FAZ 13.12.2025
20:28 Uhr

Leverkusen besiegt Köln: Ein Traumtor und Fan-Ärger wegen „polizeilichen Maßnahmen“


Aus Protest gegen die Härte der Polizeikontrollen vor dem Derby zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln bleiben Hunderte Fans dem Spiel fern. Die Zuschauer im Stadion sehen einen spektakulären Treffer.

Leverkusen besiegt Köln: Ein Traumtor und Fan-Ärger wegen „polizeilichen Maßnahmen“

Es klang kurios, als der Stadionsprecher unmittelbar nach Robert Andrichs Treffer zum 2:0 gegen den 1. FC Köln verkündete, dass das Stadion ausverkauft sei. Denn in der Leverkusener Nordkurve klafften große Löcher, wo sonst die Ultras des Klubs stehen. Im Gästebereich fehlten ebenfalls große Teile der aktiven Fanszene, die aus Protest gegen die Härte der Polizeikontrollen schon vor dem Spiel abgereist waren. Sie hatten ein interessantes sowie unterhaltsames Derby verpasst und ein spektakulär schönes Tor von Martin Terrier zum 1:0 (66.). Einen sogenannten „Scorpion Kick“, mit dem einst der kolumbianische Torhüter René Higuita weltbekannt wurde. „Wenn das so gewollt war, war das Weltklasse“, sagte der Kölner Defensivallrounder Eric Martel über den Treffer, der seinen festen Platz in den Saisonrückblicken schon jetzt sicher hat. Das war der Höhepunkt in einem emotional durchaus aufgeladenen Derby, in dem durch die Abwesenheit der Ultras eine ungewohnte Stimmung herrschte. Manchmal wurde es schon laut und intensiv, auch Gesänge waren immer wieder zu hören. Aber zwischenzeitlich wurde es auch ungewohnt still in der BayArena, obgleich die Werkself ein starkes Spiel machte. „Das war sehr, sehr gut“, sagte Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand zur Leistung seiner Mannschaft, deren „Teamspirit“ er hervorhob. Die Werkself setzte den FC von Beginn an gehörig unter Druck, dessen Spielaufbau kaum funktionierte. Für das Flachpassspiel, das geplant war, „waren Geist und Beine nicht gut genug“, sagte Trainer Lukas Kwasniok. Meist ging der Ball in der Anfangsphase schon vor der Mittellinie verloren. Allerdings entwickelten die Leverkusener bis auf eine sehr gute Chance von Christian Kofane (9.) zunächst kaum Torgefahr aus ihrer Überlegenheit. Die einzige weitere gute Gelegenheit der ersten Halbzeit vergab Andrich, der nach einer Ecke völlig frei aus vier Metern zum Kopfball kam, das Tor aber verfehlte (34.). Zu diesem Zeitpunkt hatte sich auch der Gast von der anderen Rheinseite ein wenig stabilisiert und selbst zwei gute Möglichkeiten gehabt, die jeweils Luca Waldschmidt vergab (21., 28.). Bayer war fußballerisch überlegen, aber der FC erzeugte mit seinem Ansatz in der ersten Hälfte ähnlich viel Torgefahr in einer Partie, die nach der Pause mächtig Fahrt aufnahm. Dennoch sagte Kwasniok nach dem Spiel: „Wir waren heute leider von der ersten bis zur letzten Minute unterlegen.“ Das wurde nach der Pause immer deutlicher. Nach 47 Minuten lief Malik Tillman nach einem schlimmen Fehler von Sebastian Sebulonsen frei auf das Kölner Tor zu, schoss aber über die Latte, bevor die große Zeit der Torhüter anbrach. Mark Flekken hielt gefährliche Schüsse von Jakub Kaminski (53.) und Linton Maina (59.), Schwäbe wehrte Abschlüsse von Ibo Maza (50.) und Kofane (55.) ab. Die entscheidende Wendung gab der Partie dann Martin Terrier (66.), bevor Andrich die Partie durch den Treffer zum 2:0 entschied (72.). „Danach haben wir es gut gemacht und kontrolliert runtergespielt“, sagte der Leverkusener Sportchef Simon Rolfes, der sich über das Verhalten der eigenen Fans wunderte. Denn zu Beginn waren die Leverkusener Ultras noch anwesend, sangen, inszenierten eine Pyro-Show, bevor sie sich mit ihren Rivalen solidarisierten. Offenbar kamen die Nachrichten über den Ärger der Kölner mit der Polizei erst verspätet an. In den Sozialen Medien kursierten nicht nur Bilder vom geschlossenen Abmarsch der Kölner, sondern auch Behauptungen, es habe „Nacktkontrollen“ gegeben. Im „Express“ berichtete ein namentlich genannter Mann, dass sich „einzelne Fans (...) nackt ausziehen“ mussten, woraufhin der 1. FC Köln ein Statement versendete, in dem es heißt: „Das Thema Nacktkontrollen geistert herum, dies können wir bislang weder bestätigen noch dementieren. Wir sind mit den Behörden und Bayer 04 in Kontakt, um Aufklärung zu betreiben.“ Auch Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro äußerte sich vor dem Anpfiff bei Sky und versicherte, dass Bayer Leverkusen nichts mit den Kontrollen zu tun habe: „Das ist eine polizeiliche Maßnahme. Ich finde, man sollte in unserem Land schon der Polizei vertrauen.“ Dem Vernehmen nach musste sich eine Person bis auf die Unterhose ausziehen, bei der ein verdächtiger Gegenstand gefunden worden ist. Klar scheint, dass der Auslöser des Ärgers das Vorgehen der Polizei war und nicht die Aktivität des Leverkusener Sicherheitsdienstes. Bayer 04 versicherte, dass die vom Klub eingeführten Einlasskontrollen „ruhig und ohne Zwischenfälle“ verlaufen seien, Grund für den Protest seien „unabhängig vom Spiel stattgefundene, polizeiliche Maßnahmen“ gewesen. Es wird noch einige Tage dauern, bis klar ist, wie dieser Vorfall einzuordnen ist. Denn eigentlich war die Debatte um die Stadionsicherheit nach der acht Tage zuvor zu Ende gegangenen Innenministerkonferenz ja eher entschärft worden.