Noch einmal werden die Liebhaber von Salsa, Bachata und Reggaeton die Tanzfläche im Latin Palace Changó am Silvesterabend füllen. Dann hat es sich ausgetanzt in Europas größtem Salsa-Club. Denn zum ersten Januar 2026 schließt das Changó seine Pforten. „Nun ist Schluss“, sagt Ferdinand Hartmann. Dem Frankfurter mit dem Basecap gehört der Salsa-Club an der Münchener Straße. Die Inspiration dafür brachte er vor 25 Jahren aus Miami mit. Dort lernte Hartmann den Latino-Tanz kennen und lieben. „Der Lifestyle, die Lebensfreude, der Spaß am Leben und Tanzen“ hätten ihn sofort begeistert, und genau das wollte er im Changó transportieren. Der Club ist eine karibische Insel mitten im Bahnhofsviertel Mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel schuf er mit den Palmen, Bastschirmen und Miniaturmodellen kolumbianischer Chiva-Busse an den orange-roten Wänden eine karibische Insel. Freitags und samstags kamen Frankfurter und Latinos aus der ganzen Welt, um das Tanzbein auf den zwei Etagen des Changó zu schwingen. Auf der Bühne am Kopfende der Tanzfläche traten Stars wie Daddy Yankee und Don Omar auf. Die Salsa-Legende Óscar d’Léon feierte seinen 70. Geburtstag im Changó. Doch besonders stolz ist Hartmann auf das Zwischenmenschliche. „Ich habe hier keine Schlägereien, keinen Ärger, gar nichts“, sagt er. Der Spaß am Tanzen habe im Latin Palace immer im Vordergrund gestanden. Mehr als 40 Paare hätten über die Jahre im Changó zusammengefunden. Mittlerweile würden die Kinder von Paaren zu ihm in den Club kommen, die sich im Changó verliebt hätten, erzählt er. Während der Pandemie wurde der Club zum Impfzentrum Auch als Veranstaltungsort war das Changó beliebt. Vom Klassikkonzert über die Mottoparty bis zur Realityshow hätten sie alle Veranstaltungen ausgetragen, sagt Hartmann. Auf seinem Handy zeigt er ein Video von der Ennesto Monté Show, die vor wenigen Wochen im Changó mit Reality-Stars wie Yasin Mohamed stattfand. Auch für die Stadt und ihre Bewohner hat sich Hartmann engagiert. Kurzerhand funktionierte er den Club während der Pandemie zum Impfzentrum um. Während sich die Frankfurter ihre Impfung abholten, hätten sie Show gemacht, erinnert sich Hartmann. Unter anderem waren „The Weather Girls“, die Sängerin von „Snap!“ und Künstler von „Culture Beat“ zu Gast. „Man sagt ja immer, wenn es am schönsten ist, soll man aufhören“, sagt Hartmann über die Entscheidung, das Changó zu schließen. Noch mache es Spaß, die Latin-Disco zu führen, aber vieles sei seit der Pandemie schwerer geworden. Von den Zeiten, in denen der Club voll ausgelastet war, sei er weit entfernt. Die Menschen hätten kein Geld, um auszugehen, sagt Hartmann. Die Kriminalität im Bahnhofsviertel schrecke potentielle Besucher ab. „Wer kommt denn noch hierher?“, sagt der Nachtclubbesitzer. Eine afghanische Einkaufspassage soll entstehen Statt des Changós wird eine afghanische Einkaufspassage entstehen. Der Entwurf für den Umbau stammt von einem Architekturbüro aus Dubai und setzt auf moderne Eleganz aus Glas und Marmor. Aneinandergereihte Kabinen sollen als Verkaufsfläche gemietet werden. Geplant seien unter anderem ein Blumenladen, ein Nagelstudio und ein Geschäft für kulinarische Spezialitäten, sagt Hartmann. Damit endet auch die Ära der Tanzkultur an der Münchener Straße, deren Wurzeln bis in das Jahr 1926 zurückreichen und denen Hartmann ein kleines Museum im Keller des Changó widmet. Denn schon vor dem Salsa-Club beherbergte das Gebäude das Kultlokal Maier Gustl’s, an dessen Tischtelefonen die Männer die Frauen zum Tanzen auffordern konnten und an dessen Schießständen Rosen für die Herzdame geschossen werden konnten. Auch wenn damit ein Stück Stadtgeschichte verloren geht, findet Hartmann das Konzept für die Mall gut. Es sei etwas Neues, sagt er. Ganz Schluss ist es mit dem Changó jedoch nicht. Für Hartmann und seine Frau Melina geht es nach Kolumbien. In La Cumbre in der Nähe von Cali wird der Club wieder eröffnet werden unter einem neuen Konzept. Statt Nachtleben wird das Changó künftig einen Ort für Tanz, Gastronomie und Tagesveranstaltungen bieten. „Dieses Nachtleben war schön, aber ich bin schon Rentner“, sagt der 67 Jahre alte Hartmann. La Cumbre ist die Heimat von Hartmanns Frau. Seit 18 Jahren sind die beiden verheiratet, haben vier Kinder und Enkelkinder. Schon oft sind sie in La Cumbre gewesen. Als sie zuletzt vor Ort waren, um die Bauarbeiten für das Changó zu überwachen, hätten sie eine Radtour mit den Bewohnern und dem Bürgermeister gemacht. „Das sind alles nette Leute“, sagt Hartmann. Auf die Veränderung freut er sich deswegen. „Wehmut ist schon ein bisschen da.“ Doch die Vorfreude auf den Umzug überwiege.
