FAZ 05.06.2026
17:15 Uhr

Landgericht Darmstadt: Prozess um tödliche Messerstiche nach der Scheidung


Eine Ehefrau lässt sich scheiden, lebt aber weiter mit dem früheren Ehemann in einer Wohnung. Dort sticht er auf sie ein. Das zumindest wird dem 57 Jahre alten Mann im Prozess am Landgericht Darmstadt vorgeworfen.

Landgericht Darmstadt: Prozess um tödliche Messerstiche nach der Scheidung

Wegen Mordes an seiner von ihm geschiedenen Frau muss sich ein 57 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen Mustapha H. vor, er habe im August 2025 im südhessischen Heppenheim die Mutter der beiden gemeinsamen Kinder aus niedrigen Beweggründen getötet, weil er die von ihr eingeleitete Scheidung nicht habe akzeptieren wollen. Mit dem späteren Opfer war der Angeklagte der Staatsanwaltschaft zufolge in zweiter Ehe verheiratet. Seit der Geburt des zweiten Kindes im Jahr 2017 habe der Angeklagte nicht mehr gearbeitet, sich aber auch nicht um Haushalt und Kinder gekümmert. Deshalb habe das Paar häufig gestritten. Die Ehefrau habe vor dem Umzug nach Deutschland in ihrem Heimatland Marokko, wo auch der Angeklagte geboren wurde, studiert. In Südhessen habe sie eine Ausbildung im Einzelhandel absolviert. Die Ehefrau habe im Jahr 2023 beschlossen, sich zu trennen. Zu einer räumlichen Trennung sei es aber nicht gekommen, die Eheleute hätten weiter in der gemeinsamen Wohnung gelebt. Denn der Mann habe dort nicht ausziehen wollen, die Frau aber keine andere Wohnung gefunden. Der Angeklagte habe seiner Ehefrau gedroht, wenn sie sich scheiden lasse, werde er sie „fertigmachen“ und die beiden Kinder zu sich nehmen. Im Jahr 2025 sei das Paar geschieden worden. Ehefrau hat die Scheidung durchgesetzt Die Wut des Mannes darüber, dass die Frau die Scheidung durchgesetzt habe, habe sich immer mehr gesteigert, hieß es in der Anklage. Der Angeklagte habe heimlich ein Video seiner Frau aufgenommen und darin gesehen sowie gehört, wie sie in vertraulichem Ton mit einem anderen Mann telefoniert habe. Das habe ihn noch wütender gemacht. An einem Sonntag im August habe er sich vier Messer genommen und sei auf die Frau losgegangen. Sie habe versucht zu flüchten, er habe sie im Treppenhaus eingeholt und dort auf sie eingestochen, bis Nachbarn ihn überwältigt hätten. Das Opfer habe zwölf Stichverletzungen erlitten, ein Stich habe das Herz getroffen. Nachbarn bestätigten in ihren Zeugenaussagen am Freitag diesen Tatablauf. In einer vom Verteidiger vorgelesenen Erklärung im Namen des Angeklagten wurde vom Streit des Paares berichtet. In dieser Darstellung der Vorgeschichte der Tat hieß es aber, die Ehefrau habe sich von ihrem Mann distanziert und ihn „provoziert“. Auf Nachfragen sagte Mustapha H., er könne sich nicht daran erinnern, auf die Frau eingestochen zu haben. Auch davon, dass er von Nachbarn überwältigt worden sei, wisse er nichts mehr. Erinnern könne er sich aber daran, dass die 22 Jahre jüngere Frau ihn am Tattag angespuckt habe. Der Angeklagte behauptete, er habe sich um Haushalt und Kinder gekümmert, wenn die frühere Ehefrau die Wohnung für ihre Ausbildung verlassen habe.