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06.02.2026
20:34 Uhr
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Mode und Musik bei Show in San Siro in Mailand +++ Staatspräsident kommt per Tram ins Stadion +++ J. D. Vance mit riesiger Fahrzeugkolonne +++ Proteste gegen Spiele +++ alle Olympia-2026-News im Liveblog.

Pressesprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt (Archiv). (Foto: Alex Brandon/AP)
Der Schauspieler Pierfrancesco Favino hat die Bühne betreten und rezitiert das sehr bekannte italienische Gedicht \"L'infinito\" (Die Unednlichkeit) von Leopardi, das eigentliches jedes italienische Schulkind lernen muss. Es ist ein zentrales Werk der italienischen Romantik das wahrscheinlich 1819 entstand. Seine Botschaft lautet, dass der Mensch durch Vorstellungskraft und Denken die Grenzen der Realität überschreiten kann. Favino ist einer der ganz großen italienischen Filmstars und derzeit einer der aktivsten Protagonisten der italienischen Kulturszene. Anfang der Woche hatte er sein Debüt als Theaterregisseur: Am Teatro Comunale di Todi mit dem Stück „People, Places and Things” von Duncan Macmillan.
Mitreißende Fratelli d'Italia von Frau Pausini, die es in dieser sehr italienischen Disziplin durchaus mit den Leistungen der squadra azzurra bei ihren Auftritten in Fußball-Turnieren aufnehmen kann.
Jetzt ist die Mode an der Reihe. Models in den Farben der Trikolore spazieren über den Laufsteg, sie haben die italeinsiche Flagge dabei, die jetzt gleich im Stadion gehisst werden wird. Laura Pausini singt die Nationalhymne . Pausini ist eine der international erfolgreichsten italienischen Sängerinnen, bekannt für Hits wie „La Solitudine“. Sie ist die einzige italienische Künstlerin, die sowohl einen Grammy als auch einen Golden Globe gewonnen hat und für einen Oscar nominiert wurde.
Auf dem Bildschirm im Stadion sieht man Staatspräsident Mattarella, wie er aus seiner Tram aussteigt. Jetzt betritt er das Stadion und alle jubeln, Mattarella ist sehr beliebt. An der Seite ist wie immer bei solchen Anlässen seine Tochter.
Und bitte, liebe tedeschi zwischen Flensburg und Oberammergau, Aachen und Bautzen, was könnte denn italienischer sein als ein geschmachtetes \"Volare\" von ... Mariah Carey? Hier geht offenbar einiges. Womöglich auch Pizza mit Ananas.
Mariah Carey singt auf Italienisch „Nel blu dipinto di blu” und trägt ein mit Silberstrass besetztes Kleid mit weißer Federboa. Das Lied ist von Domenico Modugno und Johnny Dorelli. Die Inspiration für diesen „mit Sternen übersäten Himmel“ kam Franco Migliacci nicht beim Anblick des blauen Sommerhimmels, sondern beim Anblick des „gemalten Blaus“ auf dem Gemälde von Marc Chagall. Das ganze Stadion leuchtet passend in blauen und roten Lichtern.
Die Show hat mit einer Hommage an Italiens Liebe zur Schönheit und an Antonio Canova, begonnen. Der Mythos von Amor und Psyche ist auf der Bühne zu einer symbolischen Erzählung geworden, von Tänzerinnen in Szene gesetzt. Dann kam die Musik, jetzt ist die Malerei dran und buntgekleidete Tänzer wirbeln als bunte Farbkleckse über die Bühne und werden zu einem Regenbogen.
Neben uns sitzen übrigens zur Linken Alexander Butenko aus Lviv und Alexander Hlyvynskyi aus Kiew, die über das ukrainische olympische Komitee akkreditiert sind, für ihren YouTube-Kanal berichten und mit ihren Gedanken in der Heimat sind. Sechzehn, achtzehn Stunden sei Kiew teilweise ohne Strom derzeit und das Morden der russischen Angreifer nehme kein Ende. Zugleich seien alle Ukrainer in Mailand, 46 Sportlerinnen und Sportler in elf Disziplinen, sehr stolz, ihr Land hier vertreten zu dürfen. \"Das ist eine Plattform, eine Tribüne, unser Land zu zeigen. Dass unsere Flagge hier zu sehen ist, ist sehr wichtig\", sagt Alexander Butenko. Wir kommen auf die beiden und die Ukraine im Laufe des Abends noch einmal zurück.
J. D. Vance war heute noch kurz in Mailand im Museum. Zusammen mit Außenminister Marco Rubio, Giorgia Meloni und Italiens Außenminister Antonio Tajani stattete er der Pinacoteca di Brera einen halbstündigen Besuch ab. Begleitet wurde er von einer sehr langen Fahrzeugkolonne, bestehend aus 26 SUVs und Fahrzeugen der italienischen Polizei sowie gepanzerten Fahrzeugen der US-Sicherheitskräfte. In der Stadt sind insgesamt 3000 Sicherheitskameras während der Spiele im Einsatz.
Das Licht ist an, gleich kann es losgehen. Soeben sagen die Stadionsprecher durch, dass in zehn Minuten die Feier beginnt. Der Blick der Außenkameras auf das San-Siro-Stadion zeigt, dass draußen keine Menschenmassen mehr auf den Einlass warten. Und drinnen sind auf den Tribünen weiterhin viele leere Plätze zu sehen.
Angeführt werden die deutschen Athletinnen und Athleten nachher von Leon Draisaitl. Der Eishockeyprofi ist es gewohnt, in der NHL im Rampenlicht zu stehen. Mit den Olympischen Spielen betritt aber auch er Neuland. Der gebürtige Kölner ist schlicht zu gut und war deswegen in den vergangenen Jahren fester Bestandteil einer Liga, die sich eigentlich nur um sich selbst dreht - nun aber erstmals seit zwölf Jahren wieder eine Olympia-Pause einlegt. Draisaitl sagte nach seiner Ankunft in Mailand, dass seine Vorfreude auf die kommenden Tage \"unfassbar\" groß sei.
Der Countdown läuft. Unten auf dem Rasen mühen sich zwei DJs und ein Moderator, die Stimmung im San-Siro-Stadion anzuheizen. Erste Versuche, eine La-Ola-Welle über die (nach wie vor bei weitem nicht voll besetzten) Tribünen schwappen zu lassen, verliefen ausbaufähig. Auf vier Großbildschirmen wird alles von einer Gebärdensprachdolmetscherin übersetzt.
Derweil gibt es an der Abendkasse noch ein paar Tickets. Der Vorverkauf war ein Thema in Mailand: zuletzt gab es Gen-Z-Angebote. Zwei Karten zum Preis von einer für Unter-26-Jährige. Ein Schnäppchen war es bei Kartenpreisen ab 260 Euro trotzdem nicht. Und Volunteers hatten die Möglichkeit, bis zu vier Karten zu je 26 Euro zu kaufen. Ob es am Ende doch ausverkauft sein wird? Abwarten.
Während immer mehr Menschen über die Zufahrtswege zum Giuseppe-Meazza-Stadion kommen, wurde bis 19 Uhr in einem der angrenzenden Stadtteile demonstriert. Einige Sozialzentren und Aktivistengruppen und das Komitee „Insostenibili Olimpiadi” (nicht-nachhaltige Olympische Spiele), das seit Monaten gegen die bevorstehende Sportveranstaltung protestiert, hatten zu der Demo aufgerufen, die sich gegen die Olympischen Spiele und die Mailänder Wohnungspolitik richtet. Etwa zweihundert Demonstranten mit Fahnen, Megaphonen und Rauchbomben standen in der Viale Mar Jonio, nur wenige hundert Meter vom Stadion entfernt. Polizeikräfte mit Wasserwerfern verhinderten, dass die Protestierenden ihren Weg zum Stadion fortsetzen.Das Komitee kritisiert das olympische Modell, das seiner Meinung nach „große Gewinne für wenige und kollektive Kosten für viele” mit sich bringe. Der Bau von Anlagen wird als Eingriff in das Ökosystem der Berge angesehen, das Risiko „nicht nachhaltiger Spiele” sei für das Gebiet zu groß. Öffentliche Mittel sollten für grundlegende Dienstleistungen und das Recht auf Wohnen statt für temporäre Sportinfrastrukturen verwendet werden. Schon heute Morgen war es zu Protesten gekommen. Am Vormittag fand eine Demonstration gegen die Anwesenheit der ICE statt, deren Beamte im US-Konsulat in Mailand eingesetzt werden, um die Sicherheit der US-Delegation während der Spiele zu gewährleisten. An der Demonstration nahmen etwa tausend Jugendliche teil, darunter auch viele Schüler von Gymnasien und Oberschulen, die heute aufgrund der Entscheidung der Präfektur, die Schulen anlässlich der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele zu schließen, zu Hause geblieben waren.