Eine Lüge kostete Miroslav Lajčák jüngst seinen Posten im Beraterteam des slowakischen Regierungschefs Robert Fico. Entgegen seiner vorigen Aussage hat sich der langjährige Außenminister nämlich sehr wohl mit dem schon 2008 wegen Sexualstraftaten verurteilten Amerikaner Jeffrey Epstein über Frauen unterhalten. „Du kennst mich nicht in Aktion“, schrieb Lajčák im Herbst 2018 etwa in einer SMS. Epstein deutete zuvor an, er schwimme in einem Pool mit unter 30 Jahre alten Frauen, die „wahrscheinlich zu jung“ für Lajčák seien. „Dumme männliche Egos in Aktion“ Lajčák gibt sich mittlerweile reumütig. „Wenn ich diese Nachrichten (heute) lese, fühle ich mich wie ein Idiot“, sagte er diese Woche im slowakischen Rundfunk. Die Nachrichten seien „nichts anderes als dumme männliche Egos in Aktion“. Das wirkt einsichtig, soll aber auch entlasten. Tatsächlich gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass Lajčák sich strafbar gemacht haben könnte. Der schlüpfrige Austausch begünstigte die persönliche Annäherung mit Epstein. Doch politisch ungleich aussagekräftiger ist die Dreiecksbeziehung, die zwischen dem 2019 in amerikanischer Haft verstorbenen Epstein, dem früheren Trump-Berater Steve Bannon und Miroslav Lajčák bestand. Kennengelernt haben sich Lajčák und Epstein in der zweiten Jahreshälfte 2017, als der Slowake für ein Jahr den Vorsitz der UN-Generalversammlung übernahm – und sich deshalb häufig in New York aufhielt. Lajčák beschreibt Epstein heute als einen gesellschaftlich bestens vernetzten Akteur, der auch politisch „Türen geöffnet“ habe. Auch Epstein und Bannon glaubten ausweislich der seit Herbst veröffentlichten E-Mails und SMS, mit dem von ihnen „Miro“ genannten Slowaken ein politisches Investitionsobjekt in ihr Portfolio aufgenommen zu haben. Passte Lajčák in Bannons politische Agenda? Die Pläne der beiden Amerikaner waren hochfliegend. „Er wird das EU-Projekt führen, wenn du ihn magst“, schrieb Epstein am 15. März 2018 in einer E-Mail an Bannon. Mit dem „EU-Projekt“ war Bannons selbst erklärte „Bewegung“ von Parteien gemeint, die Europa bei der Europawahl 2019 eine nationalistische Wende bringen sollten. Auch Bannon schien von Lajčák aus Gründen, die aus der Kommunikation nicht direkt hervorgehen, angetan gewesen zu sein. „Miro ist der Typ, der diese ganze Bewegung auf die nächste Stufe heben wird“, schrieb Bannon im April 2018 an Epstein. Letztlich spielte Lajčák aber nicht so mit, wie es sich Epstein und vor allem Bannon erhofften. Ob es zusätzlich zum digitalen Briefträgerdienst Epsteins jemals zu einem persönlichen Treffen von Epstein, Bannon und Lajčák kam, ist bislang unklar. Im März 2018 sagte Lajčák in einer SMS an Epstein aus Termingründen ab. Ein Jahr später nahm Bannon an einem geplanten Treffen in Wien nicht teil. Von Lajčák und Epstein gibt es dagegen ein Bild, das die beiden Bekannten mutmaßlich im März 2019 in der slowakischen Botschaft in Wien zeigt. Doch auch politisch scheiterte das Projekt. Lajčák offenbarte gegenüber Epstein eine Haltung, die sich trotz Aussagen wie „Ich liebe Lawrow“ nicht mit der rechtspopulistischen Agenda in Einklang bringen lässt. Epstein versuchte Lajčák eine Kandidatur für die slowakische Präsidentenwahl einzureden. Epstein lockte junge Frauen in der Slowakei Der Außenminister reagierte zunächst mit einem „Willst du, dass ich es werde?“, machte aber schnell deutlich, dass er andere Pläne hatte. Als 2019 die Liberale Zuzana Čaputová die Wahl gegen EU-Kommissar Maroš Šefčovič gewann, schrieb Lajčák, dass beide „o. k.“ seien. Bannon schrieb nach der Wahl frustriert an Epstein, dass Lajčák Präsident geworden wäre, „wenn er auf mich gehört hätte“. Nützlich für die beiden Amerikaner wollte sich Lajčák auf anderem Wege machen. „Übrigens habe ich in der Slowakei jemanden für ihn – meinen Ex-Ministerpräsidenten Fico. Er ist nicht mehr in der Regierung und sucht nach einer neuen Aufgabe. Er würde gerne Steves Spiel spielen“, schrieb Lajčák im Juli 2018 an Epstein. Die führende Oppositionspartei Progressive Slowakei fordert nun von Robert Fico Auskunft darüber, ob er sich mit Epstein und Bannon getroffen hat. Der Fall Epstein ist in der Slowakei auch sensibel, weil neueste Enthüllungen immer offenkundiger darauf hindeuten, dass Epstein auf der Suche nach Gespielinnen systematisch junge Slowakinnen gelockt hat.
