FAZ 24.12.2025
10:37 Uhr

Krieg in der Ukraine: Selenskyj veröffentlicht ukrainischen 20-Punkte-Plan


Kiew erwartet noch heute Antwort von Moskau +++ Zum Gebiet Donezk und dem AKW Saporischschja unterscheiden sich die Positionen der USA und der Ukraine +++ Polizisten bei Explosion in Moskau verletzt  +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Selenskyj veröffentlicht ukrainischen 20-Punkte-Plan
Uwe Kockisch im Jahr 2017 (Foto: Georg Wendt/dpa)

Russische ​strategische Langstreckenbomber vom Typ Tu-95MS absolvieren einen planmäßigen Flug ⁠über ​den neutralen Gewässern der Barentssee und des Europäischen Nordmeers. ⁠Dies teilt ‍das Verteidigungsministerium in ‍Moskau mit. Auf bestimmten Abschnitten der Route seien die Raketenträger ⁠von Kampfjets ausländischer ​Staaten begleitet worden. ​Um welche ‌Länder es sich ‍dabei handelt, wurde nicht mitgeteilt.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat in einem Neujahrsbrief an Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un die enge Verbindung zwischen beiden Ländern gepriesen. In seinem vergangene Woche eingetroffenen Brief habe Putin die Beteiligung nordkoreanischer Soldaten an Moskaus Offensive gegen die Ukraine gelobt, berichtete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Donnerstag. Der „heldenhafte Einsatz“ der nordkoreanischen Soldaten habe „die unbesiegbare Freundschaft“ zwischen beiden Ländern „eindeutig bewiesen“. Konkret nannte Putin demnach die „Kämpfe zur Befreiung der Region Kursk von den Besatzern und die anschließenden Aktivitäten koreanischer Ingenieure auf russischem Boden“.Nach Erkenntnissen südkoreanischer und westlicher Geheimdienste hatte Nordkorea im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Soldaten nach Russland entsandt, die vor allem in der Grenzregion Kursk eingesetzt wurden. Demnach kamen dabei auch Artilleriegeschosse, Raketen und Langstreckenraketensysteme zum Einsatz. Nordkorea bestätigte im April erstmals, Soldaten nach Russland geschickt zu haben.

Russland hat am Mittwoch nach Angaben der ​Behörden 25 ukrainische Drohnen auf dem Weg nach Moskau abgewehrt. Die Angriffe hätten sich über einen Zeitraum von rund 23 Stunden erstreckt, teilte der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin mit. Es seien keine ​Schäden gemeldet worden. An zwei der vier großen Flughäfen der Hauptstadt wurde der Betrieb nach Angaben der russischen Zivilluftfahrtbehörde zeitweise eingeschränkt. Das ​russische Verteidigungsministerium erklärte zudem, seine Luftabwehr habe landesweit innerhalb von drei Stunden 29 ukrainische Drohnen zerstört. Zuvor hatte das Ministerium die Zerstörung von 172 ukrainischen Drohnen über Nacht ⁠gemeldet, fast die Hälfte davon über ​an die Ukraine grenzenden Regionen.Die ukrainische Armee teilte ihrerseits mit, ihre Drohnen hätten in ⁠der Nacht das Synthesekautschukwerk Jefremow in der russischen Region Tula südlich von ‍Moskau sowie ein ‍Lager für Marinedrohnen auf der von Russland besetzten Krim getroffen. Der Gouverneur der Region Tula, Dmitri Miljajew, sagte, Trümmer einer abgeschossenen ukrainischen Drohne hätten ein Feuer ⁠auf einem Industriegelände ausgelöst. Die Anlage identifizierte er jedoch nicht. Die Ukraine hat ​ihre Drohnenangriffe ​tief im russischen Hinterland verstärkt. Sie ‌erklärt, damit Militär-, Energie- und Logistikstandorte anzugreifen, um ‍die Kriegsanstrengungen Moskaus als Reaktion auf die russischen Angriffe auf die Ukraine ‍zu stören.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat eigenen Angaben zufolge einen Anschlag auf eine Ölanlage des Konzerns Transneft in der Region Tjumen vereitelt. Ein Verdächtiger habe sich bei der Festnahme widersetzt und sei bei einem Schusswechsel getötet worden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch unter Berufung auf den FSB. Die Ukraine, die als Reaktion auf die russische Invasion regelmäßig Sabotageakte gegen die russische Ölindustrie verübt, äußerte sich zu dem Vorfall bisher nicht.

Die ukrainische Armee meldet nächtliche Angriffe auf die Kunststofffabrik Jefremow in der russischen Region Tula und ein Lager für Marinedrohnen auf der von Russland besetzten Krim. Die Fabrik in Jefremow sei auf die Herstellung von Komponenten für Plastiksprengstoff und Festtreibstoff für Raketen spezialisiert, teilte das ukrainische Militär am Mittwoch auf Telegram mit. Auf dem Produktionsgelände seien Explosionen und ein Großbrand gemeldet worden, hieß es weiter. 

Papst Leo XIV. hat zu Weihnachten für alle Kriege in der Welt zu einem 24-stündigen Waffenstillstand aufgerufen. Nicht zuletzt angesichts der jüngsten russischen Angriffe auf die Ukraine sagte der Pontifex, zu den Dingen, die ihn traurig stimmten, gehöre, dass Russland einen Weihnachtswaffenstillstand abgelehnt habe. Er richte die Bitte erneut an alle Menschen guten Willens und appelliere, zumindest am Fest der Geburt Jesu einen Tag des Waffenstillstands in der Ukraine und auf der ganzen Welt einzuhalten, wurde der Pontifex in Berichten zitiert.Der Papst wird am Abend im Petersdom seine erste Christmette halten. Es wird erwartet, dass er sich auch dort gegen Krieg und Gewalt aussprechen und an das Leid der Menschen erinnern wird. 

In Moskau sind nach russischen Angaben bei einer Explosion zwei Polizisten verletzt worden. Der „Vorfall“ habe sich nahe des Ortes ereignet, an dem zwei Tage zuvor ein hochrangiges Mitglied des russischen Generalstabs durch eine Autobombe getötet wurde, teilten die russischen Behörden mit. Lokale Medien berichteten, dass es gegen 1.30 Uhr Ortszeit zu einer Explosion kam.Der russische Ermittlungsausschuss für schwere Straftaten erklärte auf Telegram, dass er dabei sei, „die Umstände eines Vorfalls im Süden Moskaus zu ermitteln, bei dem zwei Verkehrspolizisten verletzt wurden“. Die Ermittler untersuchten den Tatort und führten forensische Analysen aus, darunter „medizinische Untersuchungen und Untersuchungen auf Sprengstoff“.Der Vorfall ereignete sich im Süden der russischen Hauptstadt nahe des Ortes, an dem am Montag der russische Generalleutnant Fanil Sarwarow durch einen Sprengsatz getötet worden war. Sarwarow leitete die operativen Ausbildungsabteilung des russischen Generalstabs. Die Bombe war unter seinem geparkten Auto platziert worden.

Die ukrainische Armee ​hat sich nach eigenen Angaben aus der umkämpften Stadt Siwersk im Osten des Landes zurückgezogen. Damit rücken die russischen Truppen näher an ​die strategisch wichtige Stadt Slowjansk heran, die etwa 30 Kilometer westlich liegt. Der Rückzug ​diene dazu, das Leben der Soldaten zu schützen und Ressourcen zu schonen, teilte der ukrainische Generalstab am Dienstag ⁠mit. Die russischen Angreifer ​hätten aufgrund einer erheblichen zahlenmäßigen Überlegenheit und ständigen Drucks vorrücken ⁠können. Russland hatte bereits Anfang ‍des Monats die ‍Einnahme von Siwersk gemeldet, was die Ukraine jedoch dementiert hatte. Der Verlust der Stadt ist ein militärischer ⁠Rückschlag für die Ukraine.

Am Ort eines tödlichen ​Anschlags auf einen General in Moskau hat es erneut mehrere ⁠Explosionen gegeben. Dabei wurden ​mindestens zwei Menschen schwer verletzt, meldeten die Telegram-Kanäle ⁠Baza und SHOT. Demnach explodierte ‍in der Nähe einer Polizeistation ein Auto. Eine offizielle Bestätigung der ⁠russischen Behörden lag zunächst ​nicht ​vor. An derselben Stelle ‌wurde am Montag ‍Generalleutnant Fanil Sarwarow bei einem Autobombenanschlag ‍getötet.

Russland hat dem Journalisten Roman Anin wegen angeblicher Diskreditierung der Streitkräfte die Staatsbürgerschaft entzogen. Die Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde hätten sich wegen der von Anin begangenen Verbrechen zu diesem Schritt entschieden, teilte das Innenministerium der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge mit.Anin ist Chefredakteur des Internetportals „Waschnyje Istorii“ («Wichtige Geschichten»). Aufsehen erregten unter anderem Recherchen des Mediums über die mutmaßliche Tochter von Kremlchef Wladimir Putin und die Mitarbeit an dem internationalen Projekt zur Enthüllung von Steueroasen, bekannt als „Pandora Papers“. Die russischen Behörden haben „Waschnyje Istorii“ bereits 2021 als Auslandsagenten eingestuft. Kurz nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine 2022 setzten sie das Portal auf die Schwarze Liste unerwünschter Organisationen und verboten es damit praktisch. „Waschnyje Istorii“ arbeitet inzwischen von Lettland aus.Anin selbst wurde 1986 in der damaligen Sowjetrepublik Moldau geboren und bekam erst 2006 die russische Staatsbürgerschaft. Im März 2025 verurteilte ein Moskauer Gericht ihn und eine weitere Journalistin des Mediums in Abwesenheit zu jeweils 8,5 Jahren Freiheitsstrafe wegen der „wissentlichen Verbreitung von Falschinformationen über die russischen Streitkräfte“. Als ein solches Vergehen werden in Russland alle Berichte über das Vorgehen der eigenen Armee im von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Krieg gegen die Ukraine verstanden, die nicht in Moskaus Narrativ passen. 

Serbien hat einen Vertrag über den Import von russischem Gas um drei weitere Monate verlängert. Der Vertrag laufe nun bis Ende März, teilte der serbische Präsident Aleksandar Vučić am Dienstag mit. Der Gasliefervertrag zwischen Belgrad und Moskau aus dem Jahr 2022 lief ursprünglich im Mai aus und wurde nun zum dritten Mal verlängert. Verhandlungen über ein neues langfristiges Abkommen blieben bislang erfolglos. Serbien ist stark von russischem Gas abhängig und unterhält trotz seines Status als EU-Beitrittskandidat weiterhin enge Beziehungen zu Russland. Anders als die EU hat Belgrad selbst keine Sanktionen gegen Moskau verhängt. Gegen Russland verhängte US-Strafmaßnahmen haben indes auch das vom russischen Gazprom-Konzern kontrollierte serbische Ölunternehmen NIS hart getroffen. NIS ist der Betreiber der einzigen Ölraffinerie in Serbien, die wegen der Sanktionen Ende November geschlossen wurde. Derzeit laufen Gespräche über den Verkauf der russischen Beteiligung an dem Ölunternehmen. Über die Hintergründe hat mein Kollege Michael Martens ausführlich berichtet. Den Text finden Sie hier:

Das ukrainische Militär hat sich eigenen Angaben nach aus der Stadt Siwersk im Norden des Gebiets Donezk zurückgezogen. Im Raum Siwersk tobten aber weiter heftige Kämpfe, teilte der Generalstab bei Facebook mit. „Um das Leben unserer Soldaten und Kampfkraft der Einheiten zu schützen, haben sich die ukrainischen Verteidiger aus der Ortschaft zurückgezogen“, heißt es in der Mitteilung weiter.Siwersk hatte vor Beginn der russischen Invasion etwas mehr als 10.000 Einwohner. Lange Zeit galt der Frontabschnitt als relativ stabil, doch zuletzt hatte sich der Druck der russischen Angreifer in dem Gebiet verstärkt. Kremlchef Wladimir Putin hat bereits vor knapp zwei Wochen bei einer teilweise übertragenen Besprechung mit Generalstabschef Walerij Gerassimow die Einnahme der Stadt verkündet. Kiew dementierte das damals. Siwersk gilt als strategisch wichtig, weil es Teil einer Verteidigungslinie ist, die den letzten großen von ukrainischen Kräften kontrollierten Ballungsraum im Donbass schützt. Russische Angreifer können nach dem Fall von Siwersk nun weiter auf die Städte Slowjansk und Kramatorsk vorrücken. 

Im havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl ist ukrainischen Angaben zufolge die wichtige Reaktor-Schutzhülle im Fall eines russischen Angriffs einsturzgefährdet. Ein Raketen- oder Drohnenangriff in der Nähe des Kraftwerks würde ausreichen, um ein Mini-Erdbeben auszulösen, sagte Kraftwerksleiter Serhij Tarakanow der Nachrichtenagentur AFP. Niemand könne garantieren, dass die durch einen russischen Angriff bereits beschädigte Schutzhülle „danach noch stehen bleibt“. Dies sei derzeit „die größte Gefahr“. Bereits im Februar war das Dach der äußeren Schutzhülle bei einem russischen Drohnenangriff schwer beschädigt worden. Ein Großbrand zerstörte Teile der Außenverkleidung. „Unsere NSC hat mehrere ihrer Hauptfunktionen verloren. Und wir gehen davon aus, dass es mindestens drei bis vier Jahre dauern wird, bis diese Funktionen wiederhergestellt sind“, erklärte Tarakanow. Derzeit seien die Strahlenwerte am Standort jedoch „stabil und innerhalb der normalen Grenzen“. Das größte durch den russischen Drohnenangriff verursachte Loch in der Außenhülle sei mittlerweile mit einer Schutzschicht abgedeckt worden. Jedoch müssten noch rund 300 kleinere Löcher repariert werden, die bei den Löscharbeiten entstanden seien. Im rund 100 Kilometer nördlich von Kiew gelegenen Atomkraftwerk Tschernobyl war am 26. April 1986 ein Reaktor explodiert. Der Vorfall zu Sowjetzeiten gilt als weltweit größte Atomkatastrophe und verseuchte weite Regionen in der Ukraine, in Russland und in Belarus.Die Überreste des Kernkraftwerks sind von einer inneren Strahlungsschutzhülle aus Stahl und Beton umgeben – bekannt als Sarkophag, der nach der Katastrophe hastig errichtet wurde. Eine modernere äußere Schutzhülle, genannt New Safe Confinement (NSC), umgibt den gesamten Reaktor. Die Hülle isoliert den zerstörten vierten Reaktorblock des Kernkraftwerks Tschernobyl und verhindert die Freisetzung radioaktiver Strahlung.