Ihren 19. Geburtstag wird Lara Markthaler in Cortina d’ Ampezzo feiern: im Zielraum des Tofana-Alpin-Zentrums. Und sollte es dort so ähnlich laufen wie bei ihrem 18. Geburtstag, seinerzeit in Saalbach-Hinterglemm, werden dem Teenager dann Zehntausende ein Ständchen singen – auf ihrer Bühne, der Skipiste. Lara Markthaler, genannt „Spunki“, die junge Frau mit den pinken Haaren, versteht sich als alpine Skirennläuferin. Noch ist sie eher ein großes Versprechen als ein großer Name. Aber die Qualifikation für die Olympischen Spiele hat sie schon in der Tasche. An ihrem 19. Geburtstag, dem 15. Februar, startet sie im Riesenslalom der Frauen, ein paar Tage später noch im Slalom. Wieso startet eine Münchnerin für Südafrika? Unabhängig vom Resultat wertet sie diese beiden Auftritte schon jetzt als Erfolg. Bislang hat es noch keine südafrikanische Sportlerin im alpinen Skirennsport zu Olympischen Winterspielen geschafft. Einschränkend muss erwähnt werden, dass Markthaler die Chance zur Olympia-Teilnahme neben ihrem skifahrerischen Können vor allem ihrer südafrikanischen Mutter verdankt. Denn sie selbst ist in München geboren, hat aber eine doppelte Staatsbürgerschaft und ist zweisprachig aufgewachsen. Aber ihr Erfolg im Skisport lässt sich nicht allein auf die Möglichkeit zurückführen, für Südafrika zu starten. Dagegen spricht schon, dass sie an diesem Dienstag (17.45 Uhr im ARD-Livestream und bei Eurosport) auch ihr Debüt im Ski-Weltcup geben darf – beim Nachtslalom auf der Hermann-Maier-Weltcupstrecke in Flachau. Und bei der Weltmeisterschaft 2025 in Saalbach-Hinterglemm belegte sie immerhin den 29. Rang im Slalom – ein Achtungserfolg, wenn auch mit knapp zwanzig Sekunden Rückstand auf die Siegerin. Lara Markthaler zog mit ihren Eltern von Bayern nach Kanada, als sie acht Jahre alt war. Ihr Vater Christian hatte zuvor eine eigene Marketingagentur betrieben, die er 2014 verkaufte. Der Erlös reichte für ein entspanntes und sportorientiertes Leben. Dabei erwies sich Lara als motiviertes Multitalent, die auf dem Mountainbike schnell Erfolge einfuhr, aber auch beim Skifahren große Begabung zeigte. Zu ihren liebsten Nebenbeschäftigungen gehören Einradfahren und Kitesurfen. Außerdem klettern. Nach einigen Jahren in der Nähe von Whistler Mountain zog es die Markthalers aus den kanadischen Wäldern dann doch wieder zurück nach Europa. Sie bezogen 2019 zunächst in den Dolomiten ihr Domizil, zogen später dann nach Innsbruck weiter – um in der alten Olympiastadt mit dem jugendlichen Publikum auch mal „was anderes zu sehen als Skistangen“, wie es die Tochter ausdrückt. Im aktuellen Winter wiederum haben sie ein Appartement in Cortina gemietet, um sich bestmöglich an die olympischen Bedingungen anzupassen und vorzubereiten. Christian und Lara Markthaler tingeln seit Jahren als Zweier-Team durch die Skigebiete des Alpen-Raums. Der Vater ist zugleich Trainer, Techniker, Fitness-Coach und Fahrer. Weiterführende Trainingstipps holt sich der Self-Made-Macher gerne bei etablierten Coaches und Technikern, die er auf Trainingspisten und in den Servicekellern der Skihotels anspricht. Man kennt die Markthalers mittlerweile in der alpinen Ski-Szene. Markthaler steht das halbe Jahr auf Skiern „Ich habe kein typisches Teenagerleben wie andere“, sagt Markthaler im Gespräch mit der F.A.Z. Ihre schulische Ausbildung absolviert sie auf einer nordamerikanischen Online-School. Im Frühjahr wird sie ihren Highschool-Abschluss machen. Dass sie keine klassischen Schulfreundschaften pflegen konnte, vermisst sie nicht: „Ich habe alle meine Freunde in der Ski-Welt“, sagt sie – und präzisiert: „Ich habe überall auf der Welt meine Freunde – in Südamerika, Australien, in Schweden, überall.“ 180 Tage im Jahr steht sie auf Skiern. Und wie es typisch für ihre Generation erscheint, lässt sie interessierte Mitmenschen daran teilhaben. Über ihren Instagram-Account erreicht die 18-Jährige derzeit 108.000 Follower. Nach ihrem Kindheitsnamen nennt sie sich „Spunki“. Und weil kein anderer Account mehr frei war, schreibt sie den mit sechs i: „spunkiiiiii“. Einer Eingebung folgend, die ein wenig auch dem Marketing-Background ihres Vaters geschuldet sein mag, färbt sich Markthaler ihre blonden Haare meistens pink. Was ihr in der südafrikanischen Presse bereits den Nickname „Pink Tornado!“ einbrachte. Ihre persönliche Message beschreibt sie mit dem Dreiklang: „Dream big, have fun and just send it.“ Neben den Träumen und dem Spaß darf eben auch das Sendungsbewusstsein nicht zu kurz kommen. Den Slalom in Flachau wird sie mit dem nötigen Respekt vor der schwierigen Strecke angehen. Angesichts ihrer hohen Startnummer 75 rechnet sie sich realistischerweise nicht zwingend aus, das Finale der besten 30 erreichen zu können. Bei einem Großereignis wie WM oder Olympia qualifizieren sich dagegen 60 Läuferinnen für den zweiten Durchgang – dieses Ziel erreichte sie in Saalbach-Hinterglemm 2025 dank einer taktisch klugen Fahrt, die aufs Ankommen zielte. Einen ähnlichen Plan wird sie auch in Cortina d’ Ampezzo verfolgen – mit der Aussicht auf Zehntausende Gratulanten, wenn sie ihr Ziel erreicht.
