FAZ 22.02.2026
21:07 Uhr

Liveblog Olympia 2026: Italien feiert Olympia-Abschied – Staatspräsident fehlt


Abschlusszeremonie in berühmter Arena von Verona +++ Freiwillige müssen Fahnen etlicher Länder tragen +++ Leere Plätze wie bei Eröffnung in San Siro +++ alle Olympia-2026-News im Liveblog.

Liveblog Olympia 2026: Italien feiert Olympia-Abschied – Staatspräsident fehlt

Italiens Fahnenträger:  Der Eisschnelläufer Davide Ghiotto und die Biathletin Lisa Vittozzi, die während der gesamten letzten Runde in Antholz lächelte. Sie wird in Italien „der Phönix des italienischen Biathlons“ genannt, weil sie nach einem extremen Tief, Rückenproblemen und Panikattacken wieder in den Spitzensport zurückfand. Davide Ghiotto findet nach dem Training noch Zeit für Nietzsche und Schopenhauer. Er hat einen Abschluss in Philosophie.  Das Thema seiner Abschlussarbeit: Schopenhauer und die Ethik des Selbstmords.  In einem Interview mit dem \"Corriere della sera\" hat er gesagt, er führe vor jedem Wettkampf ein Gespräch mit seinen Schlittschuhen und versuche sie zu überreden, ihm zu helfen.

Es passen eigentlich bis zu 20.000 Zuschauer in die Arena. Aber da sind einige Plätze leer geblieben – ähnlich wie bei der Eröffnungsfeier im San Siro Stadion. Ein Tipp für alle, die mal in der Arena von Verona eine Opernaufführung schauen wollen. Wenn es das Budget zulässt, nicht die billigsten Plätze für 30 Euro nehmen, man sitzt da auf Steinstufen. Auf die Dauer ist das selbst mit Sitzkissen unangenehm.

Wendl/Arlt tragen die Fischerhüte. Konsequent. Einerseits. Andererseits haben Deutsche in Italien schon andere modische Vergehen begangen, hörten wir. 

Italiens Staatspräsident Mattarella hat die italienischen Athleten mehrmals am Rand der Piste getroffen und ist nicht in Verona anwesend. Emmanuel Macron ist auch nicht in der Arena, er soll, wie die italienische Presse meint, angeblich keine Lust haben, Giorgia Meloni zu begegnen, da es politisch zwischen den beiden geknirscht hat in den vergangenen Tagen. Er hat offenbar auch nicht Premierminister Sébastien Lecornu nach Verona geschickt. Die Etikette würde verlangen, dass der Staatspräsident die Fackel der nächsten Spiele übernimmt. 

Wem der \"Canto degli Italiani\" nun gerade etwas getragen vorkam: Das war das \"offizielle\" Tempo. Beim Fußball, sagen F.A.Z.-Quellen, wird eine beschleunigte Version gespielt.

Neben Giorgia Meloni steht der Parlamentspräsident Ignazio La Russa, auch von Melonis \"Fratelli d'Italia\". Er zeigt Journalisten gern die Sammlung von Mussolini-Büsten, die er zu Hause hat.

Die italienische Flagge wird hereingetragen und gleich die Nationalhymne gespielt. Die Medaillengewinner betreten die Arena. Italien hat 30 Medaillen gewonnen, ein absoluter Rekord.

Angenehm kritische Worte von Stefan Bier im ZDF zu den negativen Seiten der \"dispersed games\", der auf viele Orte aufgeteilten Spiele von Mailand und Cortina. Wenn Freiwillige die Flaggen etlicher teilnehmenden Länder tragen müssen, weil zur Schlussfeier niemand mehr da oder jedenfalls nicht am Ort derselbigen ist, zeigt sich, dass Konzepte immer eine Fassade errichten: Schön anzusehen im Fernsehen. Dahinter sieht es bisweilen anders aus. 

Schon jetzt lässt sich festhalten: In Sachen Hutmode setzt Verona gerade Maßstäbe. Ganz große Oper. Offen zum jetzigen Zeitpunkt: Lassen die Deutschen angesichts des Spektakels tatsächlich die Fischerhüte auf?

... ein bisschen Verdi kann nie schaden... Es waren Pro-Palestina-Demonstrationen und Demonstrationen des Netzwerks „Olimpiadi, no grazie“ (Olympische Spiele, nein danke) angekündigt. Aber es soll fast unmöglich sein, sich der Arena zu nähern, wenn man keine Tickets hat. Aus Verona ist außerdem zu hören, dass die Stadt sehr leer sein soll. Die meisten Veroneser, die, wie man in Italien sagt, „tutti mati” (alle verrückt) sein sollen, sind aus der Stadt geflohen und haben die Touristen in überteuerten Hotels zurückgelassen. 

Los geht’s in der Arena di Verona. Man ist dort sehr geübt, große Spektakel zu veranstalten. Das antikes römisches Amphitheater im Zentrum von Verona dient im Sommer immer als Bühne für Open-Air-Opernaufführungen und Konzerte. Für die Abschlussfeier und weil dort am 6. März die Eröffnungsfeier für die Paralympics stattfinden werden, wurde sie barrierefrei gemacht – aber leider nur temporär. Die wichtigsten Arbeiten, die der Stadt als Vermächtnis erhalten bleiben, werden erst im Juli 2027 abgeschlossen sein. 

Umgeschaltet auf ZDF: Wendl/Arlt, Vorname jeweils Tobias, werden nach ihrer Fahnenträgerstrategie für die Schlussfeier gefragt. Wir stellen fest: Sie haben wieder die berühmt-berüchtigten Fischerhüte auf. Nun gut. Petri heil.

Guten Abend aus Mailand, von wo wir die Schlussfeier in Verona im italienischen und im deutschen Fernsehen verfolgen. Hier, am Arco della Pace erlischt heute Abend das Olympische Feuer. Momentan läuft ein XXL-Highlightreel aller italienischen Erfolge auf Rai Due - die Gastgeber haben zehn Gold-, sechs Silber- und vierzehn Bronzemedaillen gewonnen und stehen im Medaillenspiegel dort, wo die Deutschen gerne wären: Platz drei hinter Norwegen und den Vereinigten Staaten.

Nach dem Triumph der US-Stars im olympischen Eishockey-Finale über den großen Rivalen Kanada ließ auch die Reaktion aus dem Weißen Haus nicht lange auf sich warten. „Gratulation an unser großartiges US-Eishockeyteam. Sie haben Gold gewonnen. Wow. Donald J. Trump“, hieß es in einer Mitteilung auf X. Auf einem Bild dazu war Trump mit einem Eishockey-Schläger beim Empfang von Stanley-Cup-Sieger Florida Panthers zu sehen.Ein weiteres vom Weißen Haus gepostete Foto war brisanter: Es zeigte einen Weißkopfseeadler, der Nationalvogel der Vereinigten Staaten, auf Beutezug. Darunter war ein alter Post des ehemaligen kanadischen Premierministers Justin Trudeau vom vergangenen Jahr zu sehen, als dieser schrieb: „Ihr könnt nicht unser Land nehmen – und ihr könnt nicht unser Spiel nehmen.“ Damals hatte Kanada in Zeiten politischer Spannungen im Finale des Vier-Nationen-Turniers gegen die USA gewonnen. Jetzt gab es also den Revanche-Post des Weißen Hauses. (dpa)