FAZ 06.03.2026
14:57 Uhr

Liveblog Irankrieg: Bericht: Russland liefert Iran Positionsdaten


Moskau gibt Teheran Standorte von US-Kriegsschiffen und Flugzeugen weiter +++ Merz warnt vor „endlosem Krieg“ in Iran +++ Explosionen im Süden Beiruts +++ Iran kündigt an, Gegenangriffe auszuweiten +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Bericht: Russland liefert Iran Positionsdaten

Staatsfernsehen droht Nationalteam nach stummem ProtestDas iranische Frauennationalteam und Trainerin Marsieh Dschafari hatten vor dem ersten Spiel der Asienmeisterschaft in Australien mit ihrem stummen Protest für Aufsehen gesorgt: Als die Nationalhymne vor dem Spiel gegen Südkorea gespielt wurde, hatten sie geschwiegen. Im iranischen Staatsfernsehen wird nun eine Bestrafung wegen Hochverrats gefordert, zudem sind die Spielerinnen vor der zweiten Partie gegen Australien am Donnerstag offenkundig unter Druck gesetzt worden. Was geschieht mit ihnen, sollte das Turnier für sie am Sonntag enden? Ein Text über ein Nationalteam, das nun vom eigenen Land zu bestraft werden droht – und Spielerinnen, die nicht das erste Mal ein Zeichen gesetzt hatten. 

Merz warnt vor „endlosem Krieg“ in Iran Bundeskanzler Friedrich Merz hat angesichts des Kriegs in Iran vor den Risiken eines langen, sich ausweitenden Konflikts gewarnt. Deutschland teile die Ziele der USA und Israels mit Blick auf Irans Nuklear- und Raketenprogramm sowie die Unterstützung von Terror und Stellvertretern, teilte Merz in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Zugleich betonte er das Recht des iranischen Volkes, frei über sein Schicksal zu entscheiden. Ein „endloser Krieg“ liege nicht im deutschen Interesse; ein Zusammenbruch iranischer Staatlichkeit oder Stellvertreterkriege auf iranischem Boden könnten Europa bei Sicherheit, Energieversorgung und Migration stark treffen. Merz kündigte an, mit Partnern an einer Perspektive zur Beendigung der Kämpfe zu arbeiten. Voraussetzung sei unter anderem ein überprüfbares Ende des militärischen Nuklear- und ballistischen Raketenprogramms sowie die Wahrung der territorialen Integrität Irans. Perspektivisch seien Sanktionserleichterungen und Hilfen möglich, aber nur bei Erfüllung klarer Bedingungen. 

Der Irankrieg macht sich bei deutschen Verbrauchern bemerkbar: Die Preise an den Tankstellen sind seit Beginn des Kriegs am Samstag deutlich gestiegen. Ebenso notieren die Preise für Erdgas und Erdöl höher. Unsere Grafiken zeigen die aktuellen Preisentwicklungen.

Wadephul: Keine unmittelbare Gefährdungssituation für DeutschlandAußenminister Johann Wadephul mahnt mit Blick auf mögliche iranische Gegenangriffe auf NATO-Staaten zur Ruhe. Er sehe keinen Anlass für Alarmismus, sagt Wadephul in Berlin. Die NATO sei immer wachsam und verteidigungsbereit, betont der Minister und fügt hinzu: „Eine unmittelbare Gefährdungssituation sehe ich für uns nicht.“ Er kündigte einen weiteren gecharterten Flug in den Nahen Osten an, um gestrandete deutsche Touristen zu evakuieren. Am Samstag werde eine Maschine in die saudische Hauptstadt Riad fliegen. Die Bundesregierung stelle zudem weitere knapp 100 Millionen Euro ⁠an humanitärer Hilfe für den Nahen Osten bereit, kündigte Wadephul an. 

Krieg treibt Frachtpreise für Hilfslieferungen hoch Der Irankrieg sorgt für erheblich teurere Schiffsfrachtpreise in der Region und erschwert damit auch die humanitäre Hilfe in einige Länder. Große Transportunternehmen hätten Zuschläge für Konflikt- und Kriegsrisiken in Höhe von rund 3.000 Dollar pro Container eingeführt, berichtet die UN-Organisation für Migration IOM in Genf. Die Organisation liefert von Dubai aus unter anderem gepanzerte Fahrzeuge und anderes Material in afrikanische Länder und darüber hinaus. Wegen der Sicherheitslage können aber unter anderem in der wichtigen Meerenge von Hormus zwischen dem Iran und Oman praktisch keine Schiffe mehr fahren. Besonders für den Sudan sei die Lage katastrophal, hieß es. Das Land hänge von Schiffslieferungen in den Hafen von Port Sudan ab. Auch die Lieferungen nach Somalia und Südsudan seien betroffen. 

Lufthansa-Flug nach Riad umgeleitetDie Lufthansa hat einen geplanten Flug nach Riad kurzfristig umgeleitet. Der Kapitän des Linienflugs LH640 von München in die saudische Hauptstadt habe wegen der zeitweisen Schließung des Luftraums über Riad in Rücksprache mit der Zentrale entschieden, nach Kairo abzudrehen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Frankfurt. „Sicherheit geht vor.“ Die Lufthansa betonte in einer Mitteilung, dass es sich bei dem Flug um einen regulären Linienflug und nicht, wie auch an dieser Stelle zunächst berichtet, um einen Evakuierungsflug gehandelt habe. Laut Lufthansa-Angaben wird die Maschine am Freitagabend weiter nach Riad fliegen und von dort am Samstagmorgen als Flug LH641 zurück nach München fliegen. Der Luftraum über Riad ist mittlerweile nach Unternehmensangaben wieder geöffnet.

Aserbaidschan zieht Diplomaten aus Iran abNach dem Einschlag mehrerer in Iran gestarteter Drohnen in Aserbaidschan hat die Regierung in Baku den Abzug ihres diplomatischen Personals aus dem benachbarten Iran angekündigt. Dies betreffe sowohl die Botschaft in Teheran als auch das Konsulat in Täbris, sagte Außenminister Dschejhun Bajramow am Freitag. Die Vorbereitungen dazu liefen derzeit.Er habe am Donnerstag mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi über das Thema gesprochen, fuhr Bajramow fort. „Die iranische Seite hat versprochen, den Vorfall gründlich zu untersuchen, und wir erwarten Ergebnisse.“

Israel fliegt schwere Angriffe auf BeirutDie israelische Armee hat ihre schweren Angriffe in der libanesischen Hauptstadt Beirut am Freitag fortgesetzt. Im Süden der Stadt würde Infrastruktur der Hizbullah bombardiert, hieß es in einer Mitteilung vom Mittag. Schon in der Nacht hatte es massive Angriffe auf die Dahiye genannten südlichen Vorstädte gegeben, die als Hochburg der Hizbullah gelten. Zahlreiche Explosionen waren zu hören.Die israelische Armee sprach von rund zwei Dutzend Angriffswellen in Beirut seit dem Beginn ihrer Militäraktion am Montag, nachdem die Schiitenorganisation den Norden Israels angegriffen hatte. Seither seien in Libanon mehr als 500 Ziele attackiert worden. Das libanesische Gesundheitsministerium teilte am Freitag mit, seit Montag seien 123 Menschen getötet worden, es habe fast 700 Verwundete gegeben. 

London: Anti-Terroreinheit nimmt vier Iraner festDie Anti-Terroreinheit der Londoner Polizei hat vier Iraner wegen des Verdachts festgenommen, sie seien im Auftrag eines iranischen Geheimdienstes tätig gewesen. Nach Angaben der BBC beziehen sich die Ermittlungen auf die mutmaßliche Ausforschung von Personen und Orten, die mit jüdischen Gemeinden in London in Verbindung stehen. Die Festnahme der vier Verdächtigen, von denen drei auch die britische Staatsbürgerschaft haben, sei nachts um ein Uhr Ortszeit erfolgt; diverse Wohnungen in nördlichen Londoner Stadtteilen würden weiter durchsucht. Bei der Festnahme eines Verdächtigen in Harrow gab es offenbar Widerstand, was zur Festnahme sechs weiterer Personen wegen eines Beihilfe-Tatbestands führte. Helen Flanagan, die Leiterin der Anti-Terroreinheit, gab an, die Festnahmen seien im Zuge langer Ermittlungen geschehen, sie seien Teil „unserer täglichen Arbeit, Aktivitäten in böser Absicht zu unterbinden, sobald wir darauf Hinweise haben“. 

Iran kündigt Ausweitung der Gegenangriffe anIrans Streitkräfte haben knapp eine Woche nach Kriegsbeginn eine Ausweitung ihrer Gegenangriffe angekündigt. In den kommenden Tagen werde der Feind intensiver und umfangreicher angegriffen, berichtete der staatliche Rundfunk unter Berufung auf das zentrale Hauptquartier „Chatam Al-Anbija“, das in Kriegszeiten das Kommando im Generalstab übernimmt. Die iranische Militärführung berichtete unterdessen über Angriffe mit Kamikazedrohnen auf den Luftwaffenstützpunkt Ramat David und eine Radarstation in Israel, einen US-Stützpunkt in Kuwait sowie im irakischen Erbil. 

Trump befürwortet Kurden-OffensiveDer amerikanische Präsident Donald Trump hat eine Offensive kurdischer Kämpfer in Iran ausdrücklich begrüßt. „Ich finde es wunderbar, dass sie das tun wollen. Ich wäre voll dafür“, sagte Trump in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters auf eine entsprechende Frage. Die Hintergründe hat unsere Korrespondentin Friederike Böge recherchiert: 

Trump will Khameneis Nachfolger mitbestimmen Die USA müssen nach ​Darstellung von Präsident Donald Trump an der Auswahl des nächsten iranischen Staatsoberhaupts beteiligt werden. In einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur Reuters verglich Trump dies am Donnerstag mit dem Vorgehen ⁠der USA in Venezuela und sagte: „Wir werden diese Person gemeinsam mit dem Iran auswählen müssen. Wir werden diese Person auswählen müssen.“ 

Emirates und Etihad nehmen Flugbetrieb eingeschränkt wieder auf Die Fluggesellschaften Emirates und Etihad Airways nehmen den Flugbetrieb von ihren Drehkreuzen ​in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) in begrenztem Umfang wieder auf. Emirates teilte am Freitag mit, bis ⁠auf Weiteres 82 Destinationen zu bedienen. Passagiere, die am Drehkreuz Dubai umsteigen, würden jedoch nur befördert, wenn ihr Anschlussflug gesichert sei. Die in Abu Dhabi ansässige Etihad kündigte an, bis zum 19. März ‌einen eingeschränkten Flugplan anzubieten. Angeflogen werden rund 70 Ziele, darunter Frankfurt, London und Paris. Die Sicherheitslage bleibt jedoch fragil. So musste ein von Frankreich gecharterter Air-France-Flug zur Rückholung von Staatsbürgern ‌wegen Raketenbeschusses in der Region umkehren. 

Irans Führungsrat befasst sich mit Khamenei-Nachfolge Nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts hat sich der provisorische Führungsrat mit dessen Nachfolge befasst. Bei ihrer vierten Sitzung planten Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie der Kleriker Aliresa Arafi die Einberufung einer Versammlung zur Bestimmung eines neuen Religionsführers, wie aus einer Regierungserklärung hervorgeht. Das Führungstrio wurde demnach außerdem über die aktuelle Kriegslage unterrichtet.Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Khamenei war am Samstag bei israelisch-amerikanischen Angriffen getötet worden. Seitdem leitet verfassungsgemäß ein Führungstrio die Regierungsgeschäfte in Iran. Am Donnerstag wurde dem Rat mehr Macht übertragen. Er kann künftig über Krieg und Frieden entscheiden, sowie Militärvertreter und Polizeioffiziere ernennen und absetzen. Gemäß der iranischen Verfassung bestimmt der Expertenrat, ein Gremium aus 88 Geistlichen, das neue Staatsoberhaupt. Wann der Rat zusammenkommt, bleibt auch nach der Regierungserklärung unklar. Israels Verteidigungsminister drohte am Mittwoch, sein Land werde auch den Nachfolger Khameneis töten. Als aussichtsreicher Kandidat gilt dessen zweitältester Sohn Modschtaba.