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06.03.2026
17:26 Uhr
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Bericht: Bundeswehr zieht Soldaten aus Bagdad ab +++ Merz: Iranisches Volk soll über sein Schicksal entscheiden +++ Moskau gibt Teheran Standorte von US-Kriegsschiffen und Flugzeugen weiter +++ alle Entwicklungen im Liveblog

USA: Werden auf Irans Angriffe auf Zivilisten reagierenDie Vereinigten Staaten kündigen eine Reaktion auf iranische Angriffe auf Zivilisten im gesamten Nahen Osten an. Der Iran habe seit den amerikanischen und israelischen Angriffen auf die Islamische Republik in der vergangenen Woche zwölf verschiedene Länder attackiert, erklärte Brad Cooper, Chef des amerikanischen Zentralkommandos, am Freitag. Dazu gehöre der Abschuss von sieben Angriffsdrohnen auf zivile Wohnviertel in Bahrain am Donnerstagabend. „Das ist inakzeptabel und wird nicht unbeantwortet bleiben“, sagt Cooper.
Israel wirft Iran Einsatz von Streubomben vor Israel hat dem Iran den Einsatz von Streubomben vorgeworfen. Seit Beginn der iranischen Angriffe auf Israel am Samstag habe der Iran „zahlreiche Male“ Streubomben eingesetzt, sagte der israelische Armeesprecher Nadav Shoshani am Freitag. Ein Einsatz solcher Munition gegen Zivilisten sei ein Kriegsverbrechen, betonte der Sprecher.Die israelische Polizei veröffentlichte am Freitag ein Aufklärungsvideo, in dem ein Sprengstoffspezialist die Gefahren von Streumunition erklärte. Bereits am Mittwoch hatte die Polizei Hinweise auf Streumunition gemeldet. Videomaterial der Nachrichtenagentur AFP von Donnerstagabend zeigte einen Angriff, bei dem ein Schwarm Geschosse über dem Zentrum Israels niederging. Ein Militärexperte, der das AFP-Material analysierte, identifizierte die Geschosse als Teile einer Streubombe. Weder Israel noch Iran gehören zu den mehr als einhundert Unterzeichnern der internationalen Konvention gegen Streumunition, die den Einsatz, die Weitergabe, die Produktion und die Lagerung von Streumunition verbietet. Streubomben können aus Flugzeugen abgeworfen oder vom Boden aus abgefeuert werden. In der Luft werden dann dutzende oder sogar hunderte kleinere Sprengkörper über großer Fläche freigesetzt, sogenannte Bomblets. Diese Streumunition ist nicht nur unpräzise, sondern auch dadurch tückisch, dass viele der Sprengkörper nicht beim Aufprall explodieren. Damit können sie noch Jahre später zu einer Gefahr für Zivilisten werden, besonders für spielende Kinder.
Energieagentur: Es gibt keine generelle Ölknappheit Der Anstieg der Ölpreise infolge des Iran-Kriegs ist nach Einschätzung des Chefs der Internationalen Energieagentur (IEA) nicht auf einen grundsätzlichen Mangel zurückzuführen. „Es gibt genügend Öl. Es gibt keine weltweite Ölknappheit“, sagte Fatih Birol in Brüssel. Das Problem sei die Störung der Ölversorgung wegen Logistikproblemen.Derzeit passieren aus Sorge vor Angriffen des Irans kaum noch Schiffe die Straße von Hormus. Der wichtige Seeweg für Öl- und Gastransporte ist eine Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman. Sie ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren. Am Golf von Persien liegen bedeutende Ölförderländer, zu den Anrainern zählen neben dem Iran Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Bericht: Bundesregierung zieht Soldaten aus Bagdad abDie Bundesregierung zieht wegen des Iran-Kriegs einem Medienbericht zufolge Bundeswehrsoldaten und Botschaftspersonal aus der irakischen Hauptstadt Bagdad ab. Darüber habe die Regierung am Freitagmittag die Obleute in den zuständigen Bundestagsausschüssen informiert, berichteten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Soldatinnen und Soldaten sowie Botschaftsangehörige werden demzufolge nach Jordanien verlegt, wo sich zwei Militärtransporter des Typs A400M befinden. In Bahrain stationierte deutsche Soldatinnen und Soldaten seien bereits zurückgekehrt, berichtete das Redaktionsnetzwerk. Der Abzug aus Kuwait werde ebenso vorbereitet wie jener aus dem Libanon. Schon zu Wochenbeginn habe aus Koalitionskreisen verlautet, dass Bundeswehr-Kräfte teilweise aus den Camps geholt und dezentral untergebracht sowie Kontingente reduziert worden seien.Das Bundesverteidigungsministerium wollte den RND-Bericht nicht kommentieren. „Wir beobachten und bewerten die Lage sehr genau“, teilte eine Sprecher der Nachrichtenagentur AFP auf Anfrage mit. Das Ministerium sei „mit unseren Kontingenten vor Ort, innerhalb der Bundesregierung sowie unseren Partnern in engem Austausch“. Darüber hinaus gebe es aktuell „nichts mitzuteilen“.Rund 500 Soldaten waren zuletzt in Nahost stationiert, unter anderem im Irak, in Jordanien und vor der libanesischen Küste. Verbindungspersonal befand sich zudem in Kuwait und Katar. Der Iran hatte bei seinen Gegenangriffen auf Israel und amerikanische Militäreinrichtungen auch Stützpunkte im Irak und in Jordanien beschossen, wo sich Bundeswehrsoldaten aufhielten.
Wadephul warnt vor Fluchtbewegung aus IranAußenminister Johann Wadephul warnt angesichts der regionalen Folgen des Iran-Kriegs vor einer neuen Fluchtbewegung Richtung Europa. „Die Situation, die durch den Krieg entsteht, ist teilweise dramatisch“, sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinem niederländischen Kollegen Tom Berendsen in Berlin. „Deshalb müssen wir auch darauf achten, dass aus vielen Binnenvertriebenen nicht eine neue Fluchtwelle entsteht“, fügte er hinzu.Die Bundesregierung wolle die humanitäre Krise abmildern und stelle deshalb weitere fast 100 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zur Verfügung, kündigte Wadephul an. „Wir sehen gerade im Libanon eine neue Dynamik und eine Dramatik mit vielen Binnengeflüchteten“, ergänzte der Außenminister. Man wolle in der gesamten Region Hilfe vor Ort leisten.
Hizbullah betont KampfbereitschaftInmitten stetiger Angriffe Israels hat die Hizbullah im Libanon wieder ihre Kampfbereitschaft betont. „Wir werden die Waffen nicht niederlegen und das Schlachtfeld nicht verlassen“, hieß es in der jüngsten Erklärung. „Unser Gelöbnis gilt dem reinen Blut des Märtyrers Imam Ali Khamenei“, erklärte die Schiitenorganisation.Zuvor hatte das israelische Militär wieder mehrmals im Libanon angegriffen, vor allem in den als Dahiye bekannten Vororten der Hauptstadt Beirut. Dort kommt es seit der Nacht immer wieder zu Luftangriffen des israelischen Militärs. Zuvor wurden fast die kompletten Beiruter Vororte zu möglichen Angriffszielen erklärt. Zehntausende Menschen mussten aus den dicht besiedelten Wohngebieten flüchten. Die Hizbullah reklamierte gleichzeitig mehrere Raketensalven auf Ziele in Israel.
Schweizer Botschaft in Iran bleibt geöffnetDie Schweiz hält ihre Botschaft in Teheran weiter offen. Sechs Schweizer und 18 lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien dort weiter tätig, teilte das Außenministerium in Bern mit. Vier Schweizer hatten das Land am 3. März verlassen. Die Schweiz agiert als sogenannte Schutzmacht der USA in Iran. Sie vertritt dort seit dem Abbruch der amerikanisch-iranischen Beziehungen die Interessen der USA. Sie übermittelt Botschaften zwischen beiden Ländern und betreut bei Bedarf amerikanische Staatsbürger. Die Deutsche Botschaft Teheran ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes für den Publikumsverkehr vorübergehend geschlossen. In Notfällen ist ein Bereitschaftsdienst telefonisch zu erreichen, wie es auf der Webseite der Botschaft hieß.
Ukraine: Entsenden Fachleute für Drohnen an den GolfDie Ukraine wird nach Angaben eines hochrangigen ukrainischen Regierungsvertreters „in Kürze“ Militärfachleute in die Golfregion entsenden, um die USA und ihre Verbündeten bei der Abwehr iranischer Drohnen zu unterstützen. „Die Ankunft von ukrainischem Militärpersonal am Persischen Golf wird in naher Zukunft erwartet“, sagte der hochrangige Vertreter Kiews, der anonym bleiben wollte, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Demnach liefen Gespräche darüber, wie dieser Einsatz aussehen könnte.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Donnerstag erklärt, die USA hätten Kiew um Unterstützung bei der Abwehr von iranischen Drohnen gebeten. Iran setzt Drohnen und Raketen bei seinen Angriffen als Reaktion auf die amerikanisch-israelischen Angriffe seit vergangenem Samstag ein. Die Ukraine hat in der Verteidigung gegen Russland auch viele Erfahrungen in der Drohnenabwehr gesammelt. Iran hatte in den vergangenen Jahren iranische Drohnen an Russland geliefert.
Iran nimmt nicht an Paralympics teilIran nimmt nicht an den Paralympics in Norditalien teil. Wie das Internationale Paralympische Komitee (IPC) wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier am Freitag mitteilte, sei dem gemeldeten Skisportler Abulfazl Chatibi die Anreise angesichts der amerikanischen und israelischen Angriffe auf sein Heimatland und den iranischen Vergeltungsangriffen auf Länder der Region unmöglich. IPC-Präsident Andrew Parsons sprach in der von seiner Organisation versandten Stellungnahme allerdings unkonkret vom „Konflikt im Nahen Osten“, nach dessen Ausbruch am Samstag „unermüdlich hinter den Kulissen gearbeitet“ worden sei, um eine Teilnahme möglich zu machen. Der Austausch mit der iranischen Seite sei auf Grund des Abschaltens der Kommunikationswege in weiten Teilen Irans „nicht leicht“ gewesen. Die iranische Seite habe schließlich mitgeteilt, eine Anreise sei nicht möglich.„Nach Jahren des Trainings nicht teilnehmen zu können ist herzzerreißend, unser Mitgefühl gehört Abufazl“, wird Parsons zitiert. Chatibi hatte an den Paralympics 2018 und 2022 in Pyeongchang und Peking teilgenommen. Mit dem Angriff auf die Islamische Republik Iran haben Israel und die Vereinigten Staaten den im November in der nichtbindenden UN-Resolution fixierten „Olympischen Frieden“ verletzt, der insbesondere die gefahrlose Teilnahme aller Sportler an den Spielen sicherstellen soll.
Woidke nennt Spritpreise während Krise „Abzocke“ Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kritisiert den Preisanstieg bei Sprit an den Tankstellen als „Abzocke“ und dringt auf ein Eingreifen der Bundesregierung.„Kein Mensch versteht, warum die Preise in Deutschland für den gleichen Sprit um 60 Cent höher sind als in Polen. Und das, obwohl beide Länder benachbarte EU-Staaten sind“, sagte Woidke der Deutschen Presse-Agentur. Die Bundesregierung müsse endlich tätig werden und diesen „unhaltbaren Missstand“ beheben: „Die Preistreiberei an den Tankstellen ist reine Abzocke.“Seit Beginn des Irankrieges ist der Spritpreis stark gestiegen. In Polen ist er aber deutlich niedriger als in Deutschland. Deshalb fahren derzeit viele Menschen aus der brandenburgischen Grenzregion zum Tanken ins Nachbarland.Das Bundeskartellamt prüft die aktuelle Preisentwicklung. „Sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten der Mineralölkonzerne zeigen, würden wir konsequent dagegen vorgehen“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Donnerstag.
Staatsfernsehen droht Nationalteam nach stummem ProtestDas iranische Frauennationalteam und Trainerin Marsieh Dschafari hatten vor dem ersten Spiel der Asienmeisterschaft in Australien mit ihrem stummen Protest für Aufsehen gesorgt: Als die Nationalhymne vor dem Spiel gegen Südkorea gespielt wurde, hatten sie geschwiegen. Im iranischen Staatsfernsehen wird nun eine Bestrafung wegen Hochverrats gefordert, zudem sind die Spielerinnen vor der zweiten Partie gegen Australien am Donnerstag offenkundig unter Druck gesetzt worden. Was geschieht mit ihnen, sollte das Turnier für sie am Sonntag enden? Ein Text über ein Nationalteam, das nun vom eigenen Land zu bestraft werden droht – und Spielerinnen, die nicht das erste Mal ein Zeichen gesetzt hatten.
Der Irankrieg macht sich bei deutschen Verbrauchern bemerkbar: Die Preise an den Tankstellen sind seit Beginn des Kriegs am Samstag deutlich gestiegen. Ebenso notieren die Preise für Erdgas und Erdöl höher. Unsere Grafiken zeigen die aktuellen Preisentwicklungen.
Wadephul: Keine unmittelbare Gefährdungssituation für DeutschlandAußenminister Johann Wadephul mahnt mit Blick auf mögliche iranische Gegenangriffe auf NATO-Staaten zur Ruhe. Er sehe keinen Anlass für Alarmismus, sagt Wadephul in Berlin. Die NATO sei immer wachsam und verteidigungsbereit, betont der Minister und fügt hinzu: „Eine unmittelbare Gefährdungssituation sehe ich für uns nicht.“ Er kündigte einen weiteren gecharterten Flug in den Nahen Osten an, um gestrandete deutsche Touristen zu evakuieren. Am Samstag werde eine Maschine in die saudische Hauptstadt Riad fliegen. Die Bundesregierung stelle zudem weitere knapp 100 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für den Nahen Osten bereit, kündigte Wadephul an.