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09.12.2025
09:42 Uhr
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Am Dienstag wollen die Europäer den Amerikanern einen Friedensvorschlag übermitteln +++ Litauen ruft wegen Ballons aus Belarus Ausnahmezustand aus +++ EVP-Chef Manfred Weber will europäische Armee +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Vor seinem Gespräch mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Rom hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Papst Leo XIV. in dessen Residenz in Castel Gandolfo getroffen. Nach Vatikan-Angaben bekräftigte Leo mit Blick auf den Krieg in der Ukraine bei dem Treffen die „Notwendigkeit der Fortsetzung des Dialogs“. Am Nachmittag will der ukrainische Staatschef mit Meloni über den Stand der Verhandlungen über eine Friedenslösung für die Ukraine sprechen.
Russland wirft der NATO vor, in der Arktis zunehmend zu spionieren. Die Mitgliedstaaten der Militärallianz hätten ihre Spionageaktivitäten in dem Gebiet erheblich verstärkt, sagt Marinechef Alexander Moissejew laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur TASS. Von Island aus operierende U-Boot-Jagdflugzeuge seien deutlich aktiver geworden. Zudem plane die NATO den Einsatz strategischer Überwachungsdrohnen in Finnland. Ziel der Allianz sei es, die russischen Aktivitäten in der Arktis einzudämmen.
In der russischen Großstadt Tscheboksary an der Wolga sind nach offiziellen Angaben Trümmer einer ukrainischen Drohne in ein Wohnhaus gestürzt und haben neun Menschen verletzt. Unter den Verletzten sei auch ein Kind, schrieb der Vizeregierungschef der russischen Teilrepublik Tschuwaschien, Wladimir Stepanow, bei Telegram. Alle Opfer seien in ärztlicher Betreuung. Über die Schwere der Verletzungen schrieb er nichts. Medienberichten zufolge waren in Tscheboksary bis zu sieben Explosionen zu hören. Die Hauptstadt von Tschuwaschien liegt etwa 1.000 Kilometer von der Ukraine entfernt. In der Industriestadt gibt es auch mehrere Rüstungsfabriken.Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete derweil den Abschuss von 121 ukrainischen Drohnen über russischem Territorium und der seit 2014 annektierten Krim. Während demnach vier Drohnen über dem benachbarten Gebiet Nischnij Nowgorod abgeschossen wurden, gab es keine Drohnenmeldungen zu Tschuwaschien selbst.
Russlands langjähriger und einflussreicher Botschafter in Pjöngjang ist tot. Alexandr Mazegora starb am vergangenen Samstag im Alter von siebzig Jahren überraschend im Amt. Das gab das russische Außenministerium bekannt. Über die Todesursache wurde zunächst nichts bekannt. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un würdigte Mazegora in einem in dieser Form seltenen Kondolenzschreiben als „engen Freund und Genossen des koreanischen Volkes\". Die Staatszeitung „Rodong Sinmun\" veröffentlichte Kims Beileidsbekundung auf ihrer Titelseite. Kim pries Mazegora, „der sein ganzes Leben über 30 Jahre lang der Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen der DVRK und Russland gewidmet hat“.Mazegora war seit 2014 Botschafter Russlands in Nordkorea und war seit 2006 in Pjöngjang stationiert. Er soll die Beziehungen beider Seiten energisch vorangetrieben und in Moskau auf einen gehobeneren Status Nordkoreas hingearbeitet haben. Dazu gehört auch, dass Nordkorea Russland seit zwei Jahren Truppen, Munition und Waffen für den Krieg gegen die Ukraine schickt. Das russische Außenministerium bezeichnete Mazegora als „herausragenden Diplomaten und Patrioten, der einen bedeutenden Beitrag zum Aufbau und zur Vertiefung einer umfassenden strategischen Partnerschaft zwischen Russland und Nordkorea geleistet hat“. „Genosse Kim Jong-un sagte, der unerwartete Verlust von Botschafter A. I. Mazegora zu einem Zeitpunkt, an dem die Beziehungen zwischen der DVRK und Russland in eine bedeutende historische Phase eingetreten sind, sei zutiefst bedauerlich“, hieß es am Dienstag in der nordkoreanischen Staatsnachrichtenagentur KCNA.
Litauen ruft wegen Ballons aus dem benachbarten Belarus den landesweiten Ausnahmezustand aus. Innenminister Vladislav Kondratovič begründet den Schritt nicht nur mit Störungen des Flugverkehrs, sondern auch mit Interessen der nationalen Sicherheit. Die Ballons sollen demnach Schmuggelware transportieren. Laut Innenministerium wurde der Betrieb des Flughafens Vilnius seit Oktober mehrfach für sechs Stunden oder länger eingestellt, auch der Flughafen Kaunas war von den Ballons betroffen. Ebenso wurden in der Nähe der Städte Šiauliai und Kėdainiai Ballons gesichtet.EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht von einem „inakzeptablen hybriden Angriff\". Die Regierung in Minsk weist die Vorwürfe zurück.
Die Unesco hat angesichts des russischen Angriffskriegs weitere Sakralbauten und andere Kulturstätten der Ukraine unter verstärkten Schutz gestellt. Das zuständige Komitee fügte auf Antrag Kiews bei seiner Sitzung in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi 19 ukrainische Kulturgüter der entsprechenden Liste hinzu, wie eine Unesco-Sprecherin am Montagabend auf Anfrage bestätigte. Darunter sind acht orthodoxe Kathedralen und Klöster sowie mit der Paulskirche in Odessa das Wahrzeichen der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche der Ukraine.Neu in die Schutzliste aufgenommen wurden auch das Taras-Schewtschenko-Theater in Charkiw, die Potemkinsche Treppe in Odessa und die Festung Akkerman im Südwesten der Ukraine. Damit genießen jetzt insgesamt 46 ukrainische Kulturstätten diesen Status. Er soll bei bewaffneten Konflikten vor Zerstörung oder Beschädigung schützen. Seit September 2023 stehen bereits die Kiewer Sophienkathedrale und 24 andere Objekte des Landes auf der „Liste der Kulturgüter unter verstärktem Schutz\". 2024 kamen zwei dazu.Die UN-Kulturorganisation Unesco bestätigte bisher Beschädigungen an 512 Kulturstätten in der Ukraine in dem seit Februar 2022 andauernden Krieg: 152 Gotteshäuser, 268 Gebäude von historischer oder kultureller Bedeutung, 37 Museen, 33 Denkmäler, 18 Bibliotheken, drei archäologische Stätten und ein Archiv.Ein internationales Abkommen von 1954 verpflichtet an bewaffneten Konflikten beteiligte Staaten dazu, die Unverletzlichkeit des unter verstärktem Schutz stehenden Kulturguts zu gewährleisten. Auch Russland ist als Rechtsnachfolger der Sowjetunion daran gebunden, ebenso die Ukraine. Moskau schloss sich aber im Gegensatz zu Kiew nicht dem Zweiten Zusatzprotokoll von 1999 zum \"Haager Abkommen für den Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten\" an. Mit dem Protokoll wurde die Liste für verstärkten Schutz eingeführt.Für diesen Schutzstatus müssen folgende drei Voraussetzungen erfüllt sein: 1. Die Kulturstätte ist von höchster Bedeutung für die Menschheit. 2. Sie genießt auf nationaler Ebene das höchste Maß an Schutz. 3. Die Vertragspartei, unter deren Kontrolle sich die Kulturstätte befindet, garantiert, sie nicht für militärische Zwecke zu nutzen.
Der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, hat sich bei einem möglichen Waffenstillstand in der Ukraine für eine europäische Friedenstruppe mit deutscher Beteiligung ausgesprochen. „Wenn es zu einem Waffenstillstand kommt, muss Europa bereit sein, ihn zu sichern“, sagte der CSU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“.
Das russische Verteidigungsministerium schlägt eine neue Medaille für die Bergung von Leichen aus Kampfgebieten vor. Der veröffentlichte Entwurf gilt als seltener offizieller Hinweis darauf, dass Russland Schwierigkeiten hat, die fast vier Jahre nach Kriegsbeginn vermissten Soldaten zu erfassen. Die Auszeichnung soll demnach an Soldaten und Zivilisten für die Bergung getöteter Soldaten und anderer Personen unter Kampfbedingungen mit lebensbedrohlichem Risiko verliehen werden. Russland stuft wie die Ukraine seine Kampfverluste als Staatsgeheimnis ein. Nach Schätzungen des britischen Militärgeheimdienstes wurden seit Beginn der Invasion mehr als eine Million russische Soldaten getötet oder verwundet.
Russland hat wegen der Gefahr von Drohnenangriffen den Betrieb an vier Flughäfen im Süden des Landes ausgesetzt. Betroffen seien die Flughäfen in Wladikawkas, Grosny und Magas, teilt die Luftfahrtbehörde Rosawiazija mit. Zudem sei der Luftraum über der Stadt Mosdok gesperrt worden, wo sich ein Militärflugplatz befindet. Die Behörden mehrerer Regionen warnten die Bevölkerung und riefen die Menschen auf, in Deckung zu gehen und sich von Fenstern fernzuhalten.
Ein russischer Drohnenangriff auf die nordukrainische Stadt Sumy hat zu einem großflächigen Stromausfall geführt. Innerhalb einer halben Stunde habe es mehr als zehn Drohnenangriffe auf die Stadt gegeben, schrieb der Gouverneur der Region, Oleh Hryhorow, auf Telegram. In Sumy gebe es keinen Strom. Es ist der zweite größere Angriff auf die Stadt innerhalb von 24 Stunden. Russische Angriffe auf die Ukraine konzentrieren sich seit Monaten auf die Energieinfrastruktur.
Nach dem Treffen der drei europäischen Staats- und Regierungschefs von Großbritannien, Frankreich und Deutschland mit dem ukrainischen Präsidenten in London hieß es aus der Downing Street Nummer zehn, es gebe Fortschritte bei den Bemühungen, die in europäischen Ländern eingefrorenen russischen Vermögen „zu nutzen, um den Wiederaufbau der Ukraine zu unterstützen“. Ihre Nationalen Sicherheitsberater oder außenpolitischen Berater seien beauftragt worden, die Beratungen dazu fortzusetzen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte nach den Gesprächen, das Treffen sei produktiv gewesen. Die dabei besprochenen Friedensvorschläge sollen den USA voraussichtlich am Dienstag vorgelegt werden. „Ich denke, der Plan wird morgen, irgendwann am Abend, fertig sein. Ich denke, wir werden ihn uns noch einmal ansehen und den USA übermitteln.“ Die neuen Vorschläge zur Beendigung des Krieges umfassten demnach 20 Punkte, die Frage von Territorien sei aber noch ungeklärt. Der britische Premierminister Sir Keir Starmer hatte Bundeskanzler Friedrich Merz und den französischen Präsidenten Emanuel Macron zu einem „E3“-Format mit Selenskyj eingeladen. In einer Erklärung hieß es anschließend, sie hätten die Bedeutung der von den Vereinigten Staaten geführten Friedensgespräche hervorgehoben und den bisherigen erzielten Fortschritt unterstützt. Nach der Begegnung informierte Starmer in einem gemeinsamen Telefonat mit Selenskyj die Spitzen der EU-Kommission und des Europäischen Rates sowie die Staats- und Regierungschefs von Finnland, Norwegen, Italien, Dänemark, Polen, Schweden, der Niederlande und der NATO sowie Repräsentanten der Türkei über den Stand der Dinge. Zuvor hatte Bundeskanzler Friedrich Merz in London gesagt: „Ich bin skeptisch gegenüber einigen Details, die wir in Dokumenten aus den USA sehen – aber wir müssen darüber sprechen.“
Die Ergebnisse des Treffens in London liegen noch nicht vor. Für Frankreich hat daran Präsident Emmanuel Macron daran teilgenommen. Aus dem Elysée-Palast heißt es nun: Die Begegnung habe es ermöglicht, „die gemeinsame Arbeit an dem US-Plan fortzusetzen\". Der US-Plan solle „mit den europäischen Beiträgen in enger Abstimmung\" mit Kiew „vervollständigt\" werden, hieß es nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP weiter.
Über den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen der Ukraine, den Vereinigten Staaten und Russland ist wenig bekannt. Am Montag erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass die Teilnehmer der Verhandlungen noch keinen Konsens über eine mögliche Lösung für den Donbass haben. Russland beharrt bisher offenbar darauf, das gesamte ostukrainische Gebiet Donezk unter seine Kontrolle zu bekommen. Die Ukraine lehnt die Aufgabe des von ihr kontrollierten Teils ab, weil sie Vorteile für Russland bei einer abermaligen Intervention befürchtet. Die Position der Trump-Regierung dazu erschien bisher nicht konsistent.
Russland setzt beim Ersatz der für den Krieg mobilisierten Männer in seiner Volkswirtschaft auf Einwanderer aus Indien. „Allein für die verarbeitende Industrie benötigen wir zusätzlich zu den bereits vorhandenen (Arbeitskräften d. Red.) mindestens 800.000 weitere Menschen“, sagte laut der Staatsnachrichtenagentur TASS der stellvertretende Ministerpräsident Denis Manturow während seines Besuchs in Indien. Während der Unterzeichnung eines Abkommens über die Mobilität von Arbeitskräften sagte Manturow außerdem, Russland könne eine „unbegrenzte Anzahl von Fachkräften“ aus Indien aufnehmen.