FAZ 27.12.2025
08:23 Uhr

Krieg in der Ukraine: Von der Leyen, Selenskyj und Trump wollen am Samstag telefonieren


Weitere europäische Staats- und Regierungschefs sollen an Gespräch teilnehmen +++ Landesweite Angriffe in der Ukraine +++ Selenskyj will Ukraine über Friedensplan abstimmen lassen +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Von der Leyen, Selenskyj und Trump wollen am Samstag telefonieren

In Kiew sind nach einem nächtlichen russischen Angriff Tausende Gebäude ohne Heizung. Betroffen seien mehr als 2600 Wohngebäude, 187 Kindergärten und 138 Schulen, teilte die Stadtverwaltung mit. Die Temperatur in der Hauptstadt liegt bei etwa null Grad Celsius. In der umliegenden Region Kiew sind den Behörden zufolge zudem 320.000 Haushalte ohne Strom. 

Vor den für Sonntag in Florida geplanten Gesprächen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump über einen überarbeiteten US-Plan für ein Ende des Ukrainekrieges hat Moskau Kiew vorgeworfen, die Gespräche zu „torpedieren“. Der neue Entwurf sei „radikal anders“ als der Text, über den Moskau mit Washington verhandelt habe, sagte der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow am Freitag. Die Ukraine und ihre Unterstützer – allen voran die EU, die „nicht für eine Einigung“ in dem Konflikt sei – hätten ihre „Bemühungen verstärkt, sie zu torpedieren“, sagte Rjabkow im russischen Fernsehen. „Ohne angemessene Lösung der Probleme, die zu dieser Krise geführt haben, wird es ganz einfach unmöglich sein, zu einer abschließenden Einigung zu gelangen“, betonte der russische Vizeaußenminister.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat in seinen Neujahrsgrüßen an Kreml-Chef Wladimir Putin die Beteiligung seines Landes an Russlands Krieg gegen die Ukraine hervorgehoben. 2025 sei ein „wirklich bedeutsames Jahr“ für das Bündnis der beiden Staaten gewesen, schrieb Kim in seiner am Samstag von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichten Botschaft an Putin. Russland und Nordkorea hätten „Blut, Leben und Tod im selben Graben“ geteilt.Das international isolierte Nordkorea hat nach Angaben der Geheimdienste Südkoreas und westlicher Staaten tausende Soldaten entsandt, die im Ukraine-Krieg an der Seite der russischen Armee kämpfen. Die Regierung in Pjöngjang hatte erst im April bestätigt, dass nordkoreanische Soldaten im Ukraine-Krieg kämpfen und einige von ihnen dabei getötet wurden.Im Dezember teilte Nordkorea mit, dass seine Soldaten im August Minen in der russischen Region Kursk geräumt hätten. Während des 120-tägigen Einsatzes seien neun nordkoreanische Soldaten getötet worden, sagte Kim in einer Rede anlässlich der Heimkehr der betreffenden Armeeeinheit.Nordkorea unterstützt Russland im Ukraine-Krieg außerdem mit der Lieferung von Artillerie-Munition, Raketen und Langstreckenraketen-Systemen. Experten zufolge erhält das Land im Gegenzug finanzielle Hilfe, militärische Technologie sowie Lebensmittel- und Energielieferungen von Russland.

Die polnische Flugsicherungsagentur teilt auf X mit, die Flughäfen Rzeszow und Lublin im Südosten Polens seien wegen der schweren russischen Luftangriffe auf die benachbarte Ukraine vorübergehend geschlossen worden. Das polnische Militär habe Kampfflugzeuge aufsteigen lassen.

US-Präsident Donald Trump empfängt am Sonntag den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida. Das Weiße Haus kündigte das bilaterale Treffen für Sonntagnachmittag 15.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MEZ) an.

Russlands Militär hat die Ukraine in der Nacht abermals mit Raketenangriffen überzogen. Die ukrainische Luftwaffe warnte vor Attacken unter anderem in den Regionen Tschernihiw, Mykolajiw, Charkiw und Schytomyr. Aus mehreren Orten wurden Explosionen und Brände gemeldet. Auch die Hauptstadt Kiew war betroffen. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete auf Telegram von mehreren Explosionen. Die Flugabwehr sei aktiv.  Mindestens acht Menschen wurden den Behörden in Kiew zufolge verletzt. Ukrainischen Medienberichten zufolge kamen bei den Angriffen auch Hyperschallraketen vom Typ Kinschal zum Einsatz. Ziel sei unter anderem die Energieinfrastruktur gewesen. Das genaue Ausmaß der Schäden war zunächst nicht bekannt. 

Laut einer Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums auf Telegram hat Russland die Ortschaft Kossiwzewe ​in der südostukrainischen Region Saporischschja eingenommen. Zudem seien mehr als 23 Quadratkilometer Territorium besetzt worden. Dies diene ​den russischen Truppen als Basis für weitere Offensiven. Das ukrainische Militär räumt im Radio einen „unglücklichen Vorfall“ ein. Eine ukrainische Einheit sei nun ⁠dabei, die russischen Soldaten aus ​dem Dorf zu vertreiben.

​Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist ein Sicherheitsabkommen zwischen ​der Ukraine und den USA „fast fertig“. Der Entwurf eines 20-Punkte-Plans sei zu 90 Prozent ⁠fertiggestellt, schreibt Selenskyj in ​einem WhatsApp-Chat mit Reportern. „Er hat gar nichts, solange ich ⁠es nicht absegne“, sagt ‍US-Präsident Donald Trump dagegen ‍einem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Politico“ zufolge. „Wir werden also sehen, was er ⁠hat.“ Selenskyj hatte zuvor dem Nachrichtenportal „Axios“ gesagt, ​die ​USA hätten ein 15-jähriges Abkommen ‌über Sicherheitsgarantien angeboten, das ‍verlängert werden könne. Kiew wünsche sich ‍jedoch eine längere ⁠Laufzeit.

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat vor einem geplanten Treffen mit US-Präsident Donald Trump das weitere Vorgehen mit Bundeskanzler Friedrich Merz besprochen. „Wir stimmen unsere Positionen ab, und alle in Europa müssen an einem Strang ziehen, um unsere europäische Lebensweise, die Unabhängigkeit unserer Staaten und den Frieden in Europa zu verteidigen. Es muss Frieden geben“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Merz (CDU) antworte auf X mit den Worten: „Wir stehen unerschütterlich an Ihrer Seite. Ein starkes, koordiniertes Vorgehen Europas ist nach wie vor unverzichtbar für Frieden, Freiheit und Sicherheit.“ Die „Berliner Gruppe“ sei bereit zu helfen – in enger Abstimmung mit den US-Partnern.Selenskyi dankte Deutschland „für seine unerschütterliche“ und konkrete Unterstützung. „Dank unserer Zusammenarbeit mit Deutschland konnten bereits Tausende Menschenleben in der Ukraine vor russischen Angriffen gerettet werden, und wir halten unsere Verteidigungspositionen aufrecht, um die Stärke unserer diplomatischen Positionen zu gewährleisten. Friedrich, vielen Dank!“, schrieb der ukrainische Staatschef an die Adresse von Merz.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will einem Medienbericht zufolge am Sonntag mit seinem US-Kollegen Donald Trump über Gebietsfragen sprechen. Vor dem neuen Jahr könne noch vieles entschieden werden, sagt Selenskyj dem Nachrichtenportal Axios. Sollte er Trump nicht dazu bringen können, den Vorschlag eines kompletten Abzugs der ukrainischen Streitkräfte aus der Donbas-Region aufzugeben, stehe er einem Referendum über den US-20-Punkte-Plan für einen Frieden offen gegenüber. Dazu müsse jedoch Russland einer 60-tägigen Feuerpause ​zustimmen, damit die Ukraine eine Abstimmung vorbereiten und abhalten könne, zitiert Axios Selenskyj weiter.

Nach mehreren Verhandlungsrunden im Bemühen um ein Ende des Ukraine-Krieges werden sich US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Angaben aus Kiew am Sonntag in Florida treffen. Selenskyjs bestätigte am Freitag in einer Botschaft an Journalisten das geplante Treffen. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Einzelheiten eines 20-Punkte-Plans für ein mögliches Kriegsende vorgestellt und nach eigenen Angaben ein „sehr gutes“ Telefonat mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff geführt.Selenskyj führte weiter aus, bei seinem persönlichen Gespräch mit Trump würden sensible Themen wie der Donbass oder die Zukunft des Atomkraftwerks Saporischschja zur Sprache kommen. Außerdem werde es um mögliche bilaterale Abkommen zwischen Washington und Kiew etwa zu Sicherheitsgarantien gehen. 

Vertreter Russlands und der USA haben nach Angaben von Kremlsprecher Dmitri Peskow am Telefon über einen Friedensplan für die Ukraine gesprochen. Vonseiten des russischen Präsidialamtes habe der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow, teilgenommen, sagte Peskow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge in Moskau.  Auch der russische Sondergesandte Kirill Dmitrijew soll demnach an den Gesprächen mit der US-Regierung teilnehmen. Peskow hatte zuvor bestätigt, dass Moskau US-Vorschläge für ein mögliches Waffenstillstandsabkommen für die Ukraine erhalten habe.  

Der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), hat sich für einen Einsatz deutscher Soldatinnen und Soldaten unter europäischer Flagge in der Ukraine ausgesprochen. „Ich wünsche mir Soldaten mit der europäischen Flagge auf der Uniform, die gemeinsam mit unseren ukrainischen Freunden den Frieden sichern“, sagte er den Feiertagsausgaben der Funke-Zeitungen. Wenn über europäische Truppen geredet werde, „kann Deutschland nicht außen vor bleiben“.Es sei ebenfalls keine Lösung, dass US-Präsident Donald Trump „eine Friedenslösung allein mit amerikanischen GIs absichert“, fuhr Weber fort. Europa müsse Verantwortung für die Sicherheit der Ukraine übernehmen. Dass Kremlchef Wladimir Putin den „Weg des Friedens“ gehe, könne er indes nicht erkennen. „Putin führt uns an der Nase herum. Bis heute sitzt er im Kreml und freut sich, wie der Westen sich streitet und spaltet.“Der EVP-Chef äußerte sich auch zur Abkehr Washingtons von Europa und forderte, darauf mit einer neuen EU-Sicherheitsstrategie zu reagieren. Das zu Ende gehende Jahr sei „ein Wendejahr in der Geschichte“, das zeige auch Trumps Sicherheitsstrategie. „Europa steht nackt in einer kalten Welt voller Stürme.“ Daraus ergebe sich nur eine Konsequenz: „Wir müssen unsere eigene Sicherheitsstrategie schreiben, die Architektur Europas auf den Prüfstand stellen und endlich selbstbewusst handeln.“

Russische Drohnenangriffe haben in den ukrainischen Regionen Odessa und Mykolajiw mehrere Schiffe beschädigt. Betroffen seien Schiffe ​unter der Flagge der Slowakei, Palaus und Liberias, teilte der stellvertretende Ministerpräsident Oleksij Kuleba mit. Verletzte gebe es nicht. ​Die Angriffe hätten zudem zu Stromausfällen in der Region Odessa geführt.