FAZ 20.01.2026
08:42 Uhr

Krieg in der Ukraine: Ukraine fasst mutmaßlichen russischen Kriegsverbrecher


Selenskyj: Mann tötete mutmaßlich neun ukrainische Soldaten bei Gefangennahme +++ Wieder Angriffe auf Energieanlagen in Kiew und Odessa +++ Moldau bereitet endgültigen GUS-Austritt vor +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Ukraine fasst mutmaßlichen russischen Kriegsverbrecher

Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk äußert sich empört über die „grausamen“ russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Diese hätten die Heizungsversorgung für Hunderttausende von Familien unterbrochen, sagte Türk. „Die Zivilbevölkerung trägt die Hauptlast dieser Angriffe. Sie können nur als grausam bezeichnet werden. Sie müssen aufhören.“ Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur seien ein klarer Bruch der Kriegsregeln. Die Temperaturen in Teilen der Ukraine seien unter den Gefrierpunkt gefallen, so Türk. Kinder und ältere Menschen gehörten zu den am stärksten gefährdeten Personen. 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat über eine Teilnahme am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos noch nicht entschieden. Grund sei, dass seitens der USA noch nicht klar sei, ob es zu einem substanziellen Treffen mit Präsident Donald Trump kommen werde, sagt ein Regierungsvertreter in Kiew. Die Ukraine sei bereit, Dokumente über Sicherheitsgarantien oder zur Förderung des Wohlstands zu unterzeichnen, sollten die USA dazu bereit sein. In einem Beitrag auf der Plattform X schrieb ein Axios-Reporter zuvor, Selenskyj ​reise nach massiven russischen Luftangriffen vorerst nicht nach Davos. Selenskyj könnte dem Bericht zufolge jedoch nach Davos reisen, falls es zu einem bilateralen Treffen mit Trump kommt, um ein Abkommen zum Wohlstand des Landes zu unterzeichnen. 

In Kiew haben russische Luftangriffe in der Nacht zum Dienstag abermals die zivile Infrastruktur schwer getroffen. Das gesamte linke Ufer des Dnjepr, wo mehr als eine Million Menschen leben, ist ohne Strom, Wärme und Wasser, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Die Stadt hat Wärmezelte aufgestellt, wo sich die Menschen zumindest zeitweise aufwärmen können. Zudem rattern vor vielen Gebäuden Notstromaggregate, um eine Mindestversorgung mit Energie zu gewährleisten. Mehr als 335.000 Haushalte waren gegen 9.30 Uhr nach Angaben des Energiekonzerns DTEK infolge des russischen Angriffs in Kiew ohne Strom. Für 162.000 Haushalte gebe es inzwischen wieder Elektrizität. 173.000 Haushalte in der ukrainischen Hauptstadt seien von der Energieversorgung noch abgeschnitten. 

Russland hat die Ukraine nach Angaben aus Kiew in der ​Nacht mit mehr als 300 Drohnen angegriffen. Zudem sei eine erhebliche Zahl ballistischer Raketen und Marschflugkörper eingesetzt worden, schreibt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Onlineplattform X. Erst einen Tag zuvor habe die Ukraine Luftverteidigungsraketen erhalten, was zur Stärkung der ​Abwehr beigetragen habe. Es würden aber dringend weitere Lieferungen benötigt. „Die Partner dürfen in dieser Hinsicht nicht nachlassen – Luftverteidigungsraketen sind ein echter Schutz für die Menschen.“ Der ukrainischen Luftwaffe zufolge wurden insgesamt 372 Drohnen, eine Antischiffsrakete des Typs Zirkon, 15 Marschflugkörper des Typs Ch-101 und 18 ballistische Raketen gegen die Ukraine eingesetzt. 342 Objekte wurden demnach abgefangen.

Nach dem neuen russischen Luftangriff hat der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha dringend um weitere Unterstützung für sein Land gebeten. Es sei ein „barbarischer Schlag“ gewesen, der ein Weckruf für die ⁠Staats- und Regierungschefs beim Weltwirtschaftsforum in Davos sein müsse, schreibt Sybiha ​auf der Onlineplattform X. „Wir brauchen dringend zusätzliche Energiehilfe, Flugabwehr und Abfangraketen sowie Sanktionsdruck auf Moskau.“ Er verwies darauf, dass in der Hauptstadt Kiew wegen des Angriffs Tausende ⁠Wohnhäuser bei eisigen Temperaturen ohne Heizung seien. Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge sind fast 6000 mehrstöckige Wohnhäuser betroffen.  Kurz darauf telefonierte er nach eigenen Angaben mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, um über notwendige Hilfe zu sprechen. 

Russland hat erneut mit massiven Luftangriffen die Energieversorgung in der ​Ukraine attackiert. Dabei wurde im Kiewer Gebiet ein Mann getötet, wie Regionalgouverneur Mykola Kalaschnyk mitteilt. Zudem seien dort zwei ​Tankstellen beschädigt worden. In der Hauptstadt selbst fiel nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko in Tausenden Gebäuden die Heizung aus. Davon seien fast 6000 mehrstöckige Wohnhäuser betroffen. Bei dem ⁠Großteil der Gebäude sei die ​Wärmeversorgung nach einem früheren Angriff vom 9. Januar gerade erst wiederhergestellt worden. Zudem sei es ⁠zu Störungen bei der Strom- und Wasserversorgung gekommen. Auch in der südlichen Schwarzmeerregion Odessa ‍wurde den ‍Behörden zufolge eine Energieanlage beschädigt. In der Hafenstadt Tschornomorsk habe zudem eine Drohne ein mehrstöckiges Wohngebäude getroffen. Zu Opfern gab es zunächst keine Angaben. In der ⁠westlichen Region Winnyzja wurde demnach ebenfalls eine Anlage der kritischen Infrastruktur attackiert. 

Als Bruch mit der sowjetischen Vergangenheit bereitet die Republik Moldau den endgültigen Austritt aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) vor. Das sagte Außenminister Mihai Popșoi im Rundfunksender Radio Moldova in Chișinău. Die Gründungsdokumente der GUS von 1991 und deren Statut von 1993 sollten aufgekündigt werden. Sein Ministerium bereite eine entsprechende Entscheidung des Parlaments vor.In der von Russland dominierten GUS hatten die früheren Sowjetrepubliken versucht, einen Zusammenhalt nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 zu organisieren. Die Ukraine oder Georgien sind bereits keine Mitglieder mehr. In Moldau läuft der Austrittsprozess, seit das Land 2022 Kandidat für den EU-Beitritt wurde.Allerdings ist das kleine Land zwischen der Ukraine und Rumänien politisch gespalten. Russland versucht mit aller Macht, seinen Einfluss zu halten. Der proeuropäische Kurs von Präsidentin Maia Sandu sei inakzeptabel, sagte Ex-Staatspräsident Igor Dodon von den oppositionellen Sozialisten. 

Russland greift ⁠die ukrainische ​Hauptstadt Kiew mit Drohnen und Raketen an. ⁠Dies führt zu ‍Unterbrechungen der Strom- und ‍Wasserversorgung, teilt Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Ein nicht näher bezeichnetes ⁠Gebäude sei getroffen und eine ​Person ​verletzt worden. Zudem ‌wird ein Lagerhaus beschädigt, ‍mehrere Autos stehen in ‍Flammen.

Zum besseren Schutz vor feindlichen Drohnen organisiert die Ukraine ihre Flugabwehr um. Mit dieser Aufgabe hat Präsident Wolodymyr Selenskyj den erfolgreichen Kommandeur einer Drohneneinheit, Pawlo Jelisarow, betraut und ihn zum Vizekommandeur der Luftwaffe gemacht. Es gehe um einen verbesserten Einsatz der mobilen Flugabwehrtrupps und Anti-Drohnen-Einheiten im Nahbereich, sagte der Präsident in seiner Videoansprache.„Unsere Aufgabe ist es, einen Anti-Drohnen-Schutzschild über der Ukraine zu errichten“, erläuterte Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow. „Ein System, das nicht erst nachträglich reagiert, sondern die Bedrohung bereits im Anflug zerstört.“ Die Luftabwehr dürfe nicht nur punktuell wirken, sie müsse als Netz über das ganze Land gespannt werden.

Die fortgesetzten russischen Angriffe auf die Ukraine haben die Infrastruktur und Energieversorgung des Landes nach Angaben des Auswärtigen Amtes in die Nähe „eines Kollaps“ gebracht. Das Außenministerium habe noch einmal 60 Millionen Euro an humanitärer Hilfe zur Verfügung gestellt, sagte ein Sprecher. Die Menschen ​litten unter extremer Kälte und „brutalen russischen Angriffen“ auf die Energieinfrastruktur. Man unterstütze Bargeldhilfen für Menschen in frontnahen Gebieten zur Anschaffung der nötigsten Güter, von Notstromaggregaten für Schutzräume, Heizsystemen, Kleidung und Decken. Zudem schaue man, was noch an Schritten möglich ​sei. Das Entwicklungsministerium verweist auf ein Winterhilfe-Unterstützungspaket über 50 Millionen Euro, das man geschnürt habe.

Bei einem russischen Drohnenangriff auf das südukrainische Gebiet Odessa sind den örtlichen Behörden zufolge in der Nacht wieder Energie- und Gasanlagen und ein ​Wohnhaus getroffen worden. Eine Person sei verletzt worden, teilte Regionalgouverneur Oleh Kiper mit. Im Gebiet Odessa sei eine Drohne in ein mehrstöckiges Wohnhaus eingeschlagen. Dabei wurden zwei Wohnungen, die ​Fassade des Gebäudes, Fenster und in der Nähe geparkte Fahrzeuge beschädigt. Getroffen wurde den Angaben zufolge zudem eine nicht näher bezeichnete Einrichtung der kritischen Infrastruktur. 

Russland zeigt nach den Worten des ukrainischen Armeechefs ​kein Interesse an Friedensgesprächen. „Im Gegenteil, wir beobachten, dass die Kampfhandlungen zunehmen und die Produktion von Angriffswaffen, Raketen und Drohnen gesteigert wird“, sagt ​Olexandr Syrskyj dem Onlinemedium lb.ua in einem am Sonntag veröffentlichten Interview. Moskau plane, den Ausstoß auf bis zu 1000 Drohnen pro Tag zu erhöhen. Syrskyj ⁠bezeichnet die ukrainischen Angriffe weit hinter ​der Front als „unsere Stärke“. Dadurch seien 719 Ziele getroffen und Schäden in Höhe von 15 ⁠Milliarden Dollar verursacht worden, vor allem in der russischen Ölindustrie. Die ‍ukrainischen Verluste seien ‍2025 zudem um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken, während die russischen Verluste „deutlich gestiegen“ seien.

Die Ukraine und die USA wollen ihre Gespräche über ⁠eine Beilegung ​des Krieges mit Russland weiterführen. „Wir haben vereinbart, die Arbeit ⁠in den Teams bei ‍den nächsten Beratungen in ‍Davos fortzusetzen“, schreibt der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow im Messengerdienst Telegram. ⁠Bei dem jüngsten einer Reihe von Treffen ​in ​Florida hätten ‌beide Seiten über Sicherheitsgarantien und ‍einen Plan für den Wiederaufbau nach ‍dem Krieg beraten.

Bei einem abermaligen ​russischen Drohnenangriff auf die Ukraine sind in der Nacht zum Sonntag nach Angaben von Präsident ⁠Wolodymyr Selenskyj zwei ​Menschen getötet worden. Dutzende weitere wurden demnach verletzt. Der Angriff ⁠mit mehr als 200 Drohnen habe ‍sich gegen mehrere ‍Regionen des Landes gerichtet, darunter Charkiw und Odessa.