FAZ 14.05.2026
05:40 Uhr

Liveblog Irankrieg: Libanon meldet 22 Tote nach jüngsten israelischen Angriffen


Emirate weisen „Berichte“ über geheimem Besuch Netanjahus zurück +++ US-Medien: Teheran verfügt immer noch über Großteil seiner Raketen +++ Pentagon: Irankrieg kostete bislang 29 Milliarden Dollar +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Libanon meldet 22 Tote nach jüngsten israelischen Angriffen

Dritte Gesprächsrunde zwischen Israel und Libanon in WashingtonIm Bemühen um eine Friedenslösung kommen Vertreter aus Israel und Libanon am Donnerstag erneut in Washington zusammen. Es ist die dritte Gesprächsrunde seit Verkündung der Feuerpause vor fast einem Monat. Bei der jüngsten Runde am 23. April hatte Präsident Donald Trump die Unterhändler persönlich im Weißen Haus empfangen.Israel und Libanon unterhalten offiziell keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Der Irankrieg hatte die Spannungen noch verschärft. Ungeachtet der seit dem 17. April geltenden Feuerpause setzten Israel und die pro-iranische Hizbullah-Miliz in Libanon ihre gegenseitigen Angriffe fort. Die Hizbullah lehnt die Gespräche ab, die ohne ihre Beteiligung stattfinden.

Emirate weisen „Berichte“ über geheimem Besuch Netanjahus zurückDie Vereinigten Arabischen Emirate haben Angaben zurückgewiesen, wonach Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu im Irankrieg das Land heimlich besucht hat. Die „kursierenden Berichte über einen angeblichen Besuch“ Netanjahus in den Emiraten seien nicht zutreffend, erklärte das Außenministerium der Emirate am Donnerstag. Auch eine israelische Militärdelegation sei nicht empfangen worden. Die Beziehungen zu Israel seien „öffentlich“ und beruhten nicht auf „intransparenten oder inoffiziellen Vereinbarungen“, erklärte das Ministerium weiter.Netanjahus Büro hatte am Mittwoch erklärt, der israelische Regierungschef habe während des Irankriegs in den Emiraten ein „geheimes“ Treffen mit Präsidenten Mohammed bin Sajed al-Nahjan abgehalten. Einen Tag zuvor hatte der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, erklärt, Israel habe während des Irankriegs Iron-Dome-Luftabwehrsysteme und Personal zu deren Bedienung in die Emirate entsandt. Ohne Huckabees Angaben ausdrücklich zu bestätigen, bezeichnete Netanjahus Büro den Besuch als „historischen Durchbruch in den Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten“.

Rubio hofft auf stärkere Rolle Chinas bei Lösung des IrankriegsUS-Außenminister Marco ​Rubio sagt dem Sender Fox News, die Vereinigten Staaten hofften darauf, China davon überzeugen zu können, eine aktivere Rolle dabei zu übernehmen, Iran dazu ⁠zu bewegen, seine Aktivitäten im Golf einzustellen. US-Präsident Donald Trump ist derzeit in Peking, wo er den chinesischen Präsidenten Xi Jinping treffen wird. Trump hatte am Dienstag gesagt, er werde mit Xi zwar ausführlich über Iran sprechen, benötige in dem Konflikt aber nicht dessen Hilfe. Politische Beobachter gehen aber sehr wohl ‌davon aus, dass Trump Unterstützung von China gebrauchen kann, aber öffentlich einen anderen Eindruck vermitteln will. Ob China im Sinne der USA handeln wird, scheint allerdings fraglich.

Vance sieht Fortschritte bei IranverhandlungenBei den Verhandlungen mit Iran über ein Ende des Krieges geht es nach Darstellung von ⁠US-Vizepräsident JD Vance voran. „Die grundlegende Frage ist, ob wir genug Fortschritte machen, um die rote Linie des Präsidenten einzuhalten“, sagt Vance vor Journalisten im Weißen Haus. Donald Trump müsse darauf vertrauen können, dass Sicherheitsvorkehrungen ergriffen werden, damit Iran niemals in den Besitz ‌einer Atomwaffe gelangt.

Israel greift Ziele der Hizbullah anIsraels Militär hat eigenen Angaben zufolge trotz aktuell herrschender Waffenruhe neue Angriffe auf Ziele der Hizbullah in mehreren Gegenden im Südlibanon begonnen. Die israelische Armee nehme dabei „Terrorinfrastruktur der Hizbullah“ ins Visier, teilte sie am Vormittag mit. Details wurden zunächst nicht genannt. Zuvor hatte Israels Armee die Bewohner mehrerer Orte im Süden des Nachbarlandes aufgerufen, diese zu verlassen, um dort gegen die Hizbullah vorzugehen. Solche Fluchtaufforderungen gibt Israels Militär immer wieder vor anstehenden Angriffen heraus.

Straße von Hormus: Australien will sich an möglicher Militärmission beteiligenAustralien will sich an einer möglichen „multinationalen Militärmission\" unter Führung Frankreichs und Großbritanniens zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus beteiligen. Zur Unterstützung einer „unabhängigen und strikt defensiven\" Mission werde Australien ein Aufklärungsflugzeug vom Typ Wedgetail E-7A beisteuern, das bereits in der Region stationiert ist, um die Vereinigten Arabischen Emirate vor Drohnenangriffen Irans zu schützen, sagte Verteidigungsminister Richard Marles am Mittwoch nach Beratungen von rund 40 Ländern. Eine solche Militärmission könne die diplomatischen Bemühungen und deeskalierende Maßnahmen „ergänzen\", fügte Marles hinzu. Es handele sich zugleich um ein Bekenntnis zur Sicherheit des weltweiten Handels. 

China ruft Pakistan zu stärkerer Vermittlertätigkeit im Irankrieg aufDer chinesische Außenminister Wang Yi hat Pakistan dazu aufgerufen, im Irankrieg stärker zwischen Teheran und Washington zu vermitteln. Islamabad solle auch dabei helfen, eine Öffnung der weitgehend blockierten Straße von Hormus „angemessen\" zu thematisieren, sagte Wang nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua vom Mittwoch. Demnach telefonierte Wang mit seinem pakistanischen Kollegen Ishaq Dar vor dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in China. Die Volksrepublik befürwortet eine dauerhafte Friedenslösung in Iran und ist ein wichtiger Abnehmer iranischen Öls. Deshalb dringt Peking auf eine rasche Öffnung der Straße von Hormus, durch die normalerweise ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte verläuft. Die Meerenge ist seit Beginn des Kriegs Ende Februar von iranischer Seite weitgehend gesperrt. In der Folge schossen die Energiepreise weltweit in die Höhe. Die US-Armee wiederum blockiert die iranischen Häfen an der Schifffahrtsstraße.

Iran verfügt laut Berichten noch über Großteil seiner RaketenIran verfügt US-Medienberichten zufolge immer noch über den Großteil seiner Bestände an mobilen Abschussrampen und Raketen. Die „New York Times“ berichtet über Erkenntnisse von US-Geheimdiensten, wonach Iran noch etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen sowie rund 70 Prozent des Raketenarsenals habe, das er vor dem Krieg hatte. Die Zeitung beruft sich dabei auf Personen, die mit den Geheimdiensterkenntnissen von Anfang dieses Monats vertraut sind. Demnach habe Iran auch wieder Zugang zum Großteil seiner unterirdischen Raketenlager, heißt es. Die „Washington Post“ hatte bereits vergangene Woche über eine US-Geheimdienstanalyse berichtet und ähnliche Zahlen genannt. Iran verfüge noch über etwa 75 Prozent seiner Vorkriegsbestände an mobilen Abschussrampen sowie etwa 70 Prozent seiner Raketen, zitierte die Zeitung einen US-Beamten. Dieser verwies demnach auch auf Hinweise, dass die iranische Führung in der Lage gewesen sei, fast alle ihrer unterirdischen Lagerstätten wieder in Betrieb zu nehmen, einige beschädigte Raketen zu reparieren sowie einige neue Raketen fertigzustellen. Die „New York Times“ berichtet darüber hinaus, einige hochrangige Beamte seien besonders wegen Hinweisen alarmiert, dass Iran den Zugang zu den meisten seiner Raketenstellungen wiederhergestellt habe, die er entlang der Straße von Hormus unterhalte. Aktuell herrscht im Irankrieg eine brüchige Waffenruhe, Verhandlungen um ein Kriegsende sind ins Stocken geraten.Die Berichte der „New York Times“ und „Washington Post“ stehen in starkem Kontrast zur Darstellung der US-Regierung, wonach Iran durch den von Israel und den USA Ende Februar begonnenen Krieg militärisch weitestgehend geschlagen sei. Sie fallen zudem in eine Zeit, in der die direkten und indirekten Kosten des Kriegs in den USA immer wieder Thema sind. 

Libanon: 13 Tote bei israelischen AngriffenBei neuen israelischen Angriffen auf Ziele in Südlibanon sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut 13 Menschen getötet und 16 weitere verletzt worden worden. Allein bei einem Angriff auf Nabatijeh seien fünf Menschen getötet worden, teilte das Ministerium am Dienstag mit. In Schebschit seien vier Menschen getötet worden, darunter ein Soldat und ein syrischer Staatsangehörger. In Bint Dschbeil seien vier Zivilisten getötet worden, darunter ein Kind.Die libanesische Armee hatte zuvor den Tod eines Soldaten bekannt gegeben, der bei einem israelischen Angriff in Schebschit getötet worden sei. Israels Streitkräfte hatten zuletzt ihre Angriffe auf Ziele der mit Iran verbündeten Hizbullah-Miliz in Libanon verstärkt. 

Iran: Mutmaßlicher Ölteppich offenbar durch Tanker-AbwasserEin mutmaßlicher Ölteppich im Persischen Golf vor der iranischen Insel Charg ​stammt nach Angaben der Regierung in Teheran wahrscheinlich aus dem Abwasser eines ausländischen Tankers. Es gebe keine Berichte über Lecks an iranischen Pipelines oder Ölanlagen, teilt die iranische Vizepräsidentin und Umweltbeauftragte Schina Ansari staatlichen Medien zufolge mit. ⁠Satellitenbilder zeigen einen Dutzende Quadratkilometer großen Teppich westlich der Insel, die der wichtigste Ölumschlagplatz des Landes ist.

Teheran: USA wollen vollständige Kapitulation IransMit Blick auf die Ungewissheit über die Zukunft des Irankriegs kritisiert Teheran die Verhandlungsstrategie der Vereinigten Staaten. Die USA strebten keine echten Verhandlungen an, sondern die vollständige Kapitulation Irans, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Isna Außenamtssprecher Ismail Baghai. In einem Interview mit dem indischen Magazin „India Today Global“ sagte der Sprecher demnach, statt einer Geben- und Nehmen-Diplomatie verfolgten die USA mit ihren Forderungen die Unterordnung seines Landes.Den USA gehe es nicht um eine friedliche Lösung, sondern um ein Kapitulationsdokument, schrieb auch der iranische Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi auf X. Der Standpunkt Irans sei eindeutig: Man wolle eine Beendigung der Kampfhandlungen, keine Wiederaufnahme des Konflikts, Entschädigungen, ein Ende der Blockade, Aufhebung von Sanktionen sowie die Achtung internationaler Rechte Irans.

Trump vor China-Reise: Benötigen keine Hilfe im IrankriegUS-Präsident Donald Trump zeigt sich vor seinem Abflug nach ​China siegessicher im Irankrieg. Er werde mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zwar ausführlich über den Konflikt sprechen, benötige aber nicht dessen Hilfe, sagt Trump. „Wir werden ihn auf die eine ⁠oder andere Weise gewinnen, friedlich oder mit anderen Mitteln.“ Kurz darauf relativiert er die Bedeutung des Themas für die anstehenden Gespräche: Die USA hätten Iran „sehr gut unter Kontrolle“.

Senator Graham äußert Misstrauen gegenüber Pakistan Der einflussreiche US-Senator Lindsey Graham hat sich empört über einen Medienbericht gezeigt, wonach Pakistan als Vermittler im Irankrieg Teheran das Abstellen von Flugzeugen auf seinen Stützpunkten gestatten soll. „Ich traue Pakistan nicht über den Weg“, sagte der Republikaner in einem Senatsausschuss. Er konfrontierte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine mit der Frage, ob der Bericht zutreffend sei. Keiner der beiden wollte sich zu dem Sachverhalt äußern.„Wenn tatsächlich iranische Flugzeuge auf pakistanischen Stützpunkten stationiert sind, um iranische Militäranlagen zu schützen, dann sagt mir das, dass wir uns nach jemand anderem als Vermittler umsehen sollten“, sagte Graham. Er vermutete dies als Grund für die seit Wochen stockenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.Zuvor hatte der US-Sender CBS News unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Regierungsvertreter berichtet, Iran habe Flugzeuge nach Pakistan und Afghanistan verbracht. Das pakistanische Außenministerium wies den CBS-Bericht in einer Stellungnahme als „irreführend und reißerisch“ zurück. Einige Flugzeuge des Iran und der USA seien nach Verkündung der Waffenruhe in Pakistan angekommen, um die Logistik im Rahmen der Friedensverhandlungen der beiden Länder in Islamabad zu unterstützen. Einige Flugzeuge und Personal seien anschließend in Erwartung weiterer Gespräche im Land verblieben. 

Hegseth weist Debatte um erschöpfte Waffenvorräte zurück US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat Spekulationen über stark aufgezehrte Munitions- und Raketenvorräte des US-Militärs heruntergespielt. „Wir wissen genau, was wir haben. Wir verfügen über reichlich von dem, was wir brauchen“, sagte er in einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. Die Debatte um die Vorräte sei „törichterweise und wenig hilfreich übertrieben“ worden, führte Hegseth weiter aus. Generalstabschef Dan Caine betonte, dass ihm die Regionalkommandos des US-Militärs über ausreichende Munitionsvorräte für die derzeitigen Missionen melden würden.