FAZ 06.02.2026
18:30 Uhr

Liveblog Olympia 2026: „Unschuldige Menschen wurden ermordet, und es reicht“


Kira Weidle-Winkelmann beschwert sich über Präparierung +++ Papst erinnert an „Olympische Waffenruhe“ +++ Demonstration gegen ICE +++ Österreicher verliert Zähne +++ alle Olympia-2026-News im Liveblog.

Liveblog Olympia 2026: „Unschuldige Menschen wurden ermordet, und es reicht“

Noch ist ein bisschen Zeit für Werbung: Wer hören möchte, wieso vor allem die Regierung der Vereinigten Staaten mit dem Besuch von JD Vance diese Spiele politisch so aufgeladen hat: Kathrin Jakob hat im Podcast für Deutschland das Thema sehr ausführlich beleuchtet - Anno Hecker und ich durften beitragen. 

An den Eingängen zum Stadion wird strikt kontrolliert. Unter anderem ist das Mitbringen von Getränken untersagt. Auch leere 0,5-Liter-Plastikflaschen, mit denen man wie am Flughafen hinter den Kontrollen Wasser abfüllen könnte, werden von den Ordnungskräften einkassiert. Vor den Getränkeständen, die ausschließlich Getränke von Olympia-Sponsoren verkaufen dürfen, bilden sich lange Schlangen. Das Bier in der Olympia-Editionsflasche kostet sieben Euro. Die Nachfrage ist groß.    

Gerade wurde bekannt, dass der italienische Staatspräsident Mattarella mit einer Tram, einem der Mailänder Wahrzeichen, ins Stadion gefahren kommen wird. Sein Fahrer: Valentino Rossi.

Die Olympische Fackel, die heute früh in Mailand in der Viale Pirelli gestartet ist und den ganzen Tag durch Mailand getragen wurde, ist am frühen Abend in der Darsena im Navigli-Viertel angekommen. Sie wurde dort in eine Vitrine verschlossen, um zur Eröffnungsfeier nach San Siro gebracht zu werden. Um 22 Uhr soll das Olympische Feuer am Arco della Pace entzündet werden.

So, unsere Plätze haben wir eingenommen. Die Kollegin Karen Krüger und der Kollege Christoph Becker sitzen an meiner Seite auf der Pressetribüne im San-Siro-Stadion, das sich langsam füllt. Noch rund 75 Minuten sind es bis zum Beginn der Eröffnungsfeier. 

Die deutschen Eiskunstlauf-Hoffnungsträger Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin haben erstmals auf dem olympischen Eis in Mailand trainiert – bis zu ihrem Wettkampf zur Mitte der Spiele begeben sich die früheren Paarlauf-Europameister aber in Bellinzona im Süden der Schweiz nochmals in ein Trainingslager. „Wir kommen am 12. Februar abends wieder, machen am 13. wahrscheinlich nochmal einen Ruhetag, am 14. Training, am 15. und 16. Wettkampf“, berichtete Hase am Freitag.Ihr Kurztrip in die Lombardei – am Samstag trainieren sie ein weiteres Mal in der Milano Ice Skating Arena in Assago – sei vor allem wichtig für das „olympische Gefühl“ gewesen, berichtete Volodin. Hase betonte: „Wir wissen nun, wie die Wege sind. Es war gut, hier zu sein.“ (sid)

Der britische Ski-Freestyler Gus Kenworthy hat auf ebenso kreative wie provokante Weise zum Protest gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE aufgerufen. Der 34-Jährige, der einen Großteil seines Lebens in den USA verbrachte, veröffentlichte vor dem Auftakt der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo ein Foto mit eindeutiger Botschaft via Instagram: Zu sehen sind die Spitzen zweier Ski im Schnee, dazwischen sind in dunkelgelber Farbe die Worte „fuck ice“ zu lesen. Kenworthy, der in Norditalien in der Halfpipe antreten wird, reicherte seinen Post allerdings mit weiterem Inhalt an: All seinen Followern stellte er eine Textvorlage zur Verfügung, mit der US-Bürger sich direkt an Senatorinnen oder Senatoren ihres Bundesstaates wenden können, um gegen die weitere Finanzierung der Behörde zu protestieren. „Unschuldige Menschen wurden ermordet, und es reicht“, heißt es in der Vorlage, „wir können nicht tatenlos zusehen, während ICE in unseren Gemeinden weiterhin mit unkontrollierter Macht agiert.“ Zu fordern seien „echte Leitplanken und Rechenschaftspflichten“ für die Beamten. Kenworthy trat bereits bei den Winterspielen 2014 und 2018 an, damals noch für das Team USA. 2014 gewann er Silber im Slopestyle, fünf Jahre später wechselte er in das Team seines Geburtslandes Großbritannien. 2022 in Peking war er dann als Brite dabei, und auch damals präsentierte sich Kenworthy meinungsstark: Vor dem Beginn der Wettbewerbe kritisierte er die Vergabe nach China, verwies dabei auf die Menschenrechtslage im Land und den Umgang mit der LGBTQ+-Community. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) untersagt politische Botschaften während der Spiele, die Form des Protests von Kenworthy ist aber nicht angreifbar: Unerwünscht sind entsprechende Äußerungen während Zeremonien, Wettkämpfen und im Olympischen Dorf – ein Instagram-Post fällt nicht darunter. „Während der Olympischen Spiele haben alle Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Ansichten gemäß den Richtlinien zu äußern“, teilte das IOC auf Anfrage des britischen \"Guardian\" mit: „Das IOC reguliert keine persönlichen Social-Media-Beiträge.“ (sid)

Wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier hat es italienischen Medienberichten zufolge eine Welle von Cyberangriffen auf mit den Spielen verbundene Internetseiten gegeben. Wie die Zeitung „La Repubblica“ berichtete, gingen die Attacken von einer prorussischen Hackergruppe aus. Offizielle Angaben der Behörden zu den Cyberangriffen gab es zunächst nicht.Die Seite des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) war am Freitagvormittag angegriffen worden und danach rund eine Stunde offline, sagte ein ÖOC-Sprecher der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Man habe die Vorgänge frühzeitig erkannt und entsprechend reagiert.Zwei Internetauftritte des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) waren am Eröffnungstag der Spiele zeitweilig ebenfalls nicht erreichbar. Stattdessen erhielten Nutzer eine Fehlermeldung beim Aufruf der Seite der Dachorganisation sowie der Seite des deutschen Olympia-Teams. Einen konkreten Zusammenhang mit den angeblichen Cyberangriffen bestätigte der DOSB zunächst nicht.Bereits vor wenigen Tagen meldeten die italienischen Behörden Hackerattacken mutmaßlich russischen Ursprungs. Deren Ziele waren unter anderem einige Webseiten der Winterspiele, darunter Hotels in Cortina, sowie Einrichtungen des Außenministeriums in Italien sowie im Ausland. „La Repubblica“ zitierte indes eine Sicherheitsquelle mit den Worten: „Das ist inzwischen Alltag.“Ermittler deuten die Welle von Cyberangriffen nur wenige Stunden vor der großen Eröffnungsshow am Abend als politisch symbolisch. Technisch gesehen seien die jüngsten Attacken nichts Neues, meldete „La Repubblica“ weiter. Die lokalen Behörden haben sich demnach auf solche Risiken während der Winterspiele vorbereitet. Ein Team aus Fachleuten arbeitet gemeinsam mit Experten der Organisatoren daran, Angriffe auf das Großevent abzuwehren. (dpa)

Ski-Freestylerin Muriel Mohr hat sich unmittelbar vor dem Olympia-Start am Knie verletzt und verpasst bei den Spielen in Italien mindestens den Slopestyle-Wettbewerb. Bei einem Landeversuch klemmte sich die 19-Jährige im Training den Meniskuslappen am linken Knie ein, wie der Deutsche Olympische Sportbund mitteilte. Daraufhin unterzog sich Mohr einem arthroskopischen Eingriff in der Orthopädischen Chirurgie München. „Das Knie ist stabil und weist keine weiteren Verletzungen auf. Einen positiven Heilungsverlauf vorausgesetzt, kann das Knie in einigen Tagen wieder voll belastbar sein“, erklärte Dr. Manuel Köhne, der die Operation durchführte. Mohr hofft, dass sie am 14. Februar bei der Qualifikation im Big Air antreten kann, die am Samstag anstehende Qualifikation im Slopestyle muss sie auslassen. „Sollte die Heilung positiv verlaufen, werde ich alles versuchen, um in meiner Paradedisziplin starten zu können“, sagte sie. Die Bayerin gilt als größte deutsche Hoffnung im Ski Freestyle. Allerdings hatte sie bereits im vergangenen Jahr wegen eines Kreuzbandrisses monatelang pausieren müssen. (dpa)

Dass in seinem Zimmer im olympischen Dorf in Predazzo ein Fernseher fehlt, hat Philipp Raimund etwas gewundert. Deswegen hat der deutsche Skispringer nun Ersatz geordert. „Ich habe mir einen transportablen Beamer bestellt, der kommt von meinen Eltern am Montag“, sagte der 25-Jährige. „Dann brauche ich keinen Fernseher mehr.“Die Ausstattung in dem kleineren Dorf im Val di Fiemme ist zwar laut Raimund akzeptabel, aber die anderen Wettbewerbe bei den Olympischen Winterspielen möchte der Skispringer schon gerne verfolgen. „Die Tage sind lang, unsere Wettkämpfe sind am Abend. Da gibt es genügend Zeit, um vor der Glotze zu sitzen“, erklärte Raimund. Auch Videospiele wie der Klassiker Mario Kart sollen dann über den Beamer laufen.Auch Skispringerin Selina Freitag setzt auf die Hilfe ihrer Eltern. Die Medaillen-Anwärterin vermisst einen Föhn im Zimmer, den sie in den nächsten Tagen sehnsüchtig erwartet und der von den Eltern gebracht wird. Neue Matratzen gab es dazu vom Deutschen Skiverband. „Wir haben es uns jetzt gemütlich gemacht“, erklärte Freitag. (dpa)

Skirennläuferin Kira Weidle-Winkelmann hat nach dem ersten Training für die Olympia-Abfahrt in Cortina d'Ampezzo die Präparierung der Piste kritisiert. „Es will natürlich jeder etwas Besonderes machen für ein Großereignis und mehr Spannung reinbringen. Ich bin da kein großer Fan von“, sagte die 29-Jährige am Freitag und ergänzte: „Unser Sport ist gefährlich genug, da weiß ich nicht, wieso man immer noch mehr machen muss. Das ist einfach unnötig.“Weidle-Winkelmann, die 2021 in Cortina WM-Silber in der Abfahrt gewonnen hatte, missfielen vor allem die „schärferen“ Wellen auf der Olimpia delle Tofane. „Es ist nicht das schöne Cortina, wie man es gewohnt ist“, sagte sie: „Aber jetzt wissen wir’s und müssen damit umgehen“. Am Samstag (11.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026, in der ARD und bei Eurosport) steht für die Frauen ein weiteres Training auf dem Programm, am Sonntag (11.30 Uhr  im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026, im ZDF und Eurosport) soll das Rennen stattfinden.Bis dahin hoffen Weidle-Winkelmann und Emma Aicher, die beide als mögliche Medaillenkandidatinnen gelten, auf bessere Pistenverhältnisse. Viel Neuschnee hatte das Training am Freitag zusätzlich erschwert. „Ich habe mich ein bisschen schwer getan mit dem Untergrund“, sagte Aicher zur „weichen“ Piste: „Aber man muss es so fahren, wie es ist, es ist mir ziemlich wurscht.“ (dpa)

Die Eiskunstlauf-Mannschaft der USA hat ihren Favoritenstatus im Team-Event der Olympischen Winterspiele in Mailand untermauert. Die Peking-Olympiasieger kommen nach dem Eistanz (Rhythmustanz), Paarlauf und Frauen-Einzel (beide Kurzprogramm) auf 25 Punkte und liegen nach dem ersten Wettkampftag vor Japan (23) und Italien (22) in Führung. Die Läufer der besten fünf Nationen in der Gesamtwertung laufen die Kür.Die USA schicken in Italien drei amtierende Weltmeister ins Rennen. Im Eistanz legten Madison Chock/Evan Bates mit der Bestleistung (91,06 Punkte) vor, in der Frauen-Konkurrenz überzeugte Alysa Liu (74,90). Superstar Ilia Malinin soll am Samstag im Kurzprogramm der Männer (ab 19.45 Uhr/ARD und Eurosport) ins Geschehen eingreifen. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) stellt in Mailand kein Team. Die deutschen Medaillenhoffnungen ruhen im Paarlauf auf den WM-Zweiten Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin (Berlin). Für das Duo, das am Freitag erstmals auf dem Eis in Mailand trainierte, lohnte der Blick auf die Paarlauf-Konkurrenz im Team-Wettbewerb.Dort präsentierten sich die japanischen Weltmeister Riku Miura/Ryuichi Kihara mit der Bestleistung von 82,84 Punkten in starker Form. Auch die dahinter platzierten Paare Anastassia Metelkina/Luka Berulawa (Georgien/77,54) und Sara Conti/Niccolò Macii (Italien/76,65) überzeugten. (sid)

Papst Leo XIV. hat vor dem Beginn der Winterspiele dazu aufgerufen, die Tradition der „Olympischen Waffenruhe“ zu respektieren. „Ich ermutige alle Nationen nachdrücklich, anlässlich der bevorstehenden Olympischen und Paralympischen Winterspiele dieses Instrument der Hoffnung, das die Olympische Waffenruhe darstellt, wiederzuentdecken und zu respektieren“, erklärte der Papst am Freitag in einem vom Vatikan veröffentlichten Dokument. Dies sei „ein Zeichen und eine Verheißung für eine versöhnte Welt“.In Anlehnung an eine jahrtausendealte griechische Tradition der Olympischen Waffenruhe wird der Olympische Frieden seit 1993 alle zwei Jahre vom Gastgeberland bei den Vereinten Nationen eingeführt. Die UN-Mitgliedstaaten hatten im November vergangenen Jahres eine Resolution verabschiedet, in der sie dazu aufriefen, internationale Konflikte während der Olympischen Spiele auszusetzen. Dieses Leitbild wird zwar alle zwei Jahre grundsätzlich befürwortet, es wird aber immer wieder ignoriert.Theoretisch würde eine solche Olympische Waffenruhe sieben Tage vor dem Beginn der Spiele am 6. Februar in Kraft treten und bis sieben Tage nach Ende der Paralympics am 15. März gelten. Doch ein Ende des Ukraine-Krieges etwa scheint angesichts fortgesetzter russischer Angriffe in weiter Ferne. (AFP)

Die derzeit gesperrte deutsche Skilangläuferin Victoria Carl hat vor dem ersten Rennen bei den Olympischen Winterspielen am Samstag (13.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026, in der ARD und bei Eurosport) in Val di Fiemme den Kontakt zum deutschen Team gesucht. „Wir haben gestern in kleiner Runde gesprochen“, sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder und berichtete von einer Videoschalte.Olympiasiegerin Carl, die nach einer positiven Dopingprobe aktuell vom Wettkampf- und Trainingsbetrieb ausgeschlossen ist, wäre zumindest Anwärterin auf Edelmetall gewesen. Nun kämpft sie separiert mit aller Macht um eine Rückkehr. „Es ist faszinierend, wie intrinsisch motiviert sie ist. Wie sie sich kleine Ziele setzt oder wieder etwas findet, woran sie sich hochzieht“, sagte Schlickenrieder.Vor vier Jahren in Peking stürmte Carl im Teamsprint zusammen mit Katharina Hennig Dotzler überraschend zu Gold. Im vergangenen März wurde die 30-Jährige bei einer Kontrolle außerhalb des Weltcups positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet. Das Kälbermastmittel ist ein Medikament, das in erster Linie zur Behandlung von Atemwegserkrankungen wie Asthma eingesetzt wird.Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) erließ im vergangenen September einen Sanktionsvorschlag über zwei Jahre. Ein endgültiges Ergebnis steht noch aus. (dpa)