Landtagswahlen in Deutschland stehen nicht ohne Grund im Ruf, einer ähnlichen Dynamik zu gehorchen wie die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten: Tatsächlich schlägt das Pendel nach mehr oder weniger kurzer Zeit oft gegen jene Parteien aus, die im Bund das Sagen haben. Das Stimmungsbild, das Infratest-dimap jetzt im Blick auf die bevorstehenden Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ermittelt hat, passt indes nur bedingt in dieses Raster. Denn als gesichert erscheint einstweilen nur, dass die Linkspartei erstmals in beiden Landesparlamenten vertreten sein dürfte. Wie stark wird die AfD? Die AfD wiederum könnte deutlich besser abschneiden als vor fünf Jahren. Aber sie ist weit davon entfernt, in Mainz oder Stuttgart die stärkste Fraktion zu stellen. Dass dagegen die CDU in diese Rolle hineinwachsen wird, ist alles andere als sicher. Das liegt weniger an mangelndem Rückenwind aus Berlin als an zwei Spitzenkandidaten, die bislang keine Wechselstimmung entfachen konnten und kaum als Projektionsfläche für die Hoffnung auf einen landespolitischen Neubeginn taugen. Weil es aber auch in den Ländern immer mehr „auf den Kanzler“ ankommt, wie die Union im Bundestagswahlkampf 1969 plakatierte, können sich Schweitzer und Özdemir gute Mobilisierungschancen ausrechnen – nicht wegen, sondern trotz ihrer jeweiligen Parteizugehörigkeit.
