FAZ 06.02.2026
19:36 Uhr

Liveblog Olympia 2026: Countdown zur Eröffnungsfeier der Winterspiele läuft


Italiens Staatspräsident kommt per Tram ins Stadion +++ Strenge Kontrollen vor der Eröffnungsfeier +++ Tickets an der Abendkasse +++ Proteste gegen die Spiele +++ alle Olympia-2026-News im Liveblog.

Liveblog Olympia 2026: Countdown zur Eröffnungsfeier der Winterspiele läuft

Der Countdown läuft. Unten auf dem Rasen mühen sich zwei DJs und ein Moderator, die Stimmung im San-Siro-Stadion anzuheizen. Erste Versuche, eine La-Ola-Welle über die (nach wie vor bei weitem nicht voll besetzten) Tribünen schwappen zu lassen, verliefen ausbaufähig. Auf vier Großbildschirmen wird alles von einer Gebärdensprachdolmetscherin übersetzt.

Derweil gibt es an der Abendkasse noch ein paar Tickets. Der Vorverkauf war ein Thema in Mailand: zuletzt gab es Gen-Z-Angebote. Zwei Karten zum Preis von einer für Unter-26-Jährige. Ein Schnäppchen war es bei Kartenpreisen ab 260 Euro trotzdem nicht. Und Volunteers hatten die Möglichkeit, bis zu vier Karten zu je 26 Euro zu kaufen. Ob es am Ende doch ausverkauft sein wird? Abwarten.

Während immer mehr Menschen über die Zufahrtswege zum Giuseppe-Meazza-Stadion kommen, wurde bis 19 Uhr in einem der angrenzenden Stadtteile demonstriert. Einige Sozialzentren und Aktivistengruppen und das Komitee „Insostenibili Olimpiadi” (nicht-nachhaltige Olympische Spiele), das seit Monaten gegen die bevorstehende Sportveranstaltung protestiert, hatten zu der Demo aufgerufen, die sich gegen die Olympischen Spiele und die Mailänder Wohnungspolitik richtet. Etwa zweihundert Demonstranten mit Fahnen, Megaphonen und Rauchbomben standen in der Viale Mar Jonio, nur wenige hundert Meter vom Stadion entfernt. Polizeikräfte mit Wasserwerfern verhinderten, dass die Protestierenden ihren Weg zum Stadion fortsetzen.Das Komitee kritisiert das olympische Modell, das seiner Meinung nach „große Gewinne für wenige und kollektive Kosten für viele” mit sich bringe. Der Bau von Anlagen wird als Eingriff in das Ökosystem der Berge angesehen, das Risiko „nicht nachhaltiger Spiele” sei für das Gebiet zu groß. Öffentliche Mittel sollten für grundlegende Dienstleistungen und das Recht auf Wohnen statt für temporäre Sportinfrastrukturen verwendet werden. Schon heute Morgen war es zu Protesten gekommen. Am Vormittag fand eine Demonstration gegen die Anwesenheit der ICE statt, deren Beamte im US-Konsulat in Mailand eingesetzt werden, um die Sicherheit der US-Delegation während der Spiele zu gewährleisten. An der Demonstration nahmen etwa tausend Jugendliche teil, darunter auch viele Schüler von Gymnasien und Oberschulen, die heute aufgrund der Entscheidung der Präfektur, die Schulen anlässlich der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele zu schließen, zu Hause geblieben waren. 

Noch ist ein bisschen Zeit für Werbung: Wer hören möchte, wieso vor allem die Regierung der Vereinigten Staaten mit dem Besuch von JD Vance diese Spiele politisch so aufgeladen hat: Kathrin Jakob hat im Podcast für Deutschland das Thema sehr ausführlich beleuchtet - Anno Hecker und ich durften beitragen. 

An den Eingängen zum Stadion wird strikt kontrolliert. Unter anderem ist das Mitbringen von Getränken untersagt. Auch leere 0,5-Liter-Plastikflaschen, mit denen man wie am Flughafen hinter den Kontrollen Wasser abfüllen könnte, werden von den Ordnungskräften einkassiert. Vor den Getränkeständen, die ausschließlich Getränke von Olympia-Sponsoren verkaufen dürfen, bilden sich lange Schlangen. Das Bier in der Olympia-Editionsflasche kostet sieben Euro. Die Nachfrage ist groß.    

Gerade wurde bekannt, dass der italienische Staatspräsident Mattarella mit einer Tram, einem der Mailänder Wahrzeichen, ins Stadion gefahren kommen wird. Sein Fahrer: Valentino Rossi.

Die Olympische Fackel, die heute früh in Mailand in der Viale Pirelli gestartet ist und den ganzen Tag durch Mailand getragen wurde, ist am frühen Abend in der Darsena im Navigli-Viertel angekommen. Sie wurde dort in eine Vitrine verschlossen, um zur Eröffnungsfeier nach San Siro gebracht zu werden. Um 22 Uhr soll das Olympische Feuer am Arco della Pace entzündet werden.

So, unsere Plätze haben wir eingenommen. Die Kollegin Karen Krüger und der Kollege Christoph Becker sitzen an meiner Seite auf der Pressetribüne im San-Siro-Stadion, das sich langsam füllt. Noch rund 75 Minuten sind es bis zum Beginn der Eröffnungsfeier. 

Die deutschen Eiskunstlauf-Hoffnungsträger Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin haben erstmals auf dem olympischen Eis in Mailand trainiert – bis zu ihrem Wettkampf zur Mitte der Spiele begeben sich die früheren Paarlauf-Europameister aber in Bellinzona im Süden der Schweiz nochmals in ein Trainingslager. „Wir kommen am 12. Februar abends wieder, machen am 13. wahrscheinlich nochmal einen Ruhetag, am 14. Training, am 15. und 16. Wettkampf“, berichtete Hase am Freitag.Ihr Kurztrip in die Lombardei – am Samstag trainieren sie ein weiteres Mal in der Milano Ice Skating Arena in Assago – sei vor allem wichtig für das „olympische Gefühl“ gewesen, berichtete Volodin. Hase betonte: „Wir wissen nun, wie die Wege sind. Es war gut, hier zu sein.“ (sid)

Der britische Ski-Freestyler Gus Kenworthy hat auf ebenso kreative wie provokante Weise zum Protest gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE aufgerufen. Der 34-Jährige, der einen Großteil seines Lebens in den USA verbrachte, veröffentlichte vor dem Auftakt der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo ein Foto mit eindeutiger Botschaft via Instagram: Zu sehen sind die Spitzen zweier Ski im Schnee, dazwischen sind in dunkelgelber Farbe die Worte „fuck ice“ zu lesen. Kenworthy, der in Norditalien in der Halfpipe antreten wird, reicherte seinen Post allerdings mit weiterem Inhalt an: All seinen Followern stellte er eine Textvorlage zur Verfügung, mit der US-Bürger sich direkt an Senatorinnen oder Senatoren ihres Bundesstaates wenden können, um gegen die weitere Finanzierung der Behörde zu protestieren. „Unschuldige Menschen wurden ermordet, und es reicht“, heißt es in der Vorlage, „wir können nicht tatenlos zusehen, während ICE in unseren Gemeinden weiterhin mit unkontrollierter Macht agiert.“ Zu fordern seien „echte Leitplanken und Rechenschaftspflichten“ für die Beamten. Kenworthy trat bereits bei den Winterspielen 2014 und 2018 an, damals noch für das Team USA. 2014 gewann er Silber im Slopestyle, fünf Jahre später wechselte er in das Team seines Geburtslandes Großbritannien. 2022 in Peking war er dann als Brite dabei, und auch damals präsentierte sich Kenworthy meinungsstark: Vor dem Beginn der Wettbewerbe kritisierte er die Vergabe nach China, verwies dabei auf die Menschenrechtslage im Land und den Umgang mit der LGBTQ+-Community. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) untersagt politische Botschaften während der Spiele, die Form des Protests von Kenworthy ist aber nicht angreifbar: Unerwünscht sind entsprechende Äußerungen während Zeremonien, Wettkämpfen und im Olympischen Dorf – ein Instagram-Post fällt nicht darunter. „Während der Olympischen Spiele haben alle Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Ansichten gemäß den Richtlinien zu äußern“, teilte das IOC auf Anfrage des britischen \"Guardian\" mit: „Das IOC reguliert keine persönlichen Social-Media-Beiträge.“ (sid)

Wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier hat es italienischen Medienberichten zufolge eine Welle von Cyberangriffen auf mit den Spielen verbundene Internetseiten gegeben. Wie die Zeitung „La Repubblica“ berichtete, gingen die Attacken von einer prorussischen Hackergruppe aus. Offizielle Angaben der Behörden zu den Cyberangriffen gab es zunächst nicht.Die Seite des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) war am Freitagvormittag angegriffen worden und danach rund eine Stunde offline, sagte ein ÖOC-Sprecher der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Man habe die Vorgänge frühzeitig erkannt und entsprechend reagiert.Zwei Internetauftritte des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) waren am Eröffnungstag der Spiele zeitweilig ebenfalls nicht erreichbar. Stattdessen erhielten Nutzer eine Fehlermeldung beim Aufruf der Seite der Dachorganisation sowie der Seite des deutschen Olympia-Teams. Einen konkreten Zusammenhang mit den angeblichen Cyberangriffen bestätigte der DOSB zunächst nicht.Bereits vor wenigen Tagen meldeten die italienischen Behörden Hackerattacken mutmaßlich russischen Ursprungs. Deren Ziele waren unter anderem einige Webseiten der Winterspiele, darunter Hotels in Cortina, sowie Einrichtungen des Außenministeriums in Italien sowie im Ausland. „La Repubblica“ zitierte indes eine Sicherheitsquelle mit den Worten: „Das ist inzwischen Alltag.“Ermittler deuten die Welle von Cyberangriffen nur wenige Stunden vor der großen Eröffnungsshow am Abend als politisch symbolisch. Technisch gesehen seien die jüngsten Attacken nichts Neues, meldete „La Repubblica“ weiter. Die lokalen Behörden haben sich demnach auf solche Risiken während der Winterspiele vorbereitet. Ein Team aus Fachleuten arbeitet gemeinsam mit Experten der Organisatoren daran, Angriffe auf das Großevent abzuwehren. (dpa)

Ski-Freestylerin Muriel Mohr hat sich unmittelbar vor dem Olympia-Start am Knie verletzt und verpasst bei den Spielen in Italien mindestens den Slopestyle-Wettbewerb. Bei einem Landeversuch klemmte sich die 19-Jährige im Training den Meniskuslappen am linken Knie ein, wie der Deutsche Olympische Sportbund mitteilte. Daraufhin unterzog sich Mohr einem arthroskopischen Eingriff in der Orthopädischen Chirurgie München. „Das Knie ist stabil und weist keine weiteren Verletzungen auf. Einen positiven Heilungsverlauf vorausgesetzt, kann das Knie in einigen Tagen wieder voll belastbar sein“, erklärte Dr. Manuel Köhne, der die Operation durchführte. Mohr hofft, dass sie am 14. Februar bei der Qualifikation im Big Air antreten kann, die am Samstag anstehende Qualifikation im Slopestyle muss sie auslassen. „Sollte die Heilung positiv verlaufen, werde ich alles versuchen, um in meiner Paradedisziplin starten zu können“, sagte sie. Die Bayerin gilt als größte deutsche Hoffnung im Ski Freestyle. Allerdings hatte sie bereits im vergangenen Jahr wegen eines Kreuzbandrisses monatelang pausieren müssen. (dpa)

Dass in seinem Zimmer im olympischen Dorf in Predazzo ein Fernseher fehlt, hat Philipp Raimund etwas gewundert. Deswegen hat der deutsche Skispringer nun Ersatz geordert. „Ich habe mir einen transportablen Beamer bestellt, der kommt von meinen Eltern am Montag“, sagte der 25-Jährige. „Dann brauche ich keinen Fernseher mehr.“Die Ausstattung in dem kleineren Dorf im Val di Fiemme ist zwar laut Raimund akzeptabel, aber die anderen Wettbewerbe bei den Olympischen Winterspielen möchte der Skispringer schon gerne verfolgen. „Die Tage sind lang, unsere Wettkämpfe sind am Abend. Da gibt es genügend Zeit, um vor der Glotze zu sitzen“, erklärte Raimund. Auch Videospiele wie der Klassiker Mario Kart sollen dann über den Beamer laufen.Auch Skispringerin Selina Freitag setzt auf die Hilfe ihrer Eltern. Die Medaillen-Anwärterin vermisst einen Föhn im Zimmer, den sie in den nächsten Tagen sehnsüchtig erwartet und der von den Eltern gebracht wird. Neue Matratzen gab es dazu vom Deutschen Skiverband. „Wir haben es uns jetzt gemütlich gemacht“, erklärte Freitag. (dpa)

Skirennläuferin Kira Weidle-Winkelmann hat nach dem ersten Training für die Olympia-Abfahrt in Cortina d'Ampezzo die Präparierung der Piste kritisiert. „Es will natürlich jeder etwas Besonderes machen für ein Großereignis und mehr Spannung reinbringen. Ich bin da kein großer Fan von“, sagte die 29-Jährige am Freitag und ergänzte: „Unser Sport ist gefährlich genug, da weiß ich nicht, wieso man immer noch mehr machen muss. Das ist einfach unnötig.“Weidle-Winkelmann, die 2021 in Cortina WM-Silber in der Abfahrt gewonnen hatte, missfielen vor allem die „schärferen“ Wellen auf der Olimpia delle Tofane. „Es ist nicht das schöne Cortina, wie man es gewohnt ist“, sagte sie: „Aber jetzt wissen wir’s und müssen damit umgehen“. Am Samstag (11.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026, in der ARD und bei Eurosport) steht für die Frauen ein weiteres Training auf dem Programm, am Sonntag (11.30 Uhr  im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026, im ZDF und Eurosport) soll das Rennen stattfinden.Bis dahin hoffen Weidle-Winkelmann und Emma Aicher, die beide als mögliche Medaillenkandidatinnen gelten, auf bessere Pistenverhältnisse. Viel Neuschnee hatte das Training am Freitag zusätzlich erschwert. „Ich habe mich ein bisschen schwer getan mit dem Untergrund“, sagte Aicher zur „weichen“ Piste: „Aber man muss es so fahren, wie es ist, es ist mir ziemlich wurscht.“ (dpa)