FAZ 19.01.2026
08:39 Uhr

Krieg in der Ukraine: Wieder russischer Angriff auf Energieanlagen bei Odessa


Weiter massive russische Angriffe auf Energieinfrastruktur +++ Ukrainischer Armeechef: Russland nicht an Frieden interessiert +++ Schulen in Kiew bleiben bis Februar geschlossen +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Wieder russischer Angriff auf Energieanlagen bei Odessa

Russland zeigt nach den Worten des ukrainischen Armeechefs ​kein Interesse an Friedensgesprächen. „Im Gegenteil, wir beobachten, dass die Kampfhandlungen zunehmen und die Produktion von Angriffswaffen, Raketen und Drohnen gesteigert wird“, sagt ​Olexandr Syrskyj dem Online-Medium lb.ua in einem am Sonntag veröffentlichten Interview. Moskau plane, den Ausstoß auf bis zu 1000 Drohnen pro Tag zu erhöhen. Syrskyj ⁠bezeichnet die ukrainischen Angriffe weit hinter ​der Front als „unsere Stärke“. Dadurch seien 719 Ziele getroffen und Schäden in Höhe von 15 ⁠Milliarden Dollar verursacht worden, vor allem in der russischen Ölindustrie. Die ‍ukrainischen Verluste seien ‍2025 zudem um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken, während die russischen Verluste „deutlich gestiegen“ seien.

Die Ukraine und die USA wollen ihre Gespräche über ⁠eine Beilegung ​des Krieges mit Russland weiterführen. „Wir haben vereinbart, die Arbeit ⁠in den Teams bei ‍den nächsten Beratungen in ‍Davos fortzusetzen“, schreibt der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow im Messengerdienst Telegram. ⁠Bei dem jüngsten einer Reihe von Treffen ​in ​Florida hätten ‌beide Seiten über Sicherheitsgarantien und ‍einen Plan für den Wiederaufbau nach ‍dem Krieg beraten.

Bei einem abermaligen ​russischen Drohnenangriff auf die Ukraine sind in der Nacht zum Sonntag nach Angaben von Präsident ⁠Wolodymyr Selenskyj zwei ​Menschen getötet worden. Dutzende weitere wurden demnach verletzt. Der Angriff ⁠mit mehr als 200 Drohnen habe ‍sich gegen mehrere ‍Regionen des Landes gerichtet, darunter Charkiw und Odessa. 

In dem von russischen Truppen besetzten Teil der südostukrainischen Region Saporischschja ist es nach Angaben der Besatzer wegen ukrainischer Drohnenangriffe zu Stromausfällen gekommen. Das betreffe einen „bedeutenden Teil des Gebiets Saporischschja“, schrieb der von Moskau eingesetzte Gouverneur, Jewgeni Balizki, bei Telegram. Generatoren würden wichtige Objekte wie Krankenhäuser versorgen und die Wasserversorgung gewährleisten. Balizki rief die Bevölkerung zur Geduld für die Dauer der Reparaturarbeiten auf. Gleichzeitig drohte Balizki mit Strafen bei der Veröffentlichung von Aufnahmen vom Einsatz der Flugabwehr und den Folgen von Einschlägen. In sozialen Netzwerken waren zuvor Videos von mutmaßlichen Drohneneinschlägen in einem Umspannwerk bei der Großstadt Melitopol verbreitet worden.Den Besatzungsbehörden zufolge ist auch der russisch besetzte Teil des benachbarten Gebiets Cherson von den Stromausfällen betroffen. Mehrere Hundert Siedlungen seien ohne Elektrizität, teilte der vom Kreml eingesetzte Gouverneur Wladimir Saldo mit.

Bei einem russischen Angriff auf die Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine ist nach Angaben der örtlichen Behörden eine 20 Jahre alte Frau getötet worden. Eine Frau sei nach den vorliegenden Informationen durch einen Drohnenangriff auf ein privates Haus gestorben, erklärte der Bürgermeister von Charkiw, Igor Terechow, am frühen Sonntagmorgen im Onlinedienst Telegram. Regionalgouverneur Oleh Synehubow erklärte später, das Opfer sei erst 20 Jahre alt gewesen.Bei dem Angriff sei ein weiterer Mensch verletzt worden, führte der Gouverneur aus Außerdem habe eine 41-Jährige in der Folge eine „akute Stressreaktion“ erlitten. In der nordöstlichen Region Sumy wurden nach Angaben von Rettungskräften bei Luftangriffen auf eine Wohngegend drei Frauen und ein siebenjähriges Kind verletzt. Eine vorläufige Prüfung ergab Schäden an 15 Wohngebäuden. 

Die ukrainischen Unterhändler für eine Friedensregelung für das von Russland angegriffene Land sind zu den angekündigten Gesprächen in den USA eingetroffen. Das teilte Kyrylo Budanow, Leiter des ukrainischen Präsidentenamtes, auf Telegram mit. Er wird vom Leiter des ukrainischen Sicherheitsrates, Rustem Umjerow, und dem Fraktionschef der Präsidentenpartei Diener des Volkes, Dawyd Arachamija, begleitet. „Die Ukraine braucht einen gerechten Frieden. Für dieses Resultat arbeiten wir“, schrieb Budanow.Das Treffen soll in Miami im US-Bundesstaat Florida stattfinden. Dabei soll es ukrainischen Angaben zufolge vor allem um Sicherheitsgarantien und die langfristige ökonomische Entwicklung des osteuropäischen Landes gehen. Budanow nannte als Gesprächspartner den US-Sondergesandten Steve Wikoff, Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und den für das Heer zuständigen Staatssekretär Daniel Driscoll aus dem Pentagon. 

Nach tagelangem Heizungsausfall kommt die Wiederherstellung der Fernwärme in der ukrainischen Hauptstadt Kiew nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko voran. Etwa 50 Wohnblocks seien noch ohne Heizung, schrieb er auf Telegram. Nach einem massiven russischen Luftangriff am 9. Januar war zunächst für 6000 Häuser die Fernwärme ausgefallen, also die Hälfte des Wohnungsbestandes. „Die kommunalen Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr“, schrieb Klitschko. In Kiew herrscht strenger Winter mit bis zu minus 16 Grad nachts. Viele Häuser sind ausgekühlt. Weiterhin schwierig ist die Stromversorgung der Dreimillionenstadt. In vielen Wohnungen gibt es wegen Notfallabschaltungen nur für wenige Stunden Strom. Durch einen weiteren Luftangriff auf das Kiewer Umland in der Nacht zum Samstag sei im Vorort Butscha für 56.000 Haushalte der Strom ausgefallen, teilte der Versorger DTEK mit. In den Vororten Browary und Boryspil gebe es Notabschaltungen. Das Winterwetter erschwere die Reparaturarbeiten. Ebenso wurden in der Nacht Energieanlagen im südlichen Gebiet Odessa beschossen, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Aus Sicht der Ukraine versucht die russische Armee mit systematischen Angriffen auf die Infrastruktur mitten im Winter die großen Städte unbewohnbar zu machen.Klitschko steht unter Druck, denn Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ihm wegen angeblich mangelnder Vorbereitung auf eine Notlage in Kiew heftige Vorwürfe gemacht. Der Ex-Boxweltmeister weist dies zurück. Zwischen Selenskyj und ihm gibt es eine alte politische Fehde. Der Präsident beriet mit seiner Führung am Samstag über die Krise der Energieversorgung und sprach nach eigenen Angaben abermals die Lage in Kiew an. Es müsse geklärt werden, wie viele Häuser tatsächlich noch ohne Heizung seien. Zugleich forderte er, Stromimporte in die Ukraine müssten schnell erhöht werden. 

Ukrainische Unterhändler sind zu Gesprächen über Einzelheiten ​eines möglichen Abkommens zur Beendigung des russischen Angriffskriegs in den USA eingetroffen. Die Delegation werde sich mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff, dem Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, Jared Kushner, und US-Heeresstaatssekretär Daniel ​Driscoll treffen, teilte der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow am Samstag mit. „Die Ukraine braucht einen gerechten Frieden. Wir arbeiten daran, Ergebnisse ​zu erzielen“, erklärte Budanow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Auf der Agenda der Gespräche in den USA steht ukrainischen Angaben ‍zufolge auch ein ‍Wiederaufbaupaket für die Zeit nach einem Kriegsende. Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte die Hoffnung, am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in der kommenden Woche in Schweizer Alpenort ⁠Davos ein entsprechendes Abkommen mit den USA unterzeichnen zu können. Damit ​sollen Wiederaufbau-Investitionen in ​Höhe von rund 800 Milliarden Dollar ‌freigesetzt werden. 

Russland hat bei einem nächtlichen Luftangriff in der Ukraine erneut Anlagen zur ​Gasproduktion getroffen. Dies teilt der staatliche ukrainische Energiekonzern Naftogaz am Samstag mit. Demnach war es der sechste derartige Angriff innerhalb einer Woche. „Es handelt sich ​um gezielte Angriffe auf die zivile Infrastruktur, um die Ukrainer während der kalten Jahreszeit von Heizung und Gas abzuschneiden“, erklärt das Unternehmen über den Kurznachrichtendienst Telegram. Die Ukraine erlebt derzeit ⁠die schwerste Energiekrise des Krieges, ​da die Versorgung durch die russischen Bombardements und die schweren Schäden inmitten der kalten Temperaturen massiv beeinträchtigt ist. 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat wegen der anhaltenden russischen Angriffe auf die Energieversorgung den schnellstmöglichen Ausbau der Stromimporte und der Einfuhr zusätzlicher Energieausrüstung ​angeordnet. „Alle dafür nötigen Entscheidungen sind bereits getroffen, und die Steigerung der Importe muss ohne Verzögerung erfolgen“, teilt Selenskyj nach einem Treffen mit hochrangigen Regierungs- und Militärvertretern auf der Onlineplattform ​X mit.

Für die Reparatur einer beschädigten Stromleitung haben die Kriegsgegner Ukraine und Russland zum vierten Mal eine örtliche Waffenruhe unweit des russisch kontrollierten Atomkraftwerks Saporischschja vereinbart. „Techniker des ukrainischen Stromnetzbetreibers werden voraussichtlich in den kommenden Tagen mit den Reparaturarbeiten an der 330-Kilovolt-Leitung beginnen“, teilte die Internationale Atomaufsichtsbehörde (IAEA) in Wien mit. Ein IAEA-Team werde die Arbeiten überwachen. Die Leitung war demnach vor zwei Wochen infolge von Kämpfen beschädigt worden. Anlagen des stillgelegten AKWs seien nur über die verbliebene 750-Kilovolt-Leitung mit Strom versorgt worden.Nach dem russischen Überfall vom Februar 2022 ist das mit sechs Blöcken und einer Bruttoleistung von 6.000 Megawatt größte Kernkraftwerk Europas von russischen Truppen besetzt worden. Alle Reaktoren wurden inzwischen heruntergefahren. Für die Kühlung ist jedoch weiter Strom notwendig, der über zwei immer wieder durch Beschuss beschädigte Stromleitungen bereitgestellt wird. Bei einem Ausfall der Stromversorgung springen Dieselgeneratoren ein. Im Kraftwerk anwesende Experten der IAEA berichten regelmäßig über hörbare Explosionen in der Nähe der Anlagen. 

Vor dem Hintergrund einer Kältewelle und massiven Problemen bei der Energieversorgung hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor neuen massiven russischen Luftangriffen gewarnt. „Bitte beachtet die Luftalarme“, sagte der Staatschef in seiner abendlichen Videobotschaft. Zugleich kritisierte er die westlichen Verbündeten. „Wir reden ehrlich mit den Partnern über die notwendigen Raketen für die Flugabwehr und Flugabwehrsysteme. Die Lieferungen reichen nicht aus“, betonte Selenskyj. Kiew dränge die Partnerstaaten zu einer Beschleunigung des Lieferprozesses.In der Ukraine herrscht seit Tagen starker Frost und in den Nächten sinken die Temperaturen teils auf minus 20 Grad. Zugleich hat das russische Militär durch systematische Raketen- und Drohnenangriffe auf Energieanlagen Ausfälle bei der Versorgung mit Strom und Fernwärme in weiten Landesteilen verursacht. Besonders schwer ist die Lage in der Hauptstadt Kiew, in der es seit Tagen zu Notabschaltungen des Stroms kommt. 

Nach den massiven russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine werden in der Hauptstadt Kiew bis Anfang Februar sämtliche Schulen geschlossen. Dies gab Bürgermeister Vitali Klitschko am Freitag im Onlinedienst Telegram bekannt. Die Schließung werde am Montag beginnen und bis 1. Februar andauern. Die Behörden der Hauptstadt gaben zudem bekannt, die Straßenbeleuchtung auf ein Fünftel zu dimmen und sämtliche dekorative Beleuchtung abzuschalten.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte nach den Angriffen der vergangenen Tage den Energie-Notstand für die Hauptstadtregion ausgerufen. In insgesamt 6000 Wohngebäuden war bei klirrender Kälte die Heizung ausgefallen, nach Angaben von Bürgermeister Klitschko waren am Freitag immer noch 100 Gebäude ohne Heizung. Die Lage bei der Stromversorgung bleibe „sehr schwierig“, sagte Klitschko.Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF beklagte die prekäre Lage insbesondere von Kindern in der Ukraine. Millionen von Familien müssten in der Ukraine „tagelang ohne Heizung, Strom und Wasserversorgung auskommen“, Kinder und ihre Familien lebten bei Temperaturen von minus 18 Grad ohne Heizung „im ständigen Überlebensmodus“, erklärte der Leiter der UNICEF-Programme in der Ukraine, Munir Mammadzade, am Freitag.  UNICEF forderte „erneut ein Ende der Angriffe auf Wohngebiete und auf die zivile Infrastruktur, auf die Kinder angewiesen sind“. Neben Kiew sind auch weitere Städte betroffen. Am Donnerstagabend waren laut Präsident Selenskyj nach einem russischen Luftangriff 440.000 Menschen in der Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine ohne Strom. 

Die mit Bestechungsvorwürfen konfrontierte ehemalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko ist von einem Gericht zu einer Kautionszahlung von umgerechnet über 660.000 Euro verpflichtet worden. Zudem darf die Parlamentsabgeordnete das Umland der Hauptstadt Kiew nicht verlassen und musste ihren Reisepass abgeben, wie örtliche Medien aus dem Gerichtssaal berichteten. Weiter ist sie verpflichtet, Vorladungen des Gerichts und von Ermittlern zu folgen.Nach Ansicht des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) soll Timoschenko mittels Bestechung versucht haben, das Abstimmungsverhalten von Abgeordneten in der Obersten Rada zu beeinflussen. Die Fraktionsvorsitzende der Vaterlandspartei weist die Anschuldigungen gegen sich allerdings als politisch motiviert zurück. Vom NABU veröffentlichte Audioaufzeichnungen von Verhandlungen mit einem Parlamentarier der Präsidentenpartei Diener des Volkes bezeichnete die Ex-Regierungschefin als gefälscht. Sie kündigte an, gegen die Gerichtsentscheidung vorzugehen. Tags zuvor hatte sie auch beklagt, dass ihre Konten bereits gesperrt seien.Timoschenko hat die Politik der Ukraine lange Jahre mitgeprägt. Zweimal war die inzwischen 65-Jährige Ministerpräsidentin der Ukraine. Dreimal scheiterte sie bei Präsidentschaftswahlen. Von 2012 bis Anfang 2014 saß sie bereits nach einer Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs im Gefängnis. Damals wurde das Verfahren international als nicht rechtsstaatlich kritisiert.