FAZ 29.11.2025
17:56 Uhr

Krieg in der Ukraine: Ukraine meldet Militärschlag gegen russische Schattenflotte


Geheimdienst: zwei Tanker schwer beschädigt +++ Selenskyj entlässt Stabschef nach Korruptionsskandal +++ Putin hat Orbán in Moskau empfangen +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Ukraine meldet Militärschlag gegen russische Schattenflotte

In Südafrika sind vier Männer wegen des Verdachts, für Russland im Ukraine-Krieg kämpfen zu wollen, festgenommen worden. Die Männer seien am Freitag am Flughafen in Johannesburg aufgehalten worden, teilt die Polizei mit. Nach südafrikanischem Recht ist es Bürgern untersagt, ohne Genehmigung ausländischen Regierungen militärische Hilfe zu leisten oder in ausländischen Armeen zu kämpfen. Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass eine südafrikanische Frau die Reise und Rekrutierung der Männer für das russische Militär ermöglicht habe, teilt die Polizei weiter mit. Vor Wochen hatte es bereits Berichte gegeben, dass 17 Südafrikaner in der Ukraine festsitzen, nachdem sie mit lukrativen Versprechungen für Söldnertruppen angeheuert worden sein sollen. Am Freitag hatte eine Tochter des früheren südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma ihr Parlamentsmandat wegen des Vorwurfs der Söldner-Rekrutierung für Russland aufgegeben. 

Die Ukraine hat nach Angaben ihres Geheimdienstes SBU zwei Tanker der russischen Schattenflotte im Schwarzen Meer angegriffen. Es habe sich um eine gemeinsame Aktion mit der ukrainischen Marine gehandelt, sagt ein SBU-Vertreter. Videoaufnahmen zeigten, dass beide Tanker durch die Treffer schwer beschädigt und nicht mehr funktionsfähig seien. „Dies ist ein erheblicher Schlag für den russischen Öltransport“, sagt der Insider. Wann genau der Angriff stattfand, ist nicht bekannt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sein Team für Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskrieges in die Vereinigten Staaten entsandt. Das Team mit Delegationsleiter Rustem Umjerow sei bereits auf dem Weg. Es müssten rasch und substanziell die notwendigen Schritte zur Beendigung des Krieges ausgearbeitet werden, teilte Selenskyj in den sozialen Netzwerken mit. Er ernannte nach dem Rücktritt seines Bürochefs Andrij Jermak per Dekret Umjerow, den Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine und früheren Verteidigungsminister, zum neuen Verhandlungsführer.„Die Ukraine arbeitet weiterhin auf möglichst konstruktive Weise mit den Vereinigten Staaten zusammen“, teilte Selenskyj weiter mit. Es gehe um einen würdigen Frieden. Er hatte einen 28-Punkte-Plan des amerikanischen Präsidenten Donald Trump bei Verhandlungen in Genf mit europäischen und amerikanischen Vertretern überarbeiten lassen. In den Vereinigten Staaten geht es um noch strittige Punkte. Die Verhandlungen hatte zunächst Selenskyjs rechte Hand Jermak geführt, der allerdings nach einer Durchsuchung seiner Wohnräume von Korruptionsermittlern am Freitag zurückgetreten war. Selenskyj hatte deshalb die Verhandlungsdelegation per Dekret neu gefasst. Auch Umjerows Name fiel schon im Zusammenhang mit den Korruptionsermittlungen, er wies aber jede Beteiligung zurück.Umjerow teilte mit, dass er in den Vereinigten Staaten um die nächsten Schritte für einen gerechten und dauerhaften Frieden ringen wolle. Er hatte in diesem Jahr auch schon mehrfach mit russischen Vertretern in Istanbul verhandelt, Ergebnisse waren unter anderem Austausche von Gefangenen und getöteten Soldaten. Er soll später abermals Gespräche mit der russischen Seite führen.Der bisherige Verhandlungsführer Jermak hatte die von Russland als Bedingung für einen Frieden geforderten Gebietsabtretungen im Donbass zurückgewiesen. Russland verlangt den Rückzug der ukrainischen Truppen aus den Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk, die es bisher nicht kontrolliert. Zudem nennt Russland neben einer Vielzahl weiterer Forderungen, dass die Ukraine auf einen NATO-Betritt verzichtet. In der ersten Wochenhälfte werden dann amerikanische Vertreter zu Verhandlungen in Moskau erwartet. Kremlchef Wladimir Putin hatte sich bereit gezeigt zu Friedensgesprächen. Eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand ist aber bisher nicht in Sicht. 

Im Schwarzen Meer gibt es Betreiberangaben zufolge nach einem ukrainischen Drohnenangriff Probleme bei einer Ölverladestation. Das Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC) teilt mit, es habe seinen Betrieb an einem wichtigen Ölterminal am Schwarzen Meer eingestellt. Ein Ankerpunkt sei durch den Angriff mit Marinedrohnen erheblich beschädigt worden. „Der weitere Betrieb des Ankerpunkts 2 ist nicht möglich.“ Bei dem Angriff wurde nach Angaben des Konsortiums niemand vom Personal oder von Vertragspartnern verletzt. Zum Zeitpunkt der Explosion habe das Notfallsystem die entsprechenden Pipelines abgeschaltet. Vorläufigen Berichten zufolge sei kein Öl ins Schwarze Meer gelangt. Das internationale Konsortium wickelt mehr als ein Prozent des weltweiten Öls ab. Es exportiert hauptsächlich Öl aus Kasachstan über Russland und den Schwarzmeer-Terminal. 

Ein Tanker der russischen Schattenflotte ist nach Angaben des türkischen Verkehrsministeriums am Samstag zum zweiten Mal binnen weniger Stunden mit unbemannten Wasserfahrzeugen angegriffen worden. Die „Virat“ habe dabei leichte Schäden erlitten, sei aber in einem stabilen Zustand und die Besatzung sei wohlauf. Der Vorfall habe sich am Morgen vor der türkischen Schwarzmeerküste ereignet, nachdem das Schiff bereits am späten Freitagabend ein erstes Mal angegriffen worden sei. Zudem dauerten den Angaben zufolge die Lösch- und Kühlarbeiten auf einem weiteren Tanker an, der im Schwarzen Meer nach einer Explosion in Brand geraten war. 25 Besatzungsmitglieder seien von der 274 Meter langen „Kairos“ weggebracht worden. Am Freitag hatte die Türkei erklärt, die „Kairos“ sei auf dem Weg zum russischen Hafen Noworossijsk gewesen, als sie vor der türkischen Küste eine „externe Einwirkung“ gemeldet habe, die ein Feuer verursacht habe. Wer für die Vorfälle verantwortlich war, ist unklar. Sowohl die „Kairos“ als auch die „Virat“ unterliegen LSEG-Daten zufolge Sanktionen, die gegen Russland wegen dessen Krieg gegen die Ukraine verhängt wurden. 

Im Süden Russlands ist nach Angaben örtlicher Behörden in einer Ölraffinerie ein Brand durch herabfallende Drohnenteile ausgelöst worden. Einige technische Anlagen auf dem Gelände der Raffinerie Afipski in der Region Krasnodar seien beschädigt worden, die Tanks seien jedoch nicht betroffen, teilt der örtliche Krisenstab mit. Das Feuer sei inzwischen eingedämmt. Das russische Verteidigungsministerium erklärt, Einheiten der Flugabwehr hätten in der Nacht über russischen Regionen 103 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört, darunter elf über Krasnodar.

Die Ukraine ist nach Angaben ihres Außenministeriums in der Nacht erneut massiv von Russland angegriffen worden. Dabei seien zwei Menschen getötet und zwei Dutzend verletzt worden. Russland habe mit Dutzenden Marschflugkörpern und ballistischen Raketen sowie über 500 Drohnen Wohnhäuser, das Energienetz und kritische Infrastruktur beschossen. In der Hauptstadt Kiew waren die ganze Nacht über Explosionen zu hören. Außenminister Andrij Sybiha wirft Moskau vor, weiter „zu töten und zu zerstören“, während die Welt Friedenspläne für den Konflikt diskutiere.

Bei einem erneuten nächtlichen russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist ein Mensch getötet worden. Elf weitere wurden verletzt. Dies berichten örtliche Behörden. Nach Angaben der Militärverwaltung wurde die Leiche eines Bewohners aus den Trümmern eines brennenden Wohnhauses geborgen. Ein Kind sei aus demselben Gebäude gerettet worden. Nach 5.00 Uhr morgens wurde in der Hauptstadt erneut Luftalarm wegen anfliegender Drohnen ausgelöst.

Mindestens sechs Personen sind nach Angaben ukrainischer Behörden bei dem nächtlichen russischen Angriff auf Kiew mit Drohnen und Raketen verletzt worden. In der Stadt seien Explosionen zu hören, Drohnentrümmer fielen auf die Stadt. Die Angriffe hätten mehrere Brände ausgelöst. Der Leiter der Militärverwaltung von Kiew, Tymur Tkatschenko, teilt mit, in sechs Stadtteilen der Drei-Millionenstadt seien Wohnblöcke und Wohnhäuser getroffen worden. Die ukrainische Luftabwehr ist weiterhin im Einsatz.

US-Außenminister Marco Rubio wird nach Angaben aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen in der kommenden Woche voraussichtlich nicht an einem Treffen der Nato-Außenminister teilnehmen. Rubio habe derzeit nicht vor, an dem Treffen am Mittwoch und Donnerstag in Brüssel teilzunehmen, stattdessen werde er seinen Stellvertreter Christopher Landau schicken, hieß es aus Kreisen, die mit Rubios Reiseplänen vertraut sind.Es ist äußerst ungewöhnlich, dass der Chefdiplomat der USA das jährliche Treffen im Dezember auslässt – insbesondere, da es bei dem Treffen voraussichtlich vor allem um die US-Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges gehen wird. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff wird derweil in der kommenden Woche in Moskau erwartet, um über die Ukraine zu sprechen.

Die Ukraine sollte aus Sicht des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban nach einem Ende des Krieges allenfalls als „Pufferstaat“ zwischen Russland und der Nato weiter existieren. „Die einzige mögliche dauerhafte Lösung besteht darin, dass die Nachkriegsordnung auf dem grundlegenden Prinzip aufbaut, dass die Ukraine wieder zu dem Pufferstaat wird, der sie einst war“, sagte er der „Welt am Sonntag“.Auch Gebietsabtretungen der von Russland angegriffenen Ukraine hält er für unumgänglich. „Russland behält jenes Territorium, das auf einer internationalen Friedenskonferenz ausgehandelt wird, und alles westlich dieser Linie – bis zur östlichen Nato-Grenze – bildet das Territorium des ukrainischen Staates, der erneut als Pufferstaat existieren würde“, sagte er weiter. Nato und Russland würden sich nach seinen Vorstellungen überdies einigen „auf Umfang und Ausstattung der begrenzten ukrainischen Streitkräfte, die in der Pufferzone operieren dürfen“. 

Nach Angaben des obersten ukrainischen Befehlshabers Olexander Syrskyj ist die Stadt Kupjansk im Nordosten der Ukraine nicht vollständig unter russischer Kontrolle. „Unsere Soldaten führen weiterhin sowohl Verteidigungs- als auch Such- und Angriffsaktionen aus“, schreibt Syrskyj nach einem Besuch in der Region auf Telegram. Sie hielten zudem „die vorgesehenen Linien und verstärken den Feuerdruck, um die Versorgungswege des Feindes zu blockieren“. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Donnerstag verkündet, Kupjansk sei in russischer Hand.

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind Explosionen zu hören. Bei einem russischen Angriff mit Drohnen und Raketen auf Kiew ist nach Behördenangaben mindestens ein Wohnhaus beschädigt worden. Der Leiter der Militärverwaltung von Kiew, Tymur Tkatschenko, teilt auf Telegram mit, russische Drohnen hätten ein Gebiet im Stadtzentrum sowie in den östlichen Vororten getroffen. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärt, Rettungskräfte seien in vier Stadtteile entsandt worden. Die Luftabwehr sei im Einsatz.

Moskau hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zu ihrer Liste „unerwünschter“ Organisationen hinzugefügt und der Gruppe mit Sitz in New York so die Arbeit in Russland verboten. Der Kreml begründete seine Entscheidung am Freitag nicht. Damit ist es den russischen Behörden nun erlaubt, Mitarbeiter der Organisation oder Menschen, die Geld an sie spenden, strafrechtlich zu verfolgen.Die Leiterin der Abteilung von Human Rights Watch für Europa und Zentralasien, Tanja Lokschina, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Organisation werde nun „noch härter“ arbeiten, „um das harte Vorgehen des Kreml gegen die russische Zivilgesellschaft offenzulegen und über russische Verbrechen in der Ukraine zu berichten.“ Sie sei „nicht überrascht“ über die Ausweisung als „unerwünschte“ Organisation, fügte Lokschina hinzu.