FAZ 16.02.2026
10:57 Uhr

Liveblog Olympia 2026: Biathletin Preuß ratlos: „Es wackelt nur noch“


Karriereende schon am kommenden Samstag möglich +++ Bobpilot Lochner führt mit großem Abstand +++ Rückschlag für Slalom-Ass Straßer +++ Eishockeyspieler erleidet mehrere Brüche +++ alle Olympia-2026-News im Liveblog.

Liveblog Olympia 2026: Biathletin Preuß ratlos: „Es wackelt nur noch“

Die Biathleten Justus Strelow, David Zobel, Philipp Nawrath und Philipp Horn greifen bei den Olympischen Winterspielen in Italien nach der ersehnten Staffel-Medaille. Das teilte der Deutsche Skiverband mit. Nach dem enttäuschenden vierten Platz vor vier Jahren in Peking soll es am Dienstag (14.30 Uhr) in Antholz für die Männer wieder für das Podest reichen. In bislang drei Einzelrennen hatte es für die deutschen Herren in Südtirol bislang noch kein Edelmetall gegeben. Nawrath und Strelow gewannen mit der Mixed-Staffel zum Auftakt Bronze. „Ich würde es nicht Rettungsanker nennen, aber es ist auf jeden Fall unsere größte Chance, so ehrlich muss man sein“, sagte Schlussläufer Horn: „Wir haben dieses Jahr in der Staffel schon gezeigt, dass wir es aufs Podium schaffen können.“ Beim Weltcup in Ruhpolding hatte es zu Rang drei gereicht. Hinter den Favoriten Frankreich und Norwegen könnte sich Deutschland mit Schweden und Italien um eine Medaille streiten. „Wir sind alle gute Staffelläufer, das haben wir schon oft genug bewiesen“, sagte der 31-jährige Horn: „Und ich glaube, das wissen auch alle anderen Nationen. Die anderen Jungs wissen, dass wir in der Staffel immer einen draufsetzen können.“ Vor vier Jahren war das deutsche Quartett in Peking ohne Medaille geblieben, 2018 hatte es in Pyeongchang Bronze gegeben. Genau wie bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. „Wir kämpfen da jetzt genau wie letztes Jahr und zeigen denen, dass wir es können. Und dann wollen wir in der Staffel auf dem Podium stehen“, sagte Horn. Den bislang letzten großen Triumph gab es mit Gold bei den Winterspielen 2014 in Sotschi. (dpa)

Die Eisschnellläufer der Niederlande dominieren bei den Olympischen Winterspielen in Mailand weiter die Shorttrack-Wettbewerbe. Am Montag gewann Xandra Velzeboer das 1000-m-Rennen und jubelte nach dem Triumph über 500 m bereits über ihr zweites Gold in Norditalien. Velzeboer, Staffel-Olympiasiegerin von Peking, verwies über 1000 m in 1:28,437 Minuten die Kanadierin Courtney Sarault und Kim Gilli aus Südkorea auf die Plätze. Bei den Männern hatte zuvor Jens van 't Wout die Rennen über 1000 m und 1500 m für sich entschieden. Lediglich in der Mixed-Staffel verpassten die Oranje-Läufer als Fünfte das Podest. Bis zum Ende der Shorttrack-Wettbewerbe am Freitag stehen vier weitere Entscheidungen an. Deutsche Shorttracker nehmen nicht an den Winterspielen teil. (sid)

Johannes Lochner greift zum Abschluss seiner 15-jährigen Bob-Karriere nach dem ersten Olympia-Gold. Vor den beiden abschließenden Läufen im Zweierbob an diesem Dienstag hat der Weltcup-Gesamtsieger aus Berchtesgaden satte 0,80 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Francesco Friedrich, der mit Alexander Schüller fährt. Der in Lauf eins auf Platz zwei gefahrene Adam Ammour fiel mit Alexander Schaller auf Rang drei zurück. Mit seinem bärenstarken Anschieber Georg Fleischhauer fuhr Lochner gleich im ersten Lauf Start- und Bahnrekord und nahm dem viermaligen Olympiasieger Friedrich schon 0,48 Sekunden ab – eine Welt im Bobsport. Selbst das dritte deutsche Duo Ammour/Schaller war vier Hundertstelsekunden schneller als Friedrich/Schüller. Im zweiten Lauf touchierte Friedrich wieder mehrere Banden und konnte somit seine Aufholjagd auf Lochner nicht starten. Zumindest reichte es für Platz zwei, da Ammour gleich mehrfach im Eislabyrinth quer stand. Der in Peking vor vier Jahren zweimal hinter Friedrich auf Rang zwei gekommene Lochner, der mit Fleischhauer sechs von sieben Rennen in diesem Winter gewann, zeigte seine ganze Klasse an den Lenkseilen. Der 35-Jährige leistete sich fast keinen Fehler. Der viermalige Olympiasieger Friedrich aus Pirna, der mit einer weiteren Goldmedaille zum erfolgreichsten Bobpiloten bei Winterspielen aufsteigen könnte, war am Start eine Hundertstelsekunde langsamer. Zudem unterliefen ihm einige Patzer im Cortina Sliding Centre. Auch mit der Abstimmung beim Material kam er wie schon zuletzt im Weltcup nicht auf Spitzen-Geschwindigkeiten. Das Dauer-Duell der beiden Weltklassepiloten wurde sogar im Micky-Maus-Magazin „duckifiziert“. In der Story „Rivalen der Bobbahn“ sind Lochner und Friedrich als Comicfiguren im Eiskanal unterwegs, um Donald Duck zu retten. „Sie verkörpern Leidenschaft sowie Ehrgeiz und haben beide Humor“, hieß es in einer Pressemitteilung des Verlags. (dpa)

Katharina Schmid sehnte sich zum bitteren Ende ihrer langen und ereignisreichen Olympia-Karriere nach dem Trost ihrer Liebsten. „Ich bin froh, dass meine ganze Familie und meine Freunde da sind. Ich glaube, die brauche ich heute“, sagte die 29-Jährige in Predazzo mit brüchiger Stimme. Schmid, die ihre Fingernägel schwarz-rot-gold lackiert hatte, versteckte ihre Emotionen nicht. Immer wieder verfiel die Oberstdorferin in den Dialekt ihrer Allgäuer Heimat. „Dass es jetzt so endet, ist hart. Das tut sehr, sehr weh“, sagte sie. Nach Rang 16 auf der Normalschanze kam auf der großen Schanze schon nach dem ersten Durchgang das Aus: So hatte sich Schmid ihren Abschied von der ganz großen Bühne nicht vorgestellt. „Ich bin von Anfang an nicht klargekommen“, fasste sie ihre Tage von Predazzo zusammen, die für sie so fröhlich als Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier begonnen hatten. „Irgendwie wollte es einfach nicht.“ Schmid war die Traurigste im Quartett der deutschen Springerinnen, das Italien ohne Medaille verlässt. „Wir sind bitter enttäuscht. Das ist ganz klar“, sagte Bundestrainer Heinz Kuttin. Selina Freitag, Agnes Reisch und Schmid hatten es in dieser Saison schon auf das Podest im Weltcup geschafft. Ausgerechnet beim großen Winter-Höhepunkt klappte es nicht. Reisch hatte gesundheitliche Probleme. „Die Selina war eigentlich topfit, die Katha war auch topfit“, sagte Kuttin. Das Kapitel Winterspiele klappt Schmid nun ganz schnell zu. Auf einen Trip an weitere Olympia-Standorte verzichtet die Silbergewinnerin von 2018 und 2022. „Nach heute bin ich einfach froh, daheim zu sein und einfach mal Pause zu haben“, sagte sie. Ein paar Weltcups noch, zum Abschluss Ende März das Skifliegen im slowenischen Planica – dann war's das. Die siebenmalige Weltmeisterin, die das deutsche Frauen-Skispringen über rund ein Jahrzehnt geprägt hat wie niemand sonst, tritt ab. Der Traum vom olympischen Gold war im Val di Fiemme unerreichbar. Die Premiere der Vierschanzentournee für Frauen wird Schmid als Zuschauerin verfolgen. (dpa)

Skirennfahrer Linus Straßer hat im olympischen Slalom nur noch geringe Chancen auf eine Medaille. Der WM-Dritte geht mit 1,41 Sekunden Rückstand auf die Podestplätze ins Finale (13.30 Uhr/ZDF und Eurosport). Im ersten Durchgang lag der Münchner damit zwischenzeitlich auf Rang zwölf. „Es ist nicht einfach, Kurssetzung, Sicht, der Hang. Du könntest mich noch zehnmal runterfahren lassen, ich wüsste nicht, ob ich schneller fahren könnte. Es ist immer so ein bisschen frustrierend, solche Rennen“, sagte Straßer im ZDF. Die Bestzeit fuhr bei dichtem Schneefall und schwierigen Sichtverhältnissen in Bormio der Norweger Atle Lie McGrath – er war 2,35 Sekunden schneller als Straßer. Zweiter ist zur Halbzeit der Schweizer Weltmeister Loic Meillard (+0,59), Dritter überraschend der Österreicher Fabio Gstrein (+0,94). McGrath profitierte angesichts der äußeren Umstände auch von seiner frühen Startnummer eins. Zahlreiche Topfahrer hatten Probleme. Der für Brasilien startende Riesenslalom-Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen etwa schied aus – genau wie der Franzose Paco Rassat und der Finne Eduard Hallberg, zwei Entdeckungen der laufenden Saison. Auch der französische Titelverteidiger Clement Noel liegt als Siebter schon 1,96 Sekunden hinter McGrath. Straßer ist seit Jahren die größte deutsche Slalom-Hoffnung. Nach einem Materialwechsel im Sommer sucht der 33-Jährige in dieser Saison aber noch die richtige Abstimmung und fuhr im Weltcup erst einmal auf das Podest. Auch die Winterspiele in Norditalien drohen aus deutscher Sicht damit ohne eine einzige Männer-Einzelmedaille zu Ende zu gehen. (dpa)

Eishockey-Star Kevin Fiala von den Los Angeles Kings hat bei Olympia mehrere Brüche im linken Unterschenkel erlitten. Der 29 Jahre alte Stürmer der Schweizer Nationalmannschaft wurde in Mailand operiert, wie sein NHL-Klub mitteilte. Fiala wird den Rest der NHL-Hauptrunde, die am 16. April endet, verpassen. „Nicht das Ende, das ich mir für meine erste Olympiade vorgestellt habe. Vielen Dank an alle, dass ihr euch gemeldet habt. Ich schätze die Unterstützung wirklich. Größtes Glück für mein Team Schweiz, holt sie euch!“, schrieb Fiala auf Instagram zu einem Bild aus dem Krankenhaus. Fiala war im olympischen Eishockey-Turnier bei der 1:5-Niederlage am Freitagabend gegen Kanada mit Tom Wilson von den Washington Capitals zusammengeprallt. Danach musste er auf einer Trage liegend vom Eis gefahren werden. „Es tut mir furchtbar leid. Ich sende ihm und seiner Familie meine besten Wünsche, ich bete für ihn. Man möchte nie, dass ein Spieler ausfällt, vor allem nicht bei so einem Turnier. Das ist bitter für das Land und die Mannschaft“, sagte Wilson. (dpa)

Bob-Pilot Johannes Lochner hat auf seiner Goldmission in Cortina d'Ampezzo das erste Ausrufezeichen gesetzt und seinem Dauerrivalen Francesco Friedrich im Zweier sofort einen Nackenschlag verpasst. Der Gesamtweltcupsieger aus Bayern raste im ersten Lauf mit Anschieber Georg Fleischhauer zum Bahnrekord und distanzierte Friedrich bereits auf 48 Hundertstelsekunden. Adam Ammour platzierte sich zwischen den beiden Weltklasse-Piloten auf Rang zwei (+0,44). Für Lochner ist es der perfekte Start in seine letzte Wettkampfwoche. Der 35-Jährige beendet seine Karriere nach den Olympischen Spielen und will unbedingt sein erstes Gold gewinnen. Bei großen Rennen hatte er sich fast immer Friedrich geschlagen geben müssen, unter anderem in Peking 2022 im Zweier und Vierer. Der zweimalige Doppel-Olympiasieger Friedrich hingegen will zum erfolgreichsten Bob-Piloten der Geschichte aufsteigen – mit einem fünften Gold würde der Sachse an André Lange (4x Gold, 1x Silber) vorbeiziehen. Nach einer durchwachsenen Saison hatte er getönt: „Das Imperium hat immer zurückgeschlagen.“ Im Weltcup hatte sich die Dominanz von Lochner schon abgezeichnet. Er war mit sechs Siegen in sieben Zweier-Rennen im Gepäck nach Cortina gereist. „Im Zweier kann ich mich nur selbst schlagen“, sagte Lochner selbstbewusst im Interview mit „Münchner Merkur/tz“. Und Lochner hielt zumindest im ersten Lauf Wort, zeigte die klar beste Linie und führt bereits komfortabel. Im Zielbereich ballte er die rechte Faust. Die internationale Konkurrenz liegt weit zurück. (sid)

Mit wirtschaftlichen Sorgen und angetrieben vom Glauben an Gott geht Emma Weiß in ihre zweiten Olympischen Winterspiele. Beim Freestyle-Skiing gilt die 26-Jährige aus deutscher Sicht als Einzelkämpferin und spürt das auch bei der Förderung. „Ich muss mich nach wie vor komplett selbst finanzieren“, sagte Weiß im deutschen Teamhotel in Livigno. Am Dienstag (10.45 Uhr) startet die Schwäbin in die Qualifikation, die sie 2022 in Peking nicht überstand. Im Gesamtweltcup liegt sie derzeit auf dem 13. Rang. Sie kümmere sich um die sowie Sponsoren-Akquise und -Betreuung die Reiseplanung und -organisation. „Eine Saison ist auch gar nicht so billig, wir reden da von circa 70.000 Euro – das muss erst mal reinkommen“, erklärte Weiß, die zumindest auf die Unterstützung durch die Sporthilfe bauen kann. „Aber das deckt gerade einmal einen Bruchteil von dem ab, was ich brauche. Eigentlich muss ich in diesem Jahr von irgendwoher noch ein bisschen Geld kriegen, sonst gehe ich mit einem Minus raus.“ Stärke zieht die Ski-Akrobatin seit zwei Jahren aus einem persönlichen Erlebnis, wie sie erzählte: „Ich hatte eine Gottesbegegnung an Pfingsten, seitdem bin ich für Gott unterwegs, versuche die Bühne zu nutzen, um von ihm erzählen zu dürfen, weil ich seine Liebe und seine Gnade spüren durfte, die einfach nicht von dieser Welt ist.“ Der olympische Aerials-Wettbewerb ist eine Disziplin des Freestyle-Skis, bei der die Athletinnen und Athleten über eine steile Schanze springen und in der Luft mehrere Saltos und Schrauben zeigen. Bewertet werden der Absprung, die Ausführung der Tricks in der Luft sowie die Landung, wobei Schwierigkeit und Sauberkeit eine große Rolle spielen. (dpa)

Italien im Glück: Die Medaillenflut für den Gastgeber der Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d'Ampezzo wird von den Zeitungen groß bejubelt. Auf ihren Titelseiten weisen fast alle Blätter darauf hin, dass Italien im Winter noch nie so viel Edelmetall gewonnen hat. Die beiden großen Zeitungen „Corriere della Sera“ und „La Repubblica“ riefen Doppel-Olympiasiegerin Federica Brignone nach ihrem Erfolg im Riesenslalom bereits übereinstimmend zur „Königin“ der Spiele aus. Beim Erscheinen der Blätter stand die Gastgeber-Nation bei insgesamt 22 Medaillen: achtmal Gold, viermal Silber und zehnmal Bronze. Neben Brignone gewann auch Eisschnellläuferin Francesca Lollobrigida zwei Goldmedaillen. So viele Podiumsplätze gab es auch in der Wintersportnation Italien noch nie. Bislang stand der Rekord aus dem Jahr 1994 im norwegischen Lillehammer bei 20 Medaillen. Vor Beginn der Spiele hatte Italiens Olympisches Komitee (Coni) 19 Medaillen als Ziel ausgegeben – das ist nach etwas mehr als der Hälfte bereits übererfüllt. Nur Norwegen liegt in der Nationenwertung vor dem Gastgeber. Die ansonsten eher kritisch eingestellte „La Repubblica“ schwärmte: „Big Italy. Nein, gigantisch. Gelassen, lächelnd, leichtfüßig. Italiens Gefühl für Schnee, so wie man es noch nie gesehen hat. Es gleitet dahin und surft auf den Wellen des Lebens.“ Der „Corriere della Sera“ rechnete zudem aus, dass knapp die Hälfte der Medaillen (44,74 Prozent) von Frauen gewonnen wurden. Zudem gratulierten italienische Unternehmen den Medaillengewinnern in den Zeitungen mit zahlreichen großformatigen Anzeigen. Die größte Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ – gedruckt auf rosa Papier – versah ihre Titelseite mit einer herzförmigen Schleife in den Nationalfarben Grün, Weiß, Rot. Dazu schrieb sie: „Die glücklichen Spiele: Medaillen und Titel, Zahlen wie noch nie. Und es ist noch nicht vorbei... Das Italien von Mailand und Cortina 2026 kennt keine Grenzen mehr. Schulter an Schulter mit den Großmächten des Weltsports.“ (dpa)

Lindsey Vonn darf nach Hause: Die bei einem Sturz in der olympischen Abfahrt schwer verletzte Skirennfahrerin macht sich in Treviso für den Rückflug in die USA bereit. Das teilte Sophie Goldschmidt, Chefin des US-Skiteams, der Nachrichtenagentur AP mit. „Wir sind gerade dabei, das alles zu organisieren“, sagte Goldschmidt. Das medizinische Team soll die 41-Jährige auf der Heimreise begleiten. „Wir haben ein großartiges Team um sie herum, das ihr hilft, und sie wird für weitere Operationen in die USA zurückkehren.“ Bei ihrem Sturz in Cortina d'Ampezzo hatte sich Vonn eine komplexe Schienbeinverletzung zugezogen. Die US-Amerikanerin hat bereits mehrere Operationen hinter sich, was für derartige Verletzungen aber nicht ungewöhnlich ist. Die Olympiasiegerin von 2010 war trotz eines Kreuzbandrisses im linken Knie zu dem Wettkampf angetreten. Vonn hatte sich zuvor für die vielen Zuschriften bedankt und dabei unterstrichen, dass sie absolut bereit für die Abfahrt war – physisch und psychisch. „Mental war ich perfekt. Klar, fokussiert, hungrig, aggressiv und doch völlig ruhig“, schrieb die 41-Jährige. Doch selbst, wenn man die stärkste Person der Welt sei, habe der Berg noch immer alle Karten in der Hand. „Es war den Sturz wert“, teilte Vonn mit. „Wenn ich nachts die Augen schließe, dann bereue ich nichts und die Liebe für das Skifahren ist immer noch da. Ich freue mich auf den Moment, wenn ich wieder oben auf dem Berg stehen kann. Und das werde ich.“ (dpa)

Am Ende weinte Nika Prevc wie schon vor wenigen Tagen bittere Tränen in den Armen ihres Vaters Dare. Für die große Favoritin aus Slowenien enden die Skisprung-Einzelwettbewerbe bei den Olympischen Spielen ohne die so ersehnte Goldmedaille. Am Sonntag beim Springen von der Großschanzen kam Prevc nur auf Rang drei. Zuvor hatte sie Silber von der Normalschanze geholt. In beiden Springen musste die 20-Jährige überraschend der Norwegerin Anna Odine Stroem zum Sieg gratulieren. Zwar gab es im Mixed-Wettbewerb unter anderem an der Seite ihres Bruders Domen Prevc Gold. Den großen Traum vom Einzelgold erfüllte sich die Slowenin, die in dieser Saison bereits 13 Weltcupsiege geschafft hatte, aber nicht – und das hinterließ Wirkung. „Diese Erfahrungen und Ergebnisse werden mir helfen, mehr Selbstvertrauen für die nächsten Wettkämpfe zu gewinnen“, erklärte sie. „Ich muss stolz auf diese Medaille sein, denn mein letzter Sprung zeigt, dass ich in der Lage bin, all den Stress und alles, was mir widerfährt, zu bewältigen“, erklärte sie. Tatsächlich hatte Prevc erst mit einem weiten Satz im zweiten Durchgang überhaupt noch eine Medaille geholt. An der Unterstützung lag es nicht. Wie bei allen Sprüngen im italienischen Predazzo waren zahlreiche slowenische Fans an den Schanzen. Selbst als es am Sonntag nur zu Bronze reichte, skandierten die Anhänger laut: „Nika, Nika.“ Auch wenn es im Einzel nicht wie gewünscht lief, auch die Goldmedaille im Mixed-Wettbewerb an der Seite ihres Bruders hat für Prevc einen besonderen Stellenwert. „Ich habe immer davon geträumt, eine Olympia-Medaille zu gewinnen. Aber ich hätte nie gedacht, dass das mit meinem Bruder gemeinsam klappt“, sagte sie nach dem Sprung auf Rang eins und ihrem Olympia-Highlight. (dpa)

Die ARD hat ein überaus positives Zwischenfazit der Olympia-Übertragungen aus Mailand und den italienischen Alpen gezogen. „Wir freuen uns sehr über die bisher wirklich großartige Publikumsresonanz für unsere Angebote zu den Olympischen Winterspielen 2026 auf allen Kanälen“, teilte der Bayerische Rundfunk, der zusammen mit dem MDR federführend für das ARD-Olympiaprogramm ist, auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes mit. Für die bislang höchste Einschaltquote im Ersten sorgte der Bronzelauf der Rodler Tobias Wendl/Tobias Arlt im Doppelsitzer am vergangenen Mittwoch mit 6,77 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern. Damit schlug Olympia sogar König Fußball, das Viertelfinale im DFB-Pokal am selben Abend zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig stieß auf geringeres Interesse. Ebenfalls eine starke Quote mit mehr als sechs Millionen Zuschauern erzielte der Goldsprung von Philipp Raimund von der Normalschanze. Die größten Marktanteile hatten die stets beliebten Biathleten: Der Sprint der Männer am vergangenen Freitag kam auf 41,8 Prozent, dicht gefolgt vom Sprint der Frauen am Samstag mit 41,0 Prozent. „Was die Marktanteile betrifft, bewegen sich die Übertragungen aus Mailand und Cortina auf einem ähnlich hohen Niveau wie vor vier Jahren aus Peking“, teilte die ARD mit, ein Reichweitenvergleich ist wegen der unterschiedlichen Zeitzonen schwierig. (sid)

Mit Platz 42 von der Großschanze verlief Katharina Schmids Abschied von der olympischen Bühne trist. Und so schnell wird die Skisprung-Rekordweltmeisterin nach ihrem Karrierende nicht ins Rampenlicht zurückkehren. Die Olympia-Fahnenträgerin peilt zwar eine Laufbahn als Trainerin an, aber vorerst nicht beim Deutschen Skiverband. Das erklärte DSV-Sportdirektor Horst Hüttel am Sonntagabend in Predazzo. „Es gibt Gespräche zwischen ihr und dem Skiklub in Oberstdorf. Sie möchte jetzt nicht gleich wieder irgendwie durch die Welt reisen, sondern eher mal zu Hause sein, beim Nachwuchs am Stützpunkt“, sagte Hüttel: „Und da laufen Gespräche, sogar was eine hauptamtliche Stelle angeht. Und ich hoffe sehr, dass dies zustande kommt.“ Gleichsam hofft Hüttel aber, dass die 29-Jährige in absehbarer Zukunft ihr Wissen beim DSV weitergibt. „Wenn sie dann ihre Lizenzen hat, in den nächsten Jahren, kann ich mir durchaus vorstellen, dass man sie mal wieder hier sieht“, sagte er: „Das wird die Zeit zeigen, ob sie das selber will. Aber ich glaube, sie würde als Typ, als Mensch, als Persönlichkeit sehr viel mitbringen, um auch wirklich eine tolle Trainerin zu werden.“ Hüttel, der Schmid über viele Jahre durch die Karriere begleitet hat, litt bei deren völlig verkorkstem Wettkampf mit. „Das ist schon bitter für sie“, sagte er: „Aber mein Gott, sie hat zwei silberne Olympia-Medaillen im Einzel zu Hause, hat eine tolle olympische Karriere hinter sich und sie wird das auch überstehen.“ Beendet ist die Saison für Schmid aber noch nicht: Im Weltcup warten noch neun Wettkämpfe, darunter das Skifliegen in Vikersund und Planica. (sid)

Der vor Olympia als Kapitän des Nationalteams abgesetzte Eishockey-Profi Moritz Müller hat das deutsche Team nach der Vorrunde deutlich kritisiert. Nach Meinung des 39 Jahre alten Verteidigers der Kölner Haie kann die bei den Winterspielen mit sieben NHL-Spielern angetretene Mannschaft als Team den Silbermedaillen-Gewinnern von 2018 und den Zweitplatzierten der Weltmeisterschaft von 2023 noch nicht das Wasser reichen. „Im Vorfeld ist viel darüber gesprochen worden, wie gut diese Mannschaft ist. Die besten Mannschaften, die ich bei Deutschland erlebt habe – das war 2018 und 2023. Da muss diese Mannschaft erst noch hinkommen“, sagte Müller nach dem 1:5 im letzten Vorrundenspiel am Sonntag gegen Weltmeister USA. Der langjährige DEB-Kapitän gehört in Mailand nicht mehr zum Kreis der drei Mannschaftsführer. Diese Rollen hatten Bundestrainer Harold Kreis und DEB-Sportdirektor Christian Künast an NHL-Weltstar Leon Draisaitl sowie seine Assistenten Tim Stützle und Moritz Seider vergeben, die ebenfalls Topstars in der nordamerikanischen Profiliga NHL sind. „Wir haben ganz tolle Eishockeyspieler, die mit zu den besten auf der Welt gehören. Aber wir können nicht denken, dass jedes Mal, wenn jemand von denen auf dem Eis ist, dass wir denen jedes Mal die Scheibe geben und dann ein Wunder passiert“, schimpfte Müller. Der von den USA per Manndeckung aus dem Spiel genommene Leistungsträger Draisaitl hatte am Sonntag keinen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor abgegeben. Obwohl das aktuelle Team auf dem Papier als das beste gilt, das jemals für Deutschland bei einem Turnier dabei war, gelang in der Vorrunde nur gegen Dänemark ein Sieg (3:1). Gegen Außenseiter Lettland (3:4) und die USA setzte es Pleiten. Nur dank Schützenhilfe der Konkurrenz wurde Deutschland Gruppenzweiter und bekam anstatt eines starken Gegners in der Viertelfinal-Qualifikation mit Frankreich einen mutmaßlich leichter zu schlagenden Kontrahenten vorgesetzt. „Man kann auch die Amerikaner schlagen. Aber man muss demütig genug sein, dass wir gegen jeden Gegner hier verlieren können. Das muss in unseren Kopf rein“, sagte Müller, der gegen die USA deutlich mehr Eiszeit im Vergleich zu den ersten beiden Spielen bekommen hatte und zusammen mit Top-Torschütze Stützle bester deutscher Spieler war. (dpa)