FAZ 04.02.2026
15:45 Uhr

Leitzins dürfte unverändert bleiben: Wie sich die Zins-Stagnation auf Sparer und Bauwillige auswirkt


Nach Phase mit steigenden und sinkenden Zinsen lässt die EZB die Leitzinsen jetzt wohl für einige Zeit unverändert. Welche Folgen das hat.

Leitzins dürfte unverändert bleiben: Wie sich die Zins-Stagnation auf Sparer und Bauwillige auswirkt

An diesem Donnerstag entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) über die Leitzinsen für Februar: Nach Einschätzung der meisten Bankökonomen wird sie die Leitzinsen unverändert lassen. Die Inflationsrate im Euroraum belief sich zuletzt auf 1,9 Prozent, der entscheidende Leitzins, der Einlagensatz, auf 2,0 Prozent. „Die EZB wird die Zinsen voraussichtlich nicht ändern“, sagt Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. Es wäre das fünfte Mal in Folge: Nach einer Phase mit steigenden und einer mit fallenden Leitzinsen ist die Notenbank nun offenbar in eine Phase mit Zins-Stagnation eingetreten. Bastian Freitag von Rothschild & Co spricht von „Ruhe an der Zinsfront“. Strittig wie EZB in Zukunft entscheidet Wie lange das so bleiben wird, ist unter Ökonomen umstritten. Jari Stehn, Europa-Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, rechnet in seiner Langfristprognose für mehrere Jahre mit gleichbleibenden EZB-Zinsen, sollten keine neuen Schocks auftreten. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hält dem entgegen, so lange könne man so etwas nicht vorhersagen. Holger Schmieding, Chefvolkswirt des Hamburger Bankhauses Berenberg, prognostiziert zwar auch erst mal eine Zinsstagnation, aber nicht über Jahre: „Ich erwarte, dass die EZB ab Mitte 2027 ihren expansiven Kurs beenden und schrittweise zum neutralen Einlagensatz von drei Prozent zurückkehren wird“, sagt der Ökonom. Ein Thema könnte am Donnerstag in der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid der Wechselkurs des Euros zum Dollar werden, meint Konrad Kleinfeld von State Street Investment. Offiziell betreibt die EZB zwar keine Wechselkurspolitik. Weil aber der Kurs des Euros zum Dollar auch Auswirkungen auf die Inflation hat, wenn dadurch beispielsweise Energieimporte teurer oder billiger werden, verfolgt die Notenbank auch diese Entwicklung aufmerksam. In den zurückliegenden Monaten war der Euro relativ stark gegenüber dem Dollar gewesen. Einige EZB-Ratsmitglieder hatten sich dazu geäußert. In der vergangenen Woche wertete allerdings der Dollar auf. Tagesgeldzinsen etwas gestiegen Was heißt das alles für Verbraucher? Mit welcher Zinsentwicklung können Sparer und Bauwillige in dieser Phase der Leitzins-Stagnation rechnen? Stagnation der Leitzinsen muss nicht zwangsläufig Stagnation der Spar- und Bauzinsen heißen. Dass die Sparzinsen allerdings noch weiter sinken, ist nach Einschätzung der meisten Marktbeobachter eher unwahrscheinlich. Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt rechnet in seiner Zinsprognose mit stabilen oder wieder steigenden Zinsen. In den zurückliegenden Monaten sind die Zinsen für Tagesgeld laut FMH leicht gestiegen, von durchschnittlich weniger als 1,3 auf 1,45 Prozent. Insbesondere der Wettbewerb in der Spitzengruppe der Tagesgeldanbieter habe sich zum Jahreswechsel verschärft, so wird berichtet. Die Banken, die mit vergleichsweise hohen Tagesgeldzinsen locken, zahlen diese allerdings in der Regel nur an Neukunden, befristet für einige Monate. An der Spitze der Vergleichstabelle von FMH steht die Norisbank mit 3,3 Prozent, befristet bis zum 30. Juni. Voraussetzung ist dort allerdings die Eröffnung eines Girokontos. Zum Vergleich: Die VW Bank bietet Neukunden 2,9 Prozent, ohne Girokonto-Eröffnung, garantiert für sechs Monate. Befristete Aktionen für Sparer Von Aktionsangeboten mit befristeten Sonderkonditionen profitieren vor allem Sparer, die bereit sind, ihr Geld abermals umzuschichten, sobald die Neukundenzinsen ausgelaufen sind“, sagt Oliver Maier von der Vergleichsplattform Verivox: „Wer das nicht möchte, achtet beim Zinsvergleich am besten auf attraktive Bestandskundenzinsen.“ Für Festgeld bringen längere Laufzeiten mittlerweile wieder höhere Zinsen als kürzere. Trotz stagnierender Leitzinsen sind die Festgeldzinsen dabei zuletzt wieder etwas gestiegen. Gut möglich, dass das erst mal so weitergeht. Für Festgeld auf drei Monate gibt es im Schnitt 1,62 Prozent, auf sechs Monate 1,73 Prozent und auf zwölf Monate 1,86 Prozent. Für Festgeld mit längeren Laufzeiten war der Tiefpunkt Mitte vergangenen Jahres erreicht. Inzwischen zahlen die Banken für Festgeld auf zwei Jahre im Durchschnitt 1,93 Prozent, auf fünf Jahre 2,19 Prozent und für zehn Jahre 2,44 Prozent je Jahr. Viel Unsicherheit über Bauzinsen Die Bauzinsen waren Ende vergangenen Jahres wieder etwas gestiegen, das scheint sich aber in diesem Jahr bislang nicht fortzusetzen. Nach Zahlen der FMH-Finanzberatung zahlen Kreditnehmer im Durchschnitt 3,83 Prozent für Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung, für 15 Jahre 4,14 Prozent und für 20 Jahre 4,3 Prozent je Jahr. Beste Anbieter im FMH-Vergleich sind die genossenschaftliche BB Bank in Karlsruhe und der Kreditvermittler Interhyp mit jeweils 3,44 Prozent effektivem Jahreszins für ein Baudarlehen über 210.000 Euro mit zehn Jahren Zinsbindung und einer Finanzierung von 70 Prozent. Wie es mit den Bauzinsen weitergeht, hängt nicht allein von der EZB ab. Diese hängen nicht unmittelbar an den Leitzinsen, sondern über die Pfandbriefrendite an der Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit. Auf sie wirken zahlreiche Faktoren ein, neben der Geldpolitik beispielsweise auch die Konjunktur- und Inflationserwartungen der ­Investoren, ihre Risikoneigung, ihr Vertrauen in den Emittenten und die Zinsentwicklung in anderen Währungsräumen. Die F.A.Z. hat zum Jahreswechsel rund ein Dutzend Banken befragt, mit welcher Rendite sie zum Jahresende rechnen: Im Durchschnitt nannten die Institute 2,9 Prozent, das wäre ungefähr der derzeitige Stand und würde für gleichbleibende Bauzinsen sprechen. Die Spanne der Prognosen ist aber groß, sie reicht von 2,25 bis 3,25 Prozent. Der Kreditvermittler Interhyp bittet regelmäßig Baufinanzierungsfachleute um eine Prognose unmittelbar für die Bauzinsen. Zuletzt haben 60 Prozent gleichbleibende Bauzinsen für die nächsten sechs Monate vorhergesagt, nur 40 Prozent gingen von steigenden Zinsen aus. Noch Ende vergangenen Jahres hatte eine Mehrheit für dieses Jahr höhere Zinsen erwartet.