Das „La Gata“ (Spanisch für „Die Katze“) ist eine Institution in Sachsenhausen und doch keine Kneipe für jedermann. Seit die Bar 1971 eröffnet wurde, ist sie ein Rückzugsort für Frauen, die Frauen lieben. Damit schuf die Wirtin Erika Wild, genannt Ricky, etwas völlig Neues: Eine Lesbenbar in Frankfurt, bis heute die weltweit älteste noch existierende ihrer Art. Auch nach 55 Jahren steht Erika Wild noch hinter dem Tresen, wenn die Kneipe am Wochenende öffnet. Doch nun soll Wild das Lokal an der Seehofstraße bis Ende März räumen. Die Bar, die Jukebox, alle Erinnerungen an den Wänden sollen raus. Die zahlreichen Besucherinnen und Unterstützer der Kneipe wollen die Kündigung des Vermieters nicht kampflos hinnehmen. Zu viel stehe auf dem Spiel: mit „La Gata“ einen einzigartigen Treffpunkt der lesbischen und queeren Community zu verlieren. Auf der Plattform change.org hat eine Petition zum Erhalt der Kneipe in wenigen Tagen bereits mehr als 3000 Stimmen erhalten. Die Unterschriftenaktion hat Annette Kühn ins Leben gerufen, eine Freundin von Wild. Sie vermutet Profitgier hinter der Kündigung. Die Miete des „La Gata“ sei in den letzten Jahren mehrfach deutlich erhöht worden, nun wurde die Kündigung angeschlossen. Der Zeitpunkt dafür könnte für Erika Wild nicht schlimmer sein: Vor wenigen Wochen ist ihre Partnerin gestorben. Nun muss sie um ihr Lebenswerk bangen. Die Sorge um die besondere Kneipe in Sachsenhausen beschäftigt nun auch die Kommunalpolitik. In den meisten Fraktionen scheint Einigkeit darüber zu herrschen, dass das „La Gata“ dringend erhaltenswert sei. Doch weil in diesem Fall ein Gewerbemietvertrag betroffen ist, sei es schwierig, Einfluss zu nehmen, heißt es. Marcus Gwechenberger (SPD), Dezernent für Planen und Wohnen, hatte am Dienstag im Planungsausschuss in Aussicht gestellt, sich mit seinen Magistratskollegen in der Sache „La Gata“ abzustimmen und zu prüfen, wie man zum Erhalt der Bar beitragen und die Betreiberin unterstützen könne. Unterstützung signalisiert auch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Das „La Gata“ sei nicht die einzige Traditionseinrichtung, die von der sehr angespannten Immobilienlage in Frankfurt und den damit verbundenen Kündigungen betroffen sei. „Dieser Verdrängung von Kulturorten und Treffpunkten aus Innenstadtlagen müssen wir als Stadt etwas entgegensetzen“, sagt Hartwig. Auch deshalb habe sie sich schon vor Jahren wiederholt dafür ausgesprochen, die Clubkultur als solche anzuerkennen und Clubs in der Baunutzungsverordnung als Kulturstätten und nicht länger als Vergnügungsstätten einstufen zu lassen. Das sei aus ihrer Sicht „ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Verdrängung“.
