FAZ 05.06.2026
06:50 Uhr

Leihangebote: Spitzenplatz für Frankfurt dank E-Scootern


Wenn es um geliehene Vehikel für die Kurzstrecke geht, macht Frankfurt niemand etwas vor. Das liegt am Angebot an Elektrorollern.

Leihangebote: Spitzenplatz für Frankfurt dank E-Scootern

Frankfurt ist „Shared-Micromobility-Hauptstadt“. Der englische Begriff klingt auch in der deutschen Übersetzung „geteilte Mikromobilität“ nicht nach großem Kino, meint aber nichts anderes als die kleinste Fahrzeugkategorie, die auf den Straßen unterwegs ist: Elektroroller, E-Bikes und Fahrräder. Und „geteilt“ heißt, dass sie ausgeliehen werden können. Hier liegt Frankfurt unter den deutschen Städten vorn, vor allem in der Kategorie der Fahrten je 1000 Einwohner. Insgesamt wurden neun Metropolregionen und 41 Städte verglichen, auch aus dem europäischen Ausland. Besser als Frankfurt ist nur Antwerpen. Die Rangfolge, über die das Frankfurter Mobilitätsdezernat und die Lokale Nahverkehrsgesellschaft Traffiq berichten, stammt von dem Forschungsprojekt „ScooP2City“, das vom Bundesverkehrsministerium gefördert wird. Es soll Kommunen mit praktischen Lösungen beim Aufbau von Verleihsystemen unterstützen. Schaut man sich die Studie an, so fallen einige Besonderheiten auf. In Frankfurt beruht der hohe Wert fast allein auf der starken Nutzung der E-Scooter, die wegen hoher Unfallzahlen und als Hindernis auf Gehwegen umstritten sind. Fahrräder und E-Bikes spielen kaum eine Rolle, während sie in Antwerpen fast drei Viertel der Fahrten ausmachen. Das erklären die Autoren damit, dass es dort, ebenso wie in Berlin, Köln und Mailand, seit Langem etablierte öffentliche Fahrradverleihsysteme gebe. Wo das nicht so sei, außer in Frankfurt auch in Düsseldorf, Hamburg und München, seien Elektroroller vorherrschend. Einbezogen in den Vergleich wurden auch kleinere Städte. Hierbei stach Mühlheim am Main mit einer Nutzungsquote von 9,5 Fahrten je 1000 Einwohner heraus. Auch das Umland der Metropolen wurde betrachtet.  Frankfurt fällt im Vergleich deutlich ab, was die Verfügbarkeit und Durchgängigkeit der Angebote in der Fläche angeht. Deutschlands Top-Performer könne sich zum Ziel setzen, die Klein- und Mittelstädte in seiner Pendlerzone beim Aufbau multimodaler Angebote zu unterstützen, heißt es in dem Vergleich. Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen) ist mit dem Ergebnis dennoch zufrieden. Frankfurt bringe diese Form der „umweltbewussten und stadtverträglichen Mobilität mit Hochdruck voran“. Das gute Abschneiden schreibt er auch der datenbasierten Planung zu, die sich an den tatsächlichen Mobilitätsströmen orientiere. So empfiehlt die Studie den Kommunen, sich von den Anbietern die Nutzungsdaten verbindlich bereitstellen zu lassen. In Frankfurt nutzt Traffiq diese Angaben, um das Angebot gezielt zu steuern. Als Erfolgsfaktor des Frankfurter Modells nennt das Mobilitätsdezernat außerdem die Mischung aus festen Mobilitätsstationen in der Innenstadt, auf denen E-Scooter und Fahrräder abgestellt werden müssen, und dem sogenannten Free-Floating in den äußeren Stadtteilen. Dort können die Fahrzeuge im Straßenraum abgestellt werden, sofern sie nicht den Verkehr und Fußgänger behindern.