FAZ 14.01.2026
17:10 Uhr

Krösche ist genervt: Der Druck auf Toppmöller steigt


Nach der Niederlage in Stuttgart ist die Unruhe bei der Eintracht groß. Die Spieler zanken sich, Sportvorstand Krösche reagiert genervt. Wie lange hält seine Geduld mit Toppmöller?

Krösche ist genervt: Der Druck auf Toppmöller steigt

„Haben Sie noch Vertrauen in Trainer Dino Toppmöller?“ Das war am Dienstagabend die letzte, aber wichtigste Frage, die Markus Krösche von einem Journalisten in der Mixed Zone der Stuttgarter Arena gestellt wurde. Sie zielte nach der 2:3-Niederlage beim VfB darauf ab, ob Frankfurts Sportvorstand dem Fußballlehrer zutraut, die großen Probleme der Mannschaft in der Defensive, die zum Leidwesen der Führungskräfte im Verein in dieser Saison zum – schlechten – Spiel der Eintracht gehören, in den Griff zu bekommen. Der in der Hierarchie erste Mann der Sektion Sport antwortete knapp: „Ja!“ Dann verabschiedete sich Krösche und ging mit einem Lächeln in Richtung Kabinentrakt. An der Frage störte sich der Sportvorstand nicht. Zum jetzigen Zeitpunkt konnte er sie offenbar nachvollziehen. Die Hinrunde in der Bundesliga ist beendet und die Diskussion um die Wettbewerbsfähigkeit der Frankfurter auf höchstem Niveau endgültig eröffnet. Im Mittelpunkt der rege geführten Debatten: Dino Toppmöller. Bisher hat es der Trainer, der auf seinen Stürmer Younes Ebnoutalib – er zog sich in Stuttgart einen Innenbandanriss im Knie zu – wohl rund vier Wochen verzichten muss, mit seinem Vorgehen nicht geschafft, Frankfurts Verteidigung auf dem Platz Stabilität und Souveränität zu verleihen. Die Spieler so anzuleiten, dass ihnen bei der Umsetzung nicht immer wieder die gleichen gravierenden Fehler unterlaufen. Deniz Undav: „Ich hätte allein zehn Tore schießen können“ 36 Gegentore in der Bundesliga in 17 Spielen sind ein Pfund, das der Eintracht schwer im Magen liegt. Und das ihren Ansprüchen massiv entgegensteht. Beim Auftritt in Stuttgart fiel sie in alte Muster; phasenweise offenbarte die Defensive Zerfallserscheinungen, die für die Frankfurter im schlimmsten Fall in einem Fiasko hätten enden können. „Ich hätte heute allein zehn Tore schießen können“, sagte bezeichnenderweise Deniz Undav. Der VfB-Angreifer musste sich mit dem Treffer zum 2:1 (35. Minute) begnügen. Am Stuttgarter Ausgleich von Ermedin Demirovic zum 1:1 (27.) hatte Kauã Santos entscheidenden Anteil: Frankfurts Torhüter brachte einen Flankenball von Maximilian Mittelstädt nicht unter Kontrolle, ein schlimmer Fehler. Nach dem Gegentor verlor die Mannschaft komplett die Orientierung und den Blick für das Wesentliche. Zum wiederholten Mal verhielt sich die Eintracht in Bedrängnis unklug und unreif. „Es ist total nervig. Wir haben die Tore wieder zu einfach bekommen“, kritisierte Krösche. Im Anschluss an den Ausgleich hätten die Frankfurter über einen „kompakten Verbund“ zurück ins Spiel kommen müssen, sagte er. „Wir müssen als Verbund eine viel bessere Abstimmung und Kompaktheit haben“, forderte der Sportvorstand. Die Mannschaft sei aber „vogelwild“, „zu weit auseinander“ gewesen und habe „zu viel gewollt. Wir lassen die Torchancen einfach zu. Wenn du keinen Druck auf den Ball hast – das gehört zum ABC des Fußballs –, dann bedeutet das, erst mal die Tiefe zu sichern, das lernst du in der C-Jugend. Das haben wir in den Situationen nicht getan, da sind wir zu großes Risiko gegangen, auf einer Höhe zu stehen“, bemängelte Krösche. „Ein Spiegelbild unserer Hinrunde“ Die Folge: Mit einfachen Bällen in die Tiefe kamen die Stuttgarter immer wieder zu Eins-gegen-eins-Situationen vor dem Frankfurter Tor. „Wir müssen als Mannschaft gegen den Ball besser agieren, gewisse Prinzipien einhalten und ein Bewusstsein dafür haben, was in bestimmten Situationen passieren kann – wir dürfen nicht zu viel Risiko gehen“, gab der Sportvorstand mit ruhiger Stimme und klaren Worten die Richtung vor. Statt sich sportlich weiterzuentwickeln, stagniert das Team. Die unbefriedigende Bestandsaufnahme fasste Krösche so zusammen: „Man kann sagen, dass das Spiel ein Spiegelbild unserer Hinrunde war.“ Es ist die richtige Selbsterkenntnis. Zur Halbzeit der Spielrunde steht die Eintracht am Scheideweg. Weitere Vorstellungen dieser Art kann sie sich nicht leisten, will sie ihr Ziel, einen internationalen Startplatz zu erreichen, nach Abschluss des Wettbewerbs nicht verfehlt haben. Die Unruhe ist jetzt schon groß. Der Umgang miteinander, der in Stuttgart sichtbar wurde, ist kein gutes Zeichen für die Zukunft. Bei dem einen oder anderen scheinen die Nerven blank zu liegen. Rasmus Kristensen winkte ab, als ihm etwas nicht gefiel. Und Verteidiger Arthur Theate ging Kauã Santos vor aller Augen an. Unter Stress, so der Eindruck, ist das Binnenklima belastet. Nur gegenseitige Schuldzuweisungen sind gerade in angespannten Zeiten keine Lösung. Hinterher berichtete Dino Toppmöller davon, dass Kauã Santos in der Halbzeitpause „Zuspruch“ von seinen Mitspielern bekommen habe. „Das zeigt, wir haben einen guten Teamgeist.“ Der Trainer selbst sprach nach eigener Aussage in der Kabine wesentliche Dinge, die ihm nicht gepasst hätten, „sehr laut“ an. Mit Wiederanpfiff trat in mancher Hinsicht auch die ein oder andere Besserung ein. Nur in wichtigen Momenten war die Eintracht, deren magere Zweikampfquote sich lange um die 30 Prozent bewegte, dann wieder nicht auf der Höhe. Das 3:2 in der 87. Minute von Nikolas Nartey, der keine Mühe hatte, den Lucky Punch zu erzielen, traf sie ins Mark. Taktisch ließen die Frankfurter, deren Tore durch Rasmus Kristensen (5.) und Ayoube Amaimouni-Echghouyab (80.) nicht den erwünschten Gegenwert in Punkten hatten, abermals eklatante Mängel erkennen. Es sei „extrem ärgerlich“, er habe sich „brutal aufgeregt, so ein billiges Gegentor bekommen“ zu haben, sagte Toppmöller. „Wir wollen einen offensiven Torwart“ Mittlerweile sind seine Beanstandungen fast zur Gewohnheit geworden. Der fehlende Fortschritt bei den Frankfurtern durch das wiederkehrende Fehlverhalten lässt Dino Toppmöller in den Fokus rücken. Er steht nun unter besonderer Beobachtung. In 25 Pflichtspielen musste die Eintracht elfmal jeweils mindestens drei Gegentreffer hinnehmen. Unter Anleitung des Trainers, der die Gesamtverantwortung trägt, bekam die Mannschaft die Gegentorflut – insgesamt sind es in drei Wettbewerben 53 Gegentore – bisher nicht in den Griff. Toppmöller muss nun schnellstens Lösungen präsentieren, wie die Mannschaft in sich gefestigt zu Erfolgen kommen kann. Daran wird ihn Markus Krösche messen, dessen Geduld auf eine harte Probe gestellt wird und die nicht endlos ist. Im Hinblick auf die Zusammenstellung des Kaders müsste das Team der Eintracht jedenfalls die Qualität haben, um bei seiner Verteidigungsleistung aktuell nicht die bittere Bilanz eines Abstiegskandidaten vorzuweisen. Zu allem Überfluss treibt die Eintracht die Torwartfrage um. Sie ist heute zum Dauerthema geworden. Auf die Frage, ob die Frankfurter nach dem Patzer von Kauã Santos ein Torhüterproblem haben, antwortete Toppmöller: „Am Ende gehören Fehler dazu. Wenn du in deiner Karriere Fortschritte machen willst, musst du durch solche Momente durch.“ Wie lange hält Krösches Geduld mit Toppmöller? In der zweiten Spielhälfte in Stuttgart steigerte sich Kauã Santos und stand einem weiteren Treffer von Deniz Undav zweimal im Weg. „So, wie sich Kauã dann präsentiert hat, sollte ihm das Mut für die kommenden Wochen geben“, meinte sein Trainer. Und Krösche sagte zum Auftritt von Kauã Santos, der Sorgen macht: „Wir wollen einen offensiven Torwart. In der zweiten Hälfte hat er es sehr gut gemacht und seine Stärken gezeigt. Das war eine gute Reaktion.“ Die ist an diesem Freitag (20.30 Uhr, im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) in Bremen von der gesamten Mannschaft nötig. Und ein verbessertes Verteidigungsverhalten sollte dann von Dauer sein. Ansonsten könnte womöglich eine Trennung von Toppmöller zum Thema werden. „Es ist die größte Herausforderung in dieser ganzen Saison, dass du immer wieder diese Nackenschläge hast und sie wegstecken musst. Da geht es auch um Wachstum, denn diese Challenge müssen wir akzeptieren und dann wieder einfach zurückschlagen“, sagte Toppmöller. Wie die Eintracht die gemachten Fehler abstellen kann? „Trainieren!“, sagte Krösche in aller Nüchternheit in Stuttgart. Dieser Handlungsauftrag ging klar an Trainer Dino Toppmöller. Er muss das Vertrauen seines Vorgesetzten jetzt rechtfertigen.