FAZ 05.03.2026
15:47 Uhr

Liveblog Irankrieg: Israel ruft Libanesen zur Flucht auf


Israelische Armee warnt vor Angriffen in Beiruter Vororten – Bewohner sollen ihre Häuser verlassen +++ Italien, Frankreich und Niederlande entsenden Marineeinheiten nach Zypern +++ Iran meldet Angriff auf US-Tanker +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Israel ruft Libanesen zur Flucht auf

Baku droht Iran mit VergeltungNach dem Einschlag mehrerer mutmaßlich iranischer Drohnen in Aserbaidschan hat die Führung in Baku mit Vergeltung gedroht. „Wir werden diesen unprovozierten Terrorakt und die Aggression gegen Aserbaidschan nicht dulden“, sagte Präsident Ilham Alijew bei einem Treffen des Sicherheitsrates. „Unsere Streitkräfte wurden angewiesen, geeignete Vergeltungsmaßnahmen vorzubereiten und umzusetzen.“ Eine iranische Drohne hatte nach Angaben des aserbaidschanischen Außenministeriums am Donnerstag ein Terminalgebäude des Flughafens der an den Iran grenzenden aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan getroffen. Eine weitere Drohne schlug demnach in der Nähe einer Schule im Ort Schekerabad ein. Einer Klinik in Nachitschewan zufolge wurden „vier Personen mit Schädel-Hirn-Traumata ins Krankenhaus eingeliefert“. Die Regierung in Teheran wies eine Verwicklung zurück und beschuldigte seinerseits Israel. Man greife die Nachbarländer nicht an, sagte der stellvertretende Außenminister Kasem Gharibabadi. Als Reaktion auf den Vorfall sperrte Aserbaidschan seinen ​südlichen Luftraum und stoppte den Frachtverkehr an der Grenze zum Iran. 

Bahrain: Feuer in Raffinerie nach Raketenangriff In Bahrain ist örtlichen Behördenangaben zufolge nach einem iranischen Raketenangriff ein Feuer in einer Raffinerie ausgebrochen. Der Brand in der Anlage von Bapco Energies sei jedoch unter Kontrolle, teilt das Nationale Kommunikationszentrum mit. Der Betrieb der Raffinerie laufe weiter, es gebe keine Verletzten. 

Mehrheit der Deutschen hält Angriff auf Iran für nicht gerechtfertigt Die Mehrheit der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger hält den Angriff Israels und der USA auf den Iran für nicht gerechtfertigt. Wie der aktuelle „Deutschlandtrend“ der ARD ergab, halten 58 Prozent der Befragten den am Samstag begonnenen Militärangriff für nicht gerechtfertigt, 25 Prozent sehen ihn als gerechtfertigt an. 17 Prozent hatten keine Meinung oder machten keine Angaben dazu.Damit ist die Zustimmung zu dem Angriff allerdings größer als zur Militäraktion der USA gegen Venezuela Anfang Januar. Damals hatten zwölf Prozent diese als gerechtfertigt eingestuft, wie die ARD am Donnerstag weiter mitteilte.Rund drei Viertel der Deutschen (77 Prozent) empfinden die politische Lage in der Welt für die Menschen in Deutschland zudem aktuell als sehr bedrohlich oder bedrohlich. Das sind 23 Prozentpunkte mehr als Anfang Februar 2022 und damit vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Rund 75 Prozent der Befragten haben außerdem Sorge, der Irankrieg könnte auf noch mehr Länder übergreifen.

Pahlavi will Irans Führung übernehmen – Trump möchte an der Auswahl beteiligt werdenDer iranische Oppositionspolitiker Reza Pahlavi bezeichnet die Wahl eines neuen obersten Religionsführers als aussichtslos. Auf der Plattform X schrieb der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, jeder Kandidat werde ohne Legitimität dastehen und „als Komplize der blutigen Vergangenheit dieses Regimes“ gelten.Pahlavi nannte ausdrücklich Modschtaba Khamenei, Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Khamenei, sowie Hassan Khomeini, Enkel des Revolutionsführers Ruhollah Khomeini. Beide gehören zum Kreis möglicher Nachfolger. Der 65 Jahre alte Pahlavi brachte sich nach der Tötung des Staatsoberhaupts und Religionsführers als Übergangsführer ins Gespräch. Sein Vorschlag: ein Referendum über eine neue Verfassung, gefolgt von freien Wahlen unter internationaler Aufsicht. Danach soll die Übergangsregierung aufgelöst werden.US-Präsident Donald Trump besteht dem Nachrichtenportal Axios zufolge darauf, persönlich an der Auswahl des nächsten iranischen Staatsoberhaupts beteiligt zu werden. „Ich muss an der Ernennung beteiligt sein, wie bei Delcy (Rodriguez) in Venezuela“, sagte Trump mit Verweis auf die Nachfolge des gestürzten Präsidenten Nicolás Maduro. Trump habe bestätigt, dass Modschtaba Khamenei der wahrscheinlichste Nachfolger seines getöteten Vaters sei, dieses Ergebnis jedoch als inakzeptabel bezeichnet. Der 56 Jahre alte Sohn des am Samstag bei einem Luftangriff getöteten Ajatollah Ali Khamenei gilt ​als Hardliner mit engen Verbindungen zu den Revolutionsgarden. Die Hintergründe zur Wahl eines Nachfolgers Khameneis hat meine Kollegin Friederike Böge aufgeschrieben:

Ölpreis steigt weiter deutlichDer Ölpreis hat seinen Höhenflug seit Beginn des Iran-Krieges fortgesetzt. Am Donnerstag wurde Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai bei 84,02 US-Dollar je Barrel (159 Liter) gehandelt. Das sind gut drei Prozent mehr als am Vortag.Die globalen Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten, der nun schon sechs Tage andauert, stark beeinträchtigt. Seit dem Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran am Wochenende hat sich der Ölpreis für die Sorte Brent um etwa 16 Prozent verteuert. Am Dienstag wurde bei 85,12 Dollar zeitweise der höchste Stand seit Juli 2024 erreicht.

Libanon verbietet Aktivitäten der Revolutionsgarde im LandUnter dem Druck Israels geht die Führung im Libanon weiter auf Distanz zum Iran. Die Regierung in Beirut hat die zuständigen Behörden angewiesen, „jegliche Sicherheits- und Militäraktivitäten“ der iranischen Revolutionsgarde (IRGC) zu unterbinden. Informationsminister Paul Morcos erklärte, die Entscheidung sei in einer Kabinettssitzung unter Vorsitz von Ministerpräsident Nauaf Salam gefallen. Insbesondere das Verteidigungsministerium, das Innenministerium und alle Militär- und Sicherheitsbehörden sollten unverzüglich und entschieden eingreifen, hieß es in einer Regierungserklärung. IRGC-Mitglieder sollten festgenommen werden, damit ihre Abschiebung aus dem Libanon vorbereitet werden könne. Das Kabinett beschloss darüber hinaus, die Visumpflicht für iranische Staatsangehörige bei der Einreise in den Libanon wieder einzuführen.Das israelische Militär hatte zuvor gedroht, jeden iranischen Vertreter auf libanesischem Boden anzugreifen, und die Betreffenden aufgefordert, das Land innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. Die Frist lief heute ab.

Weitere Angriffe Irans auf Golfstaaten – mehr als 1000 DrohnenInmitten des Irankriegs bleiben auch die Golfstaaten Ziel von Angriffen. Die Vereinigten Arabische Emirate meldeten, abermals zahlreiche Angriffe abgewehrt zu haben. Die Luftverteidigung habe sechs Raketen abgefangen, eine sei auf emiratischen Boden gelandet, teilte das Verteidigungsministerium mit. Außerdem seien 131 Drohnen geortet worden. Auch davon sei ein Großteil abgefangen worden. Mutmaßlich stammen die Geschosse und Drohnen aus dem Iran, der seit Samstag von Israel und den USA mit Angriffen überzogen wird. In der Hauptstadt Abu Dhabi seien sechs Personen durch herabfallende Trümmerteile beim Abfangen von Drohnen verletzt worden, teilte das Medienbüro der Stadt mit. Laut Verteidigungsministerium wurden in den VAE seit Ausbruch des Irankriegs am Samstag mehr als 1.000 Drohnen abgefangen. Außerdem seien fast 200 abgefeuerte Raketen in Richtung der Emirate registriert worden. Auch davon sei ein Großteil abgefangen worden.Auch das qatarische Verteidigungsministerium teilte mit, wieder Angriffe abgewehrt zu haben. 13 von 14 Raketen seien abgefangen worden, eine Rakete sei im Wasser niedergegangen, hieß es. Zudem seien vier iranische Drohnen abgefangen worden. In der Hauptstadt Doha waren wieder mehrere Explosionen zu hören. Die US-Botschaft in Qatar teilte mit, das Innenministerium habe die Evakuierung der Anwohner in der Nähe des Botschaftsgebäudes angeordnet. 

London verlegt Kampfflugzeuge nach Qatar – Starmer: „Special Relationship“ zu USA intakt  Großbritannien verstärkt angesichts der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten seine Luftstreitkräfte in der Region. Premierminister Keir Starmer kündigt die Entsendung von vier zusätzlichen Typhoon-Kampfflugzeuge nach Qatar an. Damit soll die dortige Staffel ergänzt und „die Verteidigungsoperationen in Qatar sowie in der gesamten Region gestärkt“ werden, sagt Starmer auf einer Pressekonferenz. Zuvor hatte Starmer gesagt, er sehe die „besonderen Beziehungen“ zu den USA trotz der jüngsten Kritik von Präsident Donald Trump nicht gefährdet. „Wir tauschen rund um die Uhr auf die übliche Weise geheimdienstliche Informationen aus“, sagt Starmer auf einer Pressekonferenz. Dies sei die gelebte „Special Relationship“. Trump hatte Starmer zuvor vorgeworfen, das historisch enge Verhältnis beider Länder beschädigt zu haben. 

WHO bestätigt Angriffe auf GesundheitseinrichtungenDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nach eigenen Angaben 13 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen im Iran und einen im Libanon bestätigt. Berichte über vier getötete und 25 verletzte Sanitäter würden derzeit geprüft, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf einer Pressekonferenz, ohne weitere Details zu nennen. Wegen der Transportbeschränkungen in der Region sei zudem das Logistikzentrum der Organisation in Dubai vorübergehend außer Betrieb. Zuvor hatte der iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen in einem Brief ​an Ghebreyesus angegeben, dass zehn Einrichtungen von Militärschlägen getroffen worden seien. 

NATO bestätigt absichtlichen Beschuss der Türkei Die NATO hat ihre Einschätzung bekräftigt, dass eine in Richtung Türkei fliegende iranische Rakete bewusst auf das NATO-Mitglied abgefeuert wurde. Auf die Frage, ob die ballistische Rakete absichtlich Ziele in der Türkei ins Visier genommen habe, antwortete der Sprecher des obersten NATO-Kommandos in Europa, Martin O'Donnell, am Donnerstag mit „Ja“. Weitere Angaben wollte er aus Sicherheitsgründen nicht machen.„Ich werde keine weiteren Informationen preisgeben, die die Sicherheit oder den Schutz der Streitkräfte beeinträchtigen könnten“, sagte O'Donnell.Die aus Iran abgefeuerte Rakete war am Mittwoch von einem NATO-Abwehrsystem zerstört worden. Die NATO hatte Iran umgehend dafür verurteilt, die Türkei „ins Visier zu nehmen“. 

20.000 Seeleute und 15.000 Passagiere sitzen im Persischen Golf festIn den Gewässern des Persischen Golfs sitzen infolge des Irankrieges 20.000 Seeleute und 15.000 Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen fest. Das teilte die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) am Donnerstag mit. Generalsekretär Arsenio Dominguez erklärte, die IMO sei bereit, „mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten, um zur Sicherheit und zum Wohlergehen der Seeleute beizutragen“.Seit Kriegsbeginn am Samstag hat die UN-Organisation demnach sieben Vorfälle gezählt, in die Schiffe in der Straße von Hormus verwickelt gewesen seien. Dabei seien zwei Menschen gestorben und sechs verletzt worden. „Abgesehen von den wirtschaftlichen Auswirkungen dieser alarmierenden Angriffe handelt es sich hierbei um eine humanitäre Frage“, erklärte Dominguez. „Kein Angriff auf unschuldige Seeleute ist jemals gerechtfertigt.“„Ich wiederhole meinen Appell an alle Reedereien, bei ihren Aktivitäten in der betroffenen Region größte Vorsicht walten zu lassen“, betonte der IMO-Chef. Er forderte „alle Parteien auf, ihre Bemühungen zu verstärken, um die Situation so schnell wie möglich zu entschärfen“.

Irankrieg legt zentrales WHO-Lager in Dubai lahmDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Irankriegs den Zugang zu einem ihrer größten Logistikzentren und Materiallager für weltweite Noteinsätze verloren. Die Einrichtung liegt in Dubai. Dort seien alle Aktivitäten aufgrund der Sicherheitslage vorerst eingestellt worden, sagte die WHO-Direktorin für die Region, Hanan Balkhy, bei einer Pressekonferenz. Material im Wert von 18 Millionen Dollar (15,5 Euro) sei dort nun blockiert, und Nachschub im Wert von acht Millionen Dollar, der per Schiff angeliefert werden sollte, könne das Zentrum nicht erreichen.In dem Lager liegen Medikamente und medizinisches Material für Noteinsätze und zur Unterstützung geschwächter Gesundheitssysteme in aller Welt. Dazu gehört unter anderem alles zur Versorgung von Verwundeten in Konflikten, von Betroffenen bei Erdbeben oder Überschwemmungen sowie Medikamente etwa für Bluthochdruck oder Diabetes. In manchen Jahren versorgt die WHO nach eigenen Angaben mehr als 20 Millionen Menschen in rund 70 Ländern von Dubai aus.Nach Angaben der zuständigen WHO-Nothilfekoordinatorin Annette Heinzelmann wird geprüft, ob Material jetzt auf dem Landweg aus dem Logistikzentrum gebracht werden kann. Ebenso prüfe die WHO, ob ähnliche Logistikzentren in Brindisi in Italien, Nairobi in Kenia und anderswo Lieferungen übernehmen und wo Material und Medikamente lokal erworben werden können. 

Deutschland will keine Fregatte nach Zypern entsendenDas deutsche Verteidigungsministerium hat keine Pläne, vor dem Hintergrund des Irankriegs ein zusätzliches Schiff ins Mittelmeer zu beordern. „Wir planen keine Entsendung einer Luftverteidigungsfregatte“, teilte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag mit. Generell plane Deutschland „derzeit keine zusätzlichen deutschen militärischen Fähigkeiten, die über die Beiträge zu den laufenden Einsätzen“ hinausgingen.Die Bundesregierung tausche sich „eng mit unseren Verbündeten und Partnern, auch mit Zypern, zur aktuellen Sicherheitslage im Nahen und Mittleren Osten aus“, erklärte der Sprecher weiter. Der deutsche Fokus liege aber weiterhin „auf signifikanten Beiträgen“ zur Verteidigung der NATO-Ost- und Nordflanke. Mit Blick auf den Irankrieg verwies der Sprecher auf Äußerungen von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vom Mittwoch, wonach sich die Bundeswehr nicht an dem Konflikt beteiligen werde.Mehrere EU- und NATO-Staaten hatten ihrerseits in den vergangenen Tagen eine Verstärkung ihrer Präsenz im Mittelmeer angekündigt, nachdem ein britischer Militärstützpunkt auf Zypern von einer Drohne iranischer Bauart getroffen worden war. Nach Medienberichten wurde auch in der Bundesregierung diskutiert, ob die Fregatte Sachsen zur Verstärkung der Luftverteidigung entsendet werden soll.