FAZ 06.05.2026
05:56 Uhr

Liveblog Irankrieg: Irans Außenminister trifft Amtskollegen in China


Abbas Araghtschi berät sich vor dem Trump-Xi-Gipfel mit Wang Yi +++ Hegseth: „Die Waffenruhe ist nicht beendet“ +++ US-Streitkräfte wehren Raketenangriffe ab +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Irans Außenminister trifft Amtskollegen in China

In der Straße von Hormus ist ein französisches Containerschiff trotz Geleit durch amerikanische Kriegsschiffe nach Angaben der Reederei CMA-CGM von Iran angegriffen worden. Der Maschinenraum des unter maltesischer Flagge fahrenden Schiffes „San Antonio“ sei in Brand gesetzt worden. Zudem seien bei dem Angriff am Dienstagabend mehrere Besatzungsmitglieder verletzt, die „evakuiert und medizinisch versorgt“ worden seien, teilte die Reederei CMA CGM mit Sitz in Marseille am Mittwoch mit. Die „San Antonio“ sei als Teil des Project Freedom von Schiffen der amerikanischen Marine eskortiert worden. Flugzeuge der amerikanischen Luftwaffe leisteten zudem Begleitschutz aus der Luft. Das Frachtschiff passierte die Straße von Hormus, als es vom iranischen Festland aus von einer Drohne oder einem Marschflugkörper getroffen wurde, hieß es. Dem iranischen Beschuss waren Drohungen des iranischen Parlamentspräsidenten vorangegangen. In der französischen Presse hieß es, Präsident Trump habe nach dem Angriff auf das französische Containerschiff das Projekt Freiheit abgebrochen. Die französische Regierungssprecherin Maud Bregeon sagte am Mittwoch, Frankreich sei nicht das Ziel des iranischen Angriffs gewesen. Das Schiff habe keine französischen Seeleute an Bord gehabt. Präsident Macron wollte am Mittwoch mit dem iranischen Präsidenten telefonieren. 

China ruft zu Ende des Irankriegs aufDer chinesische Außenminister Wang Yi hat während eines Besuchs seines iranischen Kollegen Abbas Araghchi in Peking ein Ende des Krieges in der Golfregion sowie eine schnellstmögliche Öffnung der Straße von Hormus gefordert. „China ist der Überzeugung, dass es unverzüglich zu einer vollständigen Einstellung der Kämpfe kommen sollte, dass es noch inakzeptabler wäre, diese wieder aufzunehmen, und dass es entscheidend ist, die Verhandlungen weiterzuführen“, teilte Wang am Mittwoch in einer Erklärung nach einem Treffen mit Araghchi mit. Darin forderte er die USA und Iran auf, „so schnell wie möglich“ für eine sichere Wiederaufnahme des Seeverkehrs in der derzeit weiterhin blockierten Straße von Hormus zu sorgen.China ist von der Blockade der Meerenge direkt betroffen: Mehr als die Hälfte der auf dem Seeweg transportierten Rohölimporte Chinas stammt laut dem Schifffahrts-Analyseunternehmen Kpler aus der Golfregion und wird zumeist durch die Straße von Hormus transportiert. Peking ist im Hintergrund an Bemühungen zur Beilegung des Konflikts beteiligt und soll bei den Verhandlungen zur Waffenruhe eine wichtige Rolle gespielt haben. Zum umstrittenen iranischen Atomprogramm erklärte Wang, China begrüße die Zusage des Iran, keine Atomwaffen entwickeln zu wollen, das Land habe indes „das legitime Recht zur friedlichen Nutzung der Kernenergie“.

Deutsche Marine verlängert Libanon-Einsatz ein letztes MalDas Bundeskabinett hat beschlossen, den Einsatz der Deutschen Marine vor der Küste Libanons ein letztes Mal bis zum 30. Juni 2027 zu verlängern. In diesem Zeitraum soll der Abzug der beteiligten Fregatte „Nordrhein-Westfalen“ und von mehr als 200 Soldaten erfolgen. Nach gut 20 Jahren wird dann einer der längsten Marine-Einsätze der Bundeswehr enden. Er hat vor allem die Unterbindung des Waffenschmuggels an die Hizbullah-Miliz und die Ausbildung der libanesischen Streitkräfte zum Ziel.Vorausgegangen war eine Entscheidung des UN-Sicherheitsrats, der im August 2025 die Beendigung der gesamten Unifil-Mission beschlossen hatte. Sie wurde 1978 zur Überwachung des Grenzgebiets zwischen Israel und Libanon gestartet. Derzeit sind noch 10.000 Soldaten beteiligt. Nach ihrem Abzug soll die libanesische Armee die Kontrolle übernehmen. Der Abzug der Bundeswehr beginnt nach Angaben des Verteidigungsministeriums im zweiten Halbjahr und soll Anfang 2027 abgeschlossen sein. Die Fregatte wird voraussichtlich im Sommer die Region verlassen. Knapp 200 Soldaten sind derzeit noch an Bord der „Nordrhein-Westfalen“ und gut 30 an Land im Unifil-Hauptquartier in Südlibanon. Das Schiff war vor dem Einsatz in Wilhelmshaven stationiert.Bei der letzten Verlängerung des Mandats hat wie immer bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr der Bundestag das letzte Wort. Die Zustimmung gilt aber als sicher. Die Obergrenze für die Truppenstärke bleibt bis Ende des Jahres bei 300 Soldaten und wird anschließend auf 80 zurückgefahren. 

Iran pocht auf umfassendes Abkommen mit den USAIm Konflikt mit den Vereinigten Staaten pocht Iran auf eine ​umfassende diplomatische Einigung. „Wir werden alles daransetzen, um unsere legitimen Rechte und Interessen in den Verhandlungen zu schützen“, sagte der iranische Außenminister Abbas Araghchi iranischen Medienberichten zufolge nach einem Treffen mit dem chinesischen Spitzendiplomaten ⁠Wang Yi in Peking. Iran werde ausschließlich ein faires und umfassendes Abkommen akzeptieren. US-Präsident Donald Trump sprach am Mittwoch von großen Fortschritten und stellte eine vorübergehende Aussetzung des US-Geleitschutzeinsatzes für Handelsschiffe in der Straße von Hormus in Aussicht.Auf Trumps Angebot, den US-Marineeinsatz in der Straße von Hormus auszusetzen, ging Araghchi nicht direkt ein. Trump hatte dies als Anreiz für eine Einigung ins Spiel gebracht, zugleich ‌aber erklärt, dass die US-Blockade iranischer Häfen fortgesetzt werde. „Wir sind übereingekommen, dass die Blockade zwar in vollem Umfang in Kraft bleibt, das Projekt Freedom jedoch für eine kurze Zeitspanne ausgesetzt wird, um zu sehen, ob das Abkommen abgeschlossen und unterzeichnet werden kann“, schrieb Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social. Die US-Marine hatte in den vergangenen Tagen versucht, die vom Iran blockierte ‌Meerenge für die Durchfahrt von Frachtern und Tankern freizuhalten.

USA werben für neue Marinekoalition im Nahen OstenDie USA schlagen ihren ⁠Partnern den Aufbau einer neuen multinationalen Marinekoalition für den Nahen Osten vor. Das Bündnis mit dem Namen „Maritime Freedom Construct“ (MFC) soll einen Sicherheitsrahmen für die Zeit nach Ende ‌des Konflikts schaffen und die Durchfahrt durch die Straße von Hormus wieder ermöglichen, sobald sich die Lage stabilisiert, heißt es in einem Entwurf der US-Regierung, der der Nachrichtenagentur ‌Reuters vorliegt. Das MFC ‌soll mit einer separaten französisch-britischen Marinemission zusammenarbeiten, an der rund 30 Länder beteiligt sind. Sie arbeitet mit Iran daran, eine sichere Durchfahrt zu ermöglichen. Einigen Staaten zufolge erfordert die Entsendung ​militärischer Einheiten jedoch zunächst ein Mandat ⁠der Vereinten Nationen (UN). Das MFC soll organisatorisch eigenständig bleiben, seine Einsätze aber eng mit anderen Einsatzgruppen abstimmen, heißt ​es in dem informellen Dokument weiter.

Irans Außenminister trifft Amtskollegen in ChinaIrans Außenminister Abbas Araghchi hat inmitten der Spannungen mit den USA seinen chinesischen Amtskollegen Wang Yi getroffen. Wie Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, tauschten sie sich in der Hauptstadt Peking aus. Staatliche iranische Medien bestätigten die Zusammenkunft. Worüber die Minister sprachen, wurde zunächst nicht bekannt. Der von den USA und Israel Ende Februar begonnene Irankrieg, in dem aktuell eine Waffenruhe gilt, dürfte jedoch ein zentrales Thema gewesen sein. China und Iran sind wirtschaftlich enge Partner, das Land gilt unter anderem als der größte Abnehmer iranischen Öls. Peking hat das Vorgehen der USA gegen den Iran bereits mehrfach kritisiert. 

Rubio und Lawrow sprechen über IrankriegUS-Außenminister Marco Rubio und sein russischer Kollege Sergej Lawrow haben nach Angaben aus Washington in einem Telefonat über die Kriege in Iran und der Ukraine gesprochen. Außerdem seien die „Beziehungen zwischen den USA und Russland“ Thema gewesen, erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Tommy Pigott. Das Telefonat habe auf Wunsch Lawrows hin stattgefunden.

US-Armee pausiert Einsatz in Straße von HormusUS-Präsident Donald Trump hat eine Aussetzung des US-Militäreinsatzes zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus bekanntgegeben. Das „Projekt Freiheit“ werde „für eine kurze Zeit pausiert, um zu sehen, ob das Abkommen finalisiert und unterzeichnet werden kann oder nicht“, teilte Trump mit Blick auf ein mögliches Friedensabkommen mit Iran am Dienstag in seinem Onlinedienst Truth Social mit. Es habe dafür „große Fortschritte“ gegeben, schrieb er.

Iran kündigt Mechanismus für Transit durch Straße von Hormus anIran will sich mit Hilfe eines neuen Genehmigungsverfahrens die Kontrolle über die von ihm blockierte Straße von Hormus sichern. Laut iranischen Staatsmedien sollen Betreiber von Schiffen, die durch die Meerenge fahren wollen, eine E-Mail mit Regeln und Vorschriften für die Durchfahrt erhalten. Für den Transit benötigten die Schiffe dann die Erlaubnis einer iranischen Behörde (Persian Gulf Strait Authority) und müssten den Vorgaben folgen, berichtete der staatliche Sender Press TV. Unklar blieb zunächst, wie die Regeln aussehen und wie Iran auf Verstöße reagieren könnte. Laut Press TV ist der Mechanismus in der Straße von Hormus bereits in Betrieb.Die iranischen Revolutionsgarden – die Elitestreitmacht der Islamischen Republik – hatten am Dienstag Schiffe davor gewarnt, die Meerenge über nicht genehmigte Routen zu passieren, sonst werde eine „entschlossene Reaktion“ darauf folgen. Die einzige sichere Route sei die von Iran zuvor angekündigte, berichtete die von den Revolutionsgarden als Sprachrohr genutzte Nachrichtenagentur Fars. 

Zweites US-Handelsschiff passiert Straße von HormusMit dem Chemikalientanker „CS Anthem“ verlässt das zweite unter US-Flagge fahrende Handelsschiff unter dem Schutz des US-Militärs die Straße von Hormus. Das Schiff beendet die ​Durchfahrt sicher, wie der Betreiber Crowley-Stena Marine Solutions mitteilt. Zuvor hat bereits der Autotransporter „Alliance Fairfax“ der Maersk-Tochter Farrell Lines die Meerenge passiert. Das US-Militärkommando Centcom unterstützt nach eigenen Angaben mit Zerstörern der US-Marine die Wiederaufnahme der Handelsschifffahrt in der Region. 

Irans Militär dementiert Angriffe und droht EmiratenIrans Militärführung hat Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate dementiert. Es seien in den vergangenen Tagen keinerlei Raketen oder Drohnen auf Ziele in den Emiraten abgefeuert worden, sagte der Sprecher des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija laut einer Mitteilung, die der staatliche Rundfunk verbreitete.Gleichzeitig drohte der Militärsprecher den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Golfstaat sei zu einem „Stützpunkt der Amerikaner und Zionisten“ und zum „Feind der islamischen Welt“ geworden. Sollten von seinem Boden aus Angriffe gegen Iran erfolgen, würden die Angreifer dies bereuen.

Wadephul und Merz fordern Iran zu Verzicht auf Raketen- und Atomprogramm aufAußenminister Johann Wadephul (CDU) hat Iran aufgefordert, seine „Politik der Brandstiftung“ zu beenden. „Iran muss sein ballistisches Raketenprogramm aufgeben. Und Iran muss seine Politik der Brandstiftung in der Region aufgeben“, sagte Wadephul am Dienstag nach einem Treffen mit dem israelischen Außenminister Gideon Saar in Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) forderte bei einem Treffen mit dem portugiesischen Regierungschef Luís Montegro ein dauerhaftes Ende des iranischen Atomprogramms.Wadephul begründete seine Forderung an Teheran mit gemeinsamen Sicherheitsinteressen Deutschlands und Israels. „Es wird jeden Tag dringlicher, dass Iran das Angebot zu Verhandlungen jetzt annimmt“, sagte Wadephul. „Wir fordern den Iran auf, seine Karten jetzt nicht zu überreizen.“Merz sagte, Iran müsse „aufhören, auf Zeit zu spielen“ und drängte darauf, den Druck auf den Iran angesichts der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus hochzuhalten. Er habe auf europäischer Ebene bereits dafür geworben, „den Sanktionsdruck auf Teheran zu erhöhen“, sagte Merz. Zugleich müsse das iranische Atomprogramm „endgültig und für immer beendet werden“. Merz verurteilte die jüngsten iranischen Angriffe auf zivile Infrastruktur in den Vereinigten Arabischen Emiraten „auf das Schärfste“, ähnlich hatte er sich bereits am Montagabend geäußert.

Emirate melden neue Angriffe von IranIran hat die Vereinigten Arabischen Emirate nach Angaben der dortigen Regierung am zweiten Tag in Folge mit Raketen und Drohnen angegriffen. Die Flugabwehr reagiere auf diese Angriffe, teilte das emiratische Verteidigungsministerium mit. „Bitte bleiben Sie an einem sicheren Ort und folgen Sie den offiziellen Kanälen für Warnungen und Neuigkeiten“, hieß es in einer Mitteilung der Behörde für Katastrophenschutz. Anwohner sollten herabfallende Trümmer nicht anfassen oder fotografieren und sich ihnen auch nicht nähern.

Generalstabschef: Iran hat USA während Waffenruhe mehrmals angegriffenIran hat nach Angaben des amerikanischen Generalstabschefs Dan Caine seit Beginn der Waffenruhe mehr als zehnmal US-Streitkräfte angegriffen. Seit der Anfang April verkündeten Feuerpause habe Iran zudem neunmal auf Handelsschiffe geschossen und zwei Containerschiffe beschlagnahmt, führte Caine bei einer Pressekonferenz aus. Er sprach von Vorfällen, die alle „derzeit noch unterhalb der Schwelle für die Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen liegen“. Am Montag habe Iran einmal den Oman und dreimal die Vereinigten Arabischen Emiraten angegriffen, sagte Caine. Zusätzlich sei das Land mit Marschflugkörpern, Drohnen und Schnellbooten gegen US-Streitkräfte vorgegangen, die versuchten, die Handelsschifffahrt in der Meerenge von Hormus wieder in Gang zu bringen. Kampfhubschrauber der USA hätten diese Angriffe erfolgreich abgewehrt. „Bislang ist es heute ruhiger“, resümierte Caine. Aufgrund der „willkürlichen“ Angriffe Irans in der Region würden aktuell 22.500 Seeleute an Bord von mehr als 1550 Handelsschiffen im Persischen Golf festsitzen. US-Streitkräfte haben Caine zufolge im südlichen – also dem Oman nahen – Teil der Meerenge eine verstärkte Sicherheitszone eingerichtet. Land-, See- und Luftstreitkräfte der USA würden diese schützen, um weitere iranische Angriffe auf die Handelsschifffahrt abzuwehren. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach von einem „mächtigen rot-weiß-blauen“ Schutzschild.