Der akademische Arbeitsmarkt sendet widersprüchliche Signale. Unternehmen klagen über Fachkräftemangel, zugleich steigen die Arbeitslosenzahlen unter Hochschulabsolventen, besonders in IT-nahen Feldern. Künstliche Intelligenz übernimmt typische Einstiegsaufgaben, Unternehmen stellen zurückhaltender ein, und junge Akademiker verschicken Hunderte von Bewerbungen, bis ein Treffer dabei ist. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie bleiben Absolventen für Unternehmen attraktiv? Die Antwort ist unbequem, denn nicht der Abschluss per se entscheidet über Berufschancen, sondern die Fähigkeit, Wissen in konkreten, unvorhersehbaren Situationen anzuwenden – oft im Team, häufig unter Zeitdruck und zunehmend im Zusammenspiel mit KI. Lehre für ein Arbeitsmarktmodell von gestern Viele Studiengänge folgen noch immer dem System: erst Wissen erwerben, Anwendung folgt später im Job. Dieses Modell gerät unter Druck. Wenn KI Recherche, Standardanalysen und andere Routineaufgaben übernimmt, verlieren genau jene Tätigkeiten an Bedeutung, auf die viele Curricula vorbereiten. So entsteht ein Paradoxon: Absolventen verfügen über formale Qualifikationen, Unternehmen suchen jedoch Menschen, die Probleme strukturieren, Entscheidungen begründen und Verantwortung übernehmen können. Es mangelt auf Bewerberseite also nicht an Wissen, sondern an Handlungskompetenz. Kompetenzorientierung entscheidet über Anschlussfähigkeit Wenn Hochschulbildung ihren Wert behalten soll, muss sie Studierende systematisch befähigen, Wissen anzuwenden. Kompetenzorientierte Lehre setzt genau hier an. Sie gründet darauf, welche Fähigkeiten Absolventen im Berufsalltag benötigen und wie diese gezielt aufgebaut und überprüft werden können. Ein solcher Ansatz liegt dem CORE-Prinzip (Competence Oriented Research and Education) zugrunde, das an der SRH University seit Jahren die Lehre strukturiert. Future Skills (Collaboration, Communication, Digital Skills, Coping and Changing) werden hier nicht isoliert, sondern als Querschnittskompetenzen über alle Module hinweg verstanden und Lernergebnisse, Lehrmethoden und Prüfungsformen systematisch aufeinander abgestimmt. Die EBS Law School hat einzelne Elemente dieses Ansatzes aufgegriffen, zum Beispiel die aufeinander aufbauenden Fünf-Wochen-Blöcke. In kleinen Lerngruppen vertiefen die Studierenden jeweils einen Fach- oder Themenbereich, der am Ende des Blocks durch eine praxisnahe Prüfung abgeschlossen wird. Da das erste Staatsexamen nicht von der Hochschule selbst gestellt wird, kommt dieser Ausbildungsform im Jurastudium besondere Bedeutung zu. Sie verbindet fachliche Vertiefung, methodische Schulung und regelmäßiges Leistungsfeedback, um gezielt auf die Anforderungen des staatlichen Examens vorzubereiten. Zugleich zielt das Studium auf einen nachhaltigen Kompetenzerwerb ab: Studierende erwerben Fähigkeiten, die sie auf einen Arbeitsmarkt vorbereiten, in dem analytische, reflektierte und kommunikative Kompetenzen zunehmend wichtiger sind als reines Faktenwissen. Praxisnahes Lernen: Wenn das Studium reale Anforderungen simuliert Auch Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen verfolgen das Ziel, Studierende bestmöglich mit praxisnahen Fähigkeiten auszustatten. So werden in der Zusammenarbeit zwischen der SRH University und SAP Studieninhalte gemeinsam mit Blick auf konkrete Kompetenzbedarfe entwickelt. Studierende arbeiten mit realen Anwendungsszenarien, erwerben Zertifizierungen und lernen, komplexe Systeme zu verstehen und Ergebnisse zu vertreten – Fähigkeiten, die weit über einzelne Tools hinausreichen. Das hat den Effekt, dass Studierende früh erkennen, welche Kompetenzen gefragt sind und wo eigene Lücken liegen. Zudem erleben Unternehmen Studierende nicht als unvorbereitete Berufseinsteiger, sondern als Projektpartner. Mit dieser Form der Lehre verändert sich auch die Rolle der Lehrenden. Professoren agieren weniger als Wissensvermittler, sondern als Lernbegleiter. Sie geben Feedback, stellen kritische Fragen und helfen, Erfahrungen einzuordnen. Gerade im Umgang mit KI ist diese Rolle zentral: Studierende lernen nicht nur, Werkzeuge zu nutzen, sondern auch, ihre Ergebnisse kritisch zu reflektieren. Die Berufschancen von Absolventen entscheiden sich zunehmend im Studium selbst. Hochschulen, die kompetenzorientiert lehren, praxisnah arbeiten und Studierende früh in reale Kontexte bringen, erhöhen die Anschlussfähigkeit ihrer Abschlüsse spürbar. Wer am alten Modell festhält, riskiert, dass akademische Titel an Signalwirkung verlieren. Im KI-Zeitalter ist Hochschulbildung nur dann etwas wert, wenn sie zum Handeln befähigt.
