bisschen deprimierend“. Im Finale waren die Bedingungen besser, der 33-Jährige kam zumindest noch in die Top Ten. Straßer ist seit Jahren der beste deutsche Slalomfahrer, bei den Spielen in Italien gehörte er aber trotzdem nicht zu den Favoriten. Nach einem Materialwechsel im Sommer sucht der Münchner noch nach der richtigen Abstimmung und fuhr in diesem Winter erst einmal auf ein Weltcup-Podest. (dpa)

Eiskunstlauf-Star Ilia Malinin aus den USA hat sich erstmals nach seinem dramatischen Absturz in der olympischen Kür auf Instagram zu Wort gemeldet und Einblicke in sein Innenleben gegeben. „Auf der größten Bühne der Welt kämpfen selbst diejenigen, die am stärksten erscheinen, innerlich möglicherweise mit unsichtbaren Schlachten. Selbst deine glücklichsten Erinnerungen können am Ende vom Lärm überschattet werden“, schrieb Malinin drei Tage nach dem achten Platz bei den Winterspielen in Italien. Begleitet wurde der Beitrag mit einem Video, das Malinin beim Feiern seiner Siege zeigt sowie in einer Szene, in der er die Hände enttäuscht hinter seinen Kopf legt.„Widerwärtiger Online-Hass greift den Verstand an, und Angst lockt ihn in die Dunkelheit – ganz gleich, wie sehr man versucht, angesichts des endlosen, unüberwindbaren Drucks bei Verstand zu bleiben“, äußerte Malinin. Bis zu den Winterspielen war er mehr als zwei Jahre ungeschlagen und galt als absoluter Topfavorit. Doch in der Kür fiel er nach einer verpatzten Vorstellung vom ersten Platz nach dem Kurzprogramm deutlich zurück. „All das staut sich an, während diese Momente vor deinen Augen aufblitzen, und führt schließlich zu einem unvermeidlichen Zusammenbruch. Das ist diese Version der Geschichte“, schrieb Malinin.Trotz des achten Platzes kündigte der 21-Jährige mit seinem Beitrag vage an, am beliebten Olympia-Schaulaufen am Samstag teilzunehmen. Zum Ende des Videos erscheint das Datum des Schaulaufens: der 21. Februar 2026. Üblicherweise treten dort nur die Medaillengewinner auf, gelegentlich ergänzt durch einen Viertplatzierten oder Läufer aus dem Gastgeberland.Malinin hatte das Eiskunstlaufen in den vergangenen Jahren in eine neue Dimension gehoben. Er selbst bezeichnet sich als „Vierfach-Gott“, weil er so viele Vierfachsprünge beherrscht wie kein anderer Läufer. In der Kür hatte er geplant, als erster Sportler in der Olympia-Geschichte den besonders anspruchsvollen vierfachen Axel zu zeigen. Doch Malinin musste den Sprung abbrechen – und sprang den Axel nur einfach. Damit begann das Olympia-Fiasko für den zweimaligen Weltmeister. (dpa)

Die Biathleten Justus Strelow, David Zobel, Philipp Nawrath und Philipp Horn greifen bei den Olympischen Winterspielen in Italien nach der ersehnten Staffel-Medaille. Das teilte der Deutsche Skiverband mit. Nach dem enttäuschenden vierten Platz vor vier Jahren in Peking soll es am Dienstag (14.30 Uhr) in Antholz für die Männer wieder für das Podest reichen. In bislang drei Einzelrennen hatte es für die deutschen Herren in Südtirol bislang noch kein Edelmetall gegeben. Nawrath und Strelow gewannen mit der Mixed-Staffel zum Auftakt Bronze. „Ich würde es nicht Rettungsanker nennen, aber es ist auf jeden Fall unsere größte Chance, so ehrlich muss man sein“, sagte Schlussläufer Horn: „Wir haben dieses Jahr in der Staffel schon gezeigt, dass wir es aufs Podium schaffen können.“ Beim Weltcup in Ruhpolding hatte es zu Rang drei gereicht. Hinter den Favoriten Frankreich und Norwegen könnte sich Deutschland mit Schweden und Italien um eine Medaille streiten. „Wir sind alle gute Staffelläufer, das haben wir schon oft genug bewiesen“, sagte der 31-jährige Horn: „Und ich glaube, das wissen auch alle anderen Nationen. Die anderen Jungs wissen, dass wir in der Staffel immer einen draufsetzen können.“ Vor vier Jahren war das deutsche Quartett in Peking ohne Medaille geblieben, 2018 hatte es in Pyeongchang Bronze gegeben. Genau wie bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. „Wir kämpfen da jetzt genau wie letztes Jahr und zeigen denen, dass wir es können. Und dann wollen wir in der Staffel auf dem Podium stehen“, sagte Horn. Den bislang letzten großen Triumph gab es mit Gold bei den Winterspielen 2014 in Sotschi. (dpa)

Die Eisschnellläufer der Niederlande dominieren bei den Olympischen Winterspielen in Mailand weiter die Shorttrack-Wettbewerbe. Am Montag gewann Xandra Velzeboer das 1000-Meter-Rennen und jubelte nach dem Triumph über 500 Meter bereits über ihr zweites Gold in Norditalien. Velzeboer, Staffel-Olympiasiegerin von Peking, verwies über 1000 Meter in 1:28,437 Minuten die Kanadierin Courtney Sarault und Kim Gilli aus Südkorea auf die Plätze. Bei den Männern hatte zuvor Jens van 't Wout die Rennen über 1000 Meter und 1500 Meter für sich entschieden. Lediglich in der Mixed-Staffel verpassten die Oranje-Läufer als Fünfte das Podest. Bis zum Ende der Shorttrack-Wettbewerbe am Freitag stehen vier weitere Entscheidungen an. Deutsche Shorttracker nehmen nicht an den Winterspielen teil. (sid)

Johannes Lochner greift zum Abschluss seiner 15-jährigen Bob-Karriere nach dem ersten Olympia-Gold. Vor den beiden abschließenden Läufen im Zweierbob an diesem Dienstag hat der Weltcup-Gesamtsieger aus Berchtesgaden satte 0,80 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Francesco Friedrich, der mit Alexander Schüller fährt. Der in Lauf eins auf Platz zwei gefahrene Adam Ammour fiel mit Alexander Schaller auf Rang drei zurück. Mit seinem bärenstarken Anschieber Georg Fleischhauer fuhr Lochner gleich im ersten Lauf Start- und Bahnrekord und nahm dem viermaligen Olympiasieger Friedrich schon 0,48 Sekunden ab – eine Welt im Bobsport. Selbst das dritte deutsche Duo Ammour/Schaller war vier Hundertstelsekunden schneller als Friedrich/Schüller. Im zweiten Lauf touchierte Friedrich wieder mehrere Banden und konnte somit seine Aufholjagd auf Lochner nicht starten. Zumindest reichte es für Platz zwei, da Ammour gleich mehrfach im Eislabyrinth quer stand. Der in Peking vor vier Jahren zweimal hinter Friedrich auf Rang zwei gekommene Lochner, der mit Fleischhauer sechs von sieben Rennen in diesem Winter gewann, zeigte seine ganze Klasse an den Lenkseilen. Der 35-Jährige leistete sich fast keinen Fehler. Der viermalige Olympiasieger Friedrich aus Pirna, der mit einer weiteren Goldmedaille zum erfolgreichsten Bobpiloten bei Winterspielen aufsteigen könnte, war am Start eine Hundertstelsekunde langsamer. Zudem unterliefen ihm einige Patzer im Cortina Sliding Centre. Auch mit der Abstimmung beim Material kam er wie schon zuletzt im Weltcup nicht auf Spitzen-Geschwindigkeiten. Das Dauer-Duell der beiden Weltklassepiloten wurde sogar im Micky-Maus-Magazin „duckifiziert“. In der Story „Rivalen der Bobbahn“ sind Lochner und Friedrich als Comicfiguren im Eiskanal unterwegs, um Donald Duck zu retten. „Sie verkörpern Leidenschaft sowie Ehrgeiz und haben beide Humor“, hieß es in einer Pressemitteilung des Verlags. (dpa)

Katharina Schmid sehnte sich zum bitteren Ende ihrer langen und ereignisreichen Olympia-Karriere nach dem Trost ihrer Liebsten. „Ich bin froh, dass meine ganze Familie und meine Freunde da sind. Ich glaube, die brauche ich heute“, sagte die 29-Jährige in Predazzo mit brüchiger Stimme. Schmid, die ihre Fingernägel schwarz-rot-gold lackiert hatte, versteckte ihre Emotionen nicht. Immer wieder verfiel die Oberstdorferin in den Dialekt ihrer Allgäuer Heimat. „Dass es jetzt so endet, ist hart. Das tut sehr, sehr weh“, sagte sie. Nach Rang 16 auf der Normalschanze kam auf der großen Schanze schon nach dem ersten Durchgang das Aus: So hatte sich Schmid ihren Abschied von der ganz großen Bühne nicht vorgestellt. „Ich bin von Anfang an nicht klargekommen“, fasste sie ihre Tage von Predazzo zusammen, die für sie so fröhlich als Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier begonnen hatten. „Irgendwie wollte es einfach nicht.“ Schmid war die Traurigste im Quartett der deutschen Springerinnen, das Italien ohne Medaille verlässt. „Wir sind bitter enttäuscht. Das ist ganz klar“, sagte Bundestrainer Heinz Kuttin. Selina Freitag, Agnes Reisch und Schmid hatten es in dieser Saison schon auf das Podest im Weltcup geschafft. Ausgerechnet beim großen Winter-Höhepunkt klappte es nicht. Reisch hatte gesundheitliche Probleme. „Die Selina war eigentlich topfit, die Katha war auch topfit“, sagte Kuttin. Das Kapitel Winterspiele klappt Schmid nun ganz schnell zu. Auf einen Trip an weitere Olympia-Standorte verzichtet die Silbergewinnerin von 2018 und 2022. „Nach heute bin ich einfach froh, daheim zu sein und einfach mal Pause zu haben“, sagte sie. Ein paar Weltcups noch, zum Abschluss Ende März das Skifliegen im slowenischen Planica – dann war's das. Die siebenmalige Weltmeisterin, die das deutsche Frauen-Skispringen über rund ein Jahrzehnt geprägt hat wie niemand sonst, tritt ab. Der Traum vom olympischen Gold war im Val di Fiemme unerreichbar. Die Premiere der Vierschanzentournee für Frauen wird Schmid als Zuschauerin verfolgen. (dpa)

Skirennfahrer Linus Straßer hat im olympischen Slalom nur noch geringe Chancen auf eine Medaille. Der WM-Dritte geht mit 1,41 Sekunden Rückstand auf die Podestplätze ins Finale (13.30 Uhr/ZDF und Eurosport). Im ersten Durchgang lag der Münchner damit zwischenzeitlich auf Rang zwölf. „Es ist nicht einfach, Kurssetzung, Sicht, der Hang. Du könntest mich noch zehnmal runterfahren lassen, ich wüsste nicht, ob ich schneller fahren könnte. Es ist immer so ein bisschen frustrierend, solche Rennen“, sagte Straßer im ZDF. Die Bestzeit fuhr bei dichtem Schneefall und schwierigen Sichtverhältnissen in Bormio der Norweger Atle Lie McGrath – er war 2,35 Sekunden schneller als Straßer. Zweiter ist zur Halbzeit der Schweizer Weltmeister Loic Meillard (+0,59), Dritter überraschend der Österreicher Fabio Gstrein (+0,94). McGrath profitierte angesichts der äußeren Umstände auch von seiner frühen Startnummer eins. Zahlreiche Topfahrer hatten Probleme. Der für Brasilien startende Riesenslalom-Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen etwa schied aus – genau wie der Franzose Paco Rassat und der Finne Eduard Hallberg, zwei Entdeckungen der laufenden Saison. Auch der französische Titelverteidiger Clement Noel liegt als Siebter schon 1,96 Sekunden hinter McGrath. Straßer ist seit Jahren die größte deutsche Slalom-Hoffnung. Nach einem Materialwechsel im Sommer sucht der 33-Jährige in dieser Saison aber noch die richtige Abstimmung und fuhr im Weltcup erst einmal auf das Podest. Auch die Winterspiele in Norditalien drohen aus deutscher Sicht damit ohne eine einzige Männer-Einzelmedaille zu Ende zu gehen. (dpa)

Eishockey-Star Kevin Fiala von den Los Angeles Kings hat bei Olympia mehrere Brüche im linken Unterschenkel erlitten. Der 29 Jahre alte Stürmer der Schweizer Nationalmannschaft wurde in Mailand operiert, wie sein NHL-Klub mitteilte. Fiala wird den Rest der NHL-Hauptrunde, die am 16. April endet, verpassen. „Nicht das Ende, das ich mir für meine erste Olympiade vorgestellt habe. Vielen Dank an alle, dass ihr euch gemeldet habt. Ich schätze die Unterstützung wirklich. Größtes Glück für mein Team Schweiz, holt sie euch!“, schrieb Fiala auf Instagram zu einem Bild aus dem Krankenhaus. Fiala war im olympischen Eishockey-Turnier bei der 1:5-Niederlage am Freitagabend gegen Kanada mit Tom Wilson von den Washington Capitals zusammengeprallt. Danach musste er auf einer Trage liegend vom Eis gefahren werden. „Es tut mir furchtbar leid. Ich sende ihm und seiner Familie meine besten Wünsche, ich bete für ihn. Man möchte nie, dass ein Spieler ausfällt, vor allem nicht bei so einem Turnier. Das ist bitter für das Land und die Mannschaft“, sagte Wilson. (dpa)

Auf der Suche nach den Gründen für ihr neuerliches Scheitern ausgerechnet im letzten Schießen wirkte Franziska Preuß ratlos. „Es wackelt nur noch“, sagte Deutschlands beste Biathletin bei den Olympischen Winterspielen in Antholz: „Ich bin dann so angespannt und bekomme nicht mehr den Fokus auf das Wesentliche. Dann geht einfach nichts mehr.“ Eigentlich wollte die 31-Jährige in Südtirol endlich ihre erste Einzelmedaille bei Olympia gewinnen und ihre Karriere nach einem weiteren emotionalen Höhepunkt beenden. Doch dieser Plan scheint aufgrund einer unerklärlichen Nervenschwäche zu scheitern. Wie schon über 20 Kilometer zerstörten im Verfolgungsrennen zwei Fehler im finalen Stehendschießen ihren Traum. Vor einem Jahr noch hatte Preuß im Jagdrennen eiskalt Gold bei der WM in der Schweiz gewonnen. Nun vergab sie mindestens Bronze, wurde nur Sechste und brach hinterher mehrfach in Tränen aus. „Dass das letzte Schießen so scheiße läuft, das tut richtig weh“, sagte Preuß. Auch zum Olympia-Auftakt in der Mixed-Staffel handelte sie sich so noch eine Strafrunde ein. Dank ihrer starken Teamkollegen reichte es trotzdem zu Bronze. Es ist der einzige Lichtblick erneut schwieriger Winterspiele für Deutschlands Sportlerin des Jahres. Auch im Sprint verfehlte sie stehend eine Scheibe. „Ich bin einfach nur enttäuscht, dass ich es nicht durchziehen kann“, sagte Preuß. Ein Grund aufzugeben, ist das aber nicht. Sie blickt positiv nach vorn. „Leider entscheiden 30 Sekunden über Freude oder Enttäuschung“, schrieb Preuß gut sechs Stunden nach dem bitteren Zieleinlauf bei Instagram: „Ja, diese letzten, entscheidenden 30 Sekunden ärgern mich immer noch, aber genau sie treiben mich an. Ich stecke den Kopf nicht in den Sand, ich arbeite weiter.“ Spätestens am Saisonende plant sie aufzuhören, womöglich ist aber schon am kommenden Samstag Schluss. Bislang hält sich Preuß offen, ob sie noch mal in den Weltcup zurückkehrt oder der olympische Massenstart ihr finaler Auftritt wird. Ganz sicher wird das die letzte Chance auf eine Individualmedaille, eine weitere Möglichkeit auf Edelmetall gibt es am Mittwoch mit der Frauen-Staffel, die sie im Weltcup regelmäßig als Schlussläuferin anführte. Zuletzt patzte sie aber in Ruhpolding mit einer Strafrunde. Und auch in Antholz droht wieder ein nervenaufreibender Showdown beim letzten Schießen. Das deutsche Biathlon-Team holte erstmals in sechs Einzelrennen zum Olympia-Start keine einzige Medaille. Der Druck ist mittlerweile enorm, weil die Auswahl des Deutschen Skiverbandes den hohen Erwartungen trotz einiger Top-Ten-Plätze nicht gerecht wird. Dass Preuß weiterhin die Einzige ist, die aus eigener Kraft und ohne Fehler der anderen Medaillen gewinnen kann, macht es noch schwieriger. Es mangelt an Entlastung, für die Vanessa Voigt im Einzel als Vierte zumindest mal kurzzeitig sorgen konnte. (dpa)

Bob-Pilot Johannes Lochner hat auf seiner Goldmission in Cortina d'Ampezzo das erste Ausrufezeichen gesetzt und seinem Dauerrivalen Francesco Friedrich im Zweier sofort einen Nackenschlag verpasst. Der Gesamtweltcupsieger aus Bayern raste im ersten Lauf mit Anschieber Georg Fleischhauer zum Bahnrekord und distanzierte Friedrich bereits auf 48 Hundertstelsekunden. Adam Ammour platzierte sich zwischen den beiden Weltklasse-Piloten auf Rang zwei (+0,44). Für Lochner ist es der perfekte Start in seine letzte Wettkampfwoche. Der 35-Jährige beendet seine Karriere nach den Olympischen Spielen und will unbedingt sein erstes Gold gewinnen. Bei großen Rennen hatte er sich fast immer Friedrich geschlagen geben müssen, unter anderem in Peking 2022 im Zweier und Vierer. Der zweimalige Doppel-Olympiasieger Friedrich hingegen will zum erfolgreichsten Bob-Piloten der Geschichte aufsteigen – mit einem fünften Gold würde der Sachse an André Lange (4x Gold, 1x Silber) vorbeiziehen. Nach einer durchwachsenen Saison hatte er getönt: „Das Imperium hat immer zurückgeschlagen.“ Im Weltcup hatte sich die Dominanz von Lochner schon abgezeichnet. Er war mit sechs Siegen in sieben Zweier-Rennen im Gepäck nach Cortina gereist. „Im Zweier kann ich mich nur selbst schlagen“, sagte Lochner selbstbewusst im Interview mit „Münchner Merkur/tz“. Und Lochner hielt zumindest im ersten Lauf Wort, zeigte die klar beste Linie und führt bereits komfortabel. Im Zielbereich ballte er die rechte Faust. Die internationale Konkurrenz liegt weit zurück. (sid)

Mit wirtschaftlichen Sorgen und angetrieben vom Glauben an Gott geht Emma Weiß in ihre zweiten Olympischen Winterspiele. Beim Freestyle-Skiing gilt die 26-Jährige aus deutscher Sicht als Einzelkämpferin und spürt das auch bei der Förderung. „Ich muss mich nach wie vor komplett selbst finanzieren“, sagte Weiß im deutschen Teamhotel in Livigno. Am Dienstag (10.45 Uhr) startet die Schwäbin in die Qualifikation, die sie 2022 in Peking nicht überstand. Im Gesamtweltcup liegt sie derzeit auf dem 13. Rang. Sie kümmere sich um die sowie Sponsoren-Akquise und -Betreuung die Reiseplanung und -organisation. „Eine Saison ist auch gar nicht so billig, wir reden da von circa 70.000 Euro – das muss erst mal reinkommen“, erklärte Weiß, die zumindest auf die Unterstützung durch die Sporthilfe bauen kann. „Aber das deckt gerade einmal einen Bruchteil von dem ab, was ich brauche. Eigentlich muss ich in diesem Jahr von irgendwoher noch ein bisschen Geld kriegen, sonst gehe ich mit einem Minus raus.“ Stärke zieht die Ski-Akrobatin seit zwei Jahren aus einem persönlichen Erlebnis, wie sie erzählte: „Ich hatte eine Gottesbegegnung an Pfingsten, seitdem bin ich für Gott unterwegs, versuche die Bühne zu nutzen, um von ihm erzählen zu dürfen, weil ich seine Liebe und seine Gnade spüren durfte, die einfach nicht von dieser Welt ist.“ Der olympische Aerials-Wettbewerb ist eine Disziplin des Freestyle-Skis, bei der die Athletinnen und Athleten über eine steile Schanze springen und in der Luft mehrere Saltos und Schrauben zeigen. Bewertet werden der Absprung, die Ausführung der Tricks in der Luft sowie die Landung, wobei Schwierigkeit und Sauberkeit eine große Rolle spielen. (dpa)

Italien im Glück: Die Medaillenflut für den Gastgeber der Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d'Ampezzo wird von den Zeitungen groß bejubelt. Auf ihren Titelseiten weisen fast alle Blätter darauf hin, dass Italien im Winter noch nie so viel Edelmetall gewonnen hat. Die beiden großen Zeitungen „Corriere della Sera“ und „La Repubblica“ riefen Doppel-Olympiasiegerin Federica Brignone nach ihrem Erfolg im Riesenslalom bereits übereinstimmend zur „Königin“ der Spiele aus. Beim Erscheinen der Blätter stand die Gastgeber-Nation bei insgesamt 22 Medaillen: achtmal Gold, viermal Silber und zehnmal Bronze. Neben Brignone gewann auch Eisschnellläuferin Francesca Lollobrigida zwei Goldmedaillen. So viele Podiumsplätze gab es auch in der Wintersportnation Italien noch nie. Bislang stand der Rekord aus dem Jahr 1994 im norwegischen Lillehammer bei 20 Medaillen. Vor Beginn der Spiele hatte Italiens Olympisches Komitee (Coni) 19 Medaillen als Ziel ausgegeben – das ist nach etwas mehr als der Hälfte bereits übererfüllt. Nur Norwegen liegt in der Nationenwertung vor dem Gastgeber. Die ansonsten eher kritisch eingestellte „La Repubblica“ schwärmte: „Big Italy. Nein, gigantisch. Gelassen, lächelnd, leichtfüßig. Italiens Gefühl für Schnee, so wie man es noch nie gesehen hat. Es gleitet dahin und surft auf den Wellen des Lebens.“ Der „Corriere della Sera“ rechnete zudem aus, dass knapp die Hälfte der Medaillen (44,74 Prozent) von Frauen gewonnen wurden. Zudem gratulierten italienische Unternehmen den Medaillengewinnern in den Zeitungen mit zahlreichen großformatigen Anzeigen. Die größte Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ – gedruckt auf rosa Papier – versah ihre Titelseite mit einer herzförmigen Schleife in den Nationalfarben Grün, Weiß, Rot. Dazu schrieb sie: „Die glücklichen Spiele: Medaillen und Titel, Zahlen wie noch nie. Und es ist noch nicht vorbei... Das Italien von Mailand und Cortina 2026 kennt keine Grenzen mehr. Schulter an Schulter mit den Großmächten des Weltsports.“ (dpa)