FAZ 22.11.2025
09:53 Uhr

Krieg in der Ukraine: Strack-Zimmermann: US-Friedensplan wäre irrer Diktatfrieden


FDP-Politikerin: Umsetzung würde die NATO zerstören +++ Russland meldet Eroberung von Dörfern in der Ostukraine +++ Merz telefoniert mit Trump +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Strack-Zimmermann: US-Friedensplan wäre irrer Diktatfrieden

Belarus hat 31 ukrainische Bürger begnadigt, die auf seinem Staatsgebiet wegen Straftaten verurteilt worden waren. Dies sei auf Bitten der Ukraine und gemäß einer Vereinbarung zwischen dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko und dem amerikanischen Präsident Donald Trump geschehen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Belta unter Berufung auf Lukaschenkos Sprecherin Natalia Eismont. Belarus ist ein enger Verbündeter Russlands und hat auch den russischen Einmarsch in die Ukraine unterstützt.

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die südrussische Stadt Sysran sind nach Angaben der örtlichen Behörden zwei Menschen getötet worden. Zwei weitere Menschen seien verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region Samara, Wjatscheslaw Fedorischtschew, auf dem staatlich unterstützten Kurznachrichtendienst Max mit. Ziel des Angriffs seien Energieanlagen gewesen. Er sei von der Luftabwehr abgewehrt worden.

US-Vizepräsident J.D. Vance glaubt nicht an einen Sieg der Ukraine gegen Russland. Es sei eine „Fantasie“ zu glauben, die Ukraine könne gewinnen, wenn die USA dem Land einfach mehr Geld oder Waffen zur Verfügung stellten oder weitere Sanktionen gegen Russland verhängten, sagte Vance. Er fügte hinzu, dass jeder Plan zur Beendigung des russischen Krieges in der Ukraine die ukrainische Souveränität bewahren und für beide Länder akzeptabel sein müsse.

Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge haben Russlands Streitkräfte mehrere Grenzsiedlungen in der Ostukraine eingenommen. Vier Siedlungen in der Region Donezk, dem Brennpunkt des russischen Vorstoßes nach Westen, darunter Jampil, Stawki, Nowoseliwka und Maschlakiwka, seien nun unter russischer Kontrolle. Ebenso wie ein Dorf in der benachbarten Region Dnipropetrowsk, hieß es in der Erklärung des Ministeriums weiter. Der abendliche Frontbericht des ukrainischen Generalstabs vermerkte, dass Stawki und Nowoseliwka in Gebieten liegen, die von Russland angegriffen werden. Hinweise über territoriale Verluste waren dem Bericht nicht zu entnehmen.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat mit den europäischen Partnern über den US-Plan zur Beendigung des russischen Angriffskrieges beraten. In einem gemeinsamen Telefonat mit den Außenministern Frankreichs, Großbritanniens, Polens und Finnlands, der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas sowie Vertretern Italiens und Deutschlands seien „die nächsten Schritte“ erörtert worden, teilte Sybiha mit. Das Telefonat bezeichnete er als „rechtzeitig und zielführend“.Er habe den europäischen Partnern die Ergebnisse der „jüngsten Kontakte“ des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mitgeteilt und „die Logik unserer weiteren Schritte“ dargelegt. „Wir haben ausführlich die Elemente der Friedensvorschläge der Vereinigten Staaten und unsere gemeinsame Arbeit zur Schaffung eines gangbaren Weges hin zu einem gerechten Frieden erörtert“, fügte er hinzu.Der ukrainische Außenminister betonte zudem die Bedeutung des fortgesetzten transatlantischen Drucks, Russland zum Kriegsende zu bewegen. Er dankte den Partnern seines Landes „für ihre Bereitschaft, die Ukraine in dieser entscheidenden Phase verstärkt zu unterstützen“.

Ein Gesandter des russischen Präsidenten Wladimir Putin wirbt für den US-Friedensplan für die Ukraine. Dieser solle weitere Gebietsverluste und Tote verhindern, schrieb der Investitionsbeauftragte Kirill Dmitrijew auf der Plattform X. Dmitrijew, der Leiter des russischen Staatsfonds, hat mehrere Reisen in die USA unternommen, um die Beziehungen zu Vertretern der US-Regierung zu festigen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht die Ukraine durch den Plan dem Risiko ausgesetzt, ihre Würde und Freiheit zu verlieren.

Ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine muss nach den Worten des britischen Premierministers Keir Starmer die künftige Sicherheit des Landes gewährleisten. Dies teilte sein Büro nach einem Telefonat Starmers mit seinen Amtskollegen aus Deutschland und Frankreich sowie dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit. Die Gesprächsteilnehmer unterstreichen demnach ihre Unterstützung für die Friedensinitiative von US-Präsident Donald Trump. Jede Lösung müsse die Ukraine vollständig einbeziehen und ihre Souveränität wahren. 

Außenminister Johann Wadephul geht nicht davon aus, dass der von den Vereinigten Staaten vorgelegte Plan für ein Ende des Ukraine-Krieges schnell umgesetzt werden kann. „Das Letzte, was wir jetzt brauchen, ist Hektik und Schnelligkeit“, sagte der CDU-Politiker in den ARD-\"Tagesthemen\". Jeder verstehe, dass schnell ein Ende des Schießens kommen solle. „Aber wir brauchen Zeit, nachzudenken, was eine verlässliche Grundlage sein kann für einen dauerhaften Frieden. Und ich habe Zweifel, dass das ganz schnell möglich sein wird.“Die USA hatten den Entwurf eines Plans mit 28 Punkten vorgelegt. Er wird kontrovers diskutiert, weil er der Ukraine große Zugeständnisse abverlangt. US-Präsident Donald Trump erwartet von der Ukraine, dass sie den Plan bis kommenden Donnerstag im Wesentlichen akzeptiert. Auf die Frage, ob die Ukraine damit von den USA erpresst werde, sagte Wadephul: „Ich weiß nicht, ob diese Alternative wirklich exakt so besteht. Wir haben von Washington erfahren, dass über diese Punkte gesprochen werden kann und das tun wir auch jetzt“, sagte der Außenminister. Nun gelte es, von europäischer Seite einen Gegenvorschlag zu machen. „Der wird jetzt mit Hochdruck erarbeitet.“

Trump äußert sich während seines Treffens mit dem neuen New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani im Oval Office auch kurz zur Ukraine. In Bezug auf den Friedensplan sagt er über Präsident Wolodymyr Selenskyj: „Wenn es ihm nicht gefällt, dann sollen sie einfach weiterkämpfen.“ Irgendwann werde Selenkyj „irgendwas“ akzeptieren müssen. Er habe schon damals gesagt, die Ukraine habe keine guten Karten. Das hatte Trump während der Begegnung im Oval Office im Februar gesagt, die in einem Eklat und mit einer vorzeitigen Abreise Selenskyjs aus dem Weißen Haus endete. 

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat mit US-Präsident Donald Trump telefoniert, um mit ihm über den US-Friedensplan für die Ukraine zu reden. Das Gespräch sei „vertrauensvoll und verbindlich“ gewesen und es seien „nächste Schritte“ der Abstimmung auf Ebene der Berater verabredet worden, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius anschließend.Friedrich Merz und andere führende Staats- und Regierungschefs aus Europa werden am Rande des G-20-Gipfels zu Krisengesprächen über den US-Vorstoß für ein Ende des Ukrainekriegs zusammenkommen. Das kündigten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa nach einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an. Das Treffen wird demnach an diesem Samstag stattfinden. Zudem soll es am Rande des am Montag beginnenden EU-Afrika-Gipfels in Angola weitere Beratungen in größerer Runde geben.Der russische Präsident Wladimir Putin hatte sich nach Vorlage des US-Friedensplans für die Lösung des Ukrainekriegs offen für Verhandlungen gezeigt. Der von US-Präsident Donald Trump vorgelegte Plan mit 28 Punkten könne die Grundlage sein für eine friedliche Lösung, sagte Putin bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates. Zugleich äußerte der Kremlchef einmal mehr Zweifel, dass die Ukraine sich auf die Vorschläge einlasse. „Warum?“, fragte Putin selbst die per Video zugeschalteten Sicherheitsratsmitglieder. „Die Ukraine ist dagegen“, antwortete der Kremlchef selbst. Das Land und seine europäischen Verbündeten pflegten weiter die Illusion, Russland auf dem Schlachtfeld eine strategische Niederlage zufügen zu können. Putin warf den Europäern vor, nicht kompetent zu sein und keine echten Informationen über die Lage auf dem Schlachtfeld zu haben. Sie verstünden nicht, wozu diese Unkenntnis führe. Als Beispiel führte er die angeblich von seinen Truppen eroberte Stadt Kupjansk im Gebiet Charkiw an. Die Ukraine bestätigt den Verlust nicht. „Insgesamt passt uns das“, sagte Putin zur Linie Kiews. Russland werde seine Ziele auch militärisch erreichen. Trotzdem sei Russland weiterhin bereit, über eine friedliche Lösung zu verhandeln, sagte er.Washington hat Kiew mit einem Plan aus 28 Punkten konfrontiert, der zu einem Ende des seit 2022 währenden russischen Krieges gegen die Ukraine führen soll. Den Veröffentlichungen in mehreren Medien zufolge sieht der Entwurf vor allem ukrainische Zugeständnisse an Russland vor, darunter Gebietsabtretungen, einen Rückzug von Kiews Truppen aus Teilen der Ostukraine, Beschränkungen für die Armee und einen juristisch verbindlichen Verzicht auf einen NATO-Beitritt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte über diplomatische Wege zur Beendigung des Krieges mit Russland gesprochen. Dabei sei auch ein von den USA vorgeschlagener Plan erörtert worden, schreibt Selenskyj auf der Online-Plattform X. Man sei bereit, schnell und konstruktiv an dessen Erfolg zu arbeiten. „Wir koordinieren unsere nächsten gemeinsamen Schritte.“ Nähere Angaben machte Selenskyj nicht.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat der Ukraine eine Frist bis Donnerstag gesetzt, um den von den USA vorgelegten „Friedensvorschlag“ zur Beendigung des Krieges mit Russland anzunehmen.  „Wenn alles gut läuft, neigt man dazu, die Fristen zu verlängern“, antwortete Trump zwar am Freitag dem Sender Fox News auf die Frage, ob die USA der Ukraine eine „lockere Frist“ gesetzt hätten. „Aber Donnerstag ist unserer Meinung nach ein geeigneter Zeitpunkt.“ Am Donnerstag feiern die Menschen in den Vereinigten Staaten Thanksgiving, das amerikanische Erntedankfest.Der Tageszeitung „Washington Post“ zufolge verknüpften die USA das Ultimatum mit einer Drohung. Sollte sich das von Russland angegriffene Land gegen den Friedensplan sträuben, müsse es mit dem Verlust der amerikanischen Unterstützung rechnen, berichtete das Blatt unter Berufung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einer Rede an die Nation versichert, er werde sein Land nicht „verraten“. Die Ukraine stehe vor einer „sehr schwierigen Entscheidung“, sie werde entweder ihre „Würde“ oder einen „wichtigen Partner“ verlieren, sagte Selenskyj am Freitag in einem in Onlinediensten veröffentlichten Video. Er kündigte an, „Alternativen“ zu dem von den USA vorgelegten Plan zur Beendigung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine vorzustellen.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen hat den 28-Punkte-Plan zum Frieden in der Ukraine als „völlig untauglich“ bezeichnet. „Den 28 Punkten fehlt jedes Element für die dauerhafte Sicherheit Europas und der Ukraine“, kritisierte Röttgen am Freitag in der „Rheinischen Post“. „Er ist völlig untauglich, zu einem Ende des Krieges zu führen, geschweige denn zu dauerhaftem Frieden.\" Und weiter: „Die 28 Punkte sind kein Plan, schon gar nicht ein Friedensplan“, kommentierte der CDU-Politiker. „Sie beinhalten eine russische Wunschliste nach ukrainischer Kapitulation und der anschließenden Schwächung der Ukraine im Innern und nach außen gegen russische Aggression“, sagte er. „Im Gegenzug sollen amerikanische Geschäftsinteressen bedient werden.“