In den vergangenen 20 Jahren hat die Erde 471 Millionen Hektar Wald verloren – eine Fläche, 13-mal so groß wie Deutschland. Über ein Viertel dieser Fläche wurde in Äcker, Weiden und Plantagen umgewandelt. In Ländern außerhalb der Tropen gingen neun Prozent der verlorenen Waldflächen auf das Konto der Landwirtschaft, in tropischen Ländern sind es 42 Prozent, wie Forscher von der Technischen Universität Göteborg herausgefunden haben. Anhand von Satellitenbildern und Agrarstatistiken haben die Wissenschaftler die Entwaldung und damit einhergehenden Kohlendioxidemissionen in 179 Ländern bestimmt. Denn wenn Wälder in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt werden, sinken die Artenvielfalt sowie die Fähigkeit natürlicher Wälder, Kohlenstoff zu speichern. Für ihre Analyse haben die Forscher den Anbau von 184 Kulturen betrachtet. Anhand dieser Daten konnten sie auch unterscheiden, ob Waldbrände oder gezielte Brandrodungen die Bäume zerstört haben. Grundnahrungsmittel sind der treibende Faktor Die große Mehrheit, 82 Prozent, der Gebiete, die zwischen 2001 und 2022 entwaldet wurden, liegt in Südostasien, Südamerika und Afrika. In Südostasien ging die Entwaldung mit massiver Entwässerung von Torfmooren einher. 84 Prozent der Kohlendioxidemissionen durch diese Form der Landveränderung entfallen auf diese Weltregion. Die Länder mit den größten entwaldeten Flächen waren Brasilien, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo, gefolgt von China und den USA. Auf den gerodeten Flächen weiden nun Rinder, oder es wachsen Viehfutter, Ölpalmen, Kautschuk, Kakao und Kaffee. Aber auch dem Anbau von Reis, Mais und Maniok ist Wald zum Opfer gefallen. Das wurde bisher eher übersehen. Diese Kulturen werden auf elf Prozent der Flächen angebaut, auf denen zuvor Bäume standen. Damit tragen Grundnahrungsmittel mehr zur Entwaldung bei als Kaffee, Kakao und Kautschuk zusammen. Wo Feuchtgebiete betroffen sind Um Ernährungssicherheit mit Klima- und Waldschutz in Einklang zu bringen, müsste daher auch der Anbau von Grundnahrungsmitteln in den Blick genommen werden, schreiben die Studienautoren in ihrer Veröffentlichung im Fachmagazin „Nature Food“. Allerdings werden nicht nur Wälder, sondern auch Grasland und Feuchtgebiete in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt. So haben sich Äcker für Lebensmittel, Viehfutter oder Energiepflanzen auf Flächen ausgebreitet, die viermal so groß sind wie die entwaldeten Flächen, wie Wissenschaftler vom Senckenberg-Forschungszentrum für Biodiversität und Klima ermittelt haben. Sie berücksichtigten in ihren Untersuchungen, die sie jetzt im Journal „PNAS“ veröffentlicht haben, Daten aus den Jahren 2005 bis 2022. Wieder sind in Brasilien die Flächen am größten, die umgewandelt wurden, gefolgt von Russland, Indien, China und den USA. Einer der Treiber ist der steigende Fleischkonsum: Die Hälfte der umgewidmeten Grasland- oder Moorflächen wurde zu Weiden. Lebensmittel werden auf einem Viertel des ehemaligen Graslandes oder Moores angebaut, auf 17 Prozent wächst Viehfutter, darunter Soja und Mais, und auf dem Rest vor allem Pflanzen wie Zuckerrohr, Raps oder Mais für Biogas, Biodiesel oder andere Brennstoffe.
