Eine „Birkin Bag“ von Hermès für 2,9 Millionen Dollar, knapp neun Millionen für einen orangefarbenen Diamanten, fast zwölf Millionen für eine Patek-Philippe-Armbanduhr: Bei der ersten Liveauktion von Sotheby’s in Abu Dhabi wurden den Versteigerern im Dezember extrem teure Accessoires nur so aus den Händen gerissen, dazu Edelimmobilien und Nobelkarossen. Gut 133 Millionen Dollar kamen bei dem nach eigenen Angaben größten Debüt des Unternehmens in einem neuen Markt zusammen. Anders als bei der deutlich bescheidener ausgefallenen Auktionspremiere 2024 in Saudi-Arabien spielte Kunst bloß eine Nebenrolle als reine Ausstellungsware. Die „Collectors’ Week“ im größten der Vereinigten Arabischen Emirate, das mit einem Staatsfonds Teilhaber des Auktionshauses ist, setzte ganz auf das, was wirklich geht: Luxus. Gekauft wird kreuz und quer Ein Drittel seines Umsatzes macht Sotheby’s inzwischen mit dieser Produktklasse; der Konkurrent Christie’s etwa ein Viertel. Wer glaubte, „quiet luxury“ wäre die Zukunft, und Teilhabe oder Erleben könnten wichtiger werden als Besitz, wird von der Nachfrage nach Luxusgütern, die oftmals Distinktions- und Materialwert vereinen, eines Besseren belehrt – nicht nur am Golf. Für nachrückende, kapitalstarke jüngere Sammler und Sammlerinnen sind Geschmeide, Villen, Oldtimer und Design nicht mehr bloß potentielle Türöffner auf dem Weg zur Kunst, sondern mindestens gleichrangige Bestandteile eines identitätsstiftenden Asset-Shoppings im globalisierten High-End-Kaufhaus der Konsumkultur. In diesem sind Künstler Marken, die mit anderen Marken Synergieeffekte erzielen – siehe Louis-Vuitton-Täschchen mit Dekor von Yayoi Kusama. Das hat Rückwirkungen auf den Kunstbetrieb. Luxusmarken treten als Mäzene auf, sie fördern, kuratieren und geben Kunst in Auftrag. Während der Kulturfonds von Chanel etwa mit Museen wie dem Hamburger Bahnhof in Berlin kooperiert, hat die Messe Art Basel sich mit ihrer Pariser Ausgabe bewusst in den Kontext einer Kapitale weltbekannter Luxusgütermarken begeben. Eine Installation im öffentlichen Raum entstand dort zuletzt in Kooperation mit dem Modelabel Miu Miu, das nebenbei einen Literaturklub betreibt. Wenn Lifestyle, Luxus und ausgestellte Kultiviertheit sich treffen, wird es zwangsläufig elitär. Auf Luxusmarken als Partner setzt entsprechend das Messeunternehmen Frieze, bei dessen Plattform für junge Talente die Schmuckmarke Tiffany & Co. mitmischt. In Abu Dhabi, wo die Frieze in diesem Jahr ebenso an den Start gehen wird wie die Art Basel in Qatar, werden Kunst und ein luxushungriges Publikum unter der Herrschaft absoluter Monarchen aufeinandertreffen, die Öldollars in kulturelles Gold verwandeln wollen. Was bei diesem alchemistischen Prozess entsteht, kann das Publikum im Februar und November beurteilen. Sicher ist jetzt schon: Es wird luxuriös.
