FAZ 06.12.2025
01:27 Uhr

Krieg in der Ukraine: USA: Ende des Ukraine-Krieges hängt von Russland ab


Putin sichert Indien ununterbrochene Energielieferungen zu +++ Kadyrow droht Ukraine nach Drohnenangriff mit Vergeltung +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: USA: Ende des Ukraine-Krieges hängt von Russland ab

Russland meldet ukrainische Drohnenangriffe auf die Regionen Rjasan und Woronesch. Dabei habe es Schäden, jedoch keine Verletzten gegeben, teilen die örtlichen Behörden mit. In der zentralwestlichen Region Rjasan sei durch den Angriff ein Brand auf dem Dach eines mehrstöckigen Wohnhauses ausgelöst worden. Zudem seien Trümmerteile von Drohnen auf das Gelände einer Industrieanlage gestürzt, erklärt Regionalgouverneur Pawel Malkow. Um welche Anlage es sich handelte, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Die Ukraine hatte bereits mehrfach eine dortige Raffinerie ins Visier genommen. In der südwestlichen Region Woronesch wurden nach Angaben von Gouverneur Alexander Gussew eine Tankstelle, eine Schule und mehrere Wohnhäuser beschädigt. Das russische Verteidigungsministerium teilt mit, die Luftabwehr habe in der Nacht 116 ukrainische Drohnen abgeschossen. Die Ukraine hat zuletzt ihre Drohnenangriffe tief im russischen Hinterland verstärkt und dabei vor allem Raffinerien, Öldepots und Pipelines attackiert. Dabei wurden in diesem Jahr mindestens siebzehn große Raffinerien getroffen.

Bei einem neuen russischen Angriff mit Drohnen und Raketen auf die Ukraine sind auf einem Eisenbahnknotenpunkt in der Nähe von Kiew in der Nacht ein Depot und mehrere Waggons beschädigt worden. Wegen der Schäden seien mehrere Vorortzüge in der Nähe der Hauptstadt und der Stadt Tschernihiw im Nordosten des Landes ausgefallen, teilt die staatliche ukrainische Bahngesellschaft Ukrsalisnyzja mit. Rettungsdienste berichten von einem Brand und Zerstörungen auf dem Bahnhofsgelände in der Stadt Fastiw. Verletzte wurden nicht gemeldet. Russland hat in den vergangenen Wochen seine Angriffe auf die Energieversorgung und die Verkehrsinfrastruktur in der Ukraine verstärkt.

Die USA und die Ukraine setzen ihre Gespräche über einen Friedensplan für das von Russland angegriffene Land heute fort. Das teilten das US-Außenministerium und der US-Sondergesandte Steve Witkoff auf der Plattform X nach dem Treffen mit einer ukrainischen Delegation am Freitag mit. Die jüngsten Gespräche im US-Bundesstaat Florida hatten am Donnerstag begonnen. Beide Seiten waren sich US-Angaben zufolge einig, dass ein Ende des Kriegs von Russlands Bereitschaft zu Frieden abhängt. 

Die Schutzhülle des Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine kann nach einer Beschädigung durch eine Drohne ihre wichtigste Sicherheitsfunktion nicht mehr erfüllen. Dies teilt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)mit. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi erklärt, eine Inspektion habe bestätigt, „dass die Schutzhülle ihre primären Sicherheitsfunktionen verloren hat, einschließlich der Fähigkeit zum Einschluss von Material.“ Es sei aber auch festgestellt worden, dass es keine dauerhaften Schäden an den tragenden Strukturen oder Überwachungssystemen der Schutzhülle gebe. Es seien bereits Reparaturen vorgenommen worden. Eine umfassende Wiederherstellung sei jedoch unerlässlich, um die langfristige nukleare Sicherheit zu gewährleisten. Die Schutzhülle oder der Sarkophag über dem stillgelegten Atomkraftwerk war errichtet worden, um das Austreten weiteren radioaktiven Materials nach der Atomkatastrophe von 1986 zu verhindern. Die Vereinten Nationen hatten am 14. Februar berichtet, dass eine Drohne mit einem hochexplosiven Sprengkopf das Kraftwerk getroffen habe. Die Ukraine machte Russland dafür verantwortlich, Moskau wies dies zurück. Die Strahlenwerte blieben den damaligen Angaben zufolge normal und stabil.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sein Gespräch mit Belgiens Premierminister Bart de Wever und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über die Nutzung der in Europa eingefrorenen russischen Vermögenswerte für die Ukraine als „konstruktiv“ bezeichnet. Die besondere Betroffenheit Belgiens sei „unbestreitbar“ und müsse „so adressiert werden, dass alle europäischen Staaten dasselbe Risiko tragen“, hieß es am Freitagabend in einer Erklärung des Bundeskanzlers.Die Gesprächspartner waren sich laut Regierungssprecher Stefan Kornelius einig, „dass in der aktuellen geopolitischen Lage die Zeit drängt.“ Zudem hätten Merz, de Wever und von der Leyen festgestellt, „dass die finanzielle Unterstützung der Ukraine von zentraler Bedeutung für die Sicherheit Europas sei.“ Sie hätten sich geeinigt, ihren Austausch fortzusetzen, mit dem Ziel, beim Europäischen Rat am 18. Dezember eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat Indien ununterbrochene Energielieferungen zugesichert. Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Narendra Modi in Neu-Delhi sagte Putin am Freitag, Moskau sei bereit, die Versorgung sicherzustellen. Modi bezeichnete die langjährige Partnerschaft mit Russland als einen „Leitstern“, der sich über die Zeit bewährt habe. Beide Seiten einigten sich auf ein Wirtschaftskooperationsprogramm bis zum Jahr 2030, das Handel und Investitionen diversifizieren soll. Russland kündigte an, mehr indische Waren zu importieren, um den Handel bis 2030 auf 100 Milliarden Dollar zu steigern. In einer gemeinsamen Erklärung betonten die beiden Staats- und Regierungschefs, die russisch-indischen Beziehungen blieben „widerstandsfähig gegenüber äußerem Druck“. Putin hatte bereits am Donnerstag den Druck der USA auf Indien infrage gestellt, die Ölkäufe aus Russland zu drosseln. „Wenn die USA das Recht haben, unseren (nuklearen) Brennstoff zu kaufen, warum sollte Indien nicht das gleiche Privileg haben?“, sagte er in einem Interview mit dem Fernsehsender „India Today“.

Eine ukrainische Drohne hat nach Angaben des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow am Freitag ein Hochhaus in der Hauptstadt Grosny getroffen und beschädigt. Bei dem Angriff sei niemand verletzt worden, schrieb Kadyrow auf Telegram. Er kündigte Vergeltung an. Die Ukraine hatte zuvor bereits eine Reihe von Zielen in Tschetschenien mit Drohnen angegriffen, darunter eine Polizeikaserne und eine Militärakademie. Kadyrow ist ein entschiedener Befürworter der russischen Invasion in der Ukraine und hat tschetschenische Truppen in den Krieg entsandt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seinen entlassenen Stabschef Andrij Jermak auch von anderen Posten entbunden. Die Präsidentenverwaltung in Kiew veröffentlichte zwei Erlasse. Demnach ist Jermak nicht mehr Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat und in der sogenannten Stawka, der militärisch-politischen Kommandozentrale Selenskyjs. Beiden Gremien hatte Jermak als Leiter des Präsidialamtes angehört. 

Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach Gesprächen in Belgien über die eingefrorenen russischen Staatsvermögen betont, dass man sich einig darüber sei, dass die von Russland überfallene Ukraine eine Finanzierung brauche. Merz habe mit dem belgischen Premierminister Bart de Wever und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen darin übereingestimmt, dass die Zeit für die Finanzierung angesichts der geopolitischen Lage dränge, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Abend. Eine Einigung über die von Belgien bisher abgelehnte Nutzung des russischen Geldes für einen Kredit an die Ukraine wurde aber offenbar noch nicht erzielt.Der Kanzler sprach aber von einem „sehr konstruktiven“ Austausch. „Die besondere Betroffenheit Belgiens in der Frage einer Nutzbarmachung der eingefrorenen russischen Vermögenswerte ist unbestreitbar und muss in jeder denkbaren Lösung so adressiert werden, dass alle europäischen Staaten dasselbe Risiko tragen“, fügte der Kanzler hinzu. Die Kommissionspräsidentin und die beiden Regierungschefs hätten vereinbart, dass sie ihre Beratungen fortsetzen. Ziel sei es, dass der EU-Gipfel am 18. Dezember „eine einvernehmliche Lösung“ findet.

Welche Sanktionen gegen Russland sind sinnvoll? Robert Putzbach hat den Experten Benjamin Hilgenstock zum F.A.Z.-Interview in Kiew getroffen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen haben sich in Brüssel gemeinsam zu einem Gespräch mit dem belgischen Premierminister Bart de Wever begeben, um ihn von der Nutzung der in Europa eingefrorenen russischen Vermögenswerte für ein Darlehen and die Ukraine zu überzeugen. Merz und von der Leyen trafen sich am Freitagabend im Gebäude der EU-Kommission, bevor sie zusammen weiter zur Residenz des belgischen Regierungschefs fuhren.Die EU hatte nach der russischen Invasion der Ukraine vor fast vier Jahren russische Vermögenswerte im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro eingefroren. Seit Monaten diskutieren die Mitgliedstaaten darüber, die zum größten Teil in Belgien von der Gesellschaft Euroclear verwalteten russischen Gelder für ein Reparationsdarlehen an die Ukraine zu nutzen. Brüssel verweigert bisher seine Zustimmung, weil es rechtliche Konsequenzen und russische Vergeltung fürchtet. Merz hatte vor seiner Reise nach Belgien gesagt, er wolle de Wever davon überzeugen, „dass der Weg, den wir hier vorschlagen, richtig ist“. Der Bundeskanzler hatte dafür eine geplante Reise nach Norwegen abgesagt. Das Gespräch sollte nach Angaben eines Regierungssprechers in „privatem Rahmen“ stattfinden. Öffentliche Äußerungen vor oder nach dem Treffen waren nicht vorgesehen.Die EU hat sich bis zum Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 18. Dezember Zeit gegeben, eine Einigung über die Finanzierung der Ukraine-Hilfe für die nächsten zwei Jahre zu erzielen. Die Kommission stellte am Mittwoch einen Plan für die Nutzung der russischen Vermögen vor. Mit den darin vorgeschlagenen Maßnahmen soll laut der Kommission sichergestellt werden, dass es „kein Szenario gibt“, in dem die betreffenden Finanzinstitutionen wie Euroclear das geliehene Geld nicht zurückerhalten, und „dass sie in der Lage sind, alle vertraglichen Verpflichtungen im Zusammenhang mit den Vermögenswerten und Reserven der Zentralbank Russlands zu erfüllen“. 

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff und der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow treffen sich am Freitag erneut. Wie bereits am Donnerstag soll auch dieses Treffen in Miami stattfinden, sagt eine mit den Plänen vertraute Person. 

In Moskau haben amerikanische und russische Verhandler über ein Ende des Ukrainekriegs gesprochen – ohne die Ukraine. Die will nun Informationen von ihren amerikanischen Partnern. F.A.Z.-Korrespondent Stefan Locke berichtet, wie misstrauisch auch die Europäer sind.

In Neu-Delhi haben am Freitag die politischen Gespräche zwischen Russland und Indien begonnen. Russlands Präsident Wladimir Putin ist zum ersten Mail seit vier Jahren in Indien, einem wichtigen Abnehmer von russischem Öl, das andere Staaten wegen des Krieges in der Ukraine nicht mehr kaufen wollen. Indien sei nicht neutral, sondern habe eine klare Position für den Frieden, sagte der indische Ministerpräsident Narendra Modi zu Beginn der Gespräche. „Wir unterstützen jede Bemühung um Frieden.“ Putin bedankte sich bei Modi für dessen Bemühungen um eine Lösung des Konflikts in der Ukraine. Er habe die Gelegenheit gehabt, ausführlich über die Entwicklungen und die gemeinsamen Schritte mit anderen Partnern, einschließlich der USA, für eine mögliche friedliche Beilegung der Krise zu sprechen. Putin sagte, er habe Modi „zahlreiche Details über die Ereignisse in der Ukraine“ mitgeteilt und ihn über die Bemühungen Moskaus informiert, „zusammen mit einigen Partnern, unter ihnen die USA, eine mögliche friedliche Lösung“ zu erreichen.