FAZ 04.03.2026
09:08 Uhr

Liveblog Irankrieg: Israels Verteidigungsminister: Werden jeden Nachfolger Khameneis töten


Als möglicher Nachfolger gilt sein Sohn Modschtaba +++ USA melden Zerstörung von 17 iranischen Schiffen +++ Iranische Rakete trifft großen US-Stützpunkt in Qatar +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Israels Verteidigungsminister: Werden jeden Nachfolger Khameneis töten

Libanesische Staatsmedien: Israelische Truppen sechs Kilometer hinter der Grenze  Israelische Truppen sind nach Berichten libanesischer Staatsmedien mehrere Kilometer weit auf libanesisches Gebiet vorgerückt. Der etwa sechs Kilometer hinter der Grenze liegende Ort Chiam stehe unter „anhaltendem Artilleriebeschuss, während der israelische Feind in den Ort eingedrungen ist“, hieß es in den Berichten vom Mittwoch. Die israelische Armee hatte nach Angaben aus libanesischen Militärkreisen zuvor zusätzlich zu den Luftangriffen auch mit einer Bodenoffensive in Libanon begonnen.Im Zuge des Kriegs mit Iran und anschließender Angriffe der libanesischen Hizbullah hatte Israel seine Militäroffensive gegen die von Iran unterstützte Miliz ausgeweitet. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP waren bereits am Dienstag israelische Soldaten in Grenzregionen vorgerückt. Israels Verteidigungsminister Israel Katz kündigte die Einrichtung einer Pufferzone zum Schutz von Gemeinden im israelischen Grenzgebiet an. Israel erklärt zudem, keine groß angelegte Bodeninvasion in Libanon zu planen. Zugleich erklärte die Armee, „alle Optionen“ lägen auf dem Tisch.Die libanesische Armee zog angesichts des israelischen Vorrückens nach Angaben aus Militärkreisen Soldaten von mehreren erst unlängst errichteten Grenzposten zurück. 

Mehr als 1000 Tote in IranDie Zahl der Toten in Iran ist laut staatlichen iranischen Medien seit Beginn der amerikanischen und israelischen Angriffe auf 1045 gestiegen. Auch die Menschenrechtsorganisation Hrana mit Sitz in den Vereinigten Staaten meldete am Mittwochmorgen 1097 zivile Todesopfer.  

Türkei: Rakete aus Iran von der NATO abgefangenEine aus Iran abgefeuerte ballistische Rakete, die den irakischen und syrischen Luftraum durchquert hat, ist nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums am Mittwoch von NATO-Einheiten abgefangen worden, die in der östlichen Mittelmeerregion stationiert sind.Die Rakete, die auf türkischen Luftraum zugeflogen sei, sei noch vor einem möglichen Schaden wirkungslos gemacht worden. Ein Trümmerteil sei im Bezirk Dörtyol in der Provinz Hatay niedergegangen. Opfer oder Verletzte habe es nicht gegeben.Das Ministerium bekräftigte, die Türkei werde ihre nationale Sicherheit gewährleisten und behalte sich eine „entschlossene“ Reaktion auf Bedrohungen vor. Zugleich warnte es alle Beteiligten vor Schritten, die den Konflikt in der Region weiter eskalieren lassen könnten.

Waffen und Devisen in Teheran sichergestelltIrans Geheimdienst hat in der Hauptstadt Teheran nach eigenen Angaben große Mengen an Waffen und Devisen beschlagnahmt. Bei einer nachrichtendienstlichen Operation seien Schnellfeuergewehre, Munition und Ausrüstung für städtische Gefechte sichergestellt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Zudem seien erhebliche Summen Euro- und Dollar-Bargeld sowie ein Starlink-Satellitenkommunikationsgerät gefunden worden. Die Hintermänner wurden demnach festgenommen. Der Geheimdienst bezeichnete sie als „Söldner des amerikanisch-zionistischen Feindes“. Nähere Angaben zu den Festgenommenen oder deren genauen Verbindungen machten die Behörden nicht. 

Mehr Deutsche im Nahen Osten als bisher angenommen Im Nahen Osten halten sich offenbar derzeit mehr Deutsche auf als bisher angenommen. Wie die „Rheinische Post“ unter Berufung auf eine Analyse des Auswärtigen Amtes zur aktuellen Lage im Nahen und Mittleren Osten berichtete, hätten sich bereits circa 30.000 Reisende in die „Krisenvorsorgeliste ELEFAND“ eingetragen. „Die tatsächliche Zahl deutscher Staatsangehöriger in der Region dürfte deutlich höher liegen“, heißt es in dem Papier von Dienstagabend für den Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, aus dem die Zeitung zitiert. 

Trauerfeier für Khamenei kurzfristig verschoben  Die für Mittwochabend geplante Trauerfeier für das getötete geistliche Oberhaupt der Islamischen Republik, Ajatollah Khamenei, wird verschoben. Das berichten staatliche iranische Medien. Ein neuer Termin werde später bekannt gegeben, hieß es. Gründe für die Absage des Traueraktes wurden zunächst nicht mitgeteilt. 

Libanons Armee nimmt Hizbullah-Mitglieder fest  In einem beispiellosen Schritt hat die Armee in Libanon mit Kontrollen und Festnahmen mutmaßlicher Hizbullah-Mitglieder begonnen. 13 Mitglieder der schiitischen Organisation seien am Dienstag festgenommen worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Justizkreisen. Die Armee habe sie an einem neu eingerichteten Straßen-Kontrollpunkt mit Waffen im Auto gestoppt. Die Armee kontrolliert Autos, die aus dem Süden in Richtung der Hauptstadt Beirut fahren. Die libanesische Regierung hatte militärische Aktivitäten der von Iran unterstützten Miliz am Montag für illegal erklärt. Damit verändert sich der Status der Gruppe von einer Widerstandsbewegung, die über Jahrzehnte im Land teils geduldet wurde, zu einer verbotenen Organisation. Die Regierung in Libanon steht auch unter Druck, eine beschlossene Entwaffnung der Hizbullah durchzusetzen, die als wichtigster nicht staatlicher Verbündeter Teherans gilt und derzeit selbst im Krieg ist.Aus Armeekreisen hieß es, weitere Festnahmen an Kontrollpunkten seien geplant. Es dürfte für die Armee aber schwer sein, die militärischen Aktivitäten der Hizbullah ganz zu verbieten, ohne einen eigenen Krieg mit der immer noch mächtigen Miliz zu riskieren. 

Irak meldet Drohnenangriff auf US-Militärstützpunkt in Bagdad Der Krieg mit Iran wirkt sich weiterhin auf den benachbarten Irak aus. Am US-Militärstützpunkt in Nähe des Flughafens der Hauptstadt Bagdad schlug am Mittwoch eine Drohne ein, wie örtliche Medien unter Berufung auf Sicherheitskreise berichteten. Schäden habe es nicht gegeben.Eine mit Teheran verbündete Miliz beanspruchte heute auch einen Drohnenangriff auf eine US-Basis in Erbil in der Kurdenregion für sich. Zudem habe sie in Erbil ein Hotel angegriffen, in dem US-Soldaten untergebracht seien.Der Irak teilt sich eine 1.500 Kilometer lange Grenze mit Iran. Teheran hat großen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Einfluss auf das Nachbarland unter anderem durch die mächtigen, Iran-treuen Milizen dort. Einige Beobachter fürchten neue Unruhen im Irak durch die Entwicklungen im Nachbarland.

Caritas rechnet mit einer Million Binnenvertriebenen in LibanonCaritas international sieht drastische Folgen des Irankrieges für Libanon. „Wir sind tief besorgt über die Eskalation und die Ausweitung des Irankriegs auf Teile des Libanons“, erklärte Leiter Oliver Müller am Mittwoch in Freiburg. Das katholische Hilfswerk verurteile die Raketenangriffe der Hisbollah-Miliz auf Israel und die militärische Reaktion der israelischen Armee im Südlibanon. Die humanitäre Situation in Libanon sei dramatisch. Die dortige Caritas schätze, dass es zu mehr als einer Million Binnenvertriebenen kommen werde. Auch Helfer seien nicht überall sicher. Die Mitarbeitenden einer lokalen Partnerorganisation hätten sich in Sicherheit bringen müssen. Sie hätten die Arbeit vorerst eingestellt, sagte Müller.

Kuwait meldet weiteren AngriffDie kuwaitische Armee hat einen weiteren Angriff auf den Golfstaat im Zuge des Irankriegs gemeldet. Die Streitkräfte fingen „eine Welle von Raketen und Drohnen“ im Luftraum des Landes ab, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung des Militärs. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete von Sirenenalarm in Kuwait-Stadt. Nach Beginn des Kriegs Israels und der USA gegen Iran am Samstag attackierte Teheran Städte und Infrastruktureinrichtungen in mehreren Golfstaaten. Kuwait wurde mehrfach getroffen. Nach offiziellen Angaben vom Mittwoch starb unter anderem ein Mädchen durch herabstürzende Trümmerteile. 

Entwarnung nach Berichten über Raketenstart in Richtung ZypernNach der Sichtung eines verdächtigen Flugobjekts aus Libanon hat Zypern seinen Luftraum vorübergehend geschlossen. Die Regierung gab kurz darauf Entwarnung: „Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass eine Bedrohung für das Land vorliegt“, erklärte Regierungssprecher Konstantinos Letybiotis. Die Sperrung hatte unmittelbare Folgen für den Flugverkehr: Mindestens ein Flug von Athen nach Larnaka musste umkehren. Ein Passagier berichtete griechischen Medien, der Pilot habe „militärische Gründe“ für die Rückkehr genannt. Ein weiteres Passagierflugzeug musste mehrere Runden über Zypern drehen, bevor es in Larnaka landen konnte, wie zyprische Medien berichteten. Laut dem zyprischen Rundfunk RIK begab sich das Personal der US-Botschaft in Nikosia vorübergehend in den Keller der Vertretung. Zwei seit Montag auf der Insel stationierte griechische F-16-Kampfjets nahmen an der Such- und Abfangaktion teil, wie RIK berichtete. Hintergrund der erhöhten Alarmbereitschaft ist ein Drohnenangriff auf den britischen Stützpunkt Akrotiri nahe Limassol in der Nacht zum Montag. Zwei weitere Drohnen wurden abgefangen. Die Drohnen kamen vermutlich aus dem rund 200 Kilometer entfernten Libanon.

Erster deutscher Evakuierungsflug am Donnerstag erwartetDer erste Evakuierungsflug im Auftrag der Bundesregierung wird nach Angaben der Lufthansa am frühen Donnerstagmorgen in Frankfurt landen. Der Jet vom Typ Airbus A340-300 soll demnach gegen Mitternacht in Omans Hauptstadt Maskat starten. Die Maschine hat in der Konfiguration der Lufthansa 279 Passagiersitze. Für diesen ersten Evakuierungsflug der Regierung in der aktuellen Nahost-Krise sollten nach den Worten von Bundesaußenminister Johann Wadephul besonders verwundbare Gruppen ausgewählt werden, wie Schwangere, Kranke oder Kinder. Weitere Flüge seien in den kommenden Tagen geplant.

UN-Vertreter: Krieg bedroht internationale humanitäre Hilfe Der Krieg im Nahen Osten bedroht laut dem UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Tom Fletcher, zusehends das System internationaler Hilfe. Er habe Notfallpläne für den Iran und die weitere Region aktiviert, sagte Fletcher am Dienstag in New York. Man beobachte Dominoeffekte beim humanitären Bedarf in anderen Ländern, unter anderem in Afghanistan und Pakistan mit Millionen Unterversorgten und erschöpften Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen. Auch die Reaktionsfähigkeit der internationalen Nothilfe einschließlich der Personalrotation werde durch Luftraumsperrungen behindert, so der Chef des Büros für Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA).Im Gazastreifen wirkt sich die Eskalation laut Fletcher unmittelbar auf Hilfsoperationen aus. Die Grenzübergänge bis auf Kerem Schalom blieben weiter geschlossen. Lebensnotwendige Güter gelangten nur vermindert in das Kriegsgebiet, die Verlegung von Patienten in Kliniken außerhalb des Gazastreifens sei wieder eingestellt. Die Abriegelung des Westjordanlands schränke den Zugang der palästinensischen Bevölkerung zu wichtigen Gütern ein. In Libanon wurden durch israelische Angriffe nach Angaben des UN-Vertreters bislang über 50 Menschen getötet und über 150 verletzt. Mehr als 60.000 Menschen seien auf der Flucht. Das israelische Militär habe mehr als 100 Orte im Südlibanon und in der Bekaa-Ebene zur Räumung aufgefordert.