Donald Trump war gerade auf dem Weg in seine Thanksgiving-Auszeit in Florida, als er der Ukraine einen weiteren Dämpfer verpasste. Ja, Wolodymyr Selenskyj wolle sich gern mit ihm treffen, sagte er am Dienstagabend an Bord der Air Force One auf die Frage eines Journalisten. „Aber ich glaube, wir sollten erst einen Deal haben.“ Wenige Stunden zuvor hatte der ukrainische Präsidialamtschef Andrij Jermak es im Interview mit der amerikanischen Nachrichtenwebsite Axios noch mit Schmeicheleien versucht: Ein baldiges Treffen werde dem amerikanischen Präsidenten dabei helfen, seine „historische Mission“ für ein Ende des Kriegs fortzusetzen. Es ist bekannt, dass Trump den acht angeblich von ihm ausgehandelten Friedensdeals einen neunten hinzufügen will. Witkoff riet den Russen, Trump anzurufen und ihm zu schmeicheln In den Vereinigten Staaten lag der Fokus der Debatte am Dienstag bei der Frage, inwiefern Washingtons Bemühungen um einen Frieden in den vergangenen Wochen Schlagseite in Richtung Moskau hatten. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg soll Steve Witkoff, einer der Chefunterhändler, Wladimir Putins außenpolitischem Berater Jurij Uschakow Ratschläge erteilt haben, wie Trump von einem Friedensplan überzeugt werden könne. Laut einer Abschrift des Gesprächs vom 14. Oktober riet Witkoff etwa dazu, Putin solle Trump anrufen, um ihm zum Friedensabkommen in Gaza zu gratulieren und ihm als „Mann des Friedens“ Respekt zu zollen. „Dann wird es ein wirklich gutes Gespräch werden.“ Putin könne außerdem sagen: „Wissen Sie, Steve und Jurij haben einen sehr ähnlichen 20-Punkte-Plan für den Frieden diskutiert“, der die Lage in der Ukraine voranbringen könne. Außerdem schlug Witkoff vor, das Telefonat solle noch vor dem Besuch des ukrainischen Präsidenten in Washington in dieser Woche arrangiert werden. Trump verteidigt Witkoffs Verhalten So kam es damals – und Trump zog vor dem Treffen mit Selenskyj seine zunächst angekündigte Bereitschaft zurück, der Ukraine weitreichende Marschflugkörper zu liefern. Nach der Veröffentlichung des ursprünglichen 28-Punkte-Plans in der vergangenen Woche hatte es heftige Kritik daran gegeben, dass ukrainische und europäische Interessen nicht berücksichtigt worden seien. Trump bezeichnete das Dokument am Dienstagabend nur noch als „Konzept“, das überarbeitet worden sei. Gleichzeitig verteidigte er Witkoffs Verhalten gegenüber Moskau. Er habe von dem Fall noch nichts gehört, aber das sei ja eine „ganz normale Form der Verhandlung“. Einen Vorschlag gut zu verkaufen, sei „die Aufgabe eines Dealmakers“. Er könne sich vorstellen, dass Witkoff dasselbe auch zur Ukraine gesagt habe. Kritik von republikanischen Kongressmitgliedern Steven Cheung, Kommunikationschef des Weißen Hauses, wiegelte ebenfalls ab. Die Geschichte beweise nur eines: dass Witkoff in ständigem Austausch mit Russland und der Ukraine stehe, um einen Frieden zu vermitteln. „Das ist genau das, was Präsident Trump ihm aufgetragen hat.“ Mehrere republikanische Kongressmitglieder kritisierten das Vorgehen der Trump-Regierung in den Verhandlungen im Zuge des veröffentlichten Gesprächs jedoch heftig. Der Abgeordnete Don Bacon äußerte am Dienstag, Witkoff müsse aus dem Verhandlungsteam entfernt werden. Er benehme sich, „als würde er von Russland bezahlt“. Die ganze Sache sei eine Blamage für das Land. Brian Fitzpatrick, Abgeordneter aus Pennsylvania, rief auf X dazu auf, die „lächerlichen Seitenschauplätze und Geheimtreffen“ müssten aufhören. Außenminister Marco Rubio müsse eine Chance bekommen, „seine Arbeit fair und objektiv zu machen“. Der wiederum zählt zu den gemäßigteren Außenpolitikern in der Regierung, die auch auf ukrainische und europäische Sicherheitsinteressen achten. Laut Trumps jüngstem Plan sitzt Rubio nach den Verhandlungen in Genf nun jedoch erst einmal wieder auf der Bank. Nächste Woche soll Witkoff Putin in Moskau treffen. Heeresminister Dan Driscoll soll nach den Verhandlungen mit Russland in Abu Dhabi wieder mit den Ukrainern sprechen. Und der amerikanische Präsident selbst will sich erst einklinken, wenn die Dinge schon ausgemacht sind. Trump schrieb am Dienstag auf seiner Plattform, er freue sich darauf, Selenskyj und Putin „bald“ zu treffen – „aber NUR, wenn der Deal für ein Ende des Krieges FINAL beschlossen oder in den letzten Zügen ist“.
