In den vergangenen zehn Spielzeiten haben die Kansas City Chiefs jedes Mal die Play-offs der National Football League (NFL) erreicht. Neunmal gewannen sie dabei ihre Division. Siebenmal standen sie mindestens im Halbfinale. Fünfmal zogen sie ins NFL-Endspiel ein. Und dreimal gelang ihnen der ganz große Triumph, der Sieg im Super Bowl. Nichts, überhaupt gar nichts führte in der Footballwelt in den vergangenen Jahren an den Kansas City Chiefs vorbei. Sieg um Sieg, Titel um Titel, Rekord um Rekord: Das Team aus dem Bundesstaat Missouri prägte eine Ära in der weltweit stärksten Footballliga, so wie es seit der Jahrtausendwende einzig den New England Patriots mit dem großen NFL-Superstar Tom Brady gelungen war. Nun aber, nach 13 gespielten Spielen in der Saison 2025, steht Kansas City am Scheideweg. Und das hat ausgerechnet mit den beiden Spielern zu tun, die für den Aufstieg und steten Erfolg der Chiefs hauptverantwortlich waren: Patrick Mahomes und Travis Kelce. Das Ende aller Play-off-Träume? Sieben Niederlagen, so viele wie noch nie, seit Mahomes eine volle Saison als Quarterback die Fäden zieht, hat Kansas City bereits auf dem Konto. Zuletzt setzte es eine herbe 10:20-Pleite gegen die Houston Texans. Die Play-offs scheinen schon jetzt außer Reichweite. US-Medien beziffern die Wahrscheinlichkeit, dass den Chiefs doch noch der Einzug in die K-.o.-Runde um den NFL-Titel gelingt, diversen Rechenmodellen zufolge auf gerade einmal zehn bis 14 Prozent. Schon an diesem Sonntag (19.00 Uhr), wenn Kansas City auf die Los Angeles Chargers trifft, könnte eine weitere Niederlage das Ende aller Play-off-Träume bedeuten; selbst bei vier Siegen in den verbleibenden vier Saisonspielen wären die Chiefs abhängig vom Abschneiden der Konkurrenten. Kansas City hat sein eigenes Schicksal nicht mehr selbst in der Hand. „Wir wissen, dass unsere Chancen kleiner und immer kleiner werden“, sagte Quarterback Mahomes nach dem Rückschlag am vergangenen Wochenende. Und auch dem sonst eher gut gelaunt auftretenden Dreißigjährigen fiel es in diesem Moment schwer, glaubhaft und mit Überzeugung vom Optimismus zu sprechen, den er, wie er zumindest sagte, dennoch verspüre, weil er wisse, dass er und seine Teamkollegen „alles dafür tun werden, uns eine Chance zu erhalten“. Nicht der erste Fehlwurf von Mahomes Einer der angesprochenen Teamkollegen, Mahomes‘ möglicherweise wichtigster und sicherlich bekanntester – Tight End Travis Kelce –, war wenige Augenblicke vor diesen Beteuerungen zum Sinnbild dafür geworden, was und woran es den Chiefs in dieser Saison fehlt. Wenige Minuten vor dem Schlusspfiff wurde er von Mahomes angespielt. Perfekt geworfen war der Ball nicht, Kelce musste sich leicht nach innen drehen, entgegen seiner Laufrichtung, um die Hände an den Ball zu bekommen, konnte ihn jedoch nicht sichern. Von Kelces Händen prallte der Ball in die Höhe, der mittlerweile Sechsunddreißigjährige griff verzweifelt nach, bekam ihn aber nicht zu fassen. Stattdessen fing ein Texans-Verteidiger den Ball ab, ehe der gemeinsam mit einem Mitspieler Kelce so heftig rammte, dass der dreimalige Super-Bowl-Sieger und Allstar der Chiefs einige Augenblicke auf dem Rasen liegenbleiben musste, um wieder zu Luft und Kräften zu kommen. Es war nicht der erste Fehlwurf von Mahomes in dieser Saison. Immer wieder unterliefen dem Quarterback kleinere und zuweilen auch größere Ungenauigkeiten, die man in dieser Form und vor allem Häufigkeit von ihm bislang nicht kannte. Ein Blick in die Statistiken zeigt: Mahomes, in diesem Jahr durch eine auch aufgrund von Verletzungen nicht immer stabile Offensive Line zusätzlich unter Druck, warf in den vergangenen Wochen so viele weite Pässe (über mehr als 20 Yards) wie seit 2020 nicht mehr. In den Händen seiner Mitspieler kam jedoch nur etwa ein Drittel davon an, drei Würfe landeten direkt bei Gegenspielern, nur ein Einziger führte unmittelbar zu einem Touchdown. Und es war auch nicht der erste fehlgeschlagene Versuch von Kelce, einen nicht ganz einfach zu fangenden Pass doch noch unter Kontrolle zu bringen. In den vergangenen Jahren für seine Verlässlichkeit und Durchsetzungsfähigkeit bekannt, hat der Tight End in dieser Saison sichtlich mit seinem Alter zu kämpfen. Das Separieren von Verteidigern durch blitzschnelle und präzise ausgeführte Bewegungen, penibel abgestimmt auf das Startsignal von Mahomes, fällt Kelce zunehmend schwerer. Dadurch fehlt die Zeit – auf NFL-Niveau sind damit Sekundenbruchteile gemeint –, kleine Fehler ausmerzen zu können. Davonlaufen kann Kelce den oft sprintstärkeren Verteidigern ohnehin nicht, oder zumindest nicht mehr. Ein um wenige Zentimeter verworfener Pass, eine etwas zu langsame Bewegung, ob mit den Beinen, Armen oder Händen, reichen mittlerweile also, um den Chiefs-Motor, der zuletzt so verlässlich auf Hochtouren lief, gewaltig ins Stocken zu bringen. Auch, weil neben Kelce weitere Passempfänger in Topform fehlen. Kelce, der mit seiner Partnerin, der Sängerin und Milliardärin Taylor Swift, derzeit im Mittelpunkt von Planungen für eine Traumhochzeit 2026 steckt, die in puncto medialem Interesse mit der des Amazon-Besitzers Jeff Bezos in diesem Jahr in Venedig wird mithalten können, schwieg nach der Niederlage gegen die Texans eisern. Kein Kommentar, zu niemandem. Dass er durch seine Liaison mit Popstar Swift möglicherweise abgelenkt sein könnte in einer Profession, die allerhöchste Konzentration auf allen Ebenen zu allen Zeiten erfordert, darüber spekulierten US-Medien schon seit Längerem. Nun aber liefert Kelce ihnen Vorlage um Vorlage. Schon in diesem Sommer hatte er mit einem Karriereende geliebäugelt, dann jedoch voll motiviert verkündet, mindestens ein weiteres Jahr in der NFL antreten – und vor allem einen weiteren Titel gewinnen zu wollen. Dieses Vorhaben, danach sieht es derzeit aus, scheint jedoch zum Scheitern verurteilt. Mahomes sagte am vergangenen Wochenende mit Blick auf seinen Partner, mit dem er viele Jahre kongenial zusammenspielte: Kelce werde „alles in seiner Macht Stehende tun, um diesem Team die Chance auf eine Play-off-Teilnahme doch noch zu ermöglichen“. Ehe Kelce dann, wie Mahomes vielsagend schloss, nach der Saison die Möglichkeit habe, „zu tun, was auch immer er will“.
