FAZ 07.02.2026
13:28 Uhr

Krieg in der Ukraine: Selenskyj: USA dringen auf Kriegsende bis Sommer


Washington schlägt Gesprächsrunde in Miami an +++ Großangriff auf ukrainisches Stromnetz +++ Von der Leyen: Nur Druck bringt Moskau an Verhandlungstisch +++ Schütze verletzt russischen General in Moskau +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Selenskyj: USA dringen auf Kriegsende bis Sommer

Ukrainische Regierung meldet Großangriff auf Stromnetz, Kraftwerke und UmspannwerkeNach Aussagen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj setzte das russische Militär bei seinem jüngsten Angriff auf die Stromversorgung der Ukraine mehr als 400 Drohnen und rund 40 Raketen ein. Ziele seien demnach das Stromnetz sowie Kraftwerke und Umspannwerke gewesen. Energieminister ​Denys Schmyhal erklärte, es seien zwei Wärmekraftwerke im Westen des Landes sowie wichtige Verteilerstationen getroffen worden. Der größte private Energieversorger DTEK meldete erhebliche Schäden, es sei der zehnte Angriff auf seine Werke seit Oktober 2025. 

Verdächtige nach Anschlag auf russischen Geheimdienstler offenbar festgenommenNach einem versuchten Anschlag auf den russischen Militärgeheimdienst-General Wladimir Alexejew sollen zwei Verdächtige in Kürze verhört werden. Nach der Befragung soll Anklage erhoben werden, berichtet die russische Zeitung „Kommersant“ unter Berufung auf Ermittlerkreise. Eine offizielle Bestätigung für die Festnahme der Verdächtigen liegt bislang nicht vor. 

Polnischer Luftraum wieder geöffnet – Betrieb war wegen russischer Angriffe eingestelltDer Luftraum im Südosten Polens ist nach einem Militäreinsatz wieder geöffnet. Die Flughäfen Rzeszow und Lublin hätten den Flugbetrieb ​wieder aufgenommen, teilte die polnische Flugsicherungsbehörde am Samstag auf der Plattform X mit. Zuvor war der Betrieb aus Sicherheitsgründen vorübergehend eingestellt worden. Hintergrund seien ​russische Angriffe auf die nahe gelegene Ukraine gewesen.Um der militärischen Luftfahrt freie Bahn zu verschaffen, sei der zivile Verkehr ausgesetzt worden, hieß es weiter. „Diese Maßnahmen sind präventiver Natur ⁠und dienen der Sicherung und dem ​Schutz des Luftraums, insbesondere in Gebieten, die an die bedrohten Regionen angrenzen“, erklärte das ⁠operative Kommando der polnischen Streitkräfte auf X. 

Netzbetreiber: Stromausfälle in weiten Teilen der Ukraine durch „massiven“ russischen AngriffEin großangelegter Angriff der russischen Streitkräfte auf die ukrainische Energieinfrastruktur hat nach Angaben des staatlichen Netzbetreibers in weiten Teilen der Ukraine für Stromausfälle gesorgt. Infolge der durch den „massiven Angriff“ verursachten Schäden sei am Samstagmorgen in den meisten Regionen der Strom abgeschaltet worden, erklärte der Netzbetreiber Ukrenergo im Onlinedienst Telegram. Der Angriff dauere noch an. Sobald die Sicherheitslage dies zulasse, werde mit Reparaturarbeiten begonnen, fügte Ukrenergo hinzu. Der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal bestätigt die Angriffe auf Telegram.

US-Behörde: Luftraum über Südostpolen wegen Militäraktivitäten gesperrtDer Luftraum im ​Südosten Polens ist wegen militärischer Aktivitäten gesperrt worden. Die Flughäfen Lublin und Rzeszow könnten derzeit nicht angeflogen werden, teilte die ​US-Luftfahrtbehörde FAA am Samstag in einer Mitteilung an das Flugpersonal auf ihrer ​Webseite mit. Als Grund wurden „ungeplante militärische Maßnahmen“ zur Gewährleistung der staatlichen Sicherheit genannt.FlightRadar24 führte die Maßnahme ⁠auf einen NATO-Einsatz zurück. ​Der Flugbeobachtungsdienst teilte auf der Plattform X mit, die Sperrung ⁠stehe im Zusammenhang mit Flugzeugen ‍des Militärbündnisses, die in ‍dem Gebiet im Einsatz seien.

Trump deutet Bewegung im Ukrainekrieg anUS-Präsident Donald ​Trump deutet eine mögliche Entwicklung im russischen Krieg gegen ⁠die ​Ukraine an. Es gebe „sehr, sehr gute Gespräche“, ⁠sagt Trump ‍vor Journalisten. „Etwas könnte passieren“, ‍fügt er hinzu, ohne dies jedoch zu präzisieren. Der ⁠republikanische Präsident hatte ​versprochen, den Krieg ​zu beenden, ‌was er bislang ‍jedoch nicht umgesetzt hat.

Selenskyj will ukrainische Luftabwehr stärkenDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert nach massiven russischen Luftangriffen schnellere Maßnahmen. Die Luftabwehr müsse gestärkt und Schäden am Stromnetz sowie an der Wärmeversorgung rascher behoben werden, sagt er in seiner abendlichen Videoansprache. Allein in der Hauptstadt Kiew seien nach einem Angriff am Dienstag mehr als 1100 Wohngebäude ohne Heizung. Selenskyj kündigt zudem personelle Konsequenzen in Gebieten mit unzureichender Luftabwehr ​an und wirft der Kiewer Stadtverwaltung Versäumnisse vor. 

EU legt 20. Sanktionspaket gegen Russland vorDie Europäische Union will weitere Maßnahmen ergreifen, um die russischen Einnahmen aus dem Handel mit Öl und Gas zu vermindern. So sollen künftig sämtliche Dienstleistungen für Schiffe verboten werden, die russisches Rohöl transportieren. Bisher galt dieses Verbot nur für Schiffe der Schattenflotte, die sich nicht an den westlichen Preisdeckel für Ölexporte halten. Auch Dienstleistungen für Flüssiggas-Tanker und eisbrechende Schiffe sollen untersagt werden, um den Gasexport aus Sibirien zu erschweren. Diese Vorschläge stehen im Zentrum des 20. Pakets mit Sanktionen gegen Russland, das die EU-Kommission den Staaten am Freitag vorschlug.„Russland wird nur dann mit ernsthaftem Willen an den Verhandlungstisch kommen, wenn es dazu unter Druck gesetzt wird“, teilte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Begründung mit. Das Paket muss von den Mitgliedstaaten beraten und beschlossen werden. Es soll im Idealfall zum vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar in Kraft treten.

Asow-Kommandeur kommentiert Anschlag auf GRU-VizeDer ukrainische Kommandeur des Korps Asow, Denis Prokopenko, hat den Schusswaffenangriff auf GRU-Vize Wladimir Alexejew in Moskau in sozialen Medien kommentiert. Prokopenko, der selbst im Mai 2022 im Zuge der russischen Eroberung Mariupols in Kriegsgefangenschaft geriet, kündigt in dem Beitrag Vergeltung an. Der stellvertretende Leiter des russichen Militärgeheimdienstes habe bei den Verhandlungen zwischen beiden Seiten im ersten Jahr der russischen Vollinvasion persönlich die humane Behandlung der Kriegsgefangenen aus Mariupol mit seiner Unterschrift zugesichert. „Das Wort eines Offiziers, der aus dem Gebiet Winnyzja stammt und ein Vaterlandsverräter ist, erwies sich als wertlos. Die systematische Folterung gefangener Asow-Kämpfer, die Verweigerung medizinischer Versorgung und das Aushungern sind klare Beweise dafür“, schreibt Prokopenko. 

Merz Gespräche mit Putin nur nach Abstimmung mit Partnern Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich skeptisch zu möglichen direkten Gesprächen europäischer Staats- oder Regierungschefs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über ein Ende des Ukraine-Kriegs geäußert. Er erinnerte während seiner Reise durch die Golfregion Abu Dhabi an einen Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán in Moskau, dessen Ergebnis wenige Tage später „heftigste Bombardements bis hin zu einem Kinderkrankenhaus in Kiew“ gewesen seien. „Ich möchte keine Gespräche führen, die zu solchen Ergebnissen führen, sondern ich möchte alle Gespräche unterstützen, die dem Ziel dienen, diesen Krieg zu beenden“, sagte Merz. Die Europäer würden sich – wenn überhaupt – nur abgestimmt untereinander und mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten in den Verhandlungsprozess einschalten, wenn es denn hilfreich wäre. „Aber wir werden sicher keine unabgestimmten Einzelmaßnahmen ergreifen, die zum Gegenteil dessen führen, was wir alle gemeinsam erreichen wollen“, betonte Merz. Die europäische Seite wolle dazu beitragen, dass die derzeit laufenden Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten erfolgreich verlaufen. Aber man werde „hier keine parallelen Gesprächskanäle öffnen“.Unterhändler der Ukraine, Russlands und der Vereinigten Staaten hatten sich am Mittwoch und Donnerstag in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten getroffen. Die Gespräche sollen nach dem Wunsch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj „in allernächster Zeit“ fortgesetzt – wahrscheinlich in den Vereinigten Staaten. Die Europäer sind daran nicht beteiligt.Macron selbst hatte sich zuletzt für direkte Gespräche der Europäer mit Putin ausgesprochen. Sein außenpolitischer Berater Emmanuel Bonne war diese Woche nach Moskau gereist. Merz sagte dazu: „Das ist mit uns eng abgestimmt gewesen. Wir haben darüber schon seit längerer Zeit gesprochen.“ 

Russischer General in Moskau niedergeschossenIn Moskau ist nach offiziellen Angaben der Erste Stellvertretende Leiter des Militärgeheimdiensts GRU, Wladimir Alexejew, durch Schüsse verletzt worden. Eine flüchtige und „bisher nicht identifizierte Person“ habe am Freitagmorgen auf Alexejew in dessen Wohnhaus an der Ausfallstraße in Richtung Wolokolamsk mehrfach geschossen, der General sei in ein Krankenhaus gebracht worden, hieß es. Der in Sicherheitskreise vernetzte Kanal WTsch-OGPU berichtete, dem 64 Jahre alten Alexejew sei in den Rumpf geschossen worden, sein Zustand sei ernst, er habe viel Blut ver­loren, ehe die Ärzte gekommen seien. Alexejew bekleidet seinen Posten schon seit 2011. Er gilt als einer der Aufseher über die Freiwilligenverbände, die im zunächst noch verdeckten Krieg gegen die Ukraine sowie in Syrien gekämpft haben. Im Juni 2023 war er einer derjenigen Militärs, die während des Aufstands der Wagner-Miliz in Rostow am Don mit deren Gründer Jewgenij Prigoschin verhandelten, der zwei Monate darauf bei einem nie aufgeklärten Flugzeugabsturz umkam. WTschK-OGPU zufolge blieb Alexjew so lange auf seinem Posten, weil er im GRU über „alle Hebel“ sowie über belastendes Ma­terial verfügt habe. Der Kreml habe entschieden, Alexejew nach Prigoschins Aufstand, den der General „faktisch unterstützt“ habe, nicht rasch abzuziehen, sondern seinen Einfluss allmählich zu verringern. Der Leiter des GRU, Igor Kostjukow, leitete die russische Delegation bei den bisherigen zwei Verhandlungsrunden mit Ukrainern und Amerikanern in Abu Dhabi und war auch 2025 an den Istanbuler Verhandlungen beteiligt. Die Ukraine wird mit mehreren Anschlägen auf ranghohe russische Militärs verbunden, unter anderem mit dem Tod des Generals Igor Kirillow in Moskau im Dezember 2024. Der russische Au­ßenminister Sergej Lawrow wies die Verantwortung für das Attentat auf Alexejew, das er als „terroristischen Akt“ bezeichnete, der Führung in Kiew zu, die mit „ständigen Provoka­tionen“ den Verhandlungsprozess  torpedieren wolle. Präsidentensprecher Dmitrij Peskow sagte, Wladimir Putin sei über den Vorfall informiert, man wünsche dem General, „zu überleben und zu genesen“. Klar sei, „dass solche Militärführer und hochklassige Spezialisten in Kriegszeiten bedroht sind“.  

Kreml-treue Blogger beleidigen Musk und kritisieren eigene MilitärführungRusslands angriffskriegsbegeisterte Z-Blogger haben einen neuen Feind: Elon Musk. Seit der Eigentümer des satellitengestützten Internetanbieters Starlink Schritte unternimmt, um dessen unautorisierte Nutzung durch die Invasoren im Ukrainekrieg zu unterbinden, häufen sich Posts über Probleme der Truppen und Beschimpfungen Musks. „Du Stück Scheiße, Musk. Du Hure der ukrainischen Armee“, schrieb etwa der reichweitenstarke Telegram-Kanal „Dwa Majora“ am Donnerstagmorgen unter einem Bild, das eine Aufforderung zur Verifizierung des Nutzerkontos eines Terminals zeigt, um auf die Dienste weiter zugreifen zu können. Das ist der bisher wirksamste Schritt gegen die Invasoren, die jüngst dazu übergangen waren, Starlink auch für ihre Drohnen zu benutzen, unter anderem nach ukrainischen Angaben bei dem jüngsten Angriff auf einen Passagierzug im nordukrainischen Charkiwer Gebiet, bei dem sechs Menschen getötet worden. Denn die Nutzer müssen nun auf sogenannten Weißlisten des ukrainischen Militärs stehen, um die Terminals weiter für Internetverbindungen gebrauchen zu können. 

Ukrainische Angriffe auf Russland sorgen für StromausfallDie Ukraine hat russischen Angaben ​zufolge in der Nacht die Grenzstadt Belgorod angegriffen. Dabei seien schwerwiegende Schäden ⁠entstanden, ​teilt der Gouverneur der Oblast, Wjatscheslaw Gladkow, mit. ⁠In Belgorod gebe es ‍keine militärischen Ziele. ‍Die Stromversorgung sei noch nicht vollständig wiederhergestellt, erklärt er am ⁠Morgen. Auch in der benachbarten Oblast ​Brjansk ​werden dem dortigen ‌Gouverneur zufolge Energieanlagen getroffen. ‍Eine ukrainische Stellungnahme liegt zunächst ‍nicht vor. 

Estland beschränkt Betrieb der Grenzübergänge zu RusslandEstland beschränkt aus Sicherheitsgründen den Betrieb der Grenzübergänge zum benachbarten Russland. Die Regierung des baltischen EU- und NATO-Landes entschied in der Hauptstadt Tallinn, den Betrieb der beiden Kontrollpunkte Luhamaa und Koidula vom 24. Februar an für drei Monate in den Nachtstunden auszusetzen. Tagsüber sollen die Grenzübergänge weiterhin zwölf Stunden lang geöffnet bleiben. Die gleiche Regelung gilt bereits am dritten estnisch-russischen Grenzübergang in Narva, der seit dem 1. Mai 2024 nachts geschlossen ist.„Da Russland sich an der Grenze zeitweise irrational verhält, müssen wir Ressourcen freisetzen, um die Grenze effektiver zu überwachen“, wurde Ministerpräsident Kristen Michal in der Mitteilung zitiert – ohne Details zu nennen. Auch Innenminister Igor Taro sagte, das Verhalten der russischen Grenzbeamten erfordere ständige Ressourcen und erhöhte Aufmerksamkeit seitens der Polizei und des Grenzschutzes. Durch die nächtliche Schließung der Übergänge könnte das Personal dann dort eingesetzt werden, wo es am dringendsten benötigt werde. Taro sprach mit Blick auf die Arbeitsbelastung an den estnisch-russischen Grenzübergängen zudem von einem „logischen Schritt“. Demnach sei die Zahl der Grenzübertritte in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen und werde voraussichtlich auch nicht wieder das frühere Niveau erreichen. 2025 haben den Angaben zufolge etwa 1,08 Millionen Menschen die Grenze überquert - fast fünfmal weniger im Vergleich zu den 5,3 Millionen Menschen im Jahr 2018. Das größte Aufkommen dabei wurde in Narva verzeichnet.