FAZ 13.01.2026
08:53 Uhr

Krieg in der Ukraine: Selenskyj warnt vor neuem massivem Angriff Russlands


Präsident: Ukrainer sollen Luftalarm ernst nehmen +++ Zahl der zivilen Opfer in der Ukraine deutlich gestiegen +++ Projekt Nightfall: Großbritannien will ballistische Rakete entwickeln +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Selenskyj warnt vor neuem massivem Angriff Russlands

Durch einen schweren russischen Luftangriff sind mindestens vier Menschen in der ostukrainischen Großstadt Charkiw getötet worden. Der Militärgouverneur der Region, Oleh Snyjehubow, sprach außerdem von mindestens sechs Verletzten. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden auch Kiew, Odessa und andere Städte in der Nacht mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern angegriffen.In dem Vorort von Charkiw wurde nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft ein Logistikzentrum des Postunternehmens Nowa Poschta zerstört. Die Behörde warf der russischen Armee einen sogenannten Doppelschlag vor: Erst sei das Gebäude mit einer Rakete beschossen worden, wenig später hätten Drohnen auf Feuerwehrleute und Rettungskräfte gezielt. In der Hauptstadt Kiew musste nach dem Angriff abermals an vielen Stellen notfallmäßig der Strom abgeschaltet werden, wie die Stadtverwaltung mitteilte. In den größten Städten der Ukraine müssen derzeit bei strengem Frost Millionen Menschen ohne Strom, Heizung oder Wasser ausharren, weil russische Angriffe die Versorgungsnetze gezielt ausgeschaltet haben.Ihrerseits griff die ukrainische Armee in der Nacht mehrere Orte in Russland mit Drohnen an. Die Behörden des südrussischen Gebiets Rostow bestätigten einen Treffer auf ein Industrieunternehmen in der Stadt Taganrog. Dabei handelte es sich nach Berichten russischer Telegramkanäle um ein Werk, in dem Flugzeuge repariert und Drohnenteile hergestellt werden. 

Die Ukraine hat die Rechte für den Abbau des ​Lithium-Vorkommens Dobra an eine Investorengruppe mit Verbindungen in die USA vergeben. Dies gilt als wichtiger Test, ob westliches Kapital in die vom Krieg gezeichnete Wirtschaft des Landes fließen kann. Zudem sollen die Beziehungen zu Washington vertieft werden. Die ​ukrainische Regierung erteilte die Entwicklungsrechte für den Standort Dobra in der zentralen Region Kirowohrad an die Dobra Lithium Holdings, wie Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko am Montag über ​den Nachrichtendienst Telegram mitteilte.Im Rahmen der Vereinbarung zur Produktionsteilung wird das Unternehmen eines der größten Lithiumvorkommen der Ukraine erschließen und die Förderung mit dem ukrainischen Staat teilen. Lithium ist ein wichtiges Metall, ⁠das unter anderem für Batterien von ​Elektroautos benötigt wird. Hinter dem Projekt stehen die Firmen TechMet und Rock Holdings. Es soll Investitionen von ⁠mindestens 179 Millionen Dollar anziehen. TechMet wird nach Angaben der US-Entwicklungsfinanzierungsgesellschaft DFC von der US-Regierung unterstützt.Die Vergabe ‍erfolgt, während ‍die Ukraine nach Investitionen sucht, die trotz der Kriegsrisiken Bestand haben. Die Ausschreibung für das Lithium-Projekt hatte im August begonnen. Sie gilt als erstes Vorhaben im Rahmen eines gemeinsamen Investitionsfonds ⁠mit den USA. Diese umfassendere Vereinbarung wurde von US-Präsident Donald Trump gefördert. Sie sichert ​den USA einen ​bevorzugten Zugang zu neuen ukrainischen Rohstoffgeschäften und ‌lenkt die Mittel des Fonds in den Wiederaufbau der ‍Ukraine. Einem Bericht der Zeitung „New York Times\" zufolge gehört der Milliardär Ronald S. ‍Lauder, ein Freund Trumps, zu den Investoren. 

​Die russische Luftabwehr hat nach eigenen Angaben einen ukrainischen Luftangriff auf ⁠die Stadt ‍Taganrog im Süden Russlands ‍abgewehrt. Das teilte der Gouverneur der Region Rostow, ⁠Juri Sljussar, über Telegram ​mit. Details zu ‌den Folgen am ‍Boden würden noch geklärt.

Die Ukraine hat die Rechte für den Abbau des ​Lithium-Vorkommens Dobra an eine Investorengruppe mit Verbindungen in die USA vergeben. Dies gilt als wichtiger Test, ob westliches Kapital in die vom Krieg gezeichnete Wirtschaft des Landes fließen kann. Zudem sollen die Beziehungen zu Washington vertieft werden. Die ​ukrainische Regierung erteilte die Entwicklungsrechte für den Standort in der zentralen Region Kirowohrad an die Dobra Lithium Holdings, wie Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko über Telegram mitteilte.Im Rahmen der Vereinbarung zur Produktionsteilung wird das Unternehmen eines der größten Lithiumvorkommen der Ukraine erschließen und die Förderung mit dem ukrainischen Staat teilen. Lithium ist ein wichtiges Metall, ⁠das unter anderem für Batterien von ​Elektroautos benötigt wird. Hinter dem Projekt stehen die Firmen TechMet und Rock Holdings. Es soll Investitionen von ⁠mindestens 179 Millionen Dollar anziehen. TechMet wird nach Angaben der US-Entwicklungsfinanzierungsgesellschaft DFC von der US-Regierung unterstützt.Die Vergabe ‍erfolgt, während ‍die Ukraine nach Investitionen sucht, die trotz der Kriegsrisiken Bestand haben. Die Ausschreibung für das Lithium-Projekt war im August gestartet worden. Sie gilt als erstes Vorhaben im Rahmen eines gemeinsamen Investitionsfonds ⁠mit den USA. Diese umfassendere Vereinbarung wurde von US-Präsident Donald Trump gefördert. Sie sichert ​den USA einen ​bevorzugten Zugang zu neuen ukrainischen Rohstoffgeschäften und ‌lenkt die Mittel des Fonds in den Wiederaufbau der ‍Ukraine. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge gehört der Milliardär Ronald S. ‍Lauder, ein Freund Trumps, zu den Investoren.

Bundesaußenminister Johann Wadephul betont nach einem Treffen mit seinem amerikanischen Amtskollegen Marco Rubio die Einigkeit mit den USA. Die Partnerschaft sei stark, sagt Wadephul in Washington und verweist auf ein gemeinsames Bekenntnis zu einem gerechten Frieden in der Ukraine. Man sei sich zudem einig über die Verbindlichkeit der Beistandspflicht nach NATO-Artikel 5. Dies sei ein klares Signal an Russland. Auch Grönland sei Thema des Gesprächs gewesen, sagt Wadephul weiter. Es sei Sache der NATO, die Interessen dort zu verteidigen. 

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff ist nach russischen Angaben ein Mensch im Grenzgebiet Brjansk getötet worden. Er sei unterwegs in einem Auto im Dorf Stratschowo nahe der Grenze zur Ukraine ums Leben gekommen, teilte der Gouverneur der Region, Alexander Bogomas, mit.

Die USA haben den Angriff Russlands auf die Ukraine mit der modernen atomwaffenfähigen Mittelstreckenrakete Oreschnik verurteilt. „Dies ist eine weitere gefährliche und unerklärliche Eskalation, während die Vereinigten Staaten mit Kiew, anderen Partnern und Moskau zusammenarbeiten, um den Krieg durch eine Verhandlungslösung zu beenden“, sagte die stellvertretende US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Tammy Bruce, am Montag bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zum Ukrainekrieg.Russland hatte die Rakete bei massiven Angriffen in der Nacht zum Freitag eingesetzt. Nach Angaben Moskaus traf die Hyperschallrakete eine Flugzeug-Instandsetzungsfabrik in der westukrainischen Stadt Lwiw. Die Ukraine erklärte, es sei ein „ziviles“ Ziel getroffen worden. Der Angriff nahe der Grenze zur EU löste empörte Reaktionen westlicher Regierungen aus.Es war der zweite bekannte Angriff mit einer Rakete diesen Typs in der Ukraine. Im November 2024 hatte die russische Armee damit eine Rüstungsfabrik in der Millionenstadt Dnipro angegriffen.  

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Bürger seines Landes vor einem weiteren heftigen Angriff Russlands gewarnt. Es gebe Geheimdienstinformationen, wonach Moskau erneut einen massiven Angriff vorbereite, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Konkret sprach er von Drohnen zur Ausschaltung der Flugabwehr und Raketen. Dieser Angriff könne in den nächsten Tagen geschehen, sagte er und forderte die Menschen auf, den Luftalarm zu beachten. Russland wolle die Kälte ausnutzen. In vielen Regionen der Ukraine fallen die Temperaturen nachts derzeit in den zweistelligen Minusbereich. Außerdem sprach Selenskyj von Fortschritten beim Austausch des ukrainischen Verhandlungsteams mit US-Vertretern. Dokumente seien größtenteils unterschriftsreif, sagte er, nannte aber keine Details. Er gehe davon aus, dass das Format Davos im Hinblick auf Beziehungen zu den Partnern der Ukraine und ihren Wiederaufbau nach den russischen Angriffen sehr erfolgreich werde. 

 Die moldauische Präsidentin Maia Sandu hat sich für eine Vereinigung ihres Landes ​mit dem EU- und NATO-Mitglied Rumänien ausgesprochen, um ihr Land vor dem Druck Russlands zu schützen. Sollte es dazu ein Referendum geben, würde sie für die Vereinigung stimmen, sagte Sandu in einem Interview für den britischen Podcast „The Rest is Politics“. „Schauen Sie sich an, was in der Welt ​geschieht. Für ein kleines Land wie Moldau wird es immer schwieriger, als Demokratie, als souveränes Land zu überleben und natürlich Russland zu widerstehen.“Sandu räumte in dem am Sonntag ausgestrahlten ​Interview jedoch ein, dass derzeit die meisten Moldauer ihre Position nicht unterstützten. Jüngsten Umfragen zufolge befürwortet nur etwa ein Drittel der Bevölkerung eine Wiedervereinigung mit Rumänien. Die Integration in die Europäische Union sei ein „realistischeres Ziel“, fügte die Präsidentin hinzu. Ihre Regierung ⁠strebt einen EU-Beitritt bis 2030 an, muss ​dafür jedoch schwierige Reformen umsetzen. Zudem sieht sich das Land erheblichem Druck aus Russland ausgesetzt, das einen EU-Beitritt der Republik Moldau ⁠ablehnt.Sandu, deren proeuropäische Regierungspartei im vergangenen September ein neues Mandat erhielt, hat Russland wiederholt vorgeworfen, sich in die inneren Angelegenheiten ‍der ehemaligen Sowjetrepublik ‍einzumischen. Das Land hat rund 2,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner mit einer rumänischsprachigen Mehrheit und einer russischsprachigen Minderheit. Noch bis 2020 waren in der Republik Moldau pro-russische Sozialisten an der Macht.

Russland hat nach eigenen Angaben beim Angriff mit der Mittelstreckenrakete Oreschnik das ukrainische Flugzeugwerk in Lwiw zerstört. „Nach Informationen, die durch mehrere unabhängige Quellen bestätigt wurden, ist das staatliche Flugzeugreparaturwerk Lwiw durch einen Schlag der russischen Streitkräfte in der Nacht zum 9. Januar, bei dem der mobile Raketenkomplex Oreschnik eingesetzt wurde, außer Gefecht gesetzt worden“, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.Nach Angaben des russischen Militärs wurden in der Fabrik Flugzeuge, darunter auch die Westen gelieferten Kampfjets F-16, repariert und Kampfdrohnen mit hoher und mittlerer Reichweite produziert. Getroffen worden seien Produktions- und Lagerhallen mit schon gefertigten Drohnen sowie die Infrastruktur des betriebseigenen Flugplatzes. In Kiew seien zu gleicher Zeit die Produktionskapazitäten zweier Drohnenhersteller zerstört worden, heißt es in der Meldung weiter. 

Estland hat Einreiseverbote gegen 261 Russen verhängt, die am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine beteiligt und im Kriegseinsatz an der Front waren. „Es besteht kein Zweifel, dass es sich hier um Personen mit einer feindseligen Haltung gegenüber Europa handelt. Sie verfügen über Kampferfahrung, militärische Ausbildung und oft auch über eine kriminelle Vergangenheit. Darüber hinaus sind sie psychisch traumatisiert“, begründete Innenminister Igor Taro den Schritt. Demnach handelt es sich um die ersten Einreiseverbote, denen weitere folgen sollen. Die Einreiseverbote seien unausweichlich, da diejenigen, die im Namen von Russlands Präsidenten Wladimir Putin Gräueltaten in der Ukraine begangen hätten, keinen Platz in der freien Welt hätten. „Die von ihnen ausgehende Bedrohung ist nicht theoretischer Natur – sie umfasst sowohl die mögliche Ausführung von Aufträgen für russische Geheimdienste als auch die Beteiligung an organisierter Kriminalität“, wurde Taro in einer Mitteilung zitiert. 

Das vergangene Jahr war für die Zivilbevölkerung in der Ukraine das mit den meisten Todesopfern seit Beginn des russischen Großangriffes im Februar 2022. Grund seien intensivierte Kämpfe an der Frontlinie und der vermehrte Einsatz von Langstreckenwaffen, teilt die UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission in der Ukraine am Montag mit. Demnach wurden 2025 bei kriegsbedingter Gewalt 2514 Zivilisten getötet und 12.142 verletzt. Dies sei ein Anstieg der Opferzahlen um 31 Prozent gegenüber 2024. Die überwiegende Mehrheit der von den Beobachtern bestätigten Opfer habe es in von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebieten durch Angriffe der russischen Streitkräfte gegeben. Die verstärkten Bemühungen Russlands, im Jahr 2025 Gebiete zu erobern, hätten zu Tötungen und Verletzungen von Zivilisten, der Zerstörung wichtiger Infrastruktur und neuen Vertreibungswellen geführt. Fast zwei Drittel aller Opfer des vergangenen Jahres seien in Frontgebieten zu beklagen, wobei ältere Menschen besonders betroffen seien, da sie in ihren Dörfern geblieben seien.

Mychajlo Fedorow organisierte den Wahlkampf des ukrainischen Präsidenten und digitalisierte dann das Land. Als künftiger Verteidigungsminister soll er die Armee reformieren. Stefan Locke hat den Vierunddreißigjährigen porträtiert.

 Das Interesse an russischen Rüstungsgütern im Ausland ist nach Darstellung aus Moskau auf Rekordniveau. „Bis 2022 lag der maximale Auftragswert bei 55 Milliarden Dollar. Heute haben wir mit 70 Milliarden Dollar an schon unterschriebenen Verträgen einen Rekord“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Denis Manturow bei einem Treffen mit Staatschef Wladimir Putin. Manturow führte das auch auf den Krieg gegen die Ukraine zurück, indem er sagte:  „Die im Rahmen der militärischen Spezialoperation erprobte Technik wirbt für sich selbst.\"Besonders gefragt seien russische Flugabwehrkomplexe, Flugzeuge und Mehrfachraketenwerfer, sagte Manturow. Im Dezember hatte Manturow jedoch eingeräumt, dass Exportaufträge hinter der Nachfrage der russischen Armee nach neuen Waffen anstehen müssten.