FAZ 01.03.2026
20:32 Uhr

Krieg in der Ukraine: Selenskyj: Haben schwierigen Winter überstanden


Selenskyj: „Kein Volk hat solche Prüfungen durchgemacht“ +++ Ukraine: Russland würde US-Sicherheitsgarantien akzeptieren +++ Vier Tote nach russischen Angriffen in der Nordostukraine +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Selenskyj: Haben schwierigen Winter überstanden

Ukraine greift russische Flottenbasis anBei ukrainischen Drohnenangriffen in der russischen Hafenstadt und Flottenbasis Noworossijsk sind offiziellen Angaben nach fünf Personen verletzt worden. Acht Wohnblocks und neun private Wohnhäuser seien bei der Attacke beschädigt worden, schrieb der Gouverneur von Krasnodar, Wenjamin Kondratjew, auf Telegram. Er rief die Bürger dazu auf, weiterhin Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Die Behörden riefen in Noworossijsk den Notstand aus.Derweil berichtete das unabhängige Portal „Astra“ von einem Brand im Ölterminal Schechsaris im Süden von Noworossijsk. Dieser sei mutmaßlich durch die Drohnenangriffe hervorgerufen worden, hieß es. Schechsaris gilt als strategisch wichtiges Terminal für Russland, um Öl und Ölprodukte auzunehmen, zu lagern und zu verschiffen. Es spielt eine wichtige Rolle beim Ölexport über das Schwarze Meer. Ukrainische Drohnen hatten Schechsaris bereits im November 2025 bei einem Angriff auf eine Militärbasis in Hafennähe beschädigt. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete den Abschuss von 172 Drohnen in der Nacht. 67 davon seien über dem Schwarzen Meer, 66 über dem südrussischen Gebiet Krasnodar abgeschossen worden. 

Belgien entert Tanker der SchattenflotteBelgien hat einen Öltanker der russischen ​Schattenflotte beschlagnahmt. „In den letzten Stunden haben unsere Streitkräfte ⁠mit Unterstützung des französischen Verteidigungsministeriums einen Öltanker der russischen Schattenflotte geentert“, schrieb der belgische Verteidigungsminister Theo Francken ‌am frühen Sonntagmorgen in einem Beitrag auf der Plattform X. Das Schiff werde derzeit zum Hafen von Zeebrügge eskortiert. ‌Es bestehe ‌der Verdacht, dass es unter falscher Flagge und mit gefälschten Dokumenten fahre, erläuterte der Minister gegenüber Reuters.Mit der ​Schattenflotte wird versucht, ⁠westliche Sanktionen gegen Russland wegen der Invasion der Ukraine zu umgehen. Die Besitzverhältnisse ​der Schiffe sind in der Regel ungeklärt. Zudem ⁠handelt es sich ‌oft um veraltete Tanker, die eine Bedrohung für die Umwelt darstellen können. „Ohne seine Schattenflotte kann (der russische ⁠Präsident Wladimir) Putin keinen ⁠Krieg gegen unschuldige Ukrainer führen. Deshalb setzen wir ⁠diese ​Schiffe außer ⁠Gefecht. Eines nach dem ​anderen. Bis sein Angriffskrieg beendet ist“, ‌sagte Francken. 

Ukraine: Russland würde US-Sicherheitsgarantien akzeptierenRussland hat nach ‌ukrainischer Darstellung zugesagt, den Vorschlag der USA für Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach dem ‌Krieg ‌zu akzeptieren. „Bei den letzten Gesprächen erklärte die russische Seite beispielsweise, dass sie die Sicherheitsgarantien ​akzeptieren würde, die ⁠die Vereinigten Staaten der Ukraine angeboten haben“, sagt der Stabschef ​des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo ⁠Budanow, im ukrainischen Fernsehen. ‌Welche Garantien das sind, bleibt zunächst offen. Die jüngsten Gespräche in ⁠Genf hatten keinen Durchbruch ⁠gebracht und wurden von beiden Seiten ⁠als ​schwierig bezeichnet. ⁠Die USA hatten ​indes von „bedeutenden Fortschritten“ gesprochen. Selenskyj ‌hat wiederholt erklärt, er stehe unter zunehmendem Druck ​der USA, Zugeständnisse ​zu machen.

Vier Tote nach russischen Angriffen in der NordostukraineIn der grenznahen nordostukrainischen Region Sumy sind infolge russischer Angriffe mindestens vier Zivilisten getötet worden. Zwei Frauen und zwei Männer seien in Orten der Gemeinden Jampil und Woroschba umgekommen, teilte Militärgouverneur Oleh Hryhorow auf Telegram mit. Vier weitere Menschen wurden den Angaben nach verletzt. Insgesamt sind demnach innerhalb des vergangenen Tages 30 Siedlungen mehr als 100-mal beschossen worden. Zivile Gebäude und Infrastruktur seien beschädigt worden. 

Mehr als vier Jahre Krieg in der Ukraine haben nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj auch Auswirkungen auf dessen Familienleben. „Während des Krieges bin ich nicht der beste Vater“, sagte Selenskyj in einem Interview des britischen Senders Sky News. Er habe nicht allzu viel Zeit für seine Kinder. „Ich bin der Präsident der Ukraine, ich vergleiche meine Arbeit nicht“, sagte Selenskyj demnach weiter. Er habe seine Pflicht gewählt. 

Im Streit um Öllieferungen aus Russland haben der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der slowakische Regierungschef Robert Fico ein Treffen vereinbart. Bei einem Telefonat lud Selenskyj Fico nach Angaben seines Büros in die Ukraine ein. Fico erklärte, er habe die Einladung angenommen. Ein Termin für das Treffen wurde zunächst nicht genannt.

Polens Parlament macht den Weg für EU-Rüstungskredite freiDas Parlament in Polen hat ein Gesetz zur Umsetzung des EU-Rüstungsprogramms Safe gebilligt. Die EU stellt 150 Milliarden Euro günstiger Kredite für Rüstung vor Verfügung, Polen soll mit knapp 44 Milliarden Euro größter Nutznießer sein. Bevor das erste Geld fließen kann, muss allerdings der rechtskonservative Staatschef Karol Nawrocki das Gesetz unterschreiben – und der blickt mit Skepsis auf das europäische Programm.Ministerpräsident Donald Tusk betonte, seine Regierung wolle mehr als 80 Prozent der EU-Gelder in Aufträge für polnische Rüstungskonzerne stecken. „Dies ist nicht nur ein großes Programm zur direkten Finanzierung der polnischen Armee, sondern auch ein großer Schub an Möglichkeiten, Geld und Technologie für die polnische Rüstungsindustrie und alle Kooperationspartner“, sagte Tusk. 

Arcelor Mittal schließt Werk wegen Energiekrise Wegen der anhaltenden Energiekrise stellt der Stahlhersteller Arcelor Mittal Kryvyi Rih den Betrieb in einem weiteren Werk ein. Betroffen sind die Gießerei und die mechanische ⁠Werkstatt, die in drei Monaten geschlossen werden sollen, wie die Tochtergesellschaft von Arcelor Mittal mitteilt. Als Hauptgrund nennt das Unternehmen die extrem hohen Stromkosten infolge des Krieges. Dies habe die Produktionskosten deutlich in die Höhe getrieben und die wirtschaftliche Fertigung von Stahlprodukten weiter erschwert. Russland hat zuletzt seine Angriffe auf den ukrainischen Energiesektor verstärkt, was die Regierung in Kiew zur Stromrationierung für die ‌Industrie und zu höheren Importen aus der EU zwingt. 

Vermutlich 55 Ghanaer im Fronteinsatz für Russland in der Ukraine getötetImmer wieder werden Afrikaner von Russland für den Angriffskrieg gegen die Ukraine angeboten. Nun sind laut ghanaischem Außenminister vermutlich 55 Ghanaer im Fronteinsatz für Moskau getötet worden. Dies teilte Sam Okudzeto Ablakwa am Freitag nach einem Besuch in Kiew mit. Sein ukrainischer Amtskollege Andrij Sybiha habe ihn über die Todesopfer informiert. Insgesamt seien wohl 272 Ghanaer „in den Krieg gelockt worden“, zwei davon befänden sich nun in Kriegsgefangenschaft. Die Informationen seien „bedrückend und beängstigend“, fügte Ablakwa an. Ghana könne seine Augen vor diesen „erschütternden Zahlen“ nicht verschließen. Seine Regierung sei „entschlossen, alle illegalen Rekrutierungsprogramme im Dark Web, die innerhalb unserer Zuständigkeit betrieben werden, aufzuspüren und zu zerschlagen“.Die Ukraine hatte am Mittwoch mitgeteilt, sie habe mehr als 1780 Bürger aus 36 afrikanischen Staaten in den Reihen der russischen Streitkräfte ausgemacht. Nach Südafrika waren erst in dieser Woche 15 Männer zurückgekehrt, die Berichten zufolge zum Kampfeinsatz gezwungen worden waren. Laut dem südafrikanischen Außenministerium wurden mindestens zwei Staatsbürger in der Ukraine getötet.Die F.A.Z. hatte kürzlich mit dem Vater eines ghanaischen Kriegsgefangenen gesprochen. Dieser war offenbar mit einem gut klingenden Jobangebot an die Front gelockt worden. Nun sitzt er in einem ukrainischen Gefängnis. Den Text meiner Kollegin Claudia Bröll lesen Sie hier: 

Selenskyj lädt Fico einIm Konflikt um Energielieferungen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag mit dem slowakischen Regierungschef Robert Fico telefoniert. Der Präsident der Ukraine lade Fico „in die Ukraine ein, um alle Themen zu besprechen“, teilte das Büro von Selenskyj mit. Die Slowakei ist weiter von russischen Ölimporten abhängig und wirft der Ukraine vor, Reparaturen an der Druschba-Pipeline zu verzögern.Die Druschba-Pipeline leitet normalerweise russisches Öl durch ukrainisches Territorium nach Ungarn und die Slowakei. Die Pipeline war nach ukrainischen Angaben bei Angriffen der russischen Armee beschädigt und deshalb stillgelegt worden. Sowohl Ungarn als auch die Slowakei haben deshalb ihre Ölreserven angezapft.Fico sagte nach dem Telefonat, er habe den „klaren Eindruck“, dass die ukrainische Seite an der Wiederaufnahme des Öltransits ⁠nicht interessiert sei. Selenskyj habe deutlich gemacht, dass die Reparatur der Ölleitung Zeit in Anspruch nehmen werde, teilte Fico mit. Eine Inspektion der Pipeline habe Selenskyj abgelehnt. 

Kreml bestätigt Pläne für DreiertreffenNach getrennten Gesprächen der ukrainischen und russischen Seite mit amerikanischen Gesandten in Genf in dieser Woche hat der Kreml Vorbereitungen für neue trilaterale Verhandlungen bestätigt. Eine neue Verhandlungsrunde sei geplant, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge. Sobald es eine Einigung auf einen Termin und Ort gebe, werde darüber informiert. Zugleich beklagte er: „Bisher sind keine nennenswerten Veränderungen der Positionen des Kiewer Regimes festzustellen.“Zuvor hatte die ukrainische Seite Gespräche für Anfang März in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, angekündigt. Der Kiewer Verhandlungsführer Rustem Umjerow hatte am Donnerstag dazu in Genf Gespräche unter anderem mit dem amerikanischen Chefunterhändler Steve Witkoff geführt. „Wir arbeiten am Abschluss der Sicherheitsparameter, wirtschaftlicher Lösungen und einer Abstimmung der Positionen, welche die Grundlage für weitere Einigungen bilden“, teilte er bei Telegram mit.

Ukraine hofft auf eigene FlugabwehrsystemeAngesichts ausgehender Patriot-Munition erwägt die Ukraine nach Angaben von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow die Bildung von Konsortien mit Verbündeten zum Bau eigener Flugabwehrsysteme. Ziel sei die Herstellung von Waffen, die ballistische Raketen abfangen ‌könnten. Die Bestände an PAC-3-Raketen für das amerikanische Flugabwehrsystem Patriot seien inzwischen „kritisch“ niedrig. Fedorow machte die Äußerungen in dieser Woche vor Journalisten. Ob bereits entsprechende Gespräche mit Verbündeten stattgefunden haben, ist zunächst nicht klar. 

Kreml weist Drohnen-Vorwürfe als „absurd“ zurückDer Kreml hat Vorwürfe von schwedischer Seite als „absurd“ zurückgewiesen, wonach eine Drohne in der Nähe eines französischen Flugzeugträgers eine russische Drohne gewesen sei. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Freitag in Moskau, die schwedischen Aussagen zu der Drohne bezögen sich allein darauf, dass ein russisches Schiff in der Nähe gewesen sei. „Diese Erklärung ist völlig absurd“, fügte Peskow hinzu, der nach eigenen Angaben keine „Details“ zu dem Vorfall kennt.Die schwedische und französische Armee hatten am Donnerstag mitgeteilt, dass in schwedischen Gewässern nahe des französischen Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“ eine verdächtige Drohne gesichtet worden sei. Der Flugkörper wurde demnach am Mittwoch in mehreren Seemeilen Entfernung von der im Hafen von Malmö ankernden „Charles de Gaulle“ entdeckt und von schwedischen Abwehrsystemen in seinem Betrieb gestört. Der schwedische Verteidigungsminister Pal Jonson sagte, die Drohne sei „wahrscheinlich“ russischer Herkunft. Jonson begründete diese Vermutung damit, dass sich zum Zeitpunkt des Drohnen-Zwischenfalls ein russisches Militärschiff in der „unmittelbaren Umgebung“ befunden habe. 

Rumänien: Ukraine schießt Drohne in Grenznähe ab Die Ukraine hat nach Angaben aus Bukarest eine Drohne in unmittelbarer Nähe zur rumänischen Grenze abgeschossen. Der Flugkörper sei während eines russischen Angriffs auf ukrainische Hafen-Infrastruktur nur 100 Meter vom rumänischen Dorf Chilia Veche entfernt niedergegangen, teilte das Verteidigungsministerium am Freitag mit. Rumänien ​habe Kampfflugzeuge aufsteigen lassen, um die Lage zu ⁠beobachten. Das NATO-Mitglied hat bereits mehrfach Verletzungen seines Luftraums durch russische Drohnen gemeldet.