Andererseits: Dank des Internets kann man sich ja die Zeit vertreiben. Wer das schönste Lied mit San-Siro-Kontext kennenlernen möchte, google einfach Adriano Celentano und Eravamo in 100.000. Io dell'I-InterLei del Mi-MilanOh, bella mora.
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06.02.2026 21:07 Uhr |

Andererseits: Dank des Internets kann man sich ja die Zeit vertreiben. Wer das schönste Lied mit San-Siro-Kontext kennenlernen möchte, google einfach Adriano Celentano und Eravamo in 100.000. Io dell'I-InterLei del Mi-MilanOh, bella mora.
Aus dramaturgischen Gesichtspunkten ist das Konzept \"dispersed games\" beim Einzug der Mannschaften womöglich nochmal zu überdenken. Die Veranstaltung beginnt sich hier im Stadion zu ziehen. Es passiert schlicht zu wenig. Sollten Zuschauer das Gen-Z-Angebot angenommen haben, swipen sie womöglich schon weiter.
Sehr großer Jubel auch für China. In Mailand lebt seit vielen Jahrzehnten eine große chinesische Community, die offenbar an diesem Wochenende NICHT zum Skifahren in die Berge gefahren ist.
Zur deutschen Delegation gehört auch das Frauen-Eishockeyteam. Für die Auswahl von Bundestrainer MacLeod geht es an diesem Samstag um 12.10 Uhr im Turnier bereits mit dem zweiten Spiel weiter. Gegner ist dann Japan. Nach der Niederlage zum Auftakt gegen Schweden (1:4) am Donnerstag haben sich die Deutschen ein besseres Abschneiden zum Ziel gesetzt. Um die Vorbereitung durch die Teilnahme an der Eröffnungsfeier nicht zu beeinträchtigen, hat sich das Team für einen schnellen Abgang entschieden und macht von der sogenannten \"Easy-Exit\"-Option Gebrauch – sie ermöglicht durch einen Seitenausgang den schnellen Rückzug ins Olympische Dorf.
Großer Jubel nun für Kanada, IOC-Mitglied Tricia Smith schwenkt eine kleine Ahornblatt-Flagge auf der Tribüne, neben ihr schaut Karl Stoss zu und wirkt, als denke er immer noch an die Olympic Programme Working Group und das künftige Programm bei Winterspielen. Fit for future, Herr Stoss?
Vor den Athleten laufen Models mit Skibrille und Handschuhen und sehr langen, sehr auffälligen goldsilbernen Steppmäntel-Kleidern, die weder für den Après-Ski noch für den Alltag gemacht sind. Sie tragen anstelle von Schildern etwas auf dem Arm, das wie riesige Eisblöcke aussieht. Oder ist es Eis? Die Show ist auch eine Hommage an Giorgio Armani. In diesem Augenblick auf jeden Fall.
Ob Predazzo, Cortina, Livigno oder Milano: Die Goldenen Ringe sind die Einfallstore für die Athletinnen und Athleten an allen Standorten.
Jedes Team, das mehr als eine Frau mit den Händen voll ICE, pardon, Eis zu bieten hat, bekommt Riesenjubel der Zuschauer. Jüngstes Beispiel: Brasilien.
Selten gab es für eine armenische Olympia-Mannschaft so viel Jubel. Die Mailänder freuen sich, dass sie auch ein paar Sportlerinnen und Sportler zu sehen bekommen. Oder sagen wir so: Mehr Platz im Mittelfeld des Giuseppe-Meazza-Stadion hatte zuletzt Lothar Matthäus am 10. Juni 1990.
Der Einmarsch der Nationen verläuft im neuen Modus. Die armenischen Athletinnen und Athleten sind die ersten, die tatsächlich im San-Siro-Stadion einlaufen. Bis dahin wurden nur Schilder mit den Namen Griechenlands, Albaniens, Andorras, Saudi-Arabiens und Argentiniens präsentiert – die Sportler marschierten aber an den Außenstandorten Livigno, Predazzo oder Cortina ein.
Benvenuto aus Cortina: Die griechische Delegation meldet sich als erste Nation auf dem Laufsteg in der Fußgängerzone der alpinen Olympiastadt von 1956 und 2026 – sie kommen zu zweit!
Über dem Stadionraum schweben jetzt die fünf Ringe. Die Zuschauertribünen sind abgedunkelt, bis auf kleine Sternenlichter. Sieht schön aus und ist praktisch, weil man nicht die vielen freien Plätze sieht. Die Karten waren einfach zu teuer und Kurzentschlossene gab es kaum. Es war ja heute schulfrei, da sind viele Mailänder lieber in die Berge zum Skilaufen.
Und damit ist das Branding auch eingeführt. Die Ringe leuchten im Giuseppe-Meazza-Stadion fast so hell wie die Augen von Lothar Matthäus nach dem Tor zum 1:0 gegen Jugoslawien am 10. Juni 1990.
Der Schauspieler Pierfrancesco Favino hat die Bühne betreten und rezitiert das sehr bekannte italienische Gedicht \"L'infinito\" (Die Unendlichkeit) von Leopardi, das eigentliches jedes italienische Schulkind lernen muss. Es ist ein zentrales Werk der italienischen Romantik das wahrscheinlich 1819 entstand. Seine Botschaft lautet, dass der Mensch durch Vorstellungskraft und Denken die Grenzen der Realität überschreiten kann. Favino ist einer der ganz großen italienischen Filmstars und derzeit einer der aktivsten Protagonisten der italienischen Kulturszene. Anfang der Woche hatte er sein Debüt als Theaterregisseur: Am Teatro Comunale di Todi mit dem Stück „People, Places and Things” von Duncan Macmillan.