FAZ 22.01.2026
21:40 Uhr

Krieg in der Ukraine: Selenskyj: Habe mich mit Trump auf Sicherheitsgarantien geeinigt


Ukrainischer Präsident: „Das Thema ist erledigt“ +++ Witkoff und Kushner zu Gesprächen im Kreml eingetroffen +++ Trilaterale Gespräche zwischen USA, Ukraine und Russland in den Vereinigten Arabischen Emiraten geplant +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Selenskyj: Habe mich mit Trump auf Sicherheitsgarantien geeinigt

Donald Trump zufolge streben sowohl der russische Präsident Wladimir Putin als auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj eine Einigung zur Beendigung des Krieges an. Beide hätten gesagt, sie wollten einen „Deal“ machen, sagt Trump an Bord der Air Force One. ​Er hatte Selenskyj zuvor am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos in der Schweiz getroffen. 

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff ist im Kreml von Russlands Präsident Wladimir Putin empfangen worden. Die Gespräche haben begonnen, wie der Kreml auf seinem Telegramkanal mitteilte. Zuletzt hatte der Kremlchef den Vertrauten von Donald Trump Anfang Dezember empfangen. Die Gespräche damals hatten fünf Stunden gedauert, aber keinen Durchbruch gebracht. Witkoff wird diesmal in Moskau erneut von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner begleitet. Die beiden waren schon im Dezember gemeinsam zu Gesprächen im Kreml. Für Witkoff ist es bereits der siebte Russland-Besuch als Sondergesandter. Der 68-Jährige soll eine Lösung für die Beendigung des nunmehr fast vier Jahre währenden russischen Kriegs in der Ukraine vermitteln.

Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sind zu Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau eingetroffen. Thema ist ein Friedensabkommen für die Ukraine. Die Gesandten kommen aus der Schweiz, wo sie ukrainische Vertreter getroffen haben. 

Der finnische Präsident Alexander Stubb sieht die Lage im Ukraine-Krieg aus westlicher Sicht auf einem guten Weg. Donald Trump übe großen Druck auf Russland aus, sagt Stubb in einem Interview mit ​der Nachrichtenagentur Reuters am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. „Ich denke, Präsident Trump übt großen Druck auf Russland aus, und ich hoffe, er macht damit weiter.“ Stubb zeigt sich optimistisch mit Blick auf einen 20-Punkte-Plan, der Sicherheitsgarantien für die Ukraine und den Wiederaufbau des Landes umfasse. Er sei jedoch nicht überzeugt, dass Russland den Plan aus innenpolitischen Gründen annehmen werde. 

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat die Beschlagnahmung eines Öltankers bekannt gegeben. Macron zufolge enterte die französische Marine am Morgen ein von Russland kommendes Schiff, das unter internationalen Sanktionen stehe und „unter falscher Flagge“ fahre. Die Operation habe im Mittelmeer stattgefunden. 

Vertreter der USA, der Ukraine und Russlands wollen nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über Bedingungen für ein Ende des Ukrainekrieges reden. Die Gespräche sollen an diesem Freitag und Samstag in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden, wie Selenskyj auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer Alpenort Davos sagte. 

Selenskyj geht mit den Europäern in seiner Rede hart ins Gericht. Der Kontinent müsse endlich lernen, sich selbst zu verteidigen. Nur auf diese Weise könne aus Europa eine echte Macht werden.  Selenskyj kritisiert auch die europäische Reaktion auf Trumps Grönland-Forderungen: „Wenn man 40 oder 50 Soldaten nach Grönland schickt, welche Botschaft sendet das? Welche Botschaft sendet das an China, Russland und vor allem an Dänemark – euren wichtigen Alliierten. Ihr riskiert, nicht ernst genommen zu werden.“ Die Ukraine könne mithelfen, wenn es um russische Schiffe in der Nähe von Grönland geht. „Wir können sie vor Grönland versenken, wie wir sie auch in der Nähe der Krim untergehen lassen.“Der ukrainische Präsident bezeichnet Europa als „schönes, aber fragmentiertes Kaleidoskop von Mittelmächten“. Das größte Problem der Europäer sei das eigene Mindset. Man müsse nun handeln, zur See, in der Luft und an Land, um eine neue Weltordnung zu formen. Nur so könne aus dem „Salat aus Mittelmächten“ eine Großmacht werden. „Denn wenn Europa vereint ist, ist es unschlagbar.“ Die gegenwärtigen Herausforderungen seien auch eine Bedrohung für den europäischen „Way of Life“. Europa müsse nun eine bessere Welt erschaffen, eine Welt ohne Krieg. „Dafür braucht es aber Stärke.“  Gegen Ende nimmt Selenskyj Bezug auf den Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ von 1993. Lasst uns diesen „Groundhog Day“ (Originaltitel) beenden, sagt Selenskyj in Anspielung auf die immer gleichen Debatten. „Und ja, es ist möglich.“

Sobald ein Waffenstillstand in Kraft trete, werde es ausländische Truppen auf ukrainischem Boden geben, sagt Selenskyj. Man werde alles dafür tun, damit die „Koalition der Willigen“ zu einer „Koalition der Handlung“ wird. Man brauche aber Präsident Trump für Sicherheitsgarantien. Dann kritisiert Selenskyj die Europäer. „Warum kann Trump Öltanker stoppen, und die Europäer bekommen das nicht hin?“ Wenn Putin kein Geld mehr habe, könne er seinen Krieg auch nicht fortsetzen. Selenskyj fordert: „Europa braucht starke und vereinte Truppen.“

„Es ist das vierte Jahr des größten Krieges in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Selenskyj. Putin versuche noch immer, die beschlagnahmten Gelder zurückzubekommen. Zum Glück habe die EU sich dafür entschieden, das Geld einzufrieren.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht nun auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. 

Deutschland weist im Zusammenhang mit der Festnahme einer mutmaßlichen Spionin für Russland ein Mitglied der russischen Botschaft in Berlin aus. Das teilte Außenminister Johann Wadephul (CDU) am Rande eines Besuches in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba mit. Bei dem ausgewiesenen Diplomaten handelt es sich um den stellvertretenden Militärattaché Andrej M, wie das Magazin „Spiegel“ berichtet. Er muss das Land nun innerhalb von 72 Stunden verlassen. Die Bundesregierung hatte den russischen Botschafter Sergej Netschajew einbestellt. Dem Botschafter sei mitgeteilt worden, dass ein in dem Fall Verdächtiger ausgewiesen worden sei, der „im Auftrag von Russland spioniert hat“, teilte das Auswärtige Amt am Donnerstag mit. „Spionage in Deutschland toleriert die Bundesregierung nicht – erst recht nicht unter dem Deckmantel des Diplomatenstatus“, teilte das Auswärtige Amt mit. Daher sei der Botschafter einbestellt und über die Ausweisung informiert worden.Die mutmaßliche Spionin war am Mittwoch festgenommen worden. Ilona W. wird nach Angaben der Bundesanwaltschaft vorgeworfen, für einen Geheimdienst einer fremden Macht tätig gewesen zu sein. Sie sollte dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs zur Entscheidung über die Untersuchungshaft vorgeführt werden. W. soll spätestens seit November 2023 geheimdienstliche Kontakte in die russische Botschaft in Berlin unterhalten haben. Zwei frühere Mitarbeiter der Bundeswehr stehen im Verdacht, ihr dienstliche Informationen gegeben zu haben.

Ein Sprecher des ukrainischen Präsidenten bezeichnete das Treffen mit Trump als „gut“. Wie viele Minuten es gedauert hat, habe man aber nicht mitgezählt.

In Davos beginnt jetzt nach Angaben der Regierung in Kiew das ​Treffen von US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj. 

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben das russische ​Ölterminal Tamanneftegas in der südlichen Region Krasnodar angegriffen. Der Generalstab nennt keine weiteren Einzelheiten, erklärt aber, die Anlage liefere Treibstoff an die russische Armee. Eine Stellungnahme Russlands liegt zunächst nicht vor.