Als Pedro Sánchez am Mittwoch vor die Fernsehkameras trat, sah er sich in der Rolle eines furchtlosen Pazifisten. Der spanische Ministerpräsident zeigte sich unbeeindruckt von den amerikanischen Drohungen, die Handelsbeziehungen zu seinem Land abzubrechen. „Nein zum Krieg, wir werden dieses Desaster nicht unterstützen“, lautete die knappe Reaktion des Sozialisten auf die Ankündigung Donald Trumps, der Spanien einen „schrecklichen“ Verbündeten genannt hatte. Die USA sind verärgert darüber, dass der NATO-Partner Spanien die Nutzung zweier Militärstützpunkte für Tankflugzeuge untersagt hatte. „Wir wollen nichts mehr mit Spanien zu tun haben“, wetterte Trump am Dienstag im Beisein von Bundeskanzler Friedrich Merz. Und er erinnerte daran, dass Spanien der einzige NATO-Mitgliedstaat sei, der sich nicht zum Fünf-Prozent-Ziel der Allianz verpflichtet habe. Pedro Sánchez ist seit dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit auf Konfrontationskurs mit Washington. Auch im Irankrieg versucht der innenpolitisch in Bedrängnis geratene Regierungschef, sich als eine Art linker „Anti-Trump“ international zu profilieren. In Spanien rätselt man besorgt darüber, welche Folgen Trumps Ankündigung für die spanischen Exporte in die USA haben könnten. Im vergangenen Jahr hatten sie einen Wert von 16 Milliarden Euro. Doch auf Olivenöl, Schinken oder Rioja-Wein geht Sánchez nicht ein. Er erwähnte in seiner live übertragenen Erklärung nicht einmal den Namen des amerikanischen Präsidenten. Journalisten waren zu dem Auftritt nicht eingeladen, Nachfragen offenbar unerwünscht. Sánchez musste schwere Wahlniederlagen einstecken „Wir werden aus Angst vor der Vergeltung nicht Komplizen von etwas sein, das schlecht für die Welt ist“, sagte der Regierungschef. Spanien werde den USA nicht „blind und unterwürfig“ folgen, denn Trump wolle mit dem Krieg seine eigenen „Fehler“ vertuschen und „die Taschen einiger weniger füllen“. „So beginnen die großen Katastrophen der Menschheit. Man kann mit dem Schicksal von Millionen kein russisches Roulette spielen“, sagte Sánchez und erwähnte in diesem Zusammenhang auch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Mit dem Slogan „Nein zum Krieg“ knüpfte Sánchez, der zuletzt mehrere schmerzhafte Wahlniederlagen einstecken musste, bewusst an die großen Demonstrationen gegen den amerikanisch angeführten Irakkrieg an. Im Jahr 2003 gingen in Spanien Hunderttausende dagegen auf die Straßen. 2004 gewann die PSOE-Partei die Parlamentswahl: Ministerpräsident José Luis Zapatero beorderte die spanischen Soldaten aus dem Irak zurück. Das „Geschenk des Azoren-Trios“ sei eine „unsicherere Welt und ein schlechteres Leben“, sagte Sánchez. Dieser Seitenhieb richtete sich gegen die konservative Opposition, insbesondere gegen den früheren PP-Ministerpräsidenten José Maria Aznar, der zusammen mit dem Briten Tony Blair dem damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush auf den Azoren Unterstützung für die Irakinvasion versichert hatte. Linke Parteien loben Sánchez für seinen Kurs Die spanische Linke hat eine antiamerikanische und pazifistische Tradition, die weit zurückreicht. Gegen den NATO-Beitritt gab es heftigen Widerstand. Bei den großen Protesten der Achtzigerjahre, an denen sich auch viele Sozialisten beteiligten, lauteten die Schlachtrufe „Nein zur NATO“ und „Raus mit den Stützpunkten“ – schon damals ging es auch um die beiden Militärflughäfen. Die Generalsekretärin der linken Podemos-Partei, Ione Belarra, lobte Sánchez’ Standhaftigkeit gegen die „illegale“ Militäraktion. Jetzt müssten die amerikanischen Stützpunkte in Morón und Rota geschlossen werden. Zuvor hatte Jugendministerin Sira Rego vom linken Koalitionspartner Sumar gesagt, sie sei stolz darauf, dass sich Spanien gegen diesen „imperialistischen Krieg“ stelle. Im vergangenen Jahr wurde Sánchez von manchen für seine Kritik an Israel während des Gazakriegs gelobt. Er wirft Trumps Partner Benjamin Netanjahu offen einen „Genozid“ vor. Mit dieser harten Linie und der Anerkennung Palästinas hatte er das Zerwürfnis mit der amerikanischen Regierung vertieft. In Madrid sieht man sich jedoch als diplomatischer Pionier: Wie bei Gaza werden bald andere Länder dem spanischen Beispiel folgen, hofft man. Mit Genugtuung gab das Büro des Regierungschefs bekannt, dass der französische Präsident Emmanuel Macron und die EU-Kommission Spanien angesichts eines drohenden Handelsstreits ihre Unterstützung versprachen. Deutschland sorgte in Madrid dagegen für Befremden. Außenminister José Manuel Albares brachte seine „Überraschung“ darüber zum Ausdruck, dass Bundeskanzler Merz Spanien nicht unterstützt habe, als Trump Madrid vor Reportern im Weißen Haus Madrid bedrohte. Spanien sei immer mit seinen europäischen Partnern solidarisch gewesen. Bei Merz’ Vorgängern Scholz und Merkel sei so etwas nicht vorstellbar gewesen, sie seien proeuropäisch gewesen, sagte Albares in einem Interview und sprach dies dem Kanzler damit ab. Merz hatte in Washington gesagt, dass er Trumps Kritik an den spanischen Verteidigungsausgaben teile.
