FAZ 06.02.2026
10:58 Uhr

Liveblog Olympia 2026: „Die Frauen schauen zu, wie die Männer antreten“


Kombiniererin Armbruster fordert Gleichberechtigung +++ Skeletoni bittet US-Vizepräsident J. D. Vance um Hilfe +++ Olympiasiegerin warnt Vonn vor Start mit Kreuzbandriss +++ alle Olympia-2026-News im Liveblog.

Liveblog Olympia 2026: „Die Frauen schauen zu, wie die Männer antreten“

Nach ihrem positiven Dopingtest glaubt das italienische Biathlon-Team an die Unschuld von Rebecca Passler. „Wir stehen hinter Rebecca und sind überzeugt, dass sie unschuldig ist und sich alles aufklären wird“, sagte Sportdirektor Klaus Höllrigl im Interview von „Rai News“. Die gesamte Mannschaft sei überzeugt, dass es sich um ein Missverständnis handle. Auch von den anderen Teams habe man viel Zuspruch für Passler erhalten. „Was das Allerwichtigste ist: Wir haben alle ein reines Gewissen“, sagte Höllrigl. Einen Generalverdacht gegenüber dem italienischen Team spüre man nicht. Die Nachricht sei am Montag aus heiterem Himmel gekommen und ein Schock gewesen. „Wir haben uns danach Rat von Psychologen geholt, wie wir jetzt am besten mit der Situation umgehen. Denn natürlich hat die Nachricht das ganze Team hart getroffen“, sagte Höllrigl. Die aus Antholz stammende Passler, wo ab Sonntag die olympischen Rennen der Skijäger stattfinden, wurde bei einer Kontrolle außerhalb des Wettkampfs im Januar laut Italiens Anti-Doping-Behörde positiv auf Letrozol getestet. Mit dem Medikament kann der Östrogenspiegel gesenkt werden, hauptsächlich wird es aber zur Krebsbehandlung eingesetzt. Der 24-Jährigen gehe es den Umständen entsprechend, aber „Rebecca ist eine starke Frau, sie wird es sicher mit der Zeit verarbeiten. Rebecca ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft“, sagte Höllrigl. Passler, die ursprünglich zu Italiens fünfköpfigem Frauenteam für die Winterspiele gehörte, wurde vorläufig suspendiert und verpasst die Rennen in ihrer Heimat. Eine Nachnominierung werde es momentan nicht geben, man plane mit den Medaillenanwärterinnen Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi sowie Hannah Auchentaller und Michela Carrara. Es könnte aber in einem Krankheitsfall oder als Reserve für die Staffel noch eine Skijägerin nachrücken. (dpa)

Olympia 2026: Neue Sportarten und Wettbewerbe in Mailand Cortina

Das Fehlen von Topfavorit Domen Prevc im ersten Olympiatraining hat bei den deutschen Skispringern für Verwunderung gesorgt. „Die kleine Schanze hier ist nicht einfach. Vielleicht rächt sich das“, sagte Philipp Raimund nach den ersten drei Sprüngen auf der Normalschanze in Predazzo am Donnerstagabend. Das slowenische Team um Weltmeister Prevc hatte sich entschieden, erst am Freitag nach Italien zu reisen. Prevc bleiben somit nur die drei Trainingssprünge am Sonntag, um sich vor der Entscheidung am Montag (19.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026 in der ARD und auf Eurosport) an die umgebaute Normalschanze zu gewöhnen. Am Donnerstag blieb er ebenso wie seine Teamkollegen Anže Lanišek und Timi Zajc in Planica. Zur Eröffnungsfeier reiste Prevc dann an, schließlich ist er gemeinsam mit seiner Schwester Nika Fahnenträger. Prevc kann in Italien seinen vierten großen Sieg innerhalb von nur zwölf Monaten holen: Bei WM, Vierschanzentournee und Flug-WM hat er bereits triumphiert. Holt er auch Olympiagold, fehlt ihm von den fünf großen Einzeltiteln nur noch der Gesamtweltcup, diesen führt er derzeit an. Alle fünf Titel hat bislang nur der 2019 verstorbene Finne Matti Nykänen geschafft – in seiner ganzen Karriere wohlgemerkt. (sid)

Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele gibt es Ärger um einen der Auftritte bei der Eröffnungsfeier in Mailand: Der Italo-Rapper Ghali hat behauptet, vom Singen der italienischen Nationalhymne ausgeschlossen worden zu sein. Der Zweiunddreißigjährige – außerhalb Italiens wenig bekannt – gehört zu den Künstlern, die bei der Eröffnungsshow vor mehr als 70.000 Zuschauern im San-Siro-Stadion auftreten sollen. Die Hymne soll von der italienischen Sängerin Laura Pausini kommen. Auf seinem Instagram-Account schrieb Ghali, der mit Nachnamen Amdouni heißt: „Ich weiß, warum ich die italienische Nationalhymne nicht mehr singen durfte. (...) Ich weiß auch, dass mein Schweigen Lärm macht. Ich weiß, dass alles ein großes Theater ist.“ Eine genauere Erklärung blieb er allerdings schuldig. Der Mailänder hatte 2024 beim Musikfestival von Sanremo Schlagzeilen gemacht, weil er mit Blick auf Israels Vorgehen im Gazastreifen von „Völkermord“ gesprochen hatte. Aus der rechten Dreierkoalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die in Rom an der Regierung ist, hatte es zuvor schon Kritik an Ghalis Auftritt bei der Eröffnungsfeier gegeben. Sportminister Andrea Abodi kündigte an, der Rapper werde „auf der Bühne seine Meinung nicht äußern“. Bei der Eröffnungsfeier müssten „Grundsätze der olympischen Werte“ eingehalten werden. Die kleinere Regierungspartei Lega warf Ghali vorab bereits vor, Italien „demütigen“ zu wollen. (dpa) 

Skeletoni Katie Uhlaender will im Kampf um ihre Olympiateilnahme nicht klein beigeben und hat US-Vizepräsident J. D. Vance um Hilfe gebeten. „Er ist unser Olympiadelegierter und genießt meines Wissens einen guten internationalen Ruf. Ich hielt das für eine gute Gelegenheit, auf die größte Bedrohung für den Sport aufmerksam zu machen: Wettbewerbsmanipulation“, sagte Uhlaender der schwedischen Tageszeitung Expressen. „Ich hatte immer geglaubt, Doping sei die größte Bedrohung für den Sport, aber es ist das hier“, ergänzte Uhlaender. Die zweimalige Weltmeisterin aus den USA fühlt sich vom kanadischen Team um einen Platz bei den Winterspielen von Mailand und Cortina d’Ampezzo betrogen. Uhlaender hatte zuletzt vor der Ad-hoc-Kammer des Internationalen Sportgerichtshofs CAS eine Abfuhr kassiert. Diese erklärte sich für ihren Fall als nicht zuständig, weil er zu lange zurückliege. Die Einundverizigjährige beklagt „offensichtliche Wettbewerbsmanipulation“ der Kanadier durch den Rückzug von vier Starterinnen bei einem Rennen in Lake Placid. Uhlaender hatte im Januar auf ihrer Heimstrecke gesiegt, durch das kurzfristige Fehlen der Konkurrenz aber nicht die nötigen Qualifikationspunkte für Olympia sammeln können. Kanada hätte einen seiner eigenen Olympiastartplätze verlieren können, wäre das Quartett angetreten. Der Verband wies die Vorwürfe der Manipulation zurück, Grund für den Rückzug sei ein anstrengender Zeitplan gewesen. Eine Untersuchung des Internationalen Bob- und Skeletonverbandes sowie ein anschließender Einspruch von Uhlaender blieben ergebnislos. Am vergangenen Samstag beantragte das US-Olympiakomitee, unterstützt von acht weiteren Ländern, die Schaffung einer Wildcard. Das Schreiben ging auch an IOC-Präsidentin Kirsty Coventry. (sid) 

Olympiasiegerin Maria Riesch hat Lindsey Vonn nach deren Kreuzbandriss vor dem Risiko bei einem Olympiastart gewarnt. „Es ist ein Ritt auf Messers Schneide, was sie sich da in Cortina zumutet“, sagte Riesch der „Rheinischen Post“. Zwar sei Vonn topfit, habe nach eigenen Angaben keine Schmerzen und verfüge über ein gutes Stabilitätsgefühl sowie eine gute Muskulatur. „Aber es ist in einer Extremsituation eben das Kreuzband des linken Knies gerissen. Das ist sehr riskant“, sagte Riesch.Die 41 Jahre alte Vonn war am vergangenen Freitag in der letzten Weltcup-Abfahrt vor den Spielen im schweizerischen Crans-Montana heftig gestürzt und in ein Fangnetz gerauscht. Dabei zog sie sich nach eigenen Angaben einen Riss des vorderen Kreuzbandes und Knochenprellungen zu. Mit Blick auf die Abfahrt am Sonntag (11.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026 und im ZDF) sei sie dennoch zuversichtlich. Auch Starts im Super-G und in der Teamkombination schloss sie nicht aus.Dass Vonn trotzdem um die Medaillen kämpfen will, kann Riesch nachvollziehen: „Sie sieht diese Chance, sonst würde sie nicht starten.“ Bereits ein Podestplatz wäre nach der Verletzung aus Rieschs Sicht eine „absolute Sensation“. Die dreimalige Alpin-Olympiasiegerin verwies aber darauf, dass Vonn schon einmal mit einem Kreuzbandriss gestartet sei, dann aber wegen Schmerzen bereits nach dem ersten Sprung ausgestiegen sei. „Ich weiß, meine Chancen sind nicht mehr so groß wie vorher. Aber solange es eine Chance gibt, werde ich es versuchen“, sagte Vonn. Der Skirennsport sei nun mal gefährlich und sie gehe ans Limit, erklärte die langjährige Speed-Queen und viermalige Gesamtweltcupgewinnerin.Vonn war im Dezember 2024 unter großem Aufsehen in den Weltcup zurückgekehrt. Sie fährt inzwischen mit einer Teilprothese im rechten Knie. In der laufenden Saison zeigte sie sich bislang in Topform, fuhr schon zu zwei Siegen und fünf weiteren Podestplätzen. In Cortina d'Ampezzo ist zum Abschluss ihrer Karriere eine weitere Olympiamedaille nach Abfahrtsgold 2010 das große Ziel der einstigen Alpindominatorin. (dpa)

Olympia 2026 Zeitplan heute: Höhepunkte der Winterspiele am 6. Februar in Mailand und Cortina | FAZ

Olympia 2026: Es gibt Wichtigeres als Rang drei im Medaillenspiegel

Eishockeynationalspieler Tim Stützle reist mit einem Erfolgserlebnis zu den Olympischen Spielen. Der Vierundzwanzigjährige hat die Ottawa Senators in der NHL im letzten Spiel vor dem Abflug nach Italien zum Sieg geschossen. Gegen die Philadelphia Flyers erzielte Stützle das entscheidende 2:1 in der Verlängerung und bescherte seinem Team damit den fünften Sieg aus den vergangenen sechs Partien. Stützle vollendete nur 47 Sekunden nach Beginn der Overtime ein Zuspiel von Kapitän Brady Tkachuk und setzte sich dabei gegen Verteidiger Travis Sanheim durch. Der Deutsche traf damit im fünften Spiel in Serie und steht nach 57 absolvierten Partien bereits bei 61 Scorerpunkten. Als Tabellenzwölfter in der Eastern Conference haben die Senators noch Chancen auf den Einzug in die Playoffs. Zunächst stehen für Stützle jedoch die Olympischen Spiele an. Mit der deutschen Eishockeynationalmannschaft trifft der Stürmer zum Auftakt am 12. Februar auf Dänemark. (dpa)

Freestyle-Snowboarder Noah Vicktor hat auch bei seinen zweiten Olympischen Spielen den Einzug ins Big-Air-Finale verpasst. Der Vierundzwanzigjährige stürzte schon vor der Eröffnungsfeier am Freitag in der Qualifikation im italienischen Livigno bei seinen ersten beiden Versuchen. Damit hatte er bereits keine Chance mehr auf den Medaillenkampf der besten zwölf. Sein dritter Sprung reichte noch für 63,50 von maximal 100 Punkten – insgesamt bedeutete dies den 30. und letzten Platz. Bei seinen ersten Winterspielen in Peking 2022 hatte sich Vicktor als 24. ebenso nicht für das Finale qualifizieren können. Im Big-Air-Wettbewerb der Frauen ist Annika Morgan für das deutsche Team am Start. Für die Athleten geht es im Big Air darum, nach einem Sprung über eine große Rampe in der Luft Tricks zu zeigen und dann sicher zu landen. Für die Punktevergabe werden unter anderem die Schwierigkeit, saubere Ausführung, die Höhe und Landung berücksichtigt. Vicktor ist bei den Winterspielen von Mailand und Cortina auch noch in seiner Spezialdisziplin Slopestyle dabei. Die Qualifikation steht dabei am 16. Februar an. (dpa)

Freestyle-Snowboarder Noah Vicktor hat auch bei seinen zweiten Olympischen Spielen den Einzug ins Big-Air-Finale klar verpasst. Der Vierundzwanzigjährige stürzte schon vor der Eröffnungsfeier in der Qualifikation im italienischen Livigno bei seinen ersten beiden Versuchen. Damit hatte er bereits keine Chance mehr auf den Medaillenkampf der besten Zwölf. Sein dritter Sprung reichte noch für 63,50 von maximal 100 Punkten – insgesamt bedeutete dies den 30. und letzten Platz.Bei seinen ersten Winterspielen in Peking 2022 hatte sich Vicktor als 24. ebenso nicht für das Finale qualifizieren können. Im Big-Air-Wettbewerb der Frauen ist Annika Morgan für das deutsche Team am Start. (dpa) 

Unter großem Jubel und Applaus von mehreren Tausend Menschen ist die olympische Flamme am Donnerstag rund 24 Stunden vor der Eröffnungsfeier der Winterspiele in Norditalien in Mailand eingetroffen. Nach einer Reise über 12.000 Kilometer seit der Entzündung der Flamme am 26. November auf der griechischen Halbinsel Peloponnes trug die italienische Ballerina Nicoletta Manni die Fackel bei regnerischem Wetter auf die Piazza del Duomo vor den Mailänder Dom. Der olympische Fackellauf führt die Flamme am Freitag noch durch die gesamte Stadt. Dabei passiert das Feuer auch das San-Siro-Stadion, in dem die Eröffnungsfeier stattfinden wird. Als Höhepunkt der Zeremonie wird durch die Flamme in einem Kessel unter dem Friedensbogen das olympische Feuer entzündet. (sid)

Die deutschen Eishockey-Frauen verlieren ihr Auftaktspiel im olympischen Turnier gegen Schweden. Doch nicht nur im deutschen Spiel liegt noch einiges im Argen. Marc Heinrich berichtet:

Der Deutsche Olympische Sportbund hat über sein Ärzteteam die Athleten bei den Winterspielen sensibilisiert, mit erhöhter Achtsamkeit auf den Ausbruch des Norovirus im Olympischen Dorf zu reagieren. Die Sportlerinnen und Sportler seien unter anderem darauf hingewiesen worden, sich als Vorsichtsmaßnahme regelmäßig die Hände zu desinfizieren und den Besuch der öffentlichen Toiletten zu meiden, sagte ein Sprecher der F.A.Z. Gleichzeitig solle sich jeder bei einem möglichen Verdacht auf eine Ansteckung oder Beschwerden unmittelbar bei den medizinischen Betreuern melden. Sportärztin Dr. Katharina Blume stehe mit dem Olympiaorganisationskomitee und dem Internationalen Eishockey-Verband in Kontakt. Zudem habe ohnehin ein Teil der Athleten bereits vor Bekanntwerden der Krankheitswelle im finnischen Eishockey-Team Gesichtsmasken zum Schutz vor Infektionen getragen. Wegen des Norovirus-Ausbruchs war das Auftaktspiel der finnischen Frauen am Donnerstag um eine Woche verschoben worden; die Partie gegen die Kanadierinnen, die 2022 in Peking die Goldmedaille gewonnen haben, wird nun am kommenden Donnerstag ausgetragen. Darauf hatten sich die Teams mit den Veranstaltern geeinigt. Im Training standen Finnland zuvor nur noch zehn Spielerinnen, darunter zwei Torhüterinnen, zur Verfügung. Die übrigen 13 Spielerinnen befanden sich laut einer Sprecherin in Quarantäne oder Isolation. Laut Regularien sind 17 Spielerinnen nötig, damit eine Partie stattfinden kann. Schon tags zuvor waren von den Finnen sowohl das Training als auch Medienauftritte abgesagt worden. Teamärztin Maarit Valtonen hatte berichtet, dass es sich nach Magen-Darm-Problemen um das hoch ansteckende Norovirus handelt. Es verursacht einen plötzlich auftretenden, heftigen Brechdurchfall. Die Viren können über eine Schmierinfektion von Mensch zu Mensch oder etwa durch verunreinigtes Essen oder Wasser übertragen werden. Valtonen erklärte, dass die Erkrankten und ihre Zimmermitbewohnerinnen isoliert worden seien. „Und alle Räumlichkeiten des Teams im Olympischen Dorf und in der Eishalle werden desinfiziert, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Außerdem wird versucht, vorerst alle Kontakte zu vermeiden.“ Hätte Finnland nicht antreten können, wäre Kanada kampflos zum 1:0-Sieger erklärt worden. (mah.)