FAZ 18.02.2026
04:58 Uhr

Krieg in der Ukraine: Selenskyj dringt auf europäische Produktion von Flugabwehrraketen


Russland: Starlink-Sperrung beeinträchtigt Drohneneinsätze nicht +++ Ukrainer sollen in Schleswig-Holstein Abwehrkampf lehren +++ Kiew und Moskau führen neue Verhandlungen in der Schweiz +++ Russin trug Ukraine-Schild bei Olympia-Eröffnung +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Selenskyj dringt auf europäische Produktion von Flugabwehrraketen

Russland: Starlink-Sperrung beeinträchtigt Drohneneinsätze nichtDie Abschaltung der vom russischen Militär genutzten Starlink-Terminals hat einem ​Regierungsvertreter zufolge keine Auswirkungen auf die Drohneneinsätze. Die Terminals seien seit zwei Wochen außer Betrieb, sagt der stellvertretende russische Verteidigungsminister Alexej Kriworutschko im Staatsfernsehen. Dies habe jedoch weder die Intensität noch die Effektivität der ⁠unbemannten Systeme beeinträchtigt. Die Ukraine hatte dagegen erklärt, die Abschaltung habe erhebliche Folgen für die russischen Operationen. Starlink ist ein Internetdienst von SpaceX, dem Raumfahrtunternehmen des Tesla-Chefs Elon Musk. Dieser hat von einer unzulässigen Verwendung des Dienstes durch Russland gesprochen, die unterbunden worden sei.

Russin trug Ukraine-Schild bei Olympia-EröffnungAusgerechnet eine in Mailand lebende Russin hat bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele die ukrainische Auswahl ins San-Siro-Stadion geführt. Die Architektin Anastasia Kutscherowa trug bei der Nationenparade während der Zeremonie in der legendären Fußball-Arena das Plakat mit dem Ländernamen Ukraine, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Hinter der Russin liefen die ukrainische Fahnenträgerin Jelysaweta Sydorko und einige ihrer Teamgefährten ins Stadion.Kutscherowa trug wie die anderen Plakatträger einen langen silbernen Mantel mit Kapuze und eine große schwarze Brille, war daher praktisch nicht zu erkennen. Erst mehr als eine Woche nach dem Geschehen offenbarte sie sich. „Ich habe mich umgedreht, ich wusste nicht, was ich zu ihnen sagen soll. Ich habe dann gesagt, dass ihnen das gesamte Stadion stehende Ovationen geben wird“, sagte Kutscherowa laut AP.Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion. Kutscherowa, die seit 14 Jahren in Mailand lebt, hatte sich als Freiwillige für die Winterspiele gemeldet. Als der Choreograf der Eröffnungsfeier fragte, ob einer der Plakatträger eine der Nationen besonders gern begleiten wolle, wählte Kutscherowa nach eigenen Angaben die Ukraine - und erhielt den Zuschlag.

Tote nach Explosion in russischem PolizeigebäudeBei einer Explosion in einem Militärpolizeigebäude im Norden Russlands sind drei Menschen getötet worden. Die Leichen wurden unter den Trümmern des zum Teil zerstörten Gebäudes in Sertolowo nahe von St. Petersburg gefunden, wie Gouverneur Alexander Drosdenko bei Telegram mitteilte. Nach Medienberichten gibt es zudem weitere Verletzte. Die Explosion ist Zeugen zufolge kilometerweit zu hören gewesen. Zu der Ursache wurde zunächst nichts bekannt. Es seien Ermittlungen wegen Fahrlässigkeit und einem Verstoß gegen Brandschutzvorschriften aufgenommen worden, teilte das Ermittlungskomitee mit.Seit dem russischen Überfall auf die benachbarte Ukraine vor knapp vier Jahren verüben ukrainische Geheimdienste regelmäßig Anschläge in Russland vor allem auf militärische Objekte. 

Russland droht mit Kriegsmarine zum Schutz seines SeehandelsRussland droht dem Westen mit dem Einsatz von Kriegsschiffen, um seine Handelsflotte zu beschützen. Der für Schifffahrt zuständige Kreml-Beauftragte Nikolai Patruschew sprach in der Moskauer Zeitung „Argumenty i Fakty“ von „piratenähnlichen Angriffen“ westlicher Staaten auf den Seehandel seines Landes. Moskau erwartet demnach künftig noch mehr Versuche, russische Öltanker und andere Handelsschiffe festzusetzen. „Wir denken, dass wie zu allen Zeiten die Kriegsflotte die beste Garantie für die Sicherheit der Schifffahrt ist“, sagte Patruschew. Russland müsse weiter sein Öl, sein Getreide, seinen Dünger verschiffen können, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.Die EU hat im Zuge des Moskauer Angriffskriegs gegen die Ukraine auch Schiffe der russischen Schattenflotte mit Sanktionen belegt. So soll etwa Russlands Ölverkauf unterbunden werden, der wichtig ist für die Finanzierung des Angriffskrieges gegen die Ukraine ist. Auch für andere Bereiche der russischen Schifffahrt gelten Sanktionen.Dazu sagte Patruschew: „Die vom Wesen her piratenähnlichen Angriffe auf den russischen Seehandel deuten darauf hin, dass westliche Gegner beschlossen haben, einen Schlag gegen einen der wichtigsten Bereiche der russischen Wirtschaft zu führen – den Außenhandel – und ihn lahmlegen wollen.“ Er fügte an: „Wenn wir ihnen keinen entschiedenen Widerstand leisten, werden die Engländer, Franzosen und sogar die Balten bald so dreist sein, dass sie versuchen werden, unserem Land den Zugang zu den Meeren, zumindest im Atlantikbecken, vollständig zu versperren.“ Er warnte vor den Seeblockaden. Seine Schlussfolgerung: „Wir benötigen mehr Schiffe für die Fernfahrt auf See und im Ozean, die lange Zeit autonom in erheblicher Entfernung von ihren Stützpunkten operieren können.“ 

Hälfte der Ukraineflüchtlinge in Deutschland ist in ArbeitDie Hälfte der zu Beginn der russischen Großinvasion nach Deutschland geflüchteten Ukrainer ist mittlerweile in Arbeit. Das ergibt eine Erhebung, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit bei rund 2700 bis Ende August 2022 eingereisten Ukrainern vorgenommen hat. Das bei den 2015 eingereisten Schutzsuchenden aus Syrien erst nach sechs Jahren erreichte Beschäftigungsniveau von 50 Prozent sei bei den Ukrainern nach dreieinhalb Jahren erreicht worden, sagte IAB-Studienleiterin Yuliya Kosyakova während einer Pressekonferenz am Dienstag. Gleichzeitig bleiben die Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen der Ukraineflüchtlinge groß. Ende September 2025 waren der Studie zufolge nur 21 Prozent der alleinerziehenden Ukrainerinnen mit Kindern unter drei Jahren abhängig beschäftigt. Bei Frauen mit Partnern und Kleinkindern (32 Prozent), bei Frauen ohne kleine Kinder (48 Prozent) und bei Männern (55 Prozent) liegt die Beschäftigungsquote deutlich höher. Zahlreiche Flüchtlinge, vor allem in Mehrpersonenhaushalten mit Kindern, würden über das Erwerbseinkommen hinaus staatliche Leistungen beziehen. Kritisch äußerte sich Kosyakova zu dem Rechtskreiswechsel, durch den nach dem 1. April 2025 eingereiste Ukrainer nur noch Asylbewerberleistungen erhalten sollen. Sie erwarte durch das vermehrte Wohnen in Gemeinschaftsunterkünften und eine schlechtere Gesundheitsversorgung „negative Effekte für die Arbeitsmarktintegration“. Die Studie hält außerdem fest, dass der Rechtskreiswechsel dazu führt, „dass arbeitsmarktpolitische Unterstützung später und weniger koordiniert einsetzt“. Ein Vertreter eines Jobcenters betonte während der Studienvorstellung, dass die Zusammenarbeit mit den Sprachkursträgern im Jobcenter „eingeübt“ sei.  Durch eine künftige Selbstfinanzierung im wichtigen Erwerb der deutschen Sprache könnten „Zeitverluste“ eintreten.

Ukrainer sollen in Schleswig-Holstein Abwehrkampf lehrenVertreter des massiv von russischen Angriffen betroffenen ukrainischen Gebiets Cherson sollen künftig Beamten Schleswig-Holsteins den Abwehrkampf beibringen. Lehrgänge durch Ukrainer soll es in Kiel schon bald für die Polizei, die Feuerwehr, aber auch für weitere Akteure im Bereich des Zivil- und Katastrophenschutzes geben. Das gaben der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Daniel Günther (CDU), sowie der Gouverneur des Gebiets Cherson, Oleksandr Prokudin, am Dienstag in Kiel bekannt. Allein 2025 sind laut Prokudin rund 97.000 russische Drohnen in sein Gebiet geflogen, von denen etwa 96 Prozent abgewehrt werden konnten. Cherson habe „einmalige Erfahrungen“ in dem Krieg gesammelt: bei der Drohnenabwehr, der Evakuierung der Bevölkerung, der Ersten Hilfe, wenn Krankenhäuser nicht mehr funktionierten sowie bei der Frage, wie das Militär operiere, wenn der Strom ausfalle. Diese Erfahrungen könne man weitergeben.Auf die Frage, wie gut vorbereitet Deutschland etwa auf massive Sabotageakte infolge eines möglichen russischen Angriffs auf das Baltikum sei, antwortete Prokudin: Deutschland und Europa seien „überhaupt nicht“ vorbereitet. Das habe auch die nun bekannt gewordene Simulation gezeigt, bei der zehn ukrainische Soldaten innerhalb von zwei Stunden in Estland zwei NATO-Bataillone vollständig niedergeschlagen hätten. „Der Krieg ist nicht weit weg“, so Prokudin. Ein Szenario für Kiel sei, dass  eine „Mutterdrohne“ in die Förde eindringe und dort viele weitere Drohnen loslassen könne, die dann  militärische und zivile Infrastruktur angriffen. So gehe Russland in der Ukraine vor. „Bereitet euch vor. Der Feind spürt, wenn die andere Seite bereit ist, das hat eine Abschreckungswirkung.“ Am Dienstag ging in Kiel eine zweitägige Sicherheitskonferenz zu Ende, an der neben Prokudin und anderen Vertretern des Gebiets Cherson auch Vertreter von Bundeswehr, Polizei und Katastrophenschutz teilnahmen. Die Erfahrungen aus der Ukraine seien eindrücklich gewesen, sagte Ministerpräsident Günther. Es sei „noch eine Menge zu tun“, bis Deutschland wirklich abwehrbereit sei. 

Wieder wird über ein Ende des russischen Angriffskrieges in der Ukraine verhandelt, dieses Mal in Genf. Warum die Ukraine von einem Frieden trotzdem noch weit entfernt ist, hat F.A.Z.-Korrespondent Friedrich Schmidt aufgeschrieben. 

Frankreich gibt festgesetzten Tanker gegen Millionenstrafe frei Im Januar setzte Frankreich den mutmaßlich zur russischen sogenannten Schattenflotte gehörenden Öltanker „Grinch“ fest. Jetzt darf das Schiff nach Zahlung einer Strafe in Höhe von mehreren Millionen Euro wieder auslaufen. Die Umgehung europäischer Sanktionen habe ihren Preis, ‌teilt Außenminister Jean-Noel Barrot auf der Plattform X mit. Das Schiff war im vergangenen Monat unter dem Verdacht festgesetzt worden, zur „Schattenflotte\" zu gehören, mit der Russland Sanktionen umgeht. Die Strafe wurde Behördenangaben zufolge fällig, weil die Eigner die Nutzung der Flagge der ‌Komoren nicht rechtfertigen konnten. 

Selenskyj fordert mehr Druck auf Russland – Kremlsprecher erwartet keine NeuigkeitenVon den Friedensgesprächen über die Ukraine sind dem Kreml zufolge am ⁠heutigen Dienstag keine Neuigkeiten zu erwarten. Die Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten in Genf fänden hinter verschlossenen Türen statt, sagt der Sprecher des russischen Präsidialamts, Dmitrij Peskow. Sie würden am ‌Mittwoch fortgesetzt. „Ich denke nicht, dass wir heute mit Neuigkeiten rechnen sollten“, sagte er.Am Vormittag äußerte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, Diplomatie werde mit „Gerechtigkeit und Stärke“ wirkungsvoller. „Starker Druck auf die Russische Föderation – Sanktionsdruck und ‌stetige, schnelle Unterstützung für die ukrainische ‌Armee und unsere Luftabwehr.“

Russland droht Europäern mit Marine-EinsatzDie USA und Europa wollen verstärkt gegen Tanker der sogenannten Schattenflotte vorgehen. Nun droht Russland europäischen Staaten mit dem Einsatz seiner Kriegsmarine, sollten ​Schiffe seiner Handelsflotte aufgebracht werden. Sollten russische Frachter und Tanker festgesetzt werden, könnte dies Vergeltungsmaßnahmen ⁠gegen die europäische Schifffahrt nach sich ziehen, zitierte die Zeitung „Argumenty i Fakty“ am Dienstag den Präsidentenberater Nikolai Patruschew. „Die beste Garantie für die Sicherheit der Schifffahrt ist wie immer die ‌Marine“, sagte der Vertraute von Staatschef Wladimir Putin. An die USA richtete sich Patruschew nicht explizit, obwohl die amerikansiche Marine Anfang Januar einen russischen Tanker im Atlantik gestoppt ‌und beschlagnahmt hatte. In den wichtigsten ‌Seegebieten, auch fernab von Russland, müssten ständig starke Verbände präsent sein, forderte der Kreml-Berater. Diese müssten in der Lage sein, den Eifer der „westlichen Piraten“ abzukühlen. „Wenn wir ihnen keine entschiedene Abfuhr erteilen, werden ​die Briten, Franzosen und sogar die Balten ⁠bald dermaßen überheblich, dass sie versuchen werden, unserem Land den Zugang zu den Meeren zumindest im Atlantik zu ​versperren.“

Drei Tote bei russischem DrohnenangriffIn der Nacht zum Dienstag hat Russland die Ukraine nach Angaben aus Kiew mit 425 Drohnen und Raketen angegriffen. Knapp 400 davon konnten abgefangen werden, teilten die ukrainischen Luftstreitkräfte am Morgen mit. 367 Drohnen und 25 Raketen ‌seien zerstört worden. Vier Raketen und 18 Drohnen seien an verschiedenen Orten in der Ukraine eingeschlagen. Medienberichten zufolge kam es zu Explosionen unter anderem in den Großstädten Odessa und Dnipro. Im Osten der Ukraine wurden bei einem Drohnenangriff mindestens drei Menschen getötet worden. Die Mitarbeiter eines Wärmekraftwerks der Stadt Slowjansk seien bei dem Angriff auf ihr Fahrzeug getötet worden, teilte der stellvertretende Energieminister der Ukraine mit.Die Angriffe erfolgten kurz vor Beginn einer für Dienstag angekündigten erneuten Gesprächsrunde über ein Ende des Ukraine-Kriegs. Vertreter Russlands und der Ukraine kommen dabei zu weiteren Verhandlungen unter Vermittlung der USA in Genf zusammen. Zwei vorherige Gesprächsrunden zwischen ukrainischen und russischen Delegationen in Abu Dhabi hatten kein Ergebnis gebracht. 

Energiefirma: Schwere Schäden nach russischem Angriff Ein russischer Angriff auf die südukrainische Stadt Odessa hat nach Angaben des ukrainischen Energieunternehmens DTEK „unglaublich schwere“ Schäden ‌an der Strominfrastruktur der Hafenstadt verursacht. „Die Reparaturen werden lange dauern, bis die Anlagen wieder betriebsbereit sind“, teilte das Unternehmen ‌in den ‌sozialen Medien mit. Zehntausende Menschen in und um Odessa seien ohne Heizung und Wasserversorgung nach den Drohnenangriffen, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X.  

Russische Staatsagentur: Vier Jahre Haft für US-StaatsbürgerImmer wieder verurteilen russische Gerichte ausländische Staatsangehörige zu mehrjährigen Haftstrafen. Nun wurde nach staatlichen Angaben ⁠eine Person mit amerikanischer Staatsbürgerschaft zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Die ​Person habe versucht, den Schaft eines Kalaschnikow-Sturmgewehrs aus ⁠Russland auszuführen, meldete ‌die Nachrichtenagentur RIA. Zum Teil werden die inhaftierten Ausländer als Druckmittel eingesetzt, wie etwa im Fall des US-Journalisten Evan Gershkovich. Er und andere waren 2024 unter anderem gegen den Tiergartenmörder Wadim Krassikow ausgetauscht worden.

Russland meldet ukrainische Drohnenangriffe Russland ist ‌in ‌der Nacht nach eigenen Angaben abermals von der ​Ukraine ⁠mit Drohnen angegriffen worden. 151 der unbemannten Fluggeräte ​seien abgeschossen ⁠worden, meldete die staatliche ‌Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf ⁠das Verteidigungsministerium. In der ⁠russischen Region ⁠Krasnodar brach ​nach einem ⁠Drohnenangriff ein ​Feuer in einer ‌Raffinerie aus, wie Lokalbehörden mitteilen.