FAZ 06.02.2026
20:45 Uhr

Liveblog Olympia 2026: Eröffnungsfeier in Italien – Olympische Ringe in San Siro


Mode und Musik bei Show in San Siro in Mailand +++ Staatspräsident kommt per Tram ins Stadion +++ J. D. Vance mit riesiger Fahrzeugkolonne +++ Proteste gegen Spiele +++ alle Olympia-2026-News im Liveblog.

Liveblog Olympia 2026: Eröffnungsfeier in Italien – Olympische Ringe in San Siro

Ob Predazzo, Cortina, Livigno oder Milano: Die Goldenen Ringe sind die Einfallstore für die Athletinnen und Athleten an allen Standorten. 

Jedes Team, das mehr als eine Frau mit den Händen voll ICE, pardon, Eis zu bieten hat, bekommt Riesenjubel der Zuschauer. Jüngstes Beispiel: Brasilien.

Selten gab es für eine armenische Olympia-Mannschaft so viel Jubel. Die Mailänder freuen sich, dass sie auch ein paar Sportlerinnen und Sportler zu sehen bekommen. Oder sagen wir so: Mehr Platz im Mittelfeld des Giuseppe-Meazza-Stadion hatte zuletzt Lothar Matthäus am 10. Juni 1990.

Der Einmarsch der Nationen verläuft im neuen Modus. Die armenischen Athletinnen und Athleten sind die ersten, die tatsächlich im San-Siro-Stadion einlaufen. Bis dahin wurden nur Schilder mit den Namen Griechenlands, Albaniens, Andorras, Saudi-Arabiens und Argentiniens präsentiert – die Sportler marschierten aber an den Außenstandorten Livigno, Predazzo oder Cortina ein.   

Benvenuto aus Cortina: Die griechische Delegation meldet sich als erste Nation auf dem Laufsteg in der Fußgängerzone der alpinen Olympiastadt von 1956 und 2026 – sie kommen zu zweit! 

Über dem Stadionraum schweben jetzt die fünf Ringe. Die Zuschauertribünen sind abgedunkelt, bis auf kleine Sternenlichter. Sieht schön aus und ist praktisch, weil man nicht die vielen freien Plätze sieht.  Die Karten waren einfach zu teuer und Kurzentschlossene gab es kaum. Es war ja heute schulfrei, da sind viele Mailänder lieber in die Berge zum Skilaufen.

Und damit ist das Branding auch eingeführt. Die Ringe leuchten im Giuseppe-Meazza-Stadion fast so hell wie die Augen von Lothar Matthäus nach dem Tor zum 1:0 gegen Jugoslawien am 10. Juni 1990. 

Der Schauspieler Pierfrancesco Favino hat die Bühne betreten und rezitiert das sehr bekannte italienische Gedicht \"L'infinito\" (Die Unendlichkeit) von Leopardi, das eigentliches jedes italienische Schulkind lernen muss. Es ist ein zentrales Werk der italienischen Romantik das wahrscheinlich 1819 entstand. Seine Botschaft lautet, dass der Mensch durch Vorstellungskraft und Denken die Grenzen der Realität überschreiten kann. Favino ist einer der ganz großen italienischen Filmstars und  derzeit einer der aktivsten Protagonisten der italienischen Kulturszene. Anfang der Woche hatte er sein Debüt als Theaterregisseur: Am Teatro Comunale di Todi mit dem Stück „People, Places and Things” von Duncan Macmillan. 

Mitreißende Fratelli d'Italia von Frau Pausini, die es in dieser sehr italienischen Disziplin durchaus mit den Leistungen der squadra azzurra bei ihren Auftritten in Fußball-Turnieren aufnehmen kann.

Jetzt ist die Mode an der Reihe. Models in den Farben der Trikolore spazieren über den Laufsteg, sie haben die italeinsiche Flagge dabei, die jetzt gleich im Stadion gehisst werden wird. Laura Pausini singt die Nationalhymne . Pausini ist eine der international erfolgreichsten italienischen Sängerinnen, bekannt für Hits wie „La Solitudine“. Sie ist die einzige italienische Künstlerin, die sowohl einen Grammy als auch einen Golden Globe gewonnen hat und für einen Oscar nominiert wurde. 

Auf dem Bildschirm im Stadion sieht man Staatspräsident Mattarella, wie er aus seiner Tram aussteigt. Jetzt betritt er das Stadion und alle jubeln, Mattarella ist sehr beliebt. An der Seite ist wie immer bei solchen Anlässen seine Tochter.

Und bitte, liebe tedeschi zwischen Flensburg und Oberammergau, Aachen und Bautzen, was könnte denn italienischer sein als ein geschmachtetes \"Volare\" von ... Mariah Carey? Hier geht offenbar einiges. Womöglich auch Pizza mit Ananas.  

Mariah Carey singt auf Italienisch „Nel blu dipinto di blu” und trägt ein mit Silberstrass besetztes Kleid mit weißer Federboa. Das Lied ist von Domenico Modugno und Johnny Dorelli. Die Inspiration für diesen „mit Sternen übersäten Himmel“ kam Franco Migliacci nicht beim Anblick des blauen Sommerhimmels, sondern beim Anblick des „gemalten Blaus“ auf dem Gemälde von Marc Chagall. Das ganze Stadion leuchtet passend in blauen und roten Lichtern.

Die Show hat mit einer Hommage an Italiens Liebe zur Schönheit und an Antonio Canova,  begonnen.  Der Mythos von Amor und Psyche ist auf der Bühne zu einer symbolischen Erzählung geworden, von Tänzerinnen in Szene gesetzt. Dann kam die Musik, jetzt ist die Malerei dran und buntgekleidete Tänzer wirbeln als bunte Farbkleckse über die Bühne und werden zu einem Regenbogen.