Herr Oberlechner, besuchen Sie eigentlich gerne Kunstgalerien? Ja, sehr gerne sogar. Weshalb haben Sie dann eine App entwickelt, auf der man Kunst ganz einfach kontaktlos nebenbei online erwerben kann? Weil ich etwas anbieten wollte, das es so noch nicht gab. Klar, manche Menschen leben nicht dort, wo es gute Galerien gibt. Aber auch wer mitten in Berlin, Wien oder München sitzt, hat oft keine Lust, sich durch hundert Galerien und Kunstmessen zu wühlen. Viele wollen einfach eine gute Vorauswahl. Und dann kommt noch etwas dazu: An wirklich gute Sachen heranzukommen, ist oft schwierig, wenn man nicht Teil der Bubble ist, in der jeder die richtigen Kontakte zu Galerien hat. Genau da wollte ich ansetzen. Wie funktioniert Ihre App 24hdrop? Ganz einfach: Die App ist kostenlos, man muss sich nicht einmal anmelden. Jeden Donnerstag um 18 Uhr geht ein neuer Drop online, ein Originalwerk einer Künstlerin oder eines Künstlers, zum Markt- oder Galeriepreis. Ab dann hat man 24 Stunden Zeit, mitzumachen: E-Mail-Adresse angeben, zehn Prozent des Kaufpreises werden auf der Kreditkarte geblockt. Nach Ablauf der Frist wird das Kunstwerk unter allen Teilnehmenden verlost. Wer nicht gewinnt, bekommt den Betrag sofort wieder freigegeben. Sind bei Ihnen schon Käufer wieder abgesprungen? In drei Jahren genau einmal. Unsere Verkaufsrate liegt bei über 90 Prozent. Weshalb gibt es wöchentlich wechselnd nur ein Kunstwerk? In der heutigen Zeit tun wir uns immer schwerer, Entscheidungen zu treffen, weil wir bei fast allem so viele Optionen haben: bei der Wahl des richtigen Films, des Restaurants, sogar des Partners oder der Partnerin. Mit nur einem Werk pro Woche wird die Entscheidung simpel: Gefällt es dir oder nicht? Wenn ja, machst du mit und brauchst etwas Glück. Wenn nicht, wartest du auf die nächste Woche und weißt nie genau, was dich dann erwartet. Genau dieses Spielerische hat mich gereizt. Wie kommt die Auswahl zustande? Ich sammle selbst gerne Kunst und habe viele befreundete Künstlerinnen und Künstler – daraus ist die Idee überhaupt erst entstanden. Angefangen habe ich mit einer kleinen, feinen Auswahl: Leuten, die international ausstellen und gerade ein gutes Momentum haben. Das Programm folgt schon meinem Geschmack – tendenziell Arbeiten, die auch am Handybildschirm funktionieren, also eher figurative oder abstrakte Malerei mit einem zeitgeistigen Zug. Dabei mische ich bewusst etablierte Positionen mit Künstlern und Künstlerinnen, die gerade erst von der Uni oder Akademie kommen. Die Balance muss stimmen. Können Sie ein paar Beispiele nennen? Da gibt es einige – spontan fallen mir ein: Lunita-July Dorn aus Berlin, Karel Dicker aus Brüssel, Elisa Alberti aus Wien oder auch Ester Paraskova aus Prag. Es gibt so viele großartige Künstler und Künstlerinnen, und ich versuche, einen Teil davon in der App zu zeigen und zum Verkauf anzubieten. Sehen Sie sich in Konkurrenz zu den Galerien? Nein, gar nicht. Ich bin eher ein zusätzliches Angebot im Kunstmarkt und bringe bestenfalls neue Sammler und Sammlerinnen ins Spiel, die dann auch bei anderen Galerien kaufen. Mir war von Anfang an am wichtigsten, wieder mehr Fun in den Kunstkaufprozess reinzubringen und mit tollen Kunstschaffenden zu arbeiten. In den letzten drei Jahren waren es ungefähr 180 Künstlerinnen und Künstler. Das macht mir unglaublich viel Spaß und bereichert mich täglich. Wie viele Nutzer haben Ihre App heruntergeladen? Um die 10.000 Personen. Die Chancen, bei der Verlosung zu gewinnen, stehen also nicht schlecht. Aktive Nutzer sind ohnehin nur ein Bruchteil davon. Momentan machen etwas weniger Leute mit, aber es findet sich trotzdem fast immer eine Käuferin oder ein Käufer, auch in schwierigen Zeiten. Und es geht bei uns nicht um riesige Summen: Bei den Kunstwerken pendeln wir uns zwischen 2000 und 7000 Euro ein. Aktuell läuft übrigens ein nettes Sommerprogramm mit Postkarten. Jede Woche werden drei handbemalte Postkarten einer Künstlerin oder eines Künstlers gedroppt. Die Gewinnerinnen und Gewinner bekommen eine persönliche Botschaft auf der Rückseite, ganz so wie in den guten alten, romantischen Postkartenzeiten. Sie haben in diesem Jahr auch eine Gruppenschau in Wien mit 24hdrop-Künstlern veranstaltet. Weshalb dieser Schritt in die physische Welt? Ich hatte Lust, das Ganze mal auf die Straße zu bringen, gemeinsam mit ein paar wunderbaren, kreativen Köpfen aus der Wiener Food- und Weinszene. Mir war wichtig, die vielen Bubbles zu vereinen, und das gelingt mit gutem Essen, guten Drinks und Kunst erstaunlich gut. Wie viel Prozent des Verkaufspreises der Kunstwerke gehen an Sie? Fünfzig Prozent. Wie geht es weiter? Haben Sie schon neue Pläne? Ich würde gerne mehr Drops anbieten, sobald der richtige Zeitpunkt da ist. Ende des Jahres plane ich wieder eine kleine Ausstellung in Wien und überlege, das Konzept auch in andere Städte zu bringen – Berlin, München oder auch Paris –, wieder mit spannenden Leuten aus der Gastronomie und Kreativszene. Außerdem hätte ich wahnsinnig große Lust, meine Mission weiterzutragen auf Panels bei Messen oder auch auf Unis.
