FAZ 06.03.2026
06:23 Uhr

Liveblog Irankrieg: Israel greift Ziele in Iran und Libanon an


Explosionen in Teheran und Vororten Beiruts +++ Admiral: USA haben mehr als 30 iranische Schiffe versenkt +++ NATO erhöht Einsatzbereitschaft von Raketenabwehr +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Israel greift Ziele in Iran und Libanon an

USA: Indien darf zeitlich begrenzt russisches Öl kaufenDie USA erlauben es indischen Raffinerieunternehmen, für einen begrenzten Zeitraum russisches Öl zu kaufen. Sein Ministerium erteile dafür eine 30-tägige Ausnahmegenehmigung, um sicherzustellen, dass weiterhin Öl auf den Weltmarkt gelange, teilte US-Finanzminister Scott Bessent auf X mit. Russland dürfte damit zumindest kurzfristig seine Einnahmen aus dem Rohöl-Verkauf steigern können. Die US-Regierung spielte diesen Aspekt herunter. „Diese bewusst kurzfristige Maßnahme wird der russischen Regierung keinen nennenswerten finanziellen Vorteil verschaffen“, betonte Bessent, da sie nur Transaktionen mit Öl genehmige, das bereits auf Tanker geladen, aber nicht ausgeliefert worden sei. Der Finanzminister sprach von einer „Überbrückungsmaßnahme“, die den Druck mindern werde, der durch das Verhalten Irans entstehe. US-Präsident Donald Trump hatte Indien im vergangenen Jahr wegen dessen Ölgeschäften mit Russland mit Strafzöllen belegt, um die wirtschaftliche Basis des Kremls angesichts des andauernden Kriegs in der Ukraine zu schwächen. Jüngst hob Trump die Zölle aber auf und begründete das damit, dass Indien Schritte unternommen habe, um den Import von russischem Öl einzustellen.  

Trump erwägt derzeit keine Bodentruppen in IranUS-Präsident Donald Trump erwägt derzeit nach eigenen Angaben keine Entsendung von Bodentruppen in Iran. „Das wäre Zeitverschwendung“, sagte Trump dem US-Sender NBC am Donnerstag (Ortszeit) in einem Telefoninterview. 

Eurowings schickt eigenes Flugzeug zur Evakuierung nach RiadDie Lufthansa-Tochter Eurowings schickt ein erstes eigenes Flugzeug ins Krisengebiet Naher Osten, um rund 150 Touristen nach Deutschland zurückzuholen. Geplant ist ein Sonderflug aus dem saudischen Riad nach Köln in der Nacht von Freitag auf Samstag, wie das Unternehmen mitteilt.An Bord kommen Gäste des eigenen Reiseveranstalters Eurowings Holidays, die in Dubai und Umgebung vom US-israelischen Angriff auf Iran überrascht worden waren. Sie sollen mit Bussen zum Flughafen Riad gebracht werden. Die Landung des Airbus A320 mit der Flugnummer EW6131 wird in Köln für Samstag um 00.30 Uhr erwartet. Es handelt sich um den ersten eigenen Evakuierungsflug der Lufthansa Group nach Deutschland. Die Airline war bislang als Dienstleister der Bundesregierung tätig.

Hizbullah warnt Bewohner im Norden IsraelsDie von Iran unterstützte Hizbullah-Miliz in Libanon hat die Bewohner im Norden Israels zum Verlassen des Gebiets aufgerufen. Die Angriffe der israelischen Armee im Libanon würden „nicht ohne Reaktion bleiben“, drohte die Schiiten-Organisation. Sie rief dazu auf, alle israelischen Siedlungen innerhalb von fünf Kilometern von der Grenze entfernt zu räumen. Es war die erste Warnung der Miliz dieser Art seit Ausbruch der neuen Gewalt.

Israels Luftwaffe bombardiert abermals TeheranIsraels Luftwaffe greift in der Nacht abermals Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran an. Man habe eine „großangelegte Angriffswelle gegen die Infrastruktur des iranischen Terrorregimes in Teheran gestartet“, gab die Armee bekannt. Nähere Details wurden zunächst nicht mitgeteilt. Israels Generalstabschef Ejal Zamir hatte zuvor eine neue Phase der Angriffe gegen den Erzfeind angekündigt. „In dieser Phase werden wir das Regime und seine militärischen Kapazitäten weiter zerschlagen“, sagte Zamir laut Militärangaben. Er kündigte demnach nicht näher benannte „weitere Überraschungen“ an.

Ministerium: Hotel und Wohngebäude in Bahrain beschädigtBei iranischen Angriffen auf Bahrains Hauptstadt Manama sind nach Angaben des dortigen Innenministeriums ein Hotel und zwei Wohngebäude getroffen worden. Dabei sei „materieller Schaden“ entstanden, es sei aber niemand ums Leben gekommen, erklärte das Innenministerium in der Nacht auf Freitag im Kurzbotschaftendienst X. In einem der Wohngebäude sei ein Feuer ausgebrochen, das aber gelöscht werden konnte.Das Innenministerium hatte zunächst erklärt, bei den Angriffen seien zwei Hotels und ein Wohngebäude getroffen worden. Es korrigierte seine Angaben später.Saudi-Arabien erklärte derweil, drei ballistische Raketen abgefangen zu haben. „Drei ballistische Raketen, die in Richtung des Prinz-Sultan-Luftwaffenstützpunkts abgefeuert worden waren, wurden abgefangen und zerstört“, erklärte das Verteidigungsministerium des Landes auf X.

US-Admiral: Bislang mehr als 30 iranische Schiffe versenktDie US-Streitkräfte haben seit Beginn des Irankriegs nach eigenen Angaben mehr als 30 Schiffe der iranischen Marine versenkt. „Wir sind jetzt bei mehr als 30 Schiffen“, sagte der Leiter des für den Nahen Osten zuständigen Militärkommandos Centcom, Admiral Brad Cooper, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.Erst vor wenigen Stunden sei ein iranischer Drohnenträger von der Größe eines Flugzeugträgers aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs getroffen worden, sagte Cooper. „Während wir sprechen, steht er in Flammen.“Zugleich sei der Zahl iranischer Angriffe mit ballistischen Raketen seit dem ersten Kriegstag um 90 Prozent zurückgegangen, sagte der Admiral. „Drohnenangriffe sind seit Tag eins um 83 Prozent zurückgegangen.“

Etihad nimmt eingeschränkten Flugbetrieb wieder aufDie Fluggesellschaft Etihad Airways ⁠nimmt vom 6. bis 19. März den kommerziellen Flugbetrieb teilweise wieder auf. Zu den wichtigsten Zielen von und nach Abu Dhabi gehören demnach unter anderem ‌Kairo, Delhi, London, Frankfurt, New York, Paris, Moskau, Toronto und Zürich, wie das Unternehmen mitteilt.

Hegseth: „Haben keinen Mangel an Munition“Im Krieg gegen Iran sehen sich die USA haushoch überlegen und für einen längeren Einsatz gewappnet. „Wir haben keinen Mangel an Munition“, sagte Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einer Pressekonferenz. Die Vorräte an offensiven und defensiven Waffen ermöglichten es, die Kampagne „so lange aufrechtzuerhalten, wie es nötig ist“. Er trat damit Befürchtungen einiger Demokraten entgegen, die sich zuletzt besorgt über die große Menge Munition gezeigt hatten, die die USA in dem Krieg einsetzen.Die Regierung in Iran habe sich verkalkuliert, wenn sie davon ausgehe, dass Washington den Einsatz nicht langfristig durchhalten könne, sagte Hegseth an Teheran gewandt.

Trump: Großteil der iranischen Raketen ist zerstört Die Luftabwehr und die Raketen Irans sind nach der Darstellung von US-Präsident Donald Trump bereits ganz oder in großen Teilen zerstört. „Sie haben also keine Luftwaffe mehr, sie haben keine Luftabwehr mehr. Alle ihre Flugzeuge sind weg“, sagte Trump in Washington. Zudem seien ihre Raketen zu 60 und ihre Abschussvorrichtungen zu 64 Prozent ausgeschaltet, sagte er. „Sobald sie eine Rakete abschießen, wird die Abschussrampe innerhalb von vier Minuten getroffen.“Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. Neben dem Nuklearprogramm und der Marine hatte die US-Regierung das Raketenprogramm Irans zuvor als wichtigstes Kriegsziel genannt. 

Israel greift südliche Vororte von Beirut anDie israelische Armee hat am Donnerstagabend nach einem Evakuierungsaufruf Angriffe auf den Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut geflogen. Die israelischen Streitkräfte hätten „mit Angriffen auf Infrastrukturen der Hizbullah“ in dem Vorort Dahijeh begonnen, hieß es in einer Erklärung der Armee. Libanesische Staatsmedien berichteten ebenfalls von Angriffen auf südliche Vororte Beiruts. Aufnahmen von AFPTV zeigten eine Rauchwolke, die über der Stadt aufstieg. Am Nachmittag war unter den Bewohnern Beiruts Panik ausgebrochen, nachdem Israel dazu aufgerufen hatte, alle südlichen Vororte zu evakuieren. 

Bericht: Mädchenschule im Iran während US-Angriffen getroffen  Die Bombardierung einer Mädchenschule in Iran am ersten Kriegstag ist einem US-Bericht zufolge während US-Angriffen auf eine nahegelegene Militäranlage erfolgt. Eine Auswertung der „New York Times“ von Satellitenbildern, verifizierten Videos und Beiträgen in den sozialen Medien habe ergeben, dass das Schulgebäude durch einen präzisen Schlag schwer beschädigt worden sei, der zeitgleich mit Angriffen auf einen angrenzenden Marinestützpunkt stattgefunden habe. Dieser werde von Irans Revolutionsgarden betrieben.Offizielle Erklärungen, wonach US-Streitkräfte Marineziele nahe der Straße von Hormus angegriffen haben, wo sich der Stützpunkt befindet, „legen nahe, dass sie den Angriff höchstwahrscheinlich ausgeführt haben“, heißt es in der Analyse. Die „New York Times“ legt sich in ihrem Bericht jedoch nicht fest, dass der Angriff tatsächlich von US-Streitkräften ausgeführt wurde. Die Regierung habe den Angriff weder dementiert noch bestätigt, hieß es weiter.

Iran: Raketen mit Streumunition auf Israel abgefeuert Irans Luftstreitkräfte haben in zwei neuen Wellen Raketen auf Israel gefeuert. Dabei seien auch Gefechtsköpfe mit Streumunition zum Einsatz gekommen, berichtete der staatliche iranische Rundfunk. „Raketenregen auf dem Weg nach Tel Aviv“, betitelte der Rundfunk ein Video, das Leuchtspuren der sogenannten Clustermunition zeigen soll. In Israel wurde Raketenalarm ausgelöst. In der Küstenmetropole Tel Aviv waren laute Explosionsgeräusche zu hören. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht. Berichten zufolge gab es Schäden durch den Einschlag von Raketenteilen. Laut der israelischen Armee war die Raketenabwehr im Einsatz, um die Geschosse abzufangen. Der israelischen Nachrichtenseite „ynet“ zufolge stürzte eine iranische Rakete am Abend auf offenem Gelände ab. Diese Rakete löste demnach keinen Raketenalarm aus. 

Mehr Macht im Krieg für Irans Führungstrio Nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts ist dem für die Übergangszeit ernannten Führungstrio mehr Macht gewährt worden. Dem provisorischen Führungsrat seien unter anderem die Befugnisse zur Erklärung von Frieden und Krieg übertragen worden, berichtete das iranische Onlineportal Didban. Der Rat, dem Präsident, Justizchef und ein Geistlicher angehören, sollen außerdem Militärvertreter und Polizeioffiziere ernennen und absetzen können. Die Entscheidung dafür traf der sogenannte Schlichtungsrat, ein wichtiges Schiedsorgan im iranischen Machtapparat. Dem aktuellen Führungstrio gehören Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie der Kleriker Aliresa Arafi an. Sie leiten die Staatsgeschäfte, bis ein neuer Religionsführer ernannt ist.