FAZ 17.01.2026
12:46 Uhr

Krieg in der Ukraine: Selenskyj ordnet Energieimporte an


Nach massiven russischen Angriffen auf Energieinfrastruktur +++ Schulen in Kiew bleiben bis Februar geschlossen +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Selenskyj ordnet Energieimporte an

Die ukrainischen Unterhändler für eine Friedensregelung für das von Russland angegriffene Land sind zu den angekündigten Gesprächen in den USA eingetroffen. Das teilte Kyrylo Budanow, Leiter des ukrainischen Präsidentenamtes, auf Telegram mit. Er wird vom Leiter des ukrainischen Sicherheitsrates, Rustem Umjerow, und dem Fraktionschef der Präsidentenpartei Diener des Volkes, Dawyd Arachamija, begleitet. „Die Ukraine braucht einen gerechten Frieden. Für dieses Resultat arbeiten wir“, schrieb Budanow.Das Treffen soll in Miami im US-Bundesstaat Florida stattfinden. Dabei soll es ukrainischen Angaben zufolge vor allem um Sicherheitsgarantien und die langfristige ökonomische Entwicklung des osteuropäischen Landes gehen. Budanow nannte als Gesprächspartner den US-Sondergesandten Steve Wikoff, Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und den für das Heer zuständigen Staatssekretär Daniel Driscoll aus dem Pentagon. 

Nach tagelangem Heizungsausfall kommt die Wiederherstellung der Fernwärme in der ukrainischen Hauptstadt Kiew nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko voran. Etwa 50 Wohnblocks seien noch ohne Heizung, schrieb er auf Telegram. Nach einem massiven russischen Luftangriff am 9. Januar war zunächst für 6000 Häuser die Fernwärme ausgefallen, also die Hälfte des Wohnungsbestandes. „Die kommunalen Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr“, schrieb Klitschko. In Kiew herrscht strenger Winter mit bis zu minus 16 Grad nachts. Viele Häuser sind ausgekühlt. Weiterhin schwierig ist die Stromversorgung der Dreimillionenstadt. In vielen Wohnungen gibt es wegen Notfallabschaltungen nur für wenige Stunden Strom. Durch einen weiteren Luftangriff auf das Kiewer Umland in der Nacht zum Samstag sei im Vorort Butscha für 56.000 Haushalte der Strom ausgefallen, teilte der Versorger DTEK mit. In den Vororten Browary und Boryspil gebe es Notabschaltungen. Das Winterwetter erschwere die Reparaturarbeiten. Ebenso wurden in der Nacht Energieanlagen im südlichen Gebiet Odessa beschossen, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Aus Sicht der Ukraine versucht die russische Armee mit systematischen Angriffen auf die Infrastruktur mitten im Winter die großen Städte unbewohnbar zu machen.Klitschko steht unter Druck, denn Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ihm wegen angeblich mangelnder Vorbereitung auf eine Notlage in Kiew heftige Vorwürfe gemacht. Der Ex-Boxweltmeister weist dies zurück. Zwischen Selenskyj und ihm gibt es eine alte politische Fehde. Der Präsident beriet mit seiner Führung am Samstag über die Krise der Energieversorgung und sprach nach eigenen Angaben abermals die Lage in Kiew an. Es müsse geklärt werden, wie viele Häuser tatsächlich noch ohne Heizung seien. Zugleich forderte er, Stromimporte in die Ukraine müssten schnell erhöht werden. 

Ukrainische Unterhändler sind zu Gesprächen über Einzelheiten ​eines möglichen Abkommens zur Beendigung des russischen Angriffskriegs in den USA eingetroffen. Die Delegation werde sich mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff, dem Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, Jared Kushner, und US-Heeresstaatssekretär Daniel ​Driscoll treffen, teilte der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow am Samstag mit. „Die Ukraine braucht einen gerechten Frieden. Wir arbeiten daran, Ergebnisse ​zu erzielen“, erklärte Budanow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Auf der Agenda der Gespräche in den USA steht ukrainischen Angaben ‍zufolge auch ein ‍Wiederaufbaupaket für die Zeit nach einem Kriegsende. Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte die Hoffnung, am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in der kommenden Woche in Schweizer Alpenort ⁠Davos ein entsprechendes Abkommen mit den USA unterzeichnen zu können. Damit ​sollen Wiederaufbau-Investitionen in ​Höhe von rund 800 Milliarden Dollar ‌freigesetzt werden. 

Russland hat bei einem nächtlichen Luftangriff in der Ukraine erneut Anlagen zur ​Gasproduktion getroffen. Dies teilt der staatliche ukrainische Energiekonzern Naftogaz am Samstag mit. Demnach war es der sechste derartige Angriff innerhalb einer Woche. „Es handelt sich ​um gezielte Angriffe auf die zivile Infrastruktur, um die Ukrainer während der kalten Jahreszeit von Heizung und Gas abzuschneiden“, erklärt das Unternehmen über den Kurznachrichtendienst Telegram. Die Ukraine erlebt derzeit ⁠die schwerste Energiekrise des Krieges, ​da die Versorgung durch die russischen Bombardements und die schweren Schäden inmitten der kalten Temperaturen massiv beeinträchtigt ist. 

Für die Reparatur einer beschädigten Stromleitung haben die Kriegsgegner Ukraine und Russland zum vierten Mal eine örtliche Waffenruhe unweit des russisch kontrollierten Atomkraftwerks Saporischschja vereinbart. „Techniker des ukrainischen Stromnetzbetreibers werden voraussichtlich in den kommenden Tagen mit den Reparaturarbeiten an der 330-Kilovolt-Leitung beginnen“, teilte die Internationale Atomaufsichtsbehörde (IAEA) in Wien mit. Ein IAEA-Team werde die Arbeiten überwachen. Die Leitung war demnach vor zwei Wochen infolge von Kämpfen beschädigt worden. Anlagen des stillgelegten AKWs seien nur über die verbliebene 750-Kilovolt-Leitung mit Strom versorgt worden.Nach dem russischen Überfall vom Februar 2022 ist das mit sechs Blöcken und einer Bruttoleistung von 6.000 Megawatt größte Kernkraftwerk Europas von russischen Truppen besetzt worden. Alle Reaktoren wurden inzwischen heruntergefahren. Für die Kühlung ist jedoch weiter Strom notwendig, der über zwei immer wieder durch Beschuss beschädigte Stromleitungen bereitgestellt wird. Bei einem Ausfall der Stromversorgung springen Dieselgeneratoren ein. Im Kraftwerk anwesende Experten der IAEA berichten regelmäßig über hörbare Explosionen in der Nähe der Anlagen. 

Vor dem Hintergrund einer Kältewelle und massiven Problemen bei der Energieversorgung hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor neuen massiven russischen Luftangriffen gewarnt. „Bitte beachtet die Luftalarme“, sagte der Staatschef in seiner abendlichen Videobotschaft. Zugleich kritisierte er die westlichen Verbündeten. „Wir reden ehrlich mit den Partnern über die notwendigen Raketen für die Flugabwehr und Flugabwehrsysteme. Die Lieferungen reichen nicht aus“, betonte Selenskyj. Kiew dränge die Partnerstaaten zu einer Beschleunigung des Lieferprozesses.In der Ukraine herrscht seit Tagen starker Frost und in den Nächten sinken die Temperaturen teils auf minus 20 Grad. Zugleich hat das russische Militär durch systematische Raketen- und Drohnenangriffe auf Energieanlagen Ausfälle bei der Versorgung mit Strom und Fernwärme in weiten Landesteilen verursacht. Besonders schwer ist die Lage in der Hauptstadt Kiew, in der es seit Tagen zu Notabschaltungen des Stroms kommt. 

Nach den massiven russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine werden in der Hauptstadt Kiew bis Anfang Februar sämtliche Schulen geschlossen. Dies gab Bürgermeister Vitali Klitschko am Freitag im Onlinedienst Telegram bekannt. Die Schließung werde am Montag beginnen und bis 1. Februar andauern. Die Behörden der Hauptstadt gaben zudem bekannt, die Straßenbeleuchtung auf ein Fünftel zu dimmen und sämtliche dekorative Beleuchtung abzuschalten.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte nach den Angriffen der vergangenen Tage den Energie-Notstand für die Hauptstadtregion ausgerufen. In insgesamt 6000 Wohngebäuden war bei klirrender Kälte die Heizung ausgefallen, nach Angaben von Bürgermeister Klitschko waren am Freitag immer noch 100 Gebäude ohne Heizung. Die Lage bei der Stromversorgung bleibe „sehr schwierig“, sagte Klitschko.Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF beklagte die prekäre Lage insbesondere von Kindern in der Ukraine. Millionen von Familien müssten in der Ukraine „tagelang ohne Heizung, Strom und Wasserversorgung auskommen“, Kinder und ihre Familien lebten bei Temperaturen von minus 18 Grad ohne Heizung „im ständigen Überlebensmodus“, erklärte der Leiter der UNICEF-Programme in der Ukraine, Munir Mammadzade, am Freitag.  UNICEF forderte „erneut ein Ende der Angriffe auf Wohngebiete und auf die zivile Infrastruktur, auf die Kinder angewiesen sind“. Neben Kiew sind auch weitere Städte betroffen. Am Donnerstagabend waren laut Präsident Selenskyj nach einem russischen Luftangriff 440.000 Menschen in der Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine ohne Strom. 

Die mit Bestechungsvorwürfen konfrontierte ehemalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko ist von einem Gericht zu einer Kautionszahlung von umgerechnet über 660.000 Euro verpflichtet worden. Zudem darf die Parlamentsabgeordnete das Umland der Hauptstadt Kiew nicht verlassen und musste ihren Reisepass abgeben, wie örtliche Medien aus dem Gerichtssaal berichteten. Weiter ist sie verpflichtet, Vorladungen des Gerichts und von Ermittlern zu folgen.Nach Ansicht des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) soll Timoschenko mittels Bestechung versucht haben, das Abstimmungsverhalten von Abgeordneten in der Obersten Rada zu beeinflussen. Die Fraktionsvorsitzende der Vaterlandspartei weist die Anschuldigungen gegen sich allerdings als politisch motiviert zurück. Vom NABU veröffentlichte Audioaufzeichnungen von Verhandlungen mit einem Parlamentarier der Präsidentenpartei Diener des Volkes bezeichnete die Ex-Regierungschefin als gefälscht. Sie kündigte an, gegen die Gerichtsentscheidung vorzugehen. Tags zuvor hatte sie auch beklagt, dass ihre Konten bereits gesperrt seien.Timoschenko hat die Politik der Ukraine lange Jahre mitgeprägt. Zweimal war die inzwischen 65-Jährige Ministerpräsidentin der Ukraine. Dreimal scheiterte sie bei Präsidentschaftswahlen. Von 2012 bis Anfang 2014 saß sie bereits nach einer Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs im Gefängnis. Damals wurde das Verfahren international als nicht rechtsstaatlich kritisiert. 

Die ukrainische Hauptstadt Kiew verfügt nach russischen Angriffen auf die Infrastruktur nur über etwa die Hälfte des benötigten Stroms. „Es ist das erste Mal in der Geschichte unserer Stadt, dass bei so strengem Frost im größten Teil der Stadt die Heizung ausgefallen ist und es einen massiven Strommangel gibt“, gab Bürgermeister Vitali Klitschko bekannt. Reparaturteams würden rund um die Uhr arbeiten, um die Heizungsversorgung wiederherzustellen. Etwa 100 Gebäude seien immer noch unbeheizt. Es sei die schwerste Energiekrise während des Krieges für die Stadt mit ​3,6 Millionen Einwohnern. 

Ukrainische Unterhändler sind nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj unterwegs in die USA. Das ukrainische Team arbeite „trotz allem“ aktiv mit Vertretern von US-Präsident Donald Trump, teilte Selenskyj mit. In diesen Tagen seien Treffen geplant. Der US-Präsident hatte in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters zuletzt die Einschätzung geäußert, dass er Selenskyj für ein größeres Hindernis auf dem Weg zu Frieden hält als Kremlchef Wladimir Putin.Zur ukrainischen Delegation gehören der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats Rustem Umjerow, Selenskyjs neuer Kanzleichef Kyrylo Budanow und der Abgeordnete David Arachmija. Kiew erhoffe sich mehr Klarheit sowohl in Bezug auf die Dokumente, die mit der US-Seite vorbereitet worden seien, als auch in Bezug auf eine Rückmeldung Russlands auf die diplomatische Arbeit, sagte Selenskyj.Selenskyj hatte zuletzt mitgeteilt, ein bilaterales Dokument mit den USA über Sicherheitsgarantien für sein Land sei „im Grunde bereit“ zur Fertigstellung auf der höchsten Ebene mit Trump. Seit Wochen laufen von Trump angestoßene Verhandlungen über ein Ende des seit fast vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die amerikanische Seite spricht dabei einerseits mit der Ukraine und europäischen Verbündeten, andererseits mit Moskau. Direkte Friedensverhandlungen zwischen den beiden Kriegsparteien gibt es derzeit nicht.

Eine ukrainische Delegation reist nach Aussagen von Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Gesprächen über Sicherheitsgarantien und einen Wohlstandspaket in die USA. Er hoffe, die entsprechenden Dokumente könnten kommende Woche am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos unterzeichnet werden, sagt er auf einer Pressekonferenz in ​Kiew. Sein Team erhoffe sich zudem von den USA Klarheit über die russische Haltung zu den von Washington unterstützten diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges. 

Die frühere finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin hat einen ukrainischen Sieg als \"alternativlos\" bezeichnet. In einem Fernsehgespräch sagte sie, man müsse sicherstellen, dass die Ukraine Russlands Armee bis auf das eigene Territorium zurückschlage. Dies umfasse auch die Krim, ergänzte die 40 Jahre alte Politikerin. 

Großbritannien kündigt eine neue Nothilfe in Höhe ​von 20 Millionen Pfund (etwa 23 Millionen Euro) für die Ukraine an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr ⁠Selenskyj hatte nach anhaltenden ​Angriffen auf die Energieinfrastruktur des Landes den Notstand ausgerufen. Die ⁠zusätzlichen Mittel sollen laut Großbritannien unter anderem ‍in die Reparatur, ‍den Wiederaufbau und den Schutz des ukrainischen Stromnetzes fließen. Zudem soll damit die Stromversorgung in Häusern, Krankenhäusern ⁠und Schulen während des strengen Winters aufrechterhalten werden. ​Mit ​dem neuen Hilfspaket erhöht ‌sich die britische Unterstützung für ‍den ukrainischen Energiesektor seit dem Einmarsch Russlands auf ‍über 470 Millionen ⁠Pfund (etwa 541 Millionen Euro).

Die russischen Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft sind laut neuesten Daten des russischen Finanzministeriums auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gefallen. Insgesamt erbrachten Öl- und Gasverkäufe 2025 Einnahmen in Höhe von umgerechnet knapp 93 Milliarden Euro, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Das ist der niedrigste Stand seit 2020 und ein Rückgang um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.