FAZ 09.01.2026
10:56 Uhr

Krieg in der Ukraine: Selenskyj bestätigt: Moskau hat Oreschnik-Rakete eingesetzt


Mittelstreckenrakete zum zweiten Mal in der Ukraine eingeschlagen +++ Mehr als 500.000 Russen ohne Strom nach ukrainischem Angriff +++  alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Selenskyj bestätigt: Moskau hat Oreschnik-Rakete eingesetzt

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einer Nachricht in sozialen Medien den Einsatz einer russischen Rakete des Typs „Oreschniks“ bestätigt. Er schrieb, Moskau habe das Land in der Nacht mit 242 Drohnen, 13 ballistischen Raketen, einer ballistischen Mittelstreckenrakete vom Typ „Oreschnik “sowie 22 Marschflugkörpern angegriffen. Die Angriffe richteten sich gegen die Zivilbevölkerung und seien unmittelbar nach einem Kälteeinbruch erfolgt, schrieb Selenskyj noch. 

Ein ukrainischer Angriff auf das westrussische Gebiet Belgorod hat nach Angaben der örtlichen Behörden einen großflächigen Ausfall der Strom-, Wärme und Wasserversorgung zur Folge. Der Beschuss eines Infrastrukturobjekts mit Raketen habe 556.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow bei Telegram mit. „Ohne Wärmeversorgung ist fast die gleiche Anzahl, in erster Linie betrifft das 1.920 Mehrfamilienhäuser. Fast 200.000 Menschen sind ohne Wasser und Abwasser“, sagte er in dem Video.Nach Angaben Gladkows sind die Reparaturarbeiten bereits angelaufen. „Die Situation ist sehr schwierig“, sagte er. Demnach wird versucht, Reservekapazitäten anzuschließen. Zur möglichen Dauer des Blackouts machte er keine Angaben. Am Nachmittag werde er neue Informationen geben, sagte er nur.

US-Präsident Donald Trump hat Unterstützung für ein neues Sanktionspaket gegen Russland wegen des andauernden Ukrainekriegs signalisiert. „Ich unterstütze es“, sagte er in einem Interview des US-Senders Foxnews. Weiter sagte er aber: „Ich hoffe, dass wir es nicht verwenden müssen.“ Man habe bereits „große Sanktionen gegen Russland“ verhängt, die russische Wirtschaft sei „sehr schlecht“, sagte Trump. Russland sei jedoch größer als die Ukraine und ein einflussreicheres Land.Dem republikanischen US-Senator Lindsey Graham zufolge könnte Trump mit dem Sanktionspaket den Druck auf Länder wie China, Indien und Brasilien erhöhen, kein russisches Öl mehr zu kaufen. Er erwarte in der kommenden Woche eine Zustimmung von Demokraten und Republikanern im US-Kongress.

Bei russischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und ihre Vororte sind nach den Worten von Bürgermeister Vitali Klitschko drei Menschen getötet worden. 13 weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte Klitschko am Freitagmorgen. Die ukrainische Luftwaffe warnte in der gesamten Ukraine vor Raketenbeschuss.Im westukrainischen Lwiw habe eine ballistische Rakete Infrastruktureinrichtungen getroffen, hieß es von der Armee. Der örtliche Bürgermeister sagte, es sei Sache des ukrainischen Militärs, zu bestimmen, ob eine der neuen atomwaffenfähigen Oreschnik-Raketen eingesetzt worden sei. Die örtliche Militärverwaltung erklärte, die Strahlenwerte lägen im normalen Bereich. Bewohner der Region beschrieben die lauten Einschläge wie viele Erdbeben hintereinander. Angaben zum Ziel wurden nicht gemacht. Doch im Gebiet Lwiw liegt der unterirdische Gasspeicher von Stryj, der schon mehrfach Ziel russischer Angriffe war. Ukrainische Militärblogs veröffentlichten angebliche Videos aus der Region, die sechs Einschläge hintereinander zeigen. Dies ähnelt dem Trefferbild von sechs Gefechtsköpfen der neuen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik (Haselstrauch). Das russische Verteidigungsministerium bestätigte mittlerweile, dass Russland bei dem Angriff die Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt wurde. Die nach russischen Angaben neue Mittelstreckenrakete Oreschnik war erstmals im November 2024 auf die südukrainische Großstadt Dnipro abgefeuert worden. Auch dieser Start erfolgte aus Kapustin Jar bei Astrachan in Südrussland. Die sechs Gefechtsköpfe enthielten damals nach ukrainischen Angaben keinen Sprengstoff. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem Test und drohte an, dass weitere folgen sollten.

Die frühere deutsche Botschafterin in der Ukraine, Anka Feldhusen, kehrt Anfang Februar nach Kiew zurück als Ombudsfrau für die Wirtschaft. Sie soll in diesem Amt die Interessen ukrainischer Unternehmen gegenüber der Regierung vertreten und Fällen staatlichen Fehlverhaltens und Korruption nachgehen. Das Business Ombudsman Council der Ukraine informierte über die Ernennung der deutschen Diplomatin, nachdem die Regierung in Kiew sie bestätigt hatte.Feldhusen (59) war von 2019 bis 2023 Botschafterin in Kiew und genießt in der Ukraine hohes Ansehen. Als Ombudsfrau folgt sie auf den Kanadier Roman Waschuk. Sie sei für die Aufgabe für zwei Jahre vom Auswärtigen Amt freigestellt worden, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Die Ombudsstelle wurde 2014 eingerichtet als Maßnahme im Kampf gegen Korruption. Finanziell tragen die EU und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBRD die Arbeit.

In der gesamten Ukraine ist wegen eines möglichen russischen Raketenangriffs Luftalarm ausgelöst worden. „Drohende Gefahr durch den Einsatz ballistischer Waffen“, schrieb die ukrainische Luftwaffe auf ihrem Telegram-Kanal. Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in seiner abendlichen Videobotschaft, es gebe Anzeichen für einen massiven russischen Luftangriff in der Nacht zum Freitag. „Es ist sehr wichtig, heute und morgen auf Luftalarme zu achten und sich ständig in Schutzräume zu begeben“, sagte er.Zunächst griff die russische Armee am späten Abend mit Dutzenden Kampfdrohnen an. Über der Hauptstadt Kiew sei die Flugabwehr im Einsatz, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Üblicherweise setzt Russland später Raketen und Marschflugkörper ein. Explosionen wurden aus Lwiw im Westen der Ukraine gemeldet.

Nach der Pariser Konferenz der sogenannten Koalition der Willigen hat das russische Außenministerium die Ablehnung einer westlichen Truppenpräsenz in der Ukraine bekräftigt. Die Stationierung von Militäreinheiten, militärischen Einrichtungen und anderer Infrastruktur westlicher Länder auf dem Territorium der Ukraine werde als „ausländische Intervention“ gewertet, die eine „direkte Bedrohung für die Sicherheit nicht nur Russlands, sondern auch anderer Länder Europas“ darstellt, teilte die Sprecherin des Ministeriums am Donnerstag mit. „Alle derartigen Einheiten und Objekte werden als legitime Kampfziele der Streitkräfte der Russischen Föderation betrachtet. Diese Warnungen wurden wiederholt auf höchster Ebene ausgesprochen und behalten ihre Gültigkeit“, hieß es weiter. Die Sprecherin verwies abermals auf eine „Beseitigung der Grundursachen“ des „Konflikts“, ohne die dessen friedliche Lösung nicht möglich sei. Diese russische Formel steht für die bei vielen Gelegenheiten von Präsident Wladimir Putin geäußerten Maximalforderungen. Die Sprecherin bekräftigte auch Putins Linie, die russischen Ziele würden „zweifellos entweder auf politisch-diplomatischem Wege oder im Rahmen der speziellen Militäroperation erreicht“, wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter offiziell genannt wird. 

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat vor einer verdeckten Rüstungsbeschaffung Russlands in Deutschland gewarnt. In einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse schlägt der Verfassungsschutz Alarm wegen verstärkter russischer Aktivitäten zum Erwerb militärisch nutzbarer Technik in Deutschland: Der Angriffskrieg gegen die Ukraine habe in Russland den Bedarf an Rüstungsgütern sowie an sogenannten „proliferationsrelevanten Produkten“ – also Technologien für Massenvernichtungswaffen - erhöht, und Russland umgehe dabei EU-Sanktionen.Trotz der Sanktionen und umfassender Exportkontrollen suche Russland immer wieder neue Wege, die Schutzmechanismen zu umgehen – häufig verdeckt, über verborgene Netzwerke und mithilfe der Nachrichtendienste, analysierte die Behörde. Als weitere Staaten, die so vorgehen, nennt der Verfassungsschutz China, Iran, Nordkorea und Pakistan. „Die Anzahl und Professionalität der Beschaffungsbemühungen ausländischer Staaten in Deutschland liegt insgesamt auf einem hohen Niveau – mit steigender Tendenz“, heißt es in der Analyse, über die zuerst das „Handelsblatt“ berichtet hatte.Der Verfassungsschutz verweist darauf, dass Russland wegen des Kriegs in der Ukraine insbesondere Produkte aus den Bereichen der Hochtechnologie wie Werkzeugmaschinen und Mikroelektronik für die Waffenproduktion benötige. Wegen der strengen EU-Sanktionen könne es sich diese Produkte aber nicht offen besorgen „Russische Akteure versuchen daher, in Deutschland unter Umgehung der geltenden Exportkontrollverfahren zu beschaffen“, heißt es in der Analyse. „Um den beabsichtigten Einsatz in Russland zu verschleiern, werden auch russische Nachrichtendienste in die Beschaffung eingebunden.“Das Interesse für die Bundesrepublik führt der Verfassungsschutz darauf zurück, dass Deutschland als führende Industrienation und bedeutender Forschungsstandort über zahlreiche Hochtechnologieunternehmen sowie eine Wissenschaftslandschaft mit vielen Forschungseinrichtungen und Hochschulen verfüge. „Große, global agierende Unternehmen können potenzielle Ziele für Beschaffungsaktivitäten sein“, warnen die Verfassungsschützer.

Russische Angriffe haben in der Nacht zu massiven Stromausfällen im Süden der Ukraine geführt. Die Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja waren nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums fast vollständig von der Stromversorgung getrennt. Noch etwa 800.000 Verbraucher waren demnach am Morgen im Gebiet Dnipropetrowsk weiterhin davon abgeschnitten. Der Bürgermeister der Stadt Dnipro, Borys Filatow, verlängerte die Schulferien aufgrund der Situation um zwei Tage.Der Gouverneur des Gebiets Saporischschja, Iwan Fedorow, sprach vom ersten totalen Blackout in der gesamten Region seit Jahren. Neben den russischen Angriffen macht auch das winterliche Wetter der Energieversorgung zu schaffen. Dadurch seien Siedlungen in den Gebieten Tschernihiw, Kiew, Iwano-Frankiwsk und Transkarpatien ganz oder teilweise ohne Strom, teilte das ukrainische Energieministerium mit.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schließt angesichts von Fortschritten bei Friedensgesprächen ein Ende des Krieges in der ersten Jahreshälfte 2026 nicht aus. „Wir stellen fest, dass die Verhandlungen mit unseren europäischen Partnern und natürlich mit den USA und allen Mitgliedern der Koalition der Willigen einen neuen Meilenstein erreicht haben“, sagte Selenskyj bei einem Besuch in Zypern.In der Hauptstadt Nikosia war die EU-Spitze zu Beginn der sechsmonatigen EU-Ratspräsidentschaft Zyperns versammelt. „Wir sind uns bewusst, dass dieser Krieg noch während Ihrer Präsidentschaft beendet werden kann“, sagte Selenskyj der Nachrichtenagentur Interfax Ukraina zufolge bei der Zeremonie.Gleichzeitig sagte der Präsident, dass Moskau durch Sanktionen weiter unter Druck gesetzt werden müsse, um einem Ende seines Angriffskriegs zuzustimmen. „Jeden Dollar, den Russland verliert, verliert es als Aggressor.“

Durch einen russischen Luftangriff auf Häfen bei Odessa sind am Schwarzen Meer nach ukrainischen Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Die russische Armee habe Drohnen und Raketen eingesetzt, teilte der Gouverneur des Gebietes Odessa, Oleh Kiper, auf Telegram mit. Es gebe außerdem acht Verletzte.Es habe Schäden an der Infrastruktur der Häfen Piwdennyj und Tschornomorsk gegeben. Kiper veröffentlichte Fotos mit zerstörten Containern und beschädigten Lkws. In Odessa selbst waren nach Medienberichten Explosionen zu hören.Über die Häfen am Schwarzen Meer laufen die wichtigen Exporte der Ukraine an Getreide und anderen Agrarprodukten. Russland beschießt die Hafenanlagen, aber auch die Stadt Odessa selbst immer wieder. Ukrainische Kräfte haben in den vergangenen Wochen russische Tanker im Schwarzen Meer attackiert.

„Als „sehr, sehr großen Meilenstein“ hat Jared Kushner die Erklärung von Paris bezeichnet: In der Erklärung von Paris wird der Ukraine zugesichert, dass sie nach einem Waffenstillstand im Falle eines neuen russischen Angriffs auf militärischen Beistand der Vereinigten Staaten zählen kann.“ – Michaela Wiegel berichtet aus Paris.

Einen Tag nach dem Gipfeltreffen der sogenannten Koalition der Willigen ist Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Mittwoch in Paris mit seinen französischen und polnischen Amtskollegen zusammengetroffen, um über die Lage in der Ukraine zu beraten. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot empfing Wadephul und den polnische Außenminister Radoslaw Sikorski vor dem Außenministerium. Frankreich, Deutschland und Polen haben ihre Zusammenarbeit seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs vor vier Jahren verstärkt. Nach dem Dreiertreffen ist noch eine Begegnung mit dem indischen Außenminister Subrahmanyam Jaishankar geplant, wobei es um die Zusammenarbeit im indopazifischen Raum gehen soll. Zum Abschluss wollten sich die Außenminister Journalistenfragen stellen. 

Die Bundesregierung baut in den Bemühungen um eine Friedenslösung im Ukrainekrieg auf die weitere Unterstützung der USA. „Wir gehen davon aus, dass die Zusagen der USA stark sind“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin am Mittwoch nach dem Treffen der sogenannten Koalition der Willigen in Paris am Dienstag. Die USA seien zu einer substanziellen Unterstützung von Sicherheitsgarantien bereit. „Und ich glaube, es ist auch ohne diese Zusage schwer vorstellbar, dass der nötige Druck entsteht, um in dem politischen Prozess voranzukommen“, sagte er. Er fügte hinzu: