Enttäuschungen gehören zum Fußball. Das 0:6 in Leipzig macht jedoch sichtbar, dass die Probleme der Eintracht längst keine Ausrutscher mehr sind, sondern strukturelle Schwächen das Fundament der Mannschaft seit Wochen belasten. Was trägt dieses Team eigentlich? Und wer trägt es? Dino Toppmöller wirkt zweieinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt so angezählt wie zuletzt im Dezember 2023, nach der Pokalblamage in Saarbrücken. Damals rettete ihm die Last-Minute-Bescherung gegen Mönchengladbach vier Tage vor Heiligabend den Job. Heute ist die Gemengelage für den Coach kein bisschen weniger brenzlig. Gegen RB bot seine Mannschaft eine „katastrophale“ Leistung, wie er selbst einräumte. Zum wiederholten Mal ging ihr die Ordnung komplett verloren. Toppmöllers Analyse, es habe an Widerstandsfähigkeit gefehlt, benennt das Offensichtliche und zugleich das Dauerproblem: Die Eintracht bricht zu schnell ein, wenn ihr Plan ins Wanken gerät. Markus Krösche wirkte nach dem Abpfiff bemüht sachlich. Seine Worte über verteidigbare Gegentore, fehlende Konsequenz und stets gleiche Fehler klangen nüchtern; im Kern aber sind sie ein Misstrauensvotum. Wenn ein Sportvorstand betont, man habe „kein Trainerthema“, gleichzeitig aber die Qualität der Defensivarbeit kritisiert, sendet er Signale, die schwer zu überhören sind. Der Hinweis, dass Leipzig die Frankfurter nicht „auseinandergespielt“ habe, sondern die Eintracht sich selbst, wiegt besonders schwer. Doch Krösche steht selbst im Wind. Er hat den Kader im Sommer überschätzt, die fehlende Tiefe auf entscheidenden Positionen unterschätzt. Burkardt und Doan waren sinnvolle Ergänzungen. Doch hinter diesen beiden Verpflichtungen blieb eine strategische Idee erkennbar aus. Das nächste Fiasko droht in Barcelona Bei der nun folgenden Champions-League-Reise nach Barcelona (Dienstag, 21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Amazon Prime) droht in ähnlicher Verfassung das nächste Fiasko. In den europäischen Spielen gegen Atlético Madrid, Liverpool und Bergamo trat unverkennbar hervor, dass der Kader in puncto Tempo, Präzision und Entscheidungsqualität nicht auf dem Niveau agiert, das dieser Wettbewerb verlangt. Drei Spiele stehen noch aus in diesem Jahr, drei Chancen auf eine Reaktion, die über das Einhalten von Pflichten hinaus Einsatz und Eigenverantwortung verlangen. Toppmöller fordert Geschlossenheit, Krösche Konsequenz, die Fans verlangen Identifikation jedes Einzelnen mit dem Team. Alles zusammen ergibt eine Aufgabe, die über taktische Nuancen hinausgeht: Der Coach muss schleunigst zeigen, dass sein Konzept funktioniert, dass Fehler korrigiert werden und die Mannschaft tatsächlich stabiler wird. Mit anderen Worten: dass die bisher gezeigten Absichten auf dem Platz messbar werden. Die Eintracht steht noch nicht vor dem Zusammenbruch, aber vor einer Bewährungsprobe, die kniffliger kaum sein könnte. Es liegt an Toppmöller, in den Partien vor der Winterpause Stabilität herzustellen – und dafür zu sorgen, dass die Diskussionen im sich dann öffnenden Transferfenster um dringend benötigte neue Spieler und nicht um einen neuen Trainer kreisen.
